Hier kommen ein paar meiner Highlights aus dem Januar, die ich noch gerne mit euch teilen möchte.


Die ersten Monate hier waren zwar nicht ganz so leicht, aber dafür wurden wir jetzt belohnt: Benin weiß, wie man feiert! Vom 08.01.26 bis zum 10.01.26 haben in Ouidah die Vodun Days 2026 stattgefunden. Hierbei handelt es sich um ein Kultur- & Spiritualitätsfestival, wobei Benins Rituale, traditionelle Tänze, Musik, Prozessionen und Konzerte auf dem Programm standen. Besser konnten wir also nicht in Benins Kulktur eintauchen. Das Festival war verteilt in ganz Ouidah, also ein Teil in der Stadt und der andere am Strand. Besonders beeindruckend fand ich die große Zeremonie am letzten Tag des Festivals, wo noch einmal alle „Geister“, wie zum Beispiel „Zangbéto“ oder „Egungun“, präsentiert wurden. Diese fand im Stadion von Ouidah statt (wohl das schönste Stadion, wo ich je war: Aussicht aufs Meer, Palmen im Blickfeld,…). Dieses Jahr kamen über 740.000 Besucher aus Europa, Amerika und Afrika extra für das Festival nach Benin. Ein Grund für hohe Besucherzahl ist wahrscheinlich, dass das ganze Festival komplett vom Staat übernommen wird – das Festival war also kostenlos. Auch Transportmittel wie Busse und Taxen waren kostenlos. So konnte man alles ziemlich einfach erkunden. Neben den ganzen Traditionen gab es Strandkonzerte, DJs, Kunst, Essen und Märkte. Die perfekte Mischung! Mein kleines persönliches Highlight an diesem Wochenende war auf jeden Fall der Roadtrip, der spontan mit den anderen Freiwilligen von Volunta entstanden ist. Dadurch, dass Père Arnaud ein Auto besitzt, hat er uns angeboten, dass wir selber zu dem Festival fahren können. Da ich die einzige von uns mit einem internationalen Führerschein war, wurde ich also hinters Steuer gesetzt. Im Verkehr von Cotonou zu fahren war wirklich was ganz anderes, als in der Innenstadt von Bottrop zu fahren. Die Motos überall sind leicht zu übersehen! Umso schöner war die Route von Cotonou nach Ouidah: 2h am Strand entlang, auf jeden Fall die schönste Straße, die ich je selbst gefahren bin. Das Festival ging bis spät in die Nacht, also fuhren wir auch erst spät zu unserer Unterkunft, die Père Arnaud für uns klargemacht hat, mitten am See Irgendwo im Niergendwo.

Zurück in der Realität angekommen hieß es für Marlene und mich erstmal, eine gute Routine aufzubauen. Die nächsten Wochen bestanden also darin, viel mit den Kindern zu spielen, Armbänder zu knüpfen und quatschen. Ich fuhr morgens immer mit Arnaud nach Catchi in die andere Einrichtung, um dort Zeit mit den Jungs verbringen zu können.

Am Wochenende vom 23.01. bis zum 25.01. ging es für uns nach Dassa etwas weiter im Norden von Benin. Dort fuhren wir ca. 5h mit demTaxi hin. Oscar, Emmi, Edwin und Mira vervollständigten unsere „Reisetruppe Yovos“. Unsere Zeit in Dassa bestand hauptsächlich aus einer großen Wanderung auf einem Berg mit einem sehr lustigen Tourguide, der uns verschiedene Früchte wie Baobab und einen Cashewbaum mit seinen Nüssen zeigte und uns ganz viel über die Geschichte von Dassa erzählte. Nach der Wanderung gönnten wir uns alle das Angebot vom Hotel: eine Ganzkörpermassage für 10€! Am letzten Tag wurde der Pool sehr gut ausgenutzt, wir aßen Fufu und dann ging es nach einer viel zu langen Autofahrt wieder nach Hause.

Am 29.01. hab ich mir das erste mal Braids machen lassen! Der Prozess war extrem anstrengend. Ich saß 4h lang auf einem Stuhl, insgesamt haben 9 Frauen gleichzeitig an meinem Kopf rumgeflochten und meine Kopfhaut hat super dolle gezogen. Als ich endlich aus dem Friseur rauslief, war es bereits dunkel. Die Kinder waren begeistert von den neuen, langen Haaren und nannten mich „beninoise“ (Beninerin). Als ich dann allerdings schlafen gehen wollte, tat mein Kopf so doll weh unter der Spannung der Braids, dass ich doch tatsächlich eine Ibu nehmen musste. Vertraut mir, ich übertreibe nicht! Am nächsten Tag ging ich wie immer spazieren, aber es war erschreckend, wie die Leute jetzt auf mich reagierten. Ich war es bereits gewohnt, von allen Seiten „Yovo“ (Weiße) genannt zu werden und aufzufallen. Aber irgendetwas war anders. Als ich an meinem Stammstand einen kleinen Einkauf machen wollte, kam ein Mann und hielt mich ziemlich fest an meinem Arm, ich konnte seinem Griff nicht entkommen. Er wollte mich heiraten und nannte mich Göttin. Erst, als eine Frau sah, dass ich mich offensichtlich unwohl fühlte, kam sie zu mir und half mir, sagte dem Mann auf Fon, dass das gar nicht geht und er mich loslassen sollte. Und als mich dann auch noch ein Mann bis nach Hause verfolgte und mir die ganze Zeit hinterherrief, wurd mir alles etwas zu viel. Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass Braids so einen Unterschied machten. Da ich die nächsten Tage so wenig wie möglich rausging, um so etwas nicht noch mal zu erleben, entschied ich mich, die Braids nach 4 Tagen rauszumachen. Bin trotzdem froh, dass ich Braids mal für mich ausprobiert habe.