Bonne année 2026 à touts et à toutes!
Nun ist mein letzter Blogeintrag mal wieder ziemlich lange her, also wirds Zeit für mein Update (ich freu mich auch immer über Neuigkeiten von Euch!).

Montag, 22.12.: Die Ferien der Kinder begannen tatsächlich mit einem Fest: Der „Tag des beninischen Kindes“ fand statt. Marlene und ich wussten relativ wenig vorher, was genau angeht. Aber dadurch trainieren wir wenigstens unsere Spontanität:) Zur Feier des Tages kamen ziemlich viele Kinder des Stadtteils und auch Institutionen wie Schulen waren eingeladen. Unser Saal auf dem Gelände war völlig überfüllt mit Kindern. Marlene und ich wurden Zeugen von einem Quiz zum Thema Kinderrechte, wo bei jeder richtigen Antwort Süßigkeiten verteilt wurden. Es gab ganz viele Aufführungen und Sketche, die Marlene und ich wie stolze Mütter mit lautem Applaus unterstützten. Schließlich haben wir den Kindern seit Mitte November dabei zugeguckt, wie sie die Tänze und Gesangeinlagen einstudierten. Marlene und ich hatten beide ein dickes Fragezeichen im Gesicht, als uns plötzlich jemand ein Baby in den Arm drückte. Wir wussten nicht, von wem es war oder wie es hieß. Aber anscheinend war die Mutter anders beschäftigt, also halfen wir gerne aus. Anschließend gab es noch einen Snack, den ich hier sehr zu lieben gelernt habe: frittierte Teilchen mit Ei und Fisch im Inneren. Noch viel leckerer sind allerdings die selbstgemachten Säfte. Besonders angetan hat es mir der „Jus de bissap“, also „Hibiskussaft“. Den kann man hier an jeder Ecke kaufen, ob gefrohren oder bloß gekühlt -traumhaft. Die Kinder fanden es ziemlich lustig, mein Handy zu nehmen und meine Gallerie mit Fotos und Videos zu füllen. Dabei kamen einige sehenswürdige Aufnahmen raus, die ich im Nachhinein ersteinmal sortieren musste.

24.12.25: Über Weihnachten bekamen wir Besuch von den anderen Freiwilligen vom Deutschen Roten Kreuz (Volunta) aus Calavi, die mittlerweile sehr wichtig gewordene Freunde sind. Da wir alle nur mäßig (bis gar nicht) in Weihnachtsstimmung auf Grund der herrschenden 30 Grad waren, machten wir uns einen gemütlichen Abend mit Weihnachtsmusik. Gewichtelt haben haben wir auch und dann ging es, schick und fertiggemacht in frischen Hemden, in die Messe auf dem Campus. Laut wirbelten die Ventilatoren, die erstaunlich wenig Luft auf uns wirbelten. Uns war super heiß. Der Schweiß lief ununterbrochen und es war alles andere als die typische Weihnachtsmesse wie zu Hause. Naja, im Grunde war es schon das gleiche. Das gleiche Prozedere, die gleiche Krippe (wenn man die mehr an ein Rave als an Weihnachten erinnernden Lichterketten weglässt). Aber es war irgendwie doch nicht das selbe. An Weihnachten schwitzen? Da passt doch was nicht zusammen… Nach der Messe, in der wir Freiwilligen lebend gebraten worden sind, spielten wir mit den Kindern auf dem feierlich erleuchteten Hof. Kinder auf meinem Rücken. Kinder an meiner Hand. Kinder überall. Auch Emmi, Edwin, Oscar, Marlene und Mira waren umringt von Kindern. Ich lächelte in mich hinein, denn ja. Endlich bin ich richtig angekommen.

25.12.25: Der nächste Tag beinhaltete einige Überraschungen, da hier der Hauptfeiertag der 25.12 und nicht wie bei uns der 24.12. ist. So saßen Marlene und ich morgens wieder in der Kirche und danach ging die ganze Gemeinde inklusive Band vom Gelände. Marlene und ich hatten, wie so oft, keinen Plan, was gerade passiert, aber was kann schon schiefgehen? Also gingen wir mit, folgten der „Caravane“ die Straße runter, nach rechts, links, wieder rechts. Stopp. Anhalten vor einer Haustür. Hä? Die Trompeter gaben nochmal ihr Bestes, und auch die Posaune wurde erstaunlicherweise noch lauter, bis die Tür des Hauses endlich aufging. Wir gingen (mit locker 30 Leuten) in den kleinen Hof. Nach dem Lied applaudierten die Hausbewohner und hielten etwas hoch in die Luft. Warte, was? Das sind 2 Sangriaflaschen. Dann wurd mir einiges klar. Diese „Caravane“ war wie Halloween oder Sternensinger. Oder sowas in der Art. Wir zogen weiter um die Häuser, klatschten und sangen und lachten. Alle gekleidet in dem selben Stoff. Kleider in grün, Hosen in grün, Hemden in grün. Laufende Tannenbäume, dachte ich mir. Nach diesem kleinen Ausflug ging es zurück zum Campus und wir verabschiedeten und von unserem Besuch.
Dieses Weihnachten fühlte sich anders an. Aber das war mir klar. Von Anfang an wusste ich, dass Weihnachten 2025 anders sein wird. Mal zu sehen, wie Weihnachten auf einem anderen Kontinent gefeiert wird. Natürlich habe ich meine Familie vermisst; die Traditionen, die jedes Jahr vollbracht werden; die Magie, die überall spürbar ist, weil alle aus meiner Familie (diesmal sogar mein Cousin aus Australien) sich zu dieser Zeit auf den Weg nach Hause, Bottrop, machen. Das große Wiedersehen. Alle da. Außer ich. Aber das hat mir auch etwas bewusst gemacht. Weihnachten ist nicht besonders wegen den Geschenken, die man bekommt. Die Menschen sind es, die Weihnachten so besonders machen. Und dieses Weihnachten war ich auch umgeben von besonderen Menschen. Menschen, die mir in so kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen sind.

27.12.25-28.12.25: Für uns ging es nach dem Weihnachtsfest direkt weiter, da wir Weihnachtsferien hatten. Ein Event wartete auf uns, auf das wir schon lange Vorfreude spürten: das „Weloveya“ Festival. Für gerade mal 15€ konnten wir das Festival ganze zwei Tage lang besuchen. Die insgesamt 40 Künstler, die dort auftreteten, lockten 200.000 Besucher an. Damit wir ja einen guten Platz erwischten, wollten Marlene und ich etwas vor dem Einlass vor Ort sein. Wir sind beide nicht unerfahrene Festivalgänger, weshalb wir dachten, das wäre eine schlaue Idee. Naja, wir hätten mal mit einplanen sollen, dass die Beniner das mit den im Internet angegebenen Uhrzeiten nicht ganz so streng sehen. Der „Place de l’Amazone“ war noch alles andere als Festival bereit: Die Essensstände wurden gerade aufgebaut, Graffiti wurde an alles mögliche gesprüht, Bänke und Tische wurden aufgebaut. Es gab noch nicht mal eine Schlange, in der sich die Superfans bereits anstellten, die Marlene und ich erwartet haben. So hatten wir also etwas Zeit, Mittagsschlaf in der Sonne zu machen und Karten zu spielen. Das war im Nachhinein mal wieder eine nicht ganz so schlaue Idee von uns, denn so holte Marlene sich noch einen Sonnenstich. Aber sie hielt durch, als es endlich in die Schlange ging, wo die anderen Freiwilligen bereits auf uns warteten, sammelten wir letzte Kräfte und dann … mussten wir weitere 5 Stunden auf den ersten Künstler warten. Merke: Beniner haben es nicht eilig. Immerhin hatten wir hervorragende Plätze, ganz vorne am Gitter direkt neben den bereits erwähnten Superfans. Im Gegensatz zu uns kannten sie nämlich jedes einzelne Lied mit jedem einzelnen Wort. Ich kannte immerhin 5 Lieder, mein Highlight war zu 100% der Auftritt von GIMS. Die Stimmung war so elektrisierend, dass ich selbst nach diesen 17 Stunden wach sein noch mal einen Adrenalinschub bekam. Aber als wir um 7 Uhr in der WG der anderen Volunta Freiwilligen ankamen und es schon wieder hell wurde, war ich doch ganz froh über meine Isomatte in Emmis Zimmer. Den nächsten Tag gingen wir etwas später an (wir schliefen bis 19 Uhr). Der Festivalabend bestand hauptsächlich daraus, mit Emmi zu testen, wo es die günstigsten Drings gab, wer bessere Fotos vor der extra dafür vorgesehenen Fotokulisse schießen konnte und was ein kostenloser Friseur zu uns sagen würde, wenn wir zu ihm sagen, dass er etwas mit unseren Haaren machen soll – 2 Augenbrauencuts waren das Ergebnis. Der Abend war wirklich so random, dass ich mit einem Lächeln auf der Isomatte eingeschlafen bin.

Silvester verbrachten wir – was eine Überraschung – in Calavi in der Wg. Nach dem Abendessen schlüpften wir un unsere Rollen. So begann das Krimidinner. Emmi war plötzlich mein Freund, Edwin ein italienischer Türsteher, Oscar eine Dame, Marlene die Witwe und Mira ein Italiener. Nach hitzigen Disskusionen hätte keiner von uns gedacht, dass die Witwe höchstpersönlich ihren Ehemann umgebracht hatte. Anschließend machten wir uns bereit, Silvester zu feiern. Doch auch das war ganz anders als sonst. Wir zogen nämlich keine Winterjacken an, um uns draußen das Feuerwerk anzugucken. Nein. Stattdessen zogen wir Bikinis an, um zum Strand zu fahren. Wir suchten uns einen Platz aus, selbst wenn der Strand menschenseelen leer war, schmissen unsere Taschen in die Mitte. Ich blickte auf meine Uhr. 00:59 Uhr. 10. 9. 8. 7. 6. Tshirts aus. 5. 4. 3. Hosen aus. 2. 1. Frohes Neues! Wir rannten alle in Meer, das Weite, das Schwarze vor uns, rein in die Wellen des neuen Jahres. Lachen. Tränen. Umarmungen. Feuerwerk in der Ferne in Cotonou. Realisation? Nein, die kam nicht mehr. Denn alles fühlte sich so unrealistisch an an diesem Abend. Per WhatsApp Video Anruf meine große Schwester anrufen, die mit meiner Familie feiert. Zu Hause. In Winterjacke. Wir saßen noch 2 Stunden in einer Bar, bevor es für uns zurück in die WG ging.

03.01.26: Drei Tage später feierte Lotte, eine Freiwillige der Organisation Experiment, eine Hausparty bei ihrer Gastfamilie. Ihr Haus hatte zwei Dachterassen und die Musik war schon von der Hauptstraße zu hören. Dort feierten alle Freiwilligen und Freunde von Lotte das neue Jahr. Es gab eine Karaokebox, die Emmi, Marlene und ich bis aufs weiteste auskosteten, denn es war Zeit für White Girl Music! Ein paar Getränke später und alle anderen Freiwilligen gesellten sich zu uns auf die Tanzfläche. Die fragenden Gesichtsausdrücke der beninischen (und nigerianischen) Freunde von Lotte waren unbezahlbar, als wir Lieder wie „99 Luftballons“ oder „Call Me Maybe“ in die Mikrophone sangen (oder doch eher brüllten?). Der Abend war jedenfalls sehr lustig und auch hier freute ich mich am Ende umso mehr auf meine Isomatte in der WG.

Bis zum nächsten Blogeintrag,

eure Matilde<3