Von Marlene bis Benin

Fufu und Fernweh

Familienbesuch, Ostern und ein Haufen Projekte


Vom 27. Februar bis zum 19. März kamen dann meine Eltern und meine Schwester nach Benin. So schön, endlich mal wieder jemanden in den Arm nehmen zu können.
Die komplette erste Woche verbrachten wir in der Einrichtung- es gab ja auch viel zu zeigen und erzählen! Wo ich hier so lebe, wie und mit wem ich esse, die Umgebung, das Schwimmbad, Restaurants und Supermarkt, und natürlich wie die Kinder so sind, die ich nun schon seit einem halben Jahr beim Aufwachsen begleiten darf. Es war spannend, Porto-Novo nochmal durch andere Augen zu sehen, weil für mich schon alles so normal geworden ist. Was für Sachen meiner Familie so beim Spazieren auffallen, an den Kindern. Und dadurch das erste Mal auch zu merken, wo ich mich doch unbemerkt verändert habe. Wie sehr ich mich beispielsweise an die Hitze angepasst hatte. Während ich jeden Morgen normalerweise zwei Stunden laufen gehe, bat meine Familie mich nach 15 Minuten Spazieren in der Sonne zum Beispiel umzudrehen. Bei mir war das anfangs genauso. Dazu kommen die Sachen, die mir zurückgemeldet wurden, die mir selber nicht auffallen. So zum Beispiel das innige Verhältnis zu den Kindern. Das erste halbe Jahr war nicht so einfach und die Anpassung an das Leben hier hatte länger gedauert als gedacht. Dadurch bin ich noch nicht zu größeren Projekten gekommen gewesen, was mir sehr zu schaffen machte. Doch das Vertrauen und die Liebe der Kinder zu gewinnen ist zeitaufwendiger, schwieriger und vor allem aber wichtiger, als jedes Projekt. Das habe ich dann erst verstanden. Und für Projekte bleibt mir ja immer noch so einiges an Zeit.

25. Woche
An manchen Tagen haben wir Porto-Novo besichtigt (die alte Moschée, Kirchen, Märkte, Museum, Bootstour, etc.), doch die meiste Zeit haben wir mit den Kindern verbracht. Malen, Karten spielen, Hausaufgaben machen, Fußball… Meine Familie hat außerdem noch einen Schwung Spiele für die Kinder mitgebracht und auch ich hatte in Ghana noch einiges besorgt gehabt – vor allem Tischtennis und Hulla-Hoop-Reifen faszinieren die Kinder total.


Als kleines Projekt hatten sich meine Eltern ein kleines Schattenspiel ausgedacht. So bastelten wir tagelang Tiere aus Pappe mit den Kindern, spannten dann am Mittwoch, beim Geschichtenkreis ein Tuch vor das Fußballtor und erzählten mit den gebastelten Figuren ein beninisches Märchen. Die Kinder konnten sich vor Lachen kaum auf ihren wackligen Plastikstühlen halten- echt ein voller Erfolg!


Außerdem sind wir gemeinsam das Projekt „Atelier“ angegangen. Ich glaube ich hatte hier im Blog schonmal davon erzählt. In unserem Garten hier hinterm Haus gibt es ein Gebäude, dass früher ein Kunstatelier für die Kinder gewesen war. Seit mehreren Jahren ist dieses jedoch durch das eingebrochene Dach in einem unnutzbaren Zustand gewesen- oft voller Regenwasser und vollgestellt mit Möbeln. Mit vereinten Kräften putzten und räumten wir tagelang. Durch finanzielle Unterstützung aus Deutschland (DANKE, an jede/n, die/der so schnell spontan nochmal gespendet hat!!!), konnten außerdem Leute organisiert werden, um das Dach tatsächlich erneuern. Ich freue mich sehr aus heutiger Perspektive (einen Monat später) berichten zu können, dass die Kurse im Kunstatelier echt gut laufen. Ich freue mich, ein Raum für Kunst und Kreativität für die Kleinen erschaffen zu haben, den sie sehr zu schätzen wissen.

26. Woche
Nach der Zeit gab’s dann auch noch richtigen Urlaub für uns. Ein paar Tage am Strand in Grand Popo (Schildkröten-Auffangstelle und Bootsfahrt durch Mangroven), den Weltfrauentag im togolesischen Vodoo-Dorf „Togoville“, Vodoo-Markt, Sklavenhaus, Palais Lomé und Kathedrale in Lomé, zwei Tage Wandern und Wasserfall-Baden in Kpalimé (im Westen von Togo), Python-Tempel, Sacret fôret und Port de Non retour in Ouidah, Bootstour durch Ganvie und schließlich noch ein paar Strandtage in Cotonou. Ansonsten sehr viel Stadtgebummel, Zeit im Pool, Essen gehen, endlos lange Karten spielen abends und hauptsache ganz viel gemeinsame Zeit! 💕

Zum Glück war diese nach dem wunderschönen Urlaub noch nicht vorbei, da noch ein paar weitere Tage im Projekt auf uns wartete. Zu unserer Freude war das Dach des Ateliers tatsächlich fertig und wir konnten ganz viel Zeit damit verbringen, Materialien zu besorgen und den Raum richtig schön einzurichten. Ansonsten wurde wieder viel mit den Kindern gespielt. Auch die Zeit mit den Pères war sehr schön, so gab es am letzten Abend ein großes Abschiedsessen mit Geschenken und schönen Worten!


Ich bin sehr dankbar für diese gemeinsame Zeit. Überhaupt für das Privileg, dass meine Familie einfach herfliegen kann. Ich bin sehr dankbar, dass meine Motivation vom Zwischenseminar vereint mit der Schaffenslust meiner Eltern tolle Projekte hervorgebracht hat. Und Grundlagen für meine weitere Zeit. Dankbar für die neuen Sachen, die ich in Togo sehen und erleben durfte. Und vor allem aber, für ein paar Wochen nicht mehr so alleine zu sein, sich austauschen können. Und dankbar für soviel Liebe, dass Abschiede am Ende schwer sind. Danke für eure Unterstützung und dass ihr hier wart! 🫂💕

Dass meine Familie geflogen ist, ist auch schon wieder über einen Monat her jetzt- was ist seitdem alles passiert?

27. Woche
In den folgenden Tagen war ich Gott sei Dank durch die Kurse im Atlier, die damit verbundene aufwändige Planung und die Spiele-Aufsicht nachmittags gut beschäftigt und abgelenkt. Ansonsten war ich wochenends im Kirchen-Chor.

Ich bin froh, dass die Zeit mit den Kindern mittlerweile etwas geworden ist, aus dem ich Energie ziehen kann. Oft sind es auch die spontan entstehenden Situationen, die einem am meisten im Kopf bleiben. So zum Beispiel, als ich einmal mit ein paar Kindern spät abends noch auf dem Sandplatz rumgeturnt bin- Radschlag, Handstand- bis mich Frère Eli zum Essen rief. Genau an diesem Abend aßen wir ausnahmsweise bei den Prénovices. Von Kopf bis Fuß eingesandet und außer Atem saß ich am ordentlich gedeckten Tisch und habe mich gefühlt, wie ein kleines Kind. Nur, dass ich heutzutage keine Bettzeit mehr vorgeschrieben bekomme und danach noch weiterspielen durfte. Aber was heißt schon „dürfen“. Das ist ja meine „Arbeit“. Manchmal absurd.

28. und 29. Woche
Am Wochenende kamen noch zwei Freunde von Matilde aus Deutschland. Wir waren einmal essen und spielten abends manchmal Karten, ansonsten verbrachten sie jedoch einige Tage im Urlaub, also war ich wieder alleine. Die zwei Wochen waren geprägt von den ganzen Festtagen. Erst war Palmsonntag und dann ging die Osterzeit los.

Am größtes wurde der Gründonnerstag gefeiert. An diesem Tag kam nämlich der Bischof auf das Gelände, welches dadurch schon Tage vorher hergerichtet wurde. Die Messe fand draußen statt, auf dem Sandplatz war ein riesiges Zelt mit unzähligen Stühlen, sowie eine Bühne aufgebaut. Bis auf den letzten Platz waren die Stühle besetzt und sogar ein Fernsehteam war anwesend, welches die gesamte zweistündige Messe aufzeichnete. Nach einiger Zeit zogen dann bedrohlich dunkle Wolken auf. Gleich wird der zum Abendmahl bereitgestellte Wein zur Weinschorle verdünnt, dachte ich. Gleich fängt der liebe Gott im Himmel bei dieser schönen Messe vor Rührung an zu weinen. Zum Glück konnte er sich aber dann doch zusammenreißen und es fing nicht während der Messe an zu regnen. Doch wo vorbeigezogene Regenwolken sind, ist auch Wind. Und dieser rüttelte so an den Lautsprecherboxen, dass diese einen ohrenbetäubenden Beat zur Messe beitrugen. Eigentlich hätte der Bischof anfangen müssen zu rappen. Dazu passend gab es zwischendurch immer wieder Stromausfälle, was den passenden Strobo-Lichter-Effekt gab.
Im Anschluss sind wir noch zum Singen in die Kirche gegangen und abends gab es ein spektakuläres Abendessen auf unserer fein hergerichteten Dachterasse mit dem Bischof. Die Prenovices hatten ein Abendprogramm zusammengestellt mit einem kleinen Theater-Sketch, einem selbstgeschrieben Song und einer Rede. Es gab ein Catering, Musik vom DJ und das schönste war, dass die beiden Klassenbesten der Kinder bei dem Essen teilnehmen durften. So bescheiden und still habe ich die Zwei noch nie erlebt. Von all den besonderen Leckereien aßen sie nur den Reis, wie jeden Tag, und ließen sich Gottseidank letztendlich doch noch zu ein paar Keksen überreden. Der Besuch des Bischofs auf dem Gelände war scheinbar etwas sehr Großes für alle.
Auch am Osterwochenende gab es Messen ohne Ende, leider kein einziges Schoko-Osterei weit und breit.

Während den beiden Wochen habe ich zudem noch ein Projekt verwirklichen können, was ich mit schon lange vorgenommen hatte: ein Schwimmkurs als Schulferien-Programm für die Kids. Durch den Spendenkreis stehen mir 300€ zu, von denen ich mich in Cotonou mit Material, wie Schwimmflügel und -nudeln (auf französisch wörtlich übersetzt „Schwimm-Pommes“) eingedeckt hatte und den Eintritt fürs Schwimmbad zahlen kann. Dem Kurs ging einiges an Zeit für die Organisation voran, aber ich denke, es hat sich sehr gelohnt. Mit immer ungefähr 5-10 Kindern waren Père Arnaud, der mich zum Glück sehr unterstützt, und ich jeden Tag im Schwimmbad. Ganz einfach war das Projekt nicht. Manchmal war das Schwimmbad wahnsinnig überfüllt, der Bademeister machte mir nach einem abgelehnten Heiratsantrag von ihm das Leben schwer und am Ende der Woche wurden die Kinder auf die Farm geschickt. Die FSJlerin zu informieren hatte scheinbar, trotz mehrfachem Nachfragen, ob die Kinder die ganzen Ferien da sein, niemand für nötig gehalten und ohne Kinder war’s dann tatsächlich ein bisschen schwierig. Aber es hätte mich auch gewundert, wenn alles nach Plan gelaufen wäre, irgendwie habe ich mich schon daran gewöhnt. Die Kinder hatten jedenfalls sehr viel Spaß und das ist ja das Wichtigste. Außerdem bin ich mit Père Arnaud gerade am Überlegen, den Schwimmkurs regelmäßig in den Schulalltag zu integrieren, was sehr sehr cool wäre.


Durch den Schwimmkurs und dadurch, dass Matilde nicht da ist, hatte ich sehr viel Zeit mit Arnaud zu zweit, was sehr schön war. Das Coolste war, dass Arnaud mir Roller fahren beigebracht hat. Zuerst sollte ich im alten Fußballstadion ein paar Runden zum Üben fahren- am nächsten Tag machten wir dann zusammen einen Ausflug an den Strand von Porto-Novo. „Jetzt warten wir noch bis es dunkel ist und Feierabend-Verkehr gibt“, meinte Arnaud, als wir in einer Strandbar saßen und auf die Wellen blickten. „Dann hast du bei deiner ersten Fahrt direkt die volle Experience“. Dazu kam der beninische Verkehr (ob man von rechts oder links überholt, wird hier nicht so wichtig genommen), die Straßen (langsam in tiefem Sand fahren ist nicht empfehlenswert) Arnaud mit auf dem Moto zu haben und der Fakt, dass ich in Deutschland meinen Führerschein nicht einmal angefangen habe und somit im Grunde keine Ahnung von Verkehrsregeln habe. Trotzdem (oder vielleicht deshalb) hat es unglaublich Spaß gemacht mit 80 km/h 40 Minuten vom Strand nach Hause zu fahren- das mit dem Schalten und Blinken muss ich allerdings noch üben…

30. und 31. Woche
Dann war noch ein Freiwilliger zu Besuch im Projekt, ich war auf einer Geburtstagsfeier in Calavi und seit den letzten Tagen leider krank- hatte dadurch aber endlich genug Zeit zum Blogschreiben!

Morgen geht dann hier die Schule und der gewohnte Alltag wieder los.
In ein paar Wochen schau ich mir nochmal das Projekt von Gladys und Christine in Kara, in Togo an- bis dahin bin ich sehr gespannt, wie sich die angefangenen Projekte mit den Spielen und dem Atelier weiterentwickeln- ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!
Danke fürs fleißige Lesen und eure Kommentare!
Fühlt euch gedrückt,
Marlene

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Medaase paa!- Urlaub und Zwischenseminar in Ghana

  1. Opa

    Toll, liebe Marlene, dass du für uns so ausführlich und humorvoll berichtest. Wir bestaunen deinen Optimismus, und wie gründlich du alle Situationen reflektiert. Wir können von dir lernen, wie man Schwierigkeiten bewältigen kann und dann auch wieder zufrieden sein kann. Bleib gesund. Liebe Grüße Opa und Oma

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