Als Volo in Argentinien

Buenos Aires | Villa Regina Río Negro

Villa Regina wie [wiescha regina]

Nach 16 Stunden Fahrt steige ich aus dem Reisebus. Es ist ein komisches Gefühl, das man in 13 Stunden über den Atlantik und mehrere Länder geflogen ist, aber 16 Stunden braucht um in einem Land von A nach B zu kommen.

Von Buenos Aires nach Villa Regina

Die Fahrt war zwar interessant, weil hier alles ein neues Erlebnis ist, aber auch nicht überaus beeindruckend. Da wir gegen 22 Uhr des 26.09. losgefahren sind habe ich die Hälfte der Fahrt ohnehin geschlafen. Den restlichen Teil habe ich damit verbracht ein wenig die Umgebung zu beobachten. Den Großteil der Fahrt gab es da aber gar nicht so viel zu sehen. Oft sind wir auf einer unendlich scheinenden Straße entlanggefahren. Der ebenerdige Horizont flackerte, die Vegetation war von trockenem Gras sowie Büschen definiert und ab und zu kommt man an einem zurückgelassenen Grundstück vorbei.

Was die öffentliche Verkehrslage in Argentinien angeht scheint größtenteils der Bus in Frage zu kommen. Das bemerke ich bereits in Buenos Aires. Der Busbahnhof in der Hauptstadt erinnert viel mehr an einen kleinen Flughafen, in welchem sicherlich knapp hundert Bushaltestellen ihren Platz haben. Auch jede Stadt an der wir vorbeifahren hat einen kleinen Bus Terminal. Züge und Bahngleise sieht man dagegen fast keine, was aber nicht heißt, dass es diese nie gab. Recht oft sehe ich verwachsene und noch nicht demontierte Gleisabschnitte. Ein Salesianer in Buenos Aires hat mir zudem gesagt, dass Züge nur vereinzelt für Güter, aber nicht für Personentransport verwendet werden.

Die ersten Tage in Villa Regina

Gegen 15 Uhr am 27.09. kommen wir am Busbahnhof in Villa Regina an. Zunächst begeben wir uns, keine hundert Meter entfernt, zu dem Haus in welchem die, in Villa Regina tätigen, Padres wohnen. Hier empfängt uns Padre Daniel und wir können etwas zu Mittag essen. Insgesamt sind vier Padres – Padre Daniel, Padre Dydu, Padre Ángel und Padre Sabino – dauerhaft in Villa Regina tätig. Unterstützt werden sie von unzähligen DonBosco Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der ganzen Stadt.

Anschließend begleitet uns Padre Daniel zu unserer Unterkunft für das zukünftige Jahr. Wir haben eine kleine Wohnung im ersten Obergeschoss einer Grundschule mit einem Bad, einer Küche und einem Schlafzimmer. Im Laufe der ersten Wochen werden wir bemerken, dass die Küche nicht jeden Tag existenziell für uns ist, da wir Mittag und Abendessen mit den Kindern und Jugendlichen verbringen.

Padre Daniel hilft uns in den ersten Tagen unterwandertem dabei die Wohnung ein wenig einzurichten, viel muss aber nicht mehr gemacht werden. Außerdem zeigt uns Padre Daniel die Stadt und besonders die vielen Einrichtungen und Schulen welche zu DonBosco gehören. In einem Vorbereitungsseminar in Deutschland wird Villa Regina als eine Art ‚DonBosco-Dorf‘ bezeichnet und ein wenig kann ich es nachvollziehen. Insgesamt gibt es in Villa Regina ungefähr 2900 Kinder und Jugendliche, welche in einem Kindergarten, einer Primar- oder Sekundarschule von DonBosco sind. Diese Einrichtungen sind in ganz Villa Regina verteilt.

Den Rest der Woche heißt es ankommen. Wir spielen bereits ein wenig mit den Kinder und Jugendlichen. Schauen uns ein wenig in der Stadt um, lernen unsere Einkaufsmöglichkeiten kenne, aber mehr auch nicht.

Ein Wochentag mit mir

Am 02.10. lerne ich das erste Mal kenne, wie meine Tage hier ablaufen werden. Diese Woche werde ich alleine bei den Kindern und Erzieherinnen sein, da Bruno wegen Grippe ausfällt. Gegen 9 Uhr mache ich mich auf zum ‚Hogar Niño Jesús‘. Dabei handelt es sich um ein Haus in welchem Jungen vom 6-12 Jahren wohnen. Einige der Jungen sind hier die ganze Woche, andere verbringen das Wochenende bei der Familie und wieder andere verbringen nur von morgens bis Nachmittags im ‚Hogar‘. Laut Übersetzer bedeutet ‚Hogar Niño Jesús‘ so viel wie „Jesuskind-Heim“.

Der Großteil der Kinder ist morgens bereits in der Schule. Nur die Jüngsten (insgesamt sieben Jungs) sind da und trinken morgens, wenn ich ankomme, Tee und essen ein wenig Brot. Neben dem Essen läuft oft der Fernseher. In der ersten Woche merke ich, dass das zwar einerseits recht gut ist, damit es unter den Jungs keinen Streit gibt, andererseits ist es oft eine so große Ablenkung, sodass nichts gegessen wird – naja, man kann sich nur eins aussuchen und Streitigkeiten haben die Kindern untereinander genug.

Nach dem kleinen Frühstück erledigen die Kinder in einem separaten Raum Schulaufgaben. Ich versuche mich jeden Tag zu einem anderen Jungen zu setzten und so gut wie möglich zu helfen. Die Aufgaben gehen von Buchstaben lernen zu schriftlichem Rechnen, Bilder beschreiben und malen. Auch für mich ist es ein wenig hilfreich um Buchstaben, Zahlen und neue Wörter zu lernen oder einzuprägen. Nachdem die Aufgaben erledigt wurden, können die Kinder spielen gehen. Gemeinsam spielen wir Fußball und Fangen, die Jungen klettern auf Bäumen herum oder wollen an den Armen durch die Luft geschleudert werden. Gegen 12 Uhr gibt es schließlich Mittag. Die jüngeren Kinder gehen nach dem Mittag in die Schule, während die älteren Jungs gegen 12 Uhr von der Schule kommen.

Von 13-16 Uhr habe ich Freizeit und gehe oft in unsere Wohnung. Um diese Zeit ist auch ’siesta‘ und die meisten Geschäfte in der Stadt haben geschlossen – allgemein ist nicht viel los und der Großteil der Menschen scheint sich auszuruhen. Ich lerne teilweisen ein wenig Spanisch, höre Musik, schaue oder lese etwas. Die Zeit eignet sich außerdem sehr gut dazu, um mit Familie oder Freunden in Deutschland zu schreiben oder zu telefonieren da sie fünf Stunden voraus sind.

Gegen 16 Uhr erwacht die Stadt wieder ein wenig aus der ’siesta‘. Für mich geht es jetzt zu den ‚talleres‘ (Doppel-L wird im argentinischen Spanisch wie ‚SCH‘ ausgesprochen – in allen anderen spanischsprachigen Ländern, soweit ich weiß, wie ein ‚J‘ – für mich also [tascheres]). Dabei handelt es sich um Werkstätten. Kinder von 10-14 Jahren sind für knapp zwei Stunden täglich in einer Bäckerei, Tischlerei, kochen, machen Sport oder haben Kunstunterricht. Ich mache in der Bäckerei mit, in welcher je nach Tag bis zu 11 Kinder und der Bäcker sind.
Die Bäckerei ist sehr gut ausgestattet, mit einem sehr großen Ofen, einer großen Knetmaschine und weiteren Backmaschinen, dessen Aufgabe ich nicht kenne. Wir nutzen aber nur den Ofen und die Waage, geknetet wird mit der Hand. Es macht mir bereits am ersten Tag sehr viel Spaß und motiviert mich dazu auch außerhalb der Bäckerei ein wenig zu backen. In der Bäckerei lerne ich Rezepte für Milchbrötchen, normale Brötchen, Ciabatta und einiges weitere kennen. Zudem erfahre ich immer mehr darüber, wie man mit den verschiedensten Teigen umgeht.
18 Uhr ist das Ende der ‚talleres‘. Die Bäckerei verkauft jetzt teilweise Gebackenes an Eltern, die ihre Kinder vom Nachmittagsunterricht abholen (Schüler und Schülerinnen haben entweder von ca. 8-13 Uhr oder 14-18 Uhr Unterricht).

Jetzt begebe ich mich in die ‚casita‘ in welcher Jungs zwischen 13-18 Jahren wohnen. Auch hier wohnen einige Jugendliche die ganze Woche und andere nur unter den Wochentagen um näher an der Sekundarschule (hier: ‚escuela secundaria‘ oder ‚escuela secundaria técnica‘) zu sein. Im Umfeld der etwas älteren Jungs kommt es ehr einmal zu Gesprächen. Da die Jungs meistens Freizeit haben nehmen sie sich öfters die Zeit für noch etwas unsichere und stockende Gespräche auf Spanisch. Gemeinsam spielen wir viel Tischtennis, Fußball, Basketball oder schauen Fußballspiele. Mir wird gesagt, dass nur die Fans der Heimmannschaft Vorort bei einem Fußballspiel zuschauen dürfen, da es sonst schnell zu gefährlichen Situationen unter den unterschiedlichen Fans kommen könnte.
Gegen 21 Uhr gibt es schließlich Abendessen. Ich finde das Essen allgemein sehr lecker. Eine Küche im ‚Hogar Niño Jesús‘ versorgt alle Kinder und Jugendlichen. Es gibt abwechselnd Reis, Nudeln, Linsensuppe, eine Art Maisbrei („Brei“ lässt vieles sehr unappetitlich herüberkommen, aber es ist wirklich sehr lecker), Kartoffeln, unterschiedliche Soßen und Hühnchen. Nach dem Essen unterhalten wir uns teilweise noch ein wenig bevor ich in unsere Wohnung gehe.

Das Wochenende (bei den Padres – mit reichlich Essen)

Unsere Wochenenden gestalten sich bisher sehr entspannt. Ich schlafe oft ein wenig länger und verbringe meine Vormittage unterschiedlich. Um 13 Uhr sind wir sowohl Samstags als auch Sonntags bei den Padres zum Mittag eingeladen. Köchin Yanina (welche für die Padres Montag-Samstag kocht) und Padre Daniel (welcher Sonntags kocht) sind herausragend im kochen. Padre Sabino stellt uns immer wieder neues Essen vor die Nase, und das Kosten lohnt sich : ) Sonntags gehe ich zudem ab und zu um 11 Uhr in die Kirche. Die Messe wird von Padre Dydu gehalten. Den restlichen Tagesablauf am Wochenende plane ich nicht wirklich. Ich laufe durch die Stadt, esse Eis, welches nicht nur in Buenos Aires lecker ist, kaufe Kleinigkeiten ein und entspanne.

Meine Samstage werden sich aber in der nächsten Zeit womöglich ändern, da uns Padre Ángel angeboten hat mit ihm die Samstage in der ‚Chacra‘ zu verbringen. Viel weiß ich noch nicht darüber, aber es scheint sich um eine Art Hof zu handeln, auf welchem Personen mit vergangenen und aktuellen Suchtproblemen Zeit verbringen – Gartenarbeit machen und sich handwerklich betätigen. Mehr dazu dann in einem zukünftigen Blog.

Eine Woche in der Wohnung verbringen

Vom 09.10. bis 16.10. bin ich mit Grippe in unserer Wohnung. Dafür geht es Bruno besser uns er kann in seine ersten Wochentage starten. Es soll nicht untypisch sein, dass die Voluntäre nach der Ankunft erst einmal krank werden, also mache ich mir nicht viel daraus. Ich schaue in der Zeit viele Filme auf Spanisch (und natürlich mit spanischen Untertiteln). Ich verstehe auf jeden Fall mehr als ich dachte, es bleibt durch Filme und Serien nur nicht so gut im Kopf – aber besser als nix.

Die folgende zwei Wochen (17.10.-27.10.) ist alles wie gewohnt. Wir verbringen sehr viel Zeit mit den Kindern. Die Energie von ihnen ist kaum auszuschöpfen, bis sie am Tisch zum Abendessen sitzen und fast auf der Tischplatte einschlafen.

¡Nos vemos! – Wir sehen uns!
Das war es auch schon mit diesem Blogeintrag. Ich hoffe es hat euch gefallen und ich freue mich schon euch Neues beim nächsten mal zu erzählen.

Wenn ihr Fragen habt könnt ihr sie gerne in den Kommentaren stellen, meines Wissens nach kann ich dann auf diese antworten ; )

Liebe Grüße, Sebastian ^^

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  1. Steffen

    Danke für Deine ersten Eindrücke aus Villa Regina.
    Neugierige Fragen werde ich mir überlegen !!!

    Steffen

  2. Christine Schwarzbach

    Danke lieber Sebastian für die Informationen. Ich bin sehr wissbegierig und freue mich schon auf weitere Details und Bilder deines Aufenthalts. Liebe Grüße Oma

    • Carola Ruhs

      Hallo,Sebastian.Ein großes Abenteuer hat für dich begonnen. Danke,dass du uns daran teilhaben lässt, wir sindgespannt auf Weiteres.

  3. Tobias

    Hi Sebastian, dein Blog liest sich sehr anschaulich und unterhaltsam. Es ist toll, dass man an deinem Alltag etwas teilhaben kann. Bleib ab jetzt schön gesund und liebe Grüße vom Onkelchen aus Erfurt

  4. Gertraud Jermutus

    Lieber Sebastian,
    Dein Blogeintrag ist sehr beeindruckend.
    Liebe Grüße
    Gertraud

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