Wo fange ich an? Ich weiß gar nicht, wie ich meine ersten Eindrücke in Valsálice am besten auf den Punkt bringen soll…

Fangen wir mal damit an, dass Mali und ich direkt beim Projekt wohnen, also an der Schule I.T.A. Valsalice auf dem Land und in der Nähe von der Stadt Fusagasugá.

Das erste Erlebnis, das mir in den Kopf kommt, ist der erste Montag und damit auch Malinas und mein erster Schultag, den wir als Freiwillige miterleben durften.

Mali (meine Mitvolontärin) und ich wurden zum Schuldirektor hoch auf das Schulgebäude gebeten um uns zu ihm draußen ans Gerüst zu stellen. Mehrere Meter unter uns wurden die Schüler auf dem Schulhof nach ihren Klassen aufgestellt. Wir beide wurden anschließend einzeln vom Direktor ans Mikro gebeten um von oben aus eine kleine Begrüßungsrede vor den über siebenhundert Schülern zu halten. Als alle Augenpaare von unten auf mich gerichtet waren und ich vom Direktor gefragt wurde, warum es sich lohne, ein soziales Jahr zu absolvieren sind mir für einen Augenblick vor Nervosität all meine Sprachkenntnisse abhanden gekommen. Wie unangenehm…

Im Laufe dieser Woche habe ich den Schülern Wörter auf Deutsch, Englisch, Französisch, Ungarisch und Koreanisch beigebracht und von ihnen im Gegenzug was über ihre Lieblingsorte und Lieblingsgerichte in Kolumbien erfahren. Meine Woche war sehr geprägt von Essen: Jeden Tag wurden mir nur Essensbegriffe beigebracht, die ich nach wenigen Minuten wieder vergessen habe. Gemerkt habe ich mir jedoch zwei Früchte, die ich neu probiert habe: „Lulo“ und „Granadilla“. Hier zum Frühstück habe ich auch das erste Mal eine Papaya gegessen. Die wachsen hier direkt auf dem Grundstück und schmecken meiner Meinung nach mega lecker. Mein Lieblingsort ist die Draußenküche da sie von Pflanzen umringt ist und man immer von Tieren überrascht wird. Darunter Kaninchen, Hühner, einem Hund oder wenn es dunkel ist sogar einem Säugetier, das gerne Bananen klaut. Hier in Kolumbien nennt man ein Opossum „chucha“.

Apropos Bananen, hier in Valsálice gibt es nicht nur „bananos“ also solche Bananen, wie ich sie in Deutschland kenne, sondern auch „plátano maduro“, Kochbananen, die sehr süß schmecken oder „plátano verde“, die noch grün sind und die man als „patacones“ isst. Das sind schon wie man sieht einige Begriffe, die ich hier in kurzer Zeit gelernt habe.

Abgesehen vom Essen sind mir die Menschen, die mir hier in meinem Alltag begegnen schon sehr ans Herz gewachsen. Vor allem die Mitarbeiterinnen in der Schule, die mich jeden Tag mit einer festen Umarmung begrüßen und eine sehr offene Art haben.

Mein Alltag beginnt morgens um 5:30 Uhr, damit ich um 6:30 Uhr auf dem Schulhof gemeinsam mit Malina die Kinder einzeln am Schultor begrüßen kann. Um 7 Uhr beginnt dann der Unterricht und Mali und ich besuchen entweder eine Klasse oder setzen uns in die Cafeteria um unseren Tag zu planen oder um in unser Tagebuch zu schreiben. Meistens gesellen sich dort irgendwelche Lehrer oder Schüler zu uns. Spätestens um 8:30 Uhr werden wir von der Köchin in dem Haus der Salesianer (wo Mali und ich wohnen) zum Frühstück in die Draußenküche gerufen. Dort gibt es fast jeden Tag Arepas mit Rührei plus einer Frucht wie Papaya oder Wassermelone. Zeit zum Mittagessen ist dann um 12:30 Uhr.

Unsere Tage verbrachten wir bis jetzt mit Gesprächen mit Schülern oder bekamen irgendwelche kleinen Aufgaben wie beim Unterricht zuschauen, Stühle aufstellen oder Steine bemalen. Ansonsten haben wir bis jetzt noch keine festen Aufgaben aber Mali und ich wollen in Zukunft nachmittags Sprachkurse geben. Als Test würden wir erstmal nur Englisch und Deutsch anbieten. Es haben bis jetzt schon über 50 Schüler abgestimmt, dass sie Interesse haben. 🙂

Letztes Wochenende war etwas stressiger für uns, da es aufgrund von bestimmten Events für die Einrichtung hieß, Mittagessen für alle Gäste bereitzustellen. Am Samstag haben wir über 200 Leute bedient, sowie Tische, Besteck und Limonade vorbereitet. Am Sonntag durften Mali und ich jeweils auf ein „sendero“ mitkommen. Das ist hier ein geführter Lehrpfad durch die Natur direkt an der Schule.

Unter der Woche haben wir durch den frühen Start in den Tag früher Feierabend. Zwischen 14 Uhr und 15 Uhr wenn der Unterricht erst für die Jüngeren und eine Stunde später für die Älteren vorbei ist. Die sinfonische Band ist als Einzige noch nach drei Uhr zu hören. Da beginnt dann das Highlight unseres Tages: Sport auf dem riesigen Schulhof. Manchmal noch mit ein paar wenigen restlichen Schülern, die noch da sind. Hier habe ich jetzt schon Fußball, Basketball und zu meiner Verwunderung ganz viel Volleyball gespielt. (Obwohl diese Sportart gar nicht meins ist…)

Mein Tagebuch ist nach diesen wenigen Tagen bereits gefüllt mit Erlebnissen… Ich frage mich deshalb, wie es nach den ersten Monaten aussehen wird. Hoffentlich kann ich mich dann bald flüssig auf Spanisch unterhalten, ohne dass Mali sagt, dass ich einen deutschen Akzent habe… 🙂 Mal gucken… Ich lass es einfach auf mich zukommen. 🙂

Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!