Fangen wir mal damit an, wer hier überhaupt das Internet mit seinen Geschichten bereichert:

Ich heiße Miriam und komme aus der schönen niederbayerischen Hauptstadt Landshut.
In meiner Freizeit bin ich gerne mit dem Radl unterwegs und entdecke neue Ecken in der Landshuter Umgebung oder ich schnappe mir Stoffreste und alte Kleidungsstücke und nähe daraus irgendeine neue Klamotte. Alternativ stehe ich zusammen mit meiner Querflöte vor einem Notenständer und spiele allen Anwesenden ein wohlklingendes Liedchen vor (ob sie es hören wollen oder nicht).
Meine tatsächliche Frei-Zeit hält sich aber bisweilen in Grenzen, weil sich über die letzten Jahre ein gewisses „Nikola“ in meinem Zeitplan sehr breit gemacht hat: durch Ministrantenplanung, Gruppenstunden, Leiterabende, Zeltlager und andere Pfarreiveranstaltungen findet sich irgendwie immer irgendwas, wie ich in unserer Pfarrei sehr viel Zeit verbringen kann – auch, wenn ich eigentlich „nur kurz vorbeischauen“ wollte… Diese „Umstände“ haben aber auch dazu geführt, dass ich unsere Gemeinde – und besonders die Pfarrjugend – mittlerweile als zweites Zuhause bezeichnen kann und man mich daher zwischen Freitag und Sonntag mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit in oder rund um die Kirche oder das dortige Pfarrheim findet (Grüße und Dank gehen an alle raus, die aufgrund von logistischen Vorteilen ebenfalls dort einziehen könnten ;).

Nach meinen ersten 19 Lebensjahren, die ich vollständig im schönen Landshut verbracht habe, fällt es mir nun doch einigermaßen schwer, mich für ein Jahr von all dem zu verabschieden, was bisher mein Zuhause war, was ich in- und auswendig kenne.
Während ich mir in diesen Tagen oft denke „Zum letzten Mal ministrieren.“, „Zum letzten Mal in die Stadt fahren.“, „Zum letzten Mal an diesem oder jenem Ort sein.“, merke ich aber trotzdem, dass es wirklich Zeit wird, mal rauszukommen, etwas Neues zu sehen und einen neuen Ort mein Zuhause werden zu lassen.

Deshalb freue ich mich auch schon sehr darauf, dass es in zehn Tagen endlich losgeht und mein Abenteuer Prag beginnt!

Über mein Abenteuer

Was genau dieses „Abenteuer Prag“ für mich heißt?
Mein Abenteuer Prag – das ist für mich ein einjähriger Freiwilligendienst mit Don Bosco Volunteers.

Ein kurzer Überblick über Don Bosco Volunteers

Don Bosco Volunteers ist die Freiwilligenorganisation der Salesianer Don Boscos und bereitet jedes Jahr eine Gruppe Auslandsvolos und eine Gruppe Inlandsvolos auf ihre Einsätze vor. Wir alle werden dann in Don Bosco-Einrichtungen in Deutschland und weltweit entsendet, in denen wir die Mitarbeiter vor Ort ein Jahr lang unterstützen.
Alle Einrichtungen betreiben Kinder- und Jugendarbeit im Sinne des Ordensgründers Giovanni Bosco und umfassen von Kindergärten über Schulen und Kinderheime bis hin zu Freizeiteinrichtungen die verschiedensten Orte, die Kinder für ein erfülltes Leben brauchen.
Wer mehr über die Pädagigk Don Boscos erfahren möchte, dem kann ich diesen Artikel https://www.donboscomission.de/wer-wir-sind/don-bosco-paedagogik empfehlen; die Geschichte Giovanni Boscos selbst fasst dieses Video https://www.youtube.com/watch?v=b4aiKP_yvQA sehr gut zusammen.

Meine Einsatzstellen in Prag sind ein Kindergarten, der von den Don Bosco-Schwestern betreut wird und in dem ich vormittags arbeiten werde, sowie das Jugendzentrum Praha-Kobylisy. Das Jugendzentrum hat verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche: Zum Einen gibt es das Oratorium – es bietet 6- bis 18-Jährigen den Raum zum freien Spiel, um sich mit Gleichaltrigen zu treffen, zu basteln oder sich auf den Außenanlagen und Sportplätzen auszutoben. Bis jetzt ist geplant, dass ich dort einen Nachmittag pro Woche mithelfen werde.
Weiter gibt es im Jugendzentrum die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen, einen der vielen Sport- oder Sprachkurse zu besuchen oder handwerklich aktiv zu werden. Nachhilfe wird ebenfalls angeboten und auch ich werde Nachhilfe sowie Gesprächsrunden auf Deutsch anbieten.
Eine weitere wesentliche Einrichtung des Jugendzentrums ist der niedrigschwellige Klub Vrtule (dt. „Propeller“ -> der Klub heißt so, weil im Gruppenraum ein großer Propeller an der Wand hängt – vielleicht finde ich die Geschichte dahinter noch heraus). Dorthin können Jugendliche im Alter von 12 bis 22 Jahren kommen, wenn sie Probleme haben und alleine nicht mehr weiterwissen. Im kostenfreien Klub finden sie zunächst eine offene Gruppe und sinnvolle Freizeitgestaltung sowie ein vertrauliches Gesprächsangebot – der Unterschied zum Oratorium liegt hier besonders darin, dass die Klienten von Vrtule komplett anonym bleiben können, wenn sie das möchten. Dieser Klub kann als ein erster Hafen gesehen werden, wo die Jugendlichen ankommen können und dann Schritt für Schritt und individuell geschaut wird, wo sie stehen und wie man ihnen am besten aus ihrer Krisensituation heraushelfen kann.
Nach bisherigem Plan werde ich auch einen Nachmittag in dieser Teileinrichtung mithelfen und beispielsweise mit der Gruppe kochen.