Marie-Luise in Benin

Ein "weltwärts"-Freiwilligendienst mit Don Bosco Volunteers

Offenes Ohr, Assistentin, große Schwester, Spielpartnerin, Mama, Helferin..

Liebe Blog-Leser,

Das sind Rollen, die ich meinem Gefühl nach im Moment mit meiner Aufgabe als Don Bosco Volunteer erfülle.

Ich bin nun in meiner dritten Arbeitswoche. Dass ich schon fast vier Wochen hier bin, ist mir eigentlich erst so richtig an meiner sich leerenden Malariaprophylaxepackung aufgefallen. Die Zeit vergeht im Moment wirklich sehr schnell. Drei Wochen Arbeit, das heißt drei Wochen voller Beobachten, Fragen, Kennenlernen, Mithelfen und Mitarbeiten.

In der ersten Woche nach der Ankunft, haben meine Mitvolontärinnen und ich einige Einrichtungen der Don Bosco Schwestern hier in Cotonou besucht. Manchmal wurden sie uns mit Führungen durch die Gebäude gezeigt. In anderen Einrichtungen haben wir einfach Zeit mit den Kindern oder Jugendlichen dort verbracht und so mehr erfahren.

Nach dieser Orientierungsphase wurden wir den verschiedenen Einrichtungen zugeteilt. Gleichzeitig gab es aber auch die Auflage, dass wir über das Jahr durch die Arbeitsplätze im 4-monatigen Rhythmus durch rotieren.

So lautet mein Wochenprogramm für die kommenden 4 Monate: vormittags Mithelfen im Maison du Soleil, nachmittags Unterstützen in der Baracke SOS, am Mittwochnachmittag Teilnehmen an der Besprechung der Angestellten aus dem Maison du Soleil und am Freitagnachmittag Dasein im Foyer.

Alle, die nun schon die Menüseite „Projekt“ aufmerksam gelesen haben, kennen schon die Aufgabenfelder der Einrichtungen. Meinen Tagesablauf möchte ich nun aber Euch allen genauer beschreiben.

7:00 Uhr klingelt der Wecker zum Frühstück bei den Schwestern. Danach schnappe ich mir meinen Motorradhelm. Zusammen mit Barbara und Gina gehe ich durch das Eingangstor unseres Geländes in die Richtung der großen Straße. Nach und nach werden wir von den freien Zems (Motorradrollertaxis) angehupt. Nach Verständigung über das Ziel und kurzer Preisverhandlung fahren wir dann jeweils für 300 CFA-Francs (umgerechnet ca. 45 Cent) etwa 15 Minuten ganz in die Nähe des Marktes. Mittlerweile habe ich mich schon an den Weg gewöhnt. Am Anfang musste ich dem Zem-Fahrer komplett vertrauen, da ich mich überhaupt nicht auskannte. Durch Orientierungspunkte wie Kreisverkehre oder die drei Bodenwellen, über die wir jeden Tag rumpeln, kenne ich meinen Arbeitsweg mittlerweile. Erst nach der Hälfte der Fahrt traue ich mich dann über die Schulter des Fahrers zu schauen ob er auch zwei Spiegel hat oder ob stattdessen CDs eingebaut oder die Halterungen ganz abmontiert sind. Während ich mich anfangs noch so fest am Motorroller festgehalten habe, dass ich meine Finger aufgerieben habe, versuche ich mittlerweile meine Hände bei der Fahrt größtenteils auf die Oberschenkel zu legen. So machen das nämlich alle Einheimischen hier in Cotonou.

Ich komme dann in das Maison du Soleil und helfe mit die 10 Babys, die hier gemeinsam mit ihren minderjährigen Müttern von 2 Erzieherinnen betreut werden einschlafen zu lassen. Währenddessen gehen die Mamas nach nebenan in das Maison de l’Espérance (Ausbildungszentrum für Bäckerei, Konditorei, Küche und Seifenherstellung). „Meine“ Babys sind zwischen 2 Monaten und 2 Jahren alt. Alle haben ihr Stück Stoff, das ihnen auf dem Boden als Bett dient. Ihr Einschlafritual war in den ersten Tagen noch etwas ungewöhnlich, überzeugte aber mit seiner Effizienz. Zum Einschlafen klopfen wir den Babys mit gekrümmter Hand auf den Rücken bis ihre Augen zufallen. Danach besteht der Vormittag aus füttern, schlafen, spielen und Windeln wechseln. Die Mütter der jüngeren Babys kommen in ihrer Pause zum Stillen vorbei. Für mich ist es dann schön zu beobachten, dass die jugen Frauen, die meist Opfer von sexueller Gewalt geworden sind oder auf Grund ihrer Schwangerschaft von zuhause verstoßen wurden, ihre Kinder gern haben. Mit den älteren Babys wird jeden Tag eine kleinere Aktivität wie Malen oder Eidechsen im Garten suchen unternommen.  Nachdem wir alle Babys zum Mittagsschlaf schlafen gebracht haben, gehe ich zum Mittagessen in das angrenzende Ausbildungszentrum.

Hier treffe ich auf Barbara und Gina und wir essen gemeinsam mit den Verantwortlichen des Maison de l’Espérance Gerichte der Kochauszubildenen. Nach einem etwa 15-minütigen Spaziergang quer durch den Markt, vorbei an Fruchtständen, Fischverkäufern, einem großen Angebot an Stoffen oder Bekleidung…und natürlich vielen laufenden Verkäufern komme ich gemeinsam mit Gina an der Baraque SOS an. Das ist eine feststehende Hütte mit zwei kleinen Räumen. Sie steht offen für Mädchen, die auf dem Markt Ware verkaufen müssen. Sie können in der Baraque SOS spielen, sich austoben oder sich einfach ausruhen. Am Montagnachmittag finden dort auch Alphabetisierungskurse statt, da die Mädchen im Alter von ca. 7-19 Jahre alt nie eine Schule besuchen konnten. Am Nachmittag veranstalten Gina und ich dort immer eine Aktivität wie leichte Bastelarbeiten oder Gruppenspiele durch. Den Rest der Zeit spielen wir momentan viele Spiele, die auch ohne Kommunikation funktionieren. Die meisten Mädchen können nur sehr wenige Wörter Französisch und wir eben bisher auch nur wenige Wörter in ihrer Sprache Fongbe. Um 17 Uhr geht es von dort aus wieder auf die Suche nach einem Zem um nach Hause zu kommen. Nach Preisdiskussion und Einigung fahre ich zurück zur Wohnung, vorbei an all den Menschen gekleidet in buntgemusterten Stoffen, dem Hochhaus mit Holzgerüst, dem Kreisel mit sehr großem Loch in der Straße, vorbei an Bars, Schulen, Schneiderein, Tankstellen, … hinein in den jetzt schon gewohnten Sandweg zu dem Gelände der Don Bosco Schwestern.

 

Den Freitagnachmittag darf ich im Foyer mit den Mädchen hier auf dem Gelände

im Heim verbringen. Auch hier kann ich Aktivitäten wie Basteln oder Spiele anbieten. Sie freuen sich aber auch immer über ein einfaches Gespräch.

So habe ich eine sehr abwechslungsreiche Arbeitswoche. Natürlich muss ich mich nach 12 Jahren Schülerleben erst an ganze Arbeitstage gewöhnen, aber die Neugier und die Vorfreude auf die neuen Eindrücke jeden Tag sind eine wunderbare Motivation.

Die Arbeit im Maison du Soleil mit den Babys, macht mir jeden Tag sehr viel Spaß. Erst musste ich mich an die Arbeit mit so kleinen Kindern gewöhnen auch an die etwas anderen Umgangsformen mit den Babys hier in Benin. Gerne unterstütze ich diese jungen Mütter bei der Erziehung, helfe ihnen so gut ich kann weiter bei Fragen und bin da für die Babys. Ich freue mich sehr für diese Mädchen, dass sie das Glück haben hier eine Ausbildung machen zu können und währenddessen ihre

Kinder gut aufgehoben wissen. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass es noch viele andere junge Mütter in Benin gibt, denen dieses Programm helfen würde. Die Arbeit in der Baraque SOS ist toll. Denn in dieser Art hatte ich mir meinen Freiwilligendienst vorgestellt. Es ist aber auch anstrengend, weil die Mädels ein sehr starkes Temperament haben und all ihre Launen ob Freude oder Streitlust laut zum Ausdruck bringen. Jeden Tag fällt es mir hier aber schwer Feierabend zu machen und die Baracke mit den Erzieherinnen zu schließen. Denn nachdem die jungen Marktverkäuferinnen ein paar schöne Stunden verbringen durften geht es jetzt wieder für sie zurück in ihren Alltag bis die Baracke am nächsten Tag wieder öffnet.  Im Foyer bereitet mir die Arbeit sehr viel Freude. Die Kommunikation funktioniert hier gut, da viele der Heimmädchen französisch sprechen können. Wegen der räumlichen Nähe auf dem gleichen Gelände wie unsere Wohnung begrüßen einige der Mädels uns jeden Tag vor und nach der Arbeit und man hat schon das Gefühl einer unkomplizierten Atmosphäre.

Ich freue mich, mit jedem Tag hier mehr anzukommen und mehr Erlebnisse und Bekanntschaften zu machen.

Mein letztes Wochenende war sehr erlebnisreich, darüber werde ich im nächsten Blogeintrag berichten.

Bis bald,

Marie-Luise

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  1. Avatar

    Simon

    Hallo Marie-Luise,
    ich lese hier auch in unregelmäßigen Abständen deinen Blog. Es hört sich sehr spannend an, auch das Essen klingt interessant. Ich wünsche dir ganz viele tolle Eindrücke!

    Gruß Simon Vornberger

  2. Avatar

    Gudrun Wolbert

    Liebe Marie-Luise, am vergangenen Sonntag habe ich die Eucharistiefeier in Markt Einersheim besucht und Pater Adam hat beim Hinweis auf den Weltmissionstag auch Dich ins Gebet mit eingeschlossen. Das war für mich der Anlass, mich endlich nach Dir zu erkundigen und von deiner Mutter habe ich dann vorhin diese Seite erfahren. Wunderbar! Ich finde es klasse, dass Du für ein Jahr deine Arbeitskraft auf diese Weise zur Verfügung stellst. Ich habe noch nicht alle Einträge gelesen, freue mich aber schon darauf, am Wochenende mehr Zeit damit zu verbringen. Für Deinen Einsatz wünsche ich Dir von Herzen viel Freude, gute Begegnungen und die Kraft des Heiligen Geistes, all das Gute zu tun, was auf dem Plan steht. Möge unser gütiger Gott Dich bewahren in dem fremden Land und Dir seinen Segen zuteil werden lassen durch Jesus Christus, unsern Herrn, damit Du jeden Tag Seine Nähe spüren kannst. Liebe Grüße Gudrun

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