(Info vorab: Auch dieser Eintrag liegt schon etwas länger in meinen Entwürfen…)
Der Wind hat gedreht…Es ist grau und kalt geworden im sonst sonnigen, feucht-heißen Cotonou. Die Regenzeit zeigt sich von ihrer besten Seite und so zählt man am Tag mindestens 2 Regenschauer – aber was für welche! Straßen sind überschwemmt, da das Wasser nicht schnell genug ablaufen kann und überall ist es schlammig – kurzum nicht wirklich einladend. Da will man sich gerade aufs Zem schwingen und im nächsten Moment öffnet der Himmel auch schon wieder seine Tore – und für einen kurzen Augenblick verstummen die aufgeregten Hupen der Motos und das Brummen der Motoren. Die Einwohner Cotonous lauschen für einen Moment dem Prasseln des Regens und werfen sich ihre Regenponchos über. Ja und ich sitze dann fest in meinen vier Wänden und warte… Da bin ich in einer wirklich regenintensiven Woche glatt in eine Art Winterdepression verfallen. Draußen war nicht nur alles grau und nass sondern durch die regelmäßigen Regengüsse ist es auch kalt. So kalt, dass ich mir sogar eine Kuscheldecke besorg habe. Bei 26 Grad Außentemperatur wurden dann auch mein Pulli und meine Wollsocken rausgekramt. So trank ich Tee, Tasse für Tasse und wartete…. Wartete auf das Licht am Ende des Tunnels!

Und es kam! Am Ende der Woche waren unsere Rucksäcke fertig gepackt und wir machten uns auf den Weg nach Glo-Djigbé zu Lotte (nach einer Horror-Zem-Fahrt kamen wir auch heile an…Auf dem Weg zu Lotte war nämlich ein Teil der Straße überschwemmt und Wasser musste abgepumpt werden)!!! Das war allerdings nur unser Zwischenstopp denn am nächsten Tag ging das Abenteuer erst so richtig los!!!! Zusammen mit Lottes Kollegen saßen wir morgens im vollbepackten Bus nach Kadolassi, einem Dorf im Norden Benins. Dort sollte nämlich für eine Woche ein Umweltcamp für Kinder stattfinden, von Lottes ONG „Actions de solidarité“ organisiert. Auf der ca. 10-stündigen Busfahrt wurde gesungen, geschlafen, gegessen und viel gelacht – die Stimmung war TOP! Da hatte man schon so richtig Vorfreude auf die bevorstehende Woche 😉




Und irgendwann wurde die Landschaft immer grüner, die Straßen leerer, die Wege sandiger und die Luft frischer. Bienvenue au nord du Bénin. Kurz bevor die Sonne unterging, erreichten wir noch unser Ziel. Obwohl ich noch nie dort gewesen war, fühlte es sich ein bisschen wie Heimkommen an. Das Einzige, was ich wahrnahm, war STILLE. (Da wird mir immer wieder bewusst, wie laut Cotonou wirklich ist)
Nach einem kurzen Auskundschaften des Geländes und der Umgebung entluden wir den Bus und richteten unseren Schlafplatz ein. Dann noch schnell Abendessen und ab ins Bett – müde von der Fahrt… Am nächsten Tag waren wir schon früh auf den Beinen. Es war Sonntag und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren für den Campstart am Montag.



Unkraut jäten, Duschen installieren, Teller und Besteck abspülen und gaaaaaaaanz viele Orangen essen. Das waren unsere Beschäftigungen für den Sonntag.






Und dann stand der Woche auch nichts mehr im Wege. Montags standen wir ganz früh auf, denn die Kinder sollten schon um 7 Uhr von ihren Eltern gebracht werden. Alle kamen sie mit den Motos angefahren und bis auf eine Ausnahme wurden sie von ihren Papas gebracht! Nach einer Begrüßung und einer kurzen Ansprache des Teams folgten viele Kennenlernspiele – die typischen Icebreaker 😉



Im Fokus des Camps stand der Schutz unserer Natur. Die Kinder lernten, wie Mülltrennung funktioniert, welche verschiedenen Tierklassen es gibt, wie man kompostiert und recycelt und wie wichtig Umweltschutz ist. Es wurde viel gespielt, Sport gemacht, getanzt und lecker gegessen. An einem Tag haben wir einen Ausflug in einen heiligen Wald gemacht, in dem wir sogar Affen gesehen haben und am letzten Abend gab es dann noch ein Lagerfeuer.





Mein persönliches Highlight ereignete sich am letzten Tag. Lotte, Maria und ich haben ein Stück deutsche Kultur gezeigt: STOCKBROT. Das hat so einen Spaß gemacht und richtig gut funktioniert. Die beninische Note am Ende durfte aber nicht fehlen: Mayo und Würstchen 😉





Nach der Verabschiedung der Kinder am Freitag Nachmittag war das Haus auf einmal leer. Aber plötzlich war es so still. Ganz nach dem Motto „Wer rastet der rostet“ ging es schon wieder an die Vorbereitungen für die Heimfahrt am Folgetag. Duschen abbauen, Müll entsorgen, Schlafsäle fegen, Rucksäcke packen… Und dann auch schon wieder müde ins Bett fallen…Am Morgen war das Auto gegen 7 Uhr fertig gepackt und wir konnten los. An Bord hatten wir dieses Mal einen ganz besonderen Gast: ein Perlhuhn – ein Geschenk vom Dorfältesten 😉 Nach einem kurzen Fangenspiel am Morgen wurde es sicher festgebunden und los ging die Reise nach COTONOU. Die Rückfahrt war mindestens so witzig wie die Hinfahrt, wenn nicht sogar lustiger!!!




Ich denke immer noch gerne an die Zeit in Kadolassi zurück. Diese Woche zählt auf jeden Fall zu meinen Lieblingsmomenten in diesem Jahr. Anfangs wusste ich nicht so recht, was mich erwarten würde aber die Zeit dort hat mir wieder mal gezeigt, dass es neben meiner Lebensrealität noch so viel mehr gibt. Eimerdusche statt fließend Wasser, Plumsklo statt Klosschüssel, Schlafen auf einer Stohmatte statt auf einer Matratze und regelmäßige Abstecher zum Brunnen. Auch so kann Leben aussehen.
Für Lotte, Maria und mich ging es allerdings noch nicht zurück nach Cotonou. Wir ließen uns auf dem Weg rausschmeißen und verbrachten das Wochenende in Abomey. Dazu aber im nächsten Eintrag mehr…
Ali
Ein Umweltcamp für Kinder klingt ja echt cool! Da muss ich bisschen an euer P-Seminar und ans Gut Aichet denken 😂 aber in Benin war das bestimmt eine noch viel eindrucksvollere Erfahrung. Ich wünsche dir noch viel Spaß in den Endzügen deines FSJs 🫶 freue mich auch schon dich wieder zu sehen
John
Immer, wenn ich deine Blogs lese, vergesse ich manchmal, dass du sie geschrieben hast und habe das Gefühl, mich in einen Roman verirrt zu haben. Es ist wirklich richtig schön auf diese Weise einfach mal bisschen was von einer komplett anderen Welt mitzubekommen und man muss wirklich nochmal deinen Schreibstiel und deine Hingabe appreciaten!
Es freut mich zu hören, dass ihr paar schöne Tage hattet und hoffe, dass du die letzten Wochen wirklich genießt und nicht mehr so viel arbeitest.
Bis bald Leonie 🙂