Leonews aus Benin

zwischen Motorradtaxis und Markt-Gewusel

Langsamer Abschied

Die Stille des Nordens, die ich die Woche über im Camp so genossen habe, war in dem Moment endgültig vorbei, in dem uns der Bus in Bohicon absetzte. Wir verabschiedeten uns noch vom Team und dann waren wir auch schon wieder von einer Menschentraube umzingelt, die uns Ware verkaufen wollten oder aufgeregt fragten, wo es denn als nächstes hingehen soll… Wir hielten erst einmal Ausschau nach einer abgelegenen Bank und orientierten uns zunächst… Nach einer Verschnaufpause und einem kurzen Planning ging unser UrlaubsWE auch schon los. Hier ein paar Eindrücke:

Sonntag Abend erreichten wir auch schon wieder Lottes Zuhause, in dem wir die kommende Woche verbracht haben. Ein Abstecher in der Klinik durfte natürlich nicht fehlen 😉 (Magen-Darm-Infektion. Ein Mitbringsel aus dem Norden ;), davon abgesehen haben wir uns etwas erholt. Für Lotte startete die Woche drauf auch schon ein weiteres Camp, bei dem wir jedoch nicht mitwirkten. Unser Plan war es, wieder unser Zuhause zu beziehen, doch dann kam alles anders…

Ausquartiert…

Wegen eines Treffens der Schwestern auf dem Gelände, mussten wir unser Zimmer räumen. Also machten wir uns auf nach Zogbo, packten unsere Koffer, entpersonalisierten unser Zimmer, unser Bett, unseren Schreibtisch und putzten wie die Weltmeister – musste ja alles glänzen für die Schwestern 😉 Voll bepackt ging es dann wieder ab nach Calavi zu Lotte, denn das sollte nun unser Zuhause für die kommenden 4 Wochen sein!

Aus Cotonou wurde Calavi, aus quietschenden Reifen und ungeduldigem Hupen das Zwitschern der Vögel und das Krähen des Hahns am Morgen und aus gepflasterten Straßen sandige Schleichwege durch Felder und Gebüsch – kurzum: Dorfleben. (aber ich genieße es in vollsten Zügen!!)

Am Ende der Woche ohne Lotte stießen wir Freitags zum Camp in Ouinhi dazu. Pünktlich um wieder „Pain allemand“ zu machen. Die Stimmung war wie immer TOP und die Kinder waren auch gut drauf 😉 Dieses Mal waren wir wirkliche Stockbrotqueens und alles verlief reibungslos. Es hat total viel Spaß gemacht und war ein guter Camp-Abschluss. Am nächsten Tag ging es für das Team wieder nach Cotonou zurück, wir drei wagten uns an unseren 2. Wochenendtrip und machten dieses mal Porto-Novo unsicher. Als der Bus mitsamt dem Gepäck hinter den Büschen verschwunden war, würde man meinen, wir waren ganz alleine, aber nein… Wir wurden ganz aufmerksam während unseres Frühstücks beobachtet:

Gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Porto-Novo. Dort sollte nämlich dieses Wochenende ein Maskenfestival stattfinden. Dieses Event haben wir dann verbunden mit Sightseeing in der Hauptstadt. Da ich mit meinen Eltern bereits dort war, konnte ich ein bisschen Guide spielen 😉 Am Tag 1 sammelten wir demnach seeeeeehr viele Schritte, Tag 2 war etwas entspannter!

Am nächsten Tag zog es uns in die Natur, genauer gesagt zum „Rivière Noir“ – dem „Schwarzen Fluss“ (erinnert mich immer ein wenig an die Ilz ;)) Während einer Bootsfahrt haben wir die frische Luft und vor allem die Stille genossen. Es war herrlich…

Nachdem unsere grünen Batterien wieder gefüllt waren, ging es für uns auch schon wieder zurück nach Cotonou – besser gesagt nach Calavi. Und dort genießen wir unsere Freiheiten in vollsten Zügen! Hin und wieder machen wir uns auf den Weg nach Cotonou und dabei habe ich meine neue Leidenschaft entdeckt: Tricycle fahren. Das sind kleine Dreiräder, die so wie Sammeltaxen funktionieren und für längere Fahrten dann doch etwas angenehmer als Motos sind. Zudem sind sie auch viel günstiger. Wer hätte das gedacht, dass es etwas besseres gibt als Zem fahren 😉 Neben der Arbeit haben wir uns auch ein wenig Freizeit gegönnt und ein paar Punkte auf der Bucketlist abgehakt…

Doch das Leben als Pendler hat auch seine Nachteile… Maria und ich haben schnell gemerkt, dass wir nicht unser normales Arbeitspensum halten können, wenn allein die Fahrt jeden Tag an die 2 Stunden dauert. Aus einer 5-Tage Woche wurde schnell eine 3-Tage Woche und unser neuestes Fortbewegungsmittel: TRICYCLE 😻!!! Da wir jetzt nur mehr 3 Tage pro Woche in Cotonou sind, besuchen wir die Projekte deutlich seltener und sehen auch die Kinder viel weniger. Im ersten Moment war ich sehr traurig, denn irgendwie hat mit dem „Umzug“ zu Lotte die Zeit des Verabschiedens schon angefangen. Viel früher als ich gedacht hätte…Doch rückblickend ist es vielleicht gar nicht so schlecht, einen langsamen und weniger einen abrupten Abschied zu haben. So entwöhnen sich nicht nur die Kinder sondern auch ich peu à peu.

Jetzt bleiben mir noch 2 Wochen hier in Benin. Ein komisches Gefühl, bald wieder in einem komplett anderen Umfeld zu leben. Wenn ich ehrlich bin, ist es gerade noch unvorstellbar… Tausende Fragen schwirren mir durch den Kopf, verfolgen mich teilweise in meinen Träumen… Wie wird das Leben wieder in Deutschland sein?

Doch was bringt es, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was in 14 Tagen sein wird. Ich werde jetzt nochmal beninische Luft einsaugen, bis es bald nicht mehr geht. Und dann heißt es in 2 Wochen: „Leonie ist im Anflug. Bitte für die Landung bereit machen!“ 😉

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Frische Luft

  1. Nowecki Caroline

    Du wirst zuhause weich landen. 😎

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