Schön, dass ihr wieder den Weg auf meinen Blog gefunden habt!

In diesem Beitrag erzähle ich euch von meinem neuen Tagesablauf, dem Besuch der indischen Volunteers in Murunkan und meinem 20. Geburtstag, den ich tausende Kilometer von zu Hause entfernt feiern durfte.

Mein neuer Tagesablauf

Wie schon im letzten Beitrag erwähnt hat sich mein Tagesablauf verändert. Mein Projekt besteht aus drei Bereichen, der Grundschule, der Technical School und dem Boys Hostel. Bis vor Kurzem hatte ich mit der Technical School nicht besonders viel zu tun. Man muss ganz klar sagen, dass Friederike von uns beiden diejenige war, die deutlich besser Englisch spricht. Nachdem sie mich leider verlassen musste, musste jemand ihre Stunden übernehmen und eigentlich war jedem klar, dass ich das sein würde. Da ich weder ausgebildete Lehrerin bin noch Englisch unterrichte, habe ich mir überlegt, meine Stunden etwas spielerischer und lockerer zu gestalten. Die einzige Sprache, in der wir uns miteinander unterhalten können, ist Englisch. Dabei ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wichtig diese Sprache eigentlich ist. In meiner Schulzeit habe ich den Englischunterricht leider etwas vernachlässigt und im Nachhinein bereue ich das schon ein wenig. Wenn man jeden Tag mit der Sprache konfrontiert wird und sie die einzige Möglichkeit zur Kommunikation ist, lernt man sie unfassbar schnell. Mein Tamil hält sich leider immer noch in Grenzen. Trotzdem bin ich jeden Tag aufs Neue überrascht, wie viel ich mittlerweile verstehe. Ich höre einfach zu und verstehe meistens zumindest, worum es geht. Selbst zu sprechen fällt mir allerdings noch ziemlich schwer. Allerdings das tägliche Rosenkranzgebet, das ich jeden Tag mit den Jungs bete kann ich inzwischen auf Tamil auswendig, auf Deutsch habe ich allerdings keinen blassen Schimmer.

Zurück zu meinem Alltag. Jeden Morgen (Montag bis Freitag) stehe ich gegen 6:45 Uhr auf, um pünktlich um 7:30 Uhr beim Assembly zu sein. Die Grundschule eröffnet den Tag mit Gesang, Gebet und kleinen Ansprachen. Um 8 Uhr beginnt der Unterricht. Zwischen 8:00 Uhr und 8:30 Uhr habe ich Zeit zu frühstücken. Etwa zwei Monate lang hat Friederike die Englischklasse in der Technical School mit unterrichtet. Da sie leider vorzeitig zurückfliegen musste, habe ich ihre Stunden übernommen und unterrichte nun jeden Tag von 8:45 Uhr bis 10:00 Uhr die Englischklasse. Den Unterrichtsstoff inklusive Arbeitsblättern bekomme ich vom Direktor der Technical School. Meine Hauptaufgabe besteht darin, mit den Schülerinnen und Schülern Englisch zu sprechen. Mittlerweile habe ich mich ein wenig aus der Grundschule zurückgezogen. Seit Friederike nicht mehr im Projekt ist, fühle ich mich dort alleine irgendwie unwohl. Irgendwie war das unser gemeinsames Projekt. Wir sind zusammen in die Klassen gegangen, haben gemeinsam unterrichtet, Projekte gestartet und die Schülerinnen und Schüler zum Lachen gebracht. Um ehrlich zu sein, wurde mir die Kombination aus Grundschule, Technical School und Hostel irgendwann auch etwas zu viel. Deshalb kümmere ich mich inzwischen deutlich mehr um das Hostel. Die Schule endet jeden Tag um 13:30 Uhr mit einem Gebet. Gegen 14 Uhr gibt es Mittagessen. Zwischen 15 Uhr und 16 Uhr nutze ich die Zeit, um gemeinsam mit den Jungs den Garten zu verschönern. Wir graben die Erde um und pflanzen verschiedene Pflanzen ein. In dieser Zeit haben die Jungs ihre „Work Time“, bei der ich ihnen täglich helfe. Mittlerweile hat sich auf unserem Schulhof unglaublich viel verändert. Nachdem ich mein Gartenprojekt abgeschlossen hatte, kam Father Jesu auf die Idee, den gesamten Schulhof neu zu gestalten. Seit ungefähr drei Monaten arbeiten wir gemeinsam mit den Jungs daran. Wir haben Unkraut entfernt, Wände neu gestrichen und viele Pflanzen eingepflanzt. An manchen Tagen habe ich sogar bis spät in die Nacht irgendwelche Wände gestrichen. Zwischen 16 Uhr und 17 Uhr spiele ich jeden Tag mit den Hostel-Jungs Volleyball und Basketball auf dem Sportplatz nebenan. Ich kann es selbst kaum glauben, aber mittlerweile kann man die Jungs kaum noch vom Basketballspielen abhalten. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich das erste Mal mit einem Basketball auf den Sportplatz gekommen bin und sie überhaupt nicht begeistert davon waren. Heute wollen sie fast nur noch Basketball spielen. Die Jungs werden von Tag zu Tag besser. Am Anfang war ich mit Abstand die erfahrenste und beste Spielerin auf dem Platz. Mittlerweile werde ich allerdings langsam von den Jungs abgehängt und das gefällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht. Danach machen wir uns frisch und trinken gemeinsam Tee. Um 18 Uhr gehe ich in die „Study Hall“, wo ich den Jungs bei ihren Hausaufgaben helfe oder meinen Unterricht für den nächsten Tag vorbereite. Seit einigen Wochen nutze ich diese Zeit allerdings oft für meinen täglichen 50-minütigen Spaziergang. Dieser tut mir wirklich sehr gut. Es ist die einzige Zeit am Tag, in der ich einmal richtig aus dem Projekt herauskomme. Um 20 Uhr gehen wir gemeinsam in die Main Hall und beten den Rosenkranz. Um 20:15 Uhr gibt es Abendessen. Manchmal spiele ich danach noch eine Runde UNO oder Mensch ärgere dich nicht mit den Jungs. Gegen 21 Uhr gibt es das Gute-Nacht-Gebet und anschließend das sogenannte „Good Night“. Mittlerweile übernehme ich das „Good Night“.

Besuch von den Volunteers aus Indien

Nicht nur ich absolviere meinen Freiwilligendienst mit Don Bosco Volunteers. Vier weitere Volunteers machen ihr FSJ in Vijayawada in Indien. Im Juni haben sie Urlaub genommen und verschiedene Don-Bosco-Einrichtungen besucht unter anderem auch meine hier in Sri Lanka. Am 15. Juni kamen sie gegen drei Uhr morgens in Murunkan an. Natürlich wurden auch sie von der Grundschule herzlich willkommen geheißen. Das muss ich wirklich sagen, hier wird jede Person unglaublich herzlich empfangen. An diesem Tag habe ich ihnen das gesamte Gelände gezeigt und ihnen alles über mein Projekt erzählt. Natürlich durfte auch meine tägliche Spazierrunde nicht fehlen. Die vier waren überrascht, wie schön es hier ist. Am Anfang meines Freiwilligendienstes habe ich gar nicht so wahrgenommen, wie wunderschön die Natur rund um Murunkan ist. Doch mit der Zeit ist mir das immer bewusster geworden und mittlerweile schätze ich das Leben hier sehr. Nach zwei Tagen in Murunkan und vielen schönen gemeinsamen Momenten ging es für vier Tage in den Süden Sri Lankas. Dort angekommen war ich allerdings ziemlich überrascht, denn es war kaum etwas los. Wir waren mitten in der Nebensaison. Das war mir vorher gar nicht bewusst. Im Nachhinein fand ich das aber gar nicht so schlecht. Die meisten westlichen Restaurants hatten geschlossen und es waren kaum Touristen unterwegs. Trotzdem hatten wir einen wunderschönen Urlaub und wenn ich ehrlich bin, hat mir diese Auszeit wirklich gutgetan. Als ich in Weligama, einem kleinen touristischen Ort im Süden, ankam, hatte ich plötzlich ein ganz komisches Gefühl. Ich hatte Heimweh, allerdings nicht nach Deutschland, sondern nach Murunkan. Es war trotzdem gut, mit den anderen Volunteers in den Urlaub zu fahren und einfach einmal den Kopf freizubekommen. Das zuvor Erlebte rund um den Suizid hat mich zu diesem Zeitpunkt noch sehr beschäftigt. Unser Urlaub bestand aus Restaurantbesuchen, Strand, Partys und einfach ganz viel gemeinsamer Zeit. Natürlich durften auch Spieleabende nicht fehlen. Am letzten Tag fuhren wir noch nach Galle, einer historischen Stadt im Süden Sri Lankas. Ehrlich gesagt haben mich die Städte hier bisher nicht ganz überzeugt. Ich bin einfach eher ein Naturmensch. Galle erinnerte mich eher an eine europäische Stadt als an eine tropische. Das war irgendwie ungewohnt, aber trotzdem eine schöne Erfahrung. Am nächsten Tag ging es zurück nach Murunkan und ich habe mich wirklich darauf gefreut, wieder hier zu sein. Obwohl ich nur fünf Tage weg war, hatte ich meine Hostel-Jungs schon vermisst. Die Rückreise verlief allerdings aufregender als gedacht. Gegen 14 Uhr nahmen wir den Zug nach Colombo und gingen eigentlich davon aus, im Provincial House übernachten zu können. Leider hat das nicht funktioniert, sodass wir uns gegen 20 Uhr kurzfristig ein Hostel suchen mussten. Dieses Hostel war wirklich ein Abenteuer, aber auch diese Nacht haben wir gut überstanden. Am nächsten Morgen brachen wir gegen 8 Uhr auf. Die indischen Volunteers fuhren weiter nach Negombo zum Flughafen und ich nahm den Bus von Colombo zurück nach Murunkan.

Mein zwanzigster Geburtstag

Ich kann es selbst kaum glauben, aber vor etwas zwei Wochen bin ich 20 Jahre alt geworden. Der Tag war wunderschön und ich hätte ihn mir nicht schöner vorstellen können. Gegen 6 Uhr morgens wurde ich von den Jungs geweckt. Sie haben für mich „Viel Glück und viel Segen“ gesungen. Dieses Lied hatte Friederike vor ungefähr vier Monaten mit ihnen für Father Williams Geburtstag einstudiert. Um 7:30 Uhr hat die gesamte Grundschule für mich gesungen und der Schulleiter hielt eine wirklich schöne Rede. Immer wenn eine Lehrkraft Geburtstag hat, verteilt sie an die Schülerinnen und Schüler Schokolade und an die anderen Lehrkräfte Eis und Kuchen. Deshalb war es für mich selbstverständlich, diese Tradition ebenfalls fortzuführen. Gegen 12 Uhr bekam ich von den Lehrkräften einen Sari geschenkt, worüber ich mich sehr gefreut habe. Als die Jungs nach der Schule zurückkamen, verbrachte ich den restlichen Tag mit ihnen. Um 15 Uhr wurde extra für mich eine Messe organisiert. Anschließend gab es eine kleine Feier, bei der ich einen Geburtstagskuchen anschnitt. Danach spielten wir Volleyball und Basketball. Am Abend habe ich mir gewünscht, gemeinsam mit den Jungs den Film Avatar zu schauen, natürlich auf Englisch. Dazu gab es Cola, Kekse und für jeden ein Eis. Darüber haben sie sich riesig gefreut.

In zweieinhalb Wochen geht es für mich zurück nach Deutschland und um ganz ehrlich zu sein, fühle ich mich nicht bereit dafür.

Vor drei Monaten nach der Beerdigung konnte ich es kaum erwarten, wieder nach Hause fliegen zu können. Doch jetzt fühlt es sich unfassbar falsch an, Murunkan zu verlassen. Wobei was heißt eigentlich „nach Hause“? Denn Murunkan ist mein neues zu Hause geworden. Natürlich freue ich mich darauf, meine Familie und Freunde wiederzusehen. Trotzdem sind mir die Menschen hier unglaublich ans Herz gewachsen. In zwei Tagen fahren die Jungs nach Hause und ich realisiere langsam, dass ich viele von ihnen wahrscheinlich nie wiedersehen werde. Wenn ich ganz ehrlich bin, zerbricht mir dieser Gedanke das Herz. Ich habe ein ganzes Jahr mit ihnen zusammengelebt. Sie haben mir von ihren Sorgen erzählt, mir voller Stolz ihre guten Noten gezeigt und ihren Alltag mit mir geteilt. Gemeinsam haben wir gelacht, Sport gemacht, gearbeitet und so viele unvergessliche Momente erlebt. Ich glaube, die Jungs habe ich in diesem Jahr am meisten ins Herz geschlossen, auch wenn es mit ihnen nicht immer einfach war. Man sagt ja, man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, auch wenn es sich im Moment überhaupt nicht richtig anfühlt.

Bevor es für mich zurück nach Deutschland geht, möchte ich gerne noch zwei weitere Blogbeiträge veröffentlichen. Ob ich das zeitlich schaffe, ist allerdings die andere Frage. Momentan findet das Sommerfest der Grundschule statt. Darüber möchte ich im nächsten Blog berichten. Außerdem würde ich gerne noch einen Beitrag über meinen Abschied schreiben und einen weiteren über ein Thema, das mir inzwischen sehr am Herzen liegt, Sri Lanka selbst und die verschiedenen Volksgruppen, die hier zusammenleben. Dieses Thema habe ich bereits einmal kurz angeschnitten, würde aber gerne noch etwas ausführlicher darauf eingehen. 

Ich würde mich freuen, wenn ihr mich mit einer kleinen Spende unterstützen könnt. Meinen Spendenlink findet ihr auf meiner Blogseite.

Vielen Dank, dass ihr mich die letzten elf Monaten in meinem Freiwilligendienst hier auf Sri Lanka begleitet habt. 

Bis zum nächsten mal. 

Eure Johanna 😊