Insight Sri Lanka

(Fast) Ein Jahr in Pallavarayankattu

Eine Woche schwitzen

Hey ihr Lieben!
Ich weiß, ihr wartet wahrscheinlich schon seit Montag auf Neuigkeiten. Es tut mir Leid, ich habs einfach nicht früher geschafft, wir haben so viel erlebt in der vergangenen Woche; das bekommt ihr jetzt ganz genau erzählt 🙂

Vorabinformationen:

Im Moment sind wir im Provincial House (also der Verwaltungssitz der Salesianer in Sri Lanka) in Negombo, einer Stadt gegenüber von Colombo, einmal auf der anderen Seite der Lagune. Wir bleiben hier noch bis zum 13.02., weil wir am 10.02. noch einen Medical Check machen und das Immigration Office in Colombo besuchen müssen. Danach gehts dann in unser eigentliches Projekt in Pallavarayankaddu. Weil wir hier ja noch nicht arbeiten können, hat ein gewisser Father ständig Sorge, uns könne langweilig werden; das hat dazu geführt, dass ich euch erst jetzt schreiben kann und ein paar kurze Nächte hinter mit habe xD

Dienstag 03.02.

Mit dem Flug hat alles gut geklappt und um 2.30 Uhr am Dienstagmorgen (03.02.) wurden wir von Father Viraj vom Flughafen abgeholt. Den Namen solltet ihr euch besser merken, der Father sollte noch eine große Rolle bei unseren Erfahrungen spielen. Nachdem wir um elf Uhr nach einer schweißgebadeten Nacht aufgestanden sind, haben wir das erste Mal Sri Lankanisches Essen bekommen. Ich muss sagen, ich bin einfach ein großer Fan. Es gibt eigentlich immer Reis und dazu meistens zwei Soßen/Beilagen mit Fisch oder Fleisch und zwei mit Gemüse plus eine Art Salat. Nicht selten stehen auch noch mehr Schüsseln mit verschiedenen Inhalten auf dem Tisch. Ich weiß nicht, ob ich den Reis in ein paar Wochen verfluchen werde, aber im Moment bin ich sehr glücklich mit dem Essen 🙂 Nach dem Mittagessen sind wir mit Father Viraj und seiner Assistentin in den Ort gefahren (zu Fuß gehen kommt anscheinend gar nicht erst in Frage) und haben erstmal Geld abgehoben. Anschließend haben wir uns ein paar einheimisch anmutende Kleidungsstücke gekauft und neue SIM-Karten besorgt.

Mittwoch 04.02.

Mittwoch, 04.02. ist der Unabhängigkeitstag Sri Lankas. Weil die Wenigsten an diesem besonderen Tag arbeiten, wurden wir von Father Viraj zu einem Treffen der von ihm iniziierten Self Help Group eingeladen, einer Gruppe an Frauen, die durch den Verkauf von Zierpflanzen ihr eigenes „buisness“ aufbauen können. Den ganzen Vormittag lang haben wir also Elle gespielt (ein Spiel, das sehr an Cricket erinnert, aber auch ein paar Aspekte von Brennball hat). Es hat super viel Spaß gemacht und wenn jemand einen Home Run geschafft oder den Ball aus der Luft gefangen hat wurde das gebührend gefeiert. Nach den Siegerehrung und Preisverleihung haben wir zu sehr lauter Musik getanzt. Insgesamt war ich sehr beeindruckt von dem Aufwand, der für dieses eigentlich recht kleine Event getrieben wurde. Die Fathers haben extra zwei große Musikboxen und ein Tonmischpult zum Sportplatz gebracht und auch das Mittagessen wurde mit dem Auto dorthin gefahren. Nach der „dance lesson“ gab es für alle zusammen Mittagessen, wobei Anne und ich gelernt haben, mit der Hand zu essen. Es ist schon ein bisschen unangenehm, wenn du jede frühkindliche Erziehung ignorieren musst und dir 15 Leute dabei zuschauen … (Aber mittlerweile klappt das schon ganz gut :)) Noch während des Nachtisches haben einige Frauen begonnen, Karaoke zu singen und natürlich konnten Anne und ich dem nicht entgehen. Aus Ermangelung an Liedern, die wir beide kennen, haben wir am Ende „Astronaut“ von Andreas Bourani zum Besten gegeben. Nach einer letzten „dance lesson“ konnten Anne und ich mich endlich zurückziehen. Sport bei 29 Grad in der prallen Sonne und das wiederholte Verlassen der Komfortzone machen einfach fertig (das Jetlag ignorieren wir einfach mal). Am Abend hat uns Father Viraj noch mit an den Strand genommen, wir haben einheimische Snacks probiert, waren random auf einem Konzert und sind durch die nächtlichen Straßen gelaufen. Wir wurden nur ungefähr sieben Mal fast überfahren.

Donnerstag 05.02.

Am Donnerstag konnten wir uns etwas ausruhen und am Strand lesen, weil es Father Viraj nicht gut ging. Anscheinend war das Huhn am Vorabend nicht mehr gut gewesen. Was ein Glück, dass Anne und ich beide vegetarisch essen …

Freitag 06.02.

Freitag musste sich Viraj noch auskurieren, aber schon beim Frühstück fragte er „Why are you still here? Go and see something.“ Das ist eine etwas andere Einstellung als in Vijayawada, wo Marlene und die anderen erstmal eine Woche lang Eingewöhnung hatten. Naja, wir haben dann nachmittags eine Bootstour in Colombo gebucht. Wir sind per PickMe mit einem Threewheel (TukTuk) gefahren. Es ist schon sehr cool, man gibt in einer App ein, wo man abgeholt werden möchte und was das Ziel ist und innerhalb von fünf Minuten ist man unterwegs. Weil wir ein zu früh dran waren, sind wir einfach ein bisschen die Straße entlang gelaufen und haben uns einen Supermarkt angeschaut. Man merkt durchaus, dass Reis, das Hauptnahrungsmittel hier ist ;). Die Bootstour auf dem Fluss und in die Lagune rein war wirklich schön, wir haben super viele Tiere gesehen und haben auch Fischer getroffen. Der Guide wusste auch sehr viel und hat uns viel erklärt, aber nicht zugetextet, wenn wir die Umgebung genossen haben. Nach einer Kokosnuss (die sind wirklich gut, ich mag vor allem das Wasser, das ist super erfrischend) sind wir im Sonnenuntergang zurück gefahren und haben die Reste unseres Snacks an wildlebende Affen verfüttert. Die böse Überraschung kam am Ende, als der Guide uns erzählte, dass uns der ganze Spaß 50 Dollar kosten würde, während wir zuvor am Telefon 15 Dollar verstanden hatten, Touristenpreise eben.

Wochenende 07./08.02.

Bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen ging es direkt wieder weiter. Nach dem Zyklon Ende November und den darauffolgenden sintflutartigen Regenfällen gab es in einigen Teilen des Landes große Erdrutsche. Die Salesianer in Sri Lanka unterstützen die betroffenen Familien beim Wiederaufbau ihrer Häuser und Father Viraj ist für die Finanzierung zuständig. Deshalb ist er am Samstag nach Kandy gefahren, um sich selbst ein Bild zu machen und hat uns mitgenommen. Seine Assistentin Imasha* ist auch mitgekommen, ich glaube, hauptsächlich damit wir eine weibliche Ansprechpartnerin haben. In Kandy haben wir das erste Mal wirklich sehr arme Wohnungen gesehen, die meisten davon sind illegal am Berg gebaut und Absturz gefährdet. Weil in der Don Bosco Einrichtung vor Ort keine Zimmer mehr frei waren, sind wir gegen Abend eine Stunde weiter in die Berge zu einem Freund von Father Viraj gefahren. Die Familie spricht leider kein Englisch, aber mit Dolmetschern bzw. Mimik und Gestik hat die Verständigung ganz gut funktioniert. Sie waren super lieb und gastfreundlich, haben ein ungewöhnlich aufwändiges Essen für uns gekocht und uns sogar ihr eigenes Bett überlassen. Am folgenden Morgen sind wir wieder los, um die betroffenen Menschen vor Ort zu besuchen. Mehrmals wurden wir auch auf einen Tee (Tee bedeutet hier eigentlich immer Schwarztee, direkt von den preisgekrönten Plantagen von nebenan) eingeladen. In dem Zuge durften wir eine frische Kakaofrucht probieren. Man kann das weiße Fruchtfleisch um die Bohnen herum essen, die Bohnen selbst sind in unverarbeitetem Zustand nicht sehr schmackhaft. Während wir von Haus zu Haus gelaufen sind, haben Anne und ich Nachhilfe in tropischer Botanik und Sinhala bekommen. Zum Abschluss sind wir zu einem Wasserfall gefahren und der ist einfach der Wahnsinn! Wirklich wunder wunderschön und mit vielen Felsbrocken, auf denen man rumklettern kann – wie Korsika, bloß noch schöner. Nach einem sehr späten Mittagessen (5:30 Uhr) haben wir die Berge wieder verlassen und sind zurück nach Negombo gefahren.

Montag 09.02.

Montag konnten wir mal ausschlafen und sind nur Nachmittags mit einem Fischer auf seinem Boot in die Lagune gefahren. Dann wurden wir natürlich wieder zum Tee eingeladen, wobei es diesmal Kokosnussfladen mit „Dynamite“ einer speziellen Chilisoße (der Name sagt eigentlich alles, was man wissen muss) und Kuchen gab. Anschließend sind wir mit der Familie des Fischers an den Strand gegangen, haben den Sonnenuntergang genossen und Sri Lankanische Snacks geknabbert 🙂

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  1. Ulla Fricke

    Ach der gute Pater Viraj! Ich bin gespannt auf Eure Berichte und hoffentlich fällt euch der Wechsel ins Dorfeben nicht allzu schwer. Viele Grüße Ulla von don Bosco volunteers

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