6. Avec Don Bosco, c‘est la joie!

Herzlich Willkommen Provincial Denis! 

Ende Januar fand ebenfalls noch einmal eine Evaluation statt. Nur diesmal in einem etwas größeren Rahmen. Denn der Provinzial Denis, der AOS (Province „Africa West South“), stattete uns seinen jährlichen Besuch ab. Seine Provinz, welche abgesehen von Togo Ghana, Liberia, Sierra Leone und die Elfenbeinküste umfasst, ist deutlich größer als unsere europäischen Provinzen, welche oftmals nur ein Land abdecken (wie es beispielsweise bei uns in Deutschland der Fall ist). Umso größer war die Ehre in den beiden Foyers, Père Denis bei seiner Ankunft begrüßen zu dürfen. Die Mädchen waren ganz aufgeregt und haben mit der Maman zusammen eine wirklich goldige Empfangszeremonie eingeübt.

Die Mädchen empfangen Père Denis mit Wasser

Nach seiner ausgiebigen Begrüßung verabschiedeten wir uns mit allen Mitarbeitern der Foyers in den Saal, indem unsere monatlichen Besprechungen stattfinden. Nun fand sich die Zeit, dem Provinzial den dringenden Bedarf der Reaktivierung des „Foyer Ignace“ zu vermitteln. Damals, als noch die spanischen Salesianer hier aktiv waren, existierte nämlich ein drittes sogenanntes „Auffangfoyer“, um die Kinder zu beherbergen, die unmittelbar von der Straße kamen. Dort erhielten sie die nötigste Verpflegung, durften sich eingewöhnen und hatten nach einigen Monaten der Stabilität die Möglichkeit ins „Foyer Immaculée“ umzuziehen. Dieser erste Ankunftsort ist inzwischen wirklich baufällig und leider seit über 10 Jahren inaktiv. Dabei wäre er unglaublich wichtig. Denn es kommt immer wieder vor, dass unsere Jungs – angezogen von der absoluten Freiheit und dem Flair – auf den Markt abhauen, was die relativ stabilen Kinder doch immer wieder für ein paar Tage auf die Straße lockt. 

40 Jahre Foyer Immaculée! 

Nach diesem guten Austausch feierten wir gemeinsam mit den Kindern, ein paar ehemaligen Foyisten und den eingeladenen Sponsoren des Foyers eine Messe anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Jungsfoyers. Der Provinzial, Père Jonathan und unser Direktor Père Cyrille hielten die Messe, aber auch alle anderen Salesianer und ein hinzu geladener Chor feierten mit uns die 40 Jahre „Foyer Imaculée Conception“!

Besuch in Lomé tut oft bisschen weh 

Kurz vor dem Don Bosco Fest machten  Christine und ich unglücklicherweise einen viel zu langen Abstecher nach Lomé, um unser Ghana Visum zu beantragen. Dort wurden wir allerdings darüber informiert, dass wir das Visum lediglich direkt an der Grenze bekommen – zum bescheidenen Preis einer meiner Nieren. Allerdings hat sich der Besuch allein aus dem Grund gelohnt, dass wir Katja getroffen haben und mit ihr im Meer schwimmen waren! Ich hätte mich noch Stunden von den Wellen hin und her schmeißen lassen können! Charité, welche sich kurze Zeit später neben mich setzte, war fasziniert von der Leichtigkeit, mit der wir dem Meer begegneten: „Habt ihr denn keine Angst?“ Wir schüttelten den Kopf und beschlossen, sie ein wenig mit unserem Leichtsinn anzustecken. Wir nahmen sie an der Hand und führten sie immer noch ein Stückchen weiter ins Wasser hinein, nur um kreischend und lachend zum Strand zurück zu rennen, sobald die Wellen sie knieaufwärts berührten. Was für ein wertvoller Nachmittag! 

Don Bosco feiert eine Woche durch 

Dadurch, dass wir am 28.01. bereits aus Lomé zurückgekehrt sind, schafften wir es noch pünktlich zum Beginn der Don Bosco Festtage nach Kara zurück. Der offizielle Gedenk- und Todestag des Heiligen Johannes Bosco wird am 31.01. gefeiert, doch bei uns wurde dem Ordensgründer zur Ehre eine ganze Woche diversen Programms gewidmet. So starteten wir direkt am Mittwoch mit dem „Tag der Kulturen“ im Gymnasiums und Ausbildungszentrum. Hierfür durften Christine und ich uns mit den Pères auf dem Schulhof des Gymnasiums an eine lange Tafel setzen, um wenige Minuten später eine Reihe an traditionellen Tanz- und Gesangsvorführungen präsentiert zu bekommen. Von den über 42 Ethnien in Togo erhielten wir die Chance neben der traditionellen Musik, Tänze und Kleidung auch die jeweils typischen Gerichte der überwiegend in der Schule vertretenen Volksgruppen serviert zu bekommen.

So bekamen wir beispielsweise einen Vorgeschmack auf die Initiationstänze im Juli, in denen die Kabyè, die mit 13% zweit größte Ethnie, in einem Ringkampf („Lutte“/ „Evala“) mit allen heiratsfähigen Männern gegenseitig ihre Stärke messen. Mindestens genau so beeindruckend war aber der Tanz und die Bemalung der Ewe, welche mit 22% die größte Volksgruppe darstellen. Sie sind überwiegend im Süden angesiedelt, aber auch einige unserer Foyer Kinder sprechen beispielsweise Ewe. 

Der Initiationstanz der Kabyè vor den Evala-Ringkämpfen
„Agbadza“: der traditionelle Tanz der Ewe

Die überwiegend muslimischen Kotokoli machen ca. 6% der Bevölkerung aus und sorgten mit ihrer Vorführung für Aufregung, da sie den berühmt berüchtigten Messertanz aufführten. Hierfür schmierten sie sich ein „mystisches Produkt“ (keiner konnte uns die Zutaten nennen) der Unverwundbarkeit auf den nackten Bauch und fuhren sich zum Rhythmus der Musik – oder auch ganz wild- mit einem langen Messer über den Bauch und andere mit dem Produkt bedeckten Körperteile – ohne sich zu verletzen. Das war natürlich eine riesige Sensation und sorgte abends dafür, dass ich ein Druckmittel für die Nicht-Don-Bosco-Schüler im Foyer hatte: Damit ich ihnen abends die Videos zeigte sollten sie mindestens genauso leidenschaftlich lernen, wie die Messertänzer auf den Videos ihr leben riskierten. Das war dann auch die intensivste Lernzeit seit meiner Ankunft.

Der berüchtigte Messertanz der Kotokoli

Schulhofsmesse und Klassenpicknick


Am 30.01. fanden Christine und ich uns pünktlich zum Gottesdienst um 8 Uhr auf dem Schulhof des Gymnasiums wieder und bemerkten, dass wir nichts aus den letzten Monaten gelernt haben. Wir hätten noch entspannt frühstücken können, aber unsere innere Uhr ist Ansaynend (Ansay = „Weißer“ auf Kabyè) nicht auf ein polychrones Zeitverständnis umzuprogrammieren. Nach der Messe genossen wir die Tanz- und Gesangseinlagen der Schüler auf der Bühne und bereiten uns mental auf die Übermenge an Essen vor, welche automatisch mit dem zu Festen üblichen „Klassenpicknick“ einhergeht. Zunächst ein Mal waren wir nämlich eingeladen, im neu eingeweihten Direktorat (falls ihr dazu mehr wissen wollt, schaut unbedingt bei Christines Blog vorbei!) mit unseren Salesianern und ihren Mitarbeitern zu essen. Dort probierte ich abgesehen von dem bombastischen Salat Fidèles zum ersten Mal Frosch und vermisste den Hühnchengeschmack, von dem alle immer reden. Danach sind wir bei einem Mädchen aus unserem Foyer in der Klasse zu Salat Nummer 2 eingeladen, der nach togolesischer Art abgesehen von rote Beete und vereinzelten Salat Blättern zum Großteil aus Spaghetti und Mayonnaise besteht. Anschließend besuchten wir alle anderen Klassen unserer Foyer Kinder, bevor wir weiteren Essenseinladungen  mit der Begründung entflohen, eine Hausrallye für den morgigen Festtag der Kinder vorbereiten zu müssen. 

Avec Don Bosco, c‘est la joie! („Mit Don Bosco ist Freude angesagt!“)

Am 31.01. war nun also das tatsächliche Don-Bosco-Fest. Wie auch sonst, starteten wir natürlich mit einer Messe im Foyer. Direkt im Anschluss verabschiedeten die Mädchen sich in die Küche, um Reis-Pâte zu kochen (riesige, extrem sättigende mit Wasser verklebte Reismehlbälle). Die Jungs profitierten bis zum Mittagessen von einem nach Altersstufen aufgeteilten Wissensquiz und unserer Hausrallye. Hierfür haben wir im gesamten Foyer Nummern versteckt, welche die Teams sich erwürfeln mussten. Nachdem sie diese Nummer, irgendwo im Foyer verteilt, aufgefunden hatten, mussten sie uns das darauf gezeichnete Symbol erklären und sich somit eine Aufgabe freischalten: beispielsweise durften sie das Don-Bosco-Symbol als Akrobatik-Figur darstellen, das heutige Alter Don Boscos ausrechnen oder uns 30 Sekunden lang überzeugend Freestyle über den Heiligen rappen. Den restlichen Nachmittag haben wir mit den Kindern durchgehend getanzt und irgendetwas hat mir gesagt, dass der darauffolgende Tag ähnlich verlaufen würde. 

Challenge: Zeichne uns ein Portrait Don Boscos

Erntedank: Jetzt wird getanzt! 

Wer hätte es gedacht? Am Sonntag nach der Messe sind Christine und ich direkt in der Gemeinde geblieben, denn es stand „Kamou“ auf dem Programm. So nennt sich der traditionelle Ernte-Dank-Tanz der Kabyé, der insbesondere in der Ernte Zeit von November bis Januar getanzt wird. Also für uns quasi ein erstes und letztes Mal. Doch glücklicherweise wird auch zu anderen besonderen Anlässen, wie etwa Beerdigungen, oder zu den Evala-Riten im Juli „Kamou“ getanzt. So haben Christine und ich den ganzen Nachmittag lang mit unzähligen Leuten und mit grünen Zweigen bewaffnet in einem Kreis gegen den Uhrzeigersinn getanzt. Die tiefere Bedeutung dahinter besteht in der Kommunikation mit den Ahnen, welche durch das rhythmische Aufstampfen zum Klang der Litaka-Trommeln hergestellt wird. Die Kabyè danken ihren Ahnen und Gott für die gute Ernte und haben zur Verstärkung teilweise Eisenrasseln an ihren Fußknöcheln befestigt.  

Abschließend möchte auch ich Danke sagen für die gute Ernte! Und nein, damit beziehe ich mich nicht auf Yams, Soja und die guten Früchte, (vielleicht schon auch ein bisschen) sondern viel mehr auf die unvergesslichen Momente, die ich bis hierhin bereits ernten durfte. Nach jedem einzelnen Blog Eintrag frage ich mich, warum nicht jeder diese unglaublichen Erfahrungen machen kann und wünsche jedem eine Christine an seine Seite, mit der er diese Eindrücke teilen kann. Dank ihr sind die Missernten hier nur halb so schwer zu ertragen und wenn doch mal gar nichts zusammen geht, inspiriert sie mich immer wieder, einfach mal neue Dinge anzusäen. Danke meine überintelligente Maus, dass uns oft ein Blickaustausch ausreicht, um zu wissen: Es gibt Gesprächsbedarf. Ich hab dich so lieb und kann gar nicht oft genug sagen, wie froh ich bin, dich hier an meiner Seite zu haben!

Mein Zwilling und ich

Danke auch an  jeden Einzelnder dafür gesorgt hat, dass meine finanzielle Ernte bisher bei beinahe 1850€ liegt!

Wenn wir es jetzt noch schaffen, die fehlenden 200€ bis den 2000€ voll zu bekommen, dann hätten Christine und ich die Möglichkeit ein Projekt mit unseren Foyer Kindern in Höhe von 600€ zu planen. Denn Christine hat bereits über die 3000€ Pflichtbetrag hinaus gesammelt, sodass ihre 300€ garantiert sind. Allerdings fehlen bei mir die 2000€ Mindestbetrag, um meine 300€ für das Projekt zu sichern, weshalb ich euch noch ein mal bitte, großzügig zu sein! Denn mit ganz viel Großzügigkeit, und ein wenig Hoffnung, könnten wir doch tatsächlich das Sommercamp in der Hauptstadt Lomé ermöglichen, von welchem unsere Foyer-Kinder schon lange träumen. Für den Großteil der Kinder würde das bedeuten, das erste Mal ihre Hauptstadt zu sehen.

Hier noch einmal mein Spendenlink: 

http://www.donboscomission.de/volontariat/2025/spenden/gladys

Und das Spendenkonto: 

DON BOSCO MISSION 

LIGA BANK MÜNCHEN 

IBAN: DE66 7509 0300 0102 1418 76 

BIC: GENODEF1M05

VERWENDUNGSZWECK: Gladys Gerezgiher S25VB005

Vorheriger Beitrag

5.2 …gibts viel zu feiern: Hoch die Hände!

Nächster Beitrag

7. Dringende Halbzeit mit dem besten Seminar weltweit

  1. Christine Gnan

    Aus der Erntedank-Metapher hast du ja wirklich alles rausgeprügelt, was geht! Ich will die Leute nicht zum Würgen bringen mit einer kitschigen Antwort auf deinen kitschigen Abschnitt über mich, du musst dich noch bis zu meinem Blogeintrag übers Zwischenseminar gedulden. (Ja, durchschaut, ich heul gleich vor Rührung und weiß nicht, was ich antworten soll.) Ich hab dich lieb, Mausekuchen ;)!
    Wenn ich unsere Beziehung beschreiben müsste, würde ich „eine Kreuzung zwischen Zwillingsschwestern und altem Ehepaar“ sagen. Aber das haben wir ja schon geklärt (du weißt schon, der 40-Jahre-Pakt und so).
    Wenn jeder einer Gladys an seiner Seite hätte, sähe die Welt ganz anders aus. Wesentlich liebevoller! Ich geh gleich rüber und drück dich, nur, dass du vorgewarnt bist und dich nicht wieder erschreckst!

Schreibe einen Kommentar

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kommentarformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@donboscomission.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén