Arbeit Archive - Ich bin dann mal raus von zu Haus https://blogs.donboscovolunteers.de/gabibolivien/tag/arbeit/ Ein Jahr in Bolivien Tue, 19 Nov 2019 01:02:38 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Darf ich vorstellen: Techo Pinardi https://blogs.donboscovolunteers.de/gabibolivien/2019/10/29/darf-ich-vorstellen-techo-pinardi/ https://blogs.donboscovolunteers.de/gabibolivien/2019/10/29/darf-ich-vorstellen-techo-pinardi/#comments Mon, 28 Oct 2019 23:40:05 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/gabibolivien/?p=193 Hola y bienvenidos! Die Ein- oder Anderen werden vielleicht inzwischen mitbekommen haben, was hier im Moment bezüglich Präsidentswahlen abgeht und, dass es damit zusammenhängend auch hier und da ein paar Unruhen in Bolivien gibt, die auch uns betreffen. Darüber werde ich aber ein andermal schreiben, da die Situation immer noch anhält und ich lieber dann […]

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Hola y bienvenidos!

Die Ein- oder Anderen werden vielleicht inzwischen mitbekommen haben, was hier im Moment bezüglich Präsidentswahlen abgeht und, dass es damit zusammenhängend auch hier und da ein paar Unruhen in Bolivien gibt, die auch uns betreffen. Darüber werde ich aber ein andermal schreiben, da die Situation immer noch anhält und ich lieber dann darüber berichte, wenn alles vorbei ist.

So langsam ist es Zeit darüber zu schreiben, wie so ein „typischer“ Tag“ in meiner Arbeitsstelle, dem Techo Pinardi aussieht.

Vorab:

Das Techo ist eine Einrichtung, wo Kinder von der Straße direkt anklopfen können um dann auf freiwilliger Basis einzutreten oder von der hiesigen Institution, die wahrscheinlich vergleichbar mit dem deutschen Jugendamt ist, vorbei gebracht werden, damit das Techo sie aufnimmt. Wer auf freiwilliger Basis da ist, darf jederzeit sagen, wenn er wieder austreten – das heißt im Klartext meistens zurück auf die Straße gehen möchte. Das ist natürlich nicht das Ziel – aber es passiert erstaunlich häufig, dass die Vorzüge und das ungeregelte Leben auf der Straße den oftmals 8 – 12-Jährigen Kindern – auf den ersten Blick! – mehr zusagt, als das geregelte und umsorgte Leben im Techo, was für sie offensichtlich besser wäre, da ihnen dort ein geregelter Tagesablauf, medizinische Versorgung, drei Mahlzeiten am Tag und ein sicheres Umfeld geboten werden.

Ich habe es in den sieben Wochen, in denen ich bis jetzt dort arbeite schon öfter erlebt, dass es Jungs gerade einmal zwei oder drei Tage ausgehalten haben, um dann wieder raus auf die Straße zu wollen, wo sie Drogen konsumieren und Zeit mit ihren Freunden von dort verbringen können. So variiert die Anzahl der dort untergebrachten Jungs sehr und man hat es immer wieder mit neuen Bekanntschaften zu tun. Natürlich gibt es auch ein paar Jungs, die das vielseitige Hilfsangebot was sie dort bekommen, mit der Zeit so wertschätzen lernen, dass sie für eine längere Zeit von bis zu sechs Monaten bleiben und sich auf eine „Resozialisierung“ einlassen, bis dann – je nach Fall – im Bestfall die Reintegration in die Familie erfolgen kann oder sie in ein anderes Heim bzw. Hogar weitergeleitet werden. – – –

Genug Vorab-Info.

Vielleicht holt man sich am Besten jetzt eine Tasse Tee oder Kaffee und liest dann meine – an einigen Stellen etwas ausschweifenden Erzählungen…

Fangen wir doch vielleicht da an, wo auch für mich der Tag anfängt, nämlich morgens um 6:41 Uhr. Mein erster Wecker klingelt… den bringe ich meistens ziemlich schnell zum Schweigen und döse noch ein paar Minütchen – soweit mir das die laute Hauptstraße vor unserem Haus erlaubt, bis ich dann ca. um zehn vor sieben so elegant wie möglich aus meinem Stockbett herabsteige, um meinen Zimmerkollegen nicht aufzuwecken, der noch ein bisschen länger schlafen kann.

7:15 Uhr

Ich gehe aus dem Haus und muss keine 10 Schritte laufen, um in den“Micro“, den kleinen Linienbus vor unserer Haustür zu steigen. Der fährt mal so und mal so… es gibt keinen wirklichen Fahrplan nachdem ich mich richten muss – man wartet aber normalerweise nicht länger als 3 Minuten bis man dann auf dem Gehsteig stehend die Hand in Richtung Straße ausstreckt, um den Bus heranzuwinken. Man selbst ist also die Haltestelle, um es so auszudrücken. Dem Busfahrer drückt man beim Einsteigen 2 Bolivianos (umgerechnet ca. 26 Cent) in die Hand und kann sich damit in der ganzen Stadt herumkutschieren lassen. Dieses System funktioniert hier meiner Meinung nach ziemlich gut. Man könnte sich davon mal eine Scheibe abschneiden in der von Regeln und Plänen überfluteten „westlichen Welt“…

Na ja – jedenfalls komme ich dann nach ca. 10 Minuten Fahrzeit im äußeren Stadtzentrum an, von wo aus ich noch 5 Minuten laufe um dann einigermaßen pünktlich um 7:30 Uhr an der Eingangstür des Techo Pinardi zu stehen.

Dort angekommen…

…geselle ich mich zu den, meistens schon beim Frühstück sitzenden Jungs und Erziehern dazu und esse auch etwas mit. Zu essen gibt es morgens kleine „Semmeln“ (schmecken sehr anders hier, deshalb in Anführungszeichen), die man am besten in seinen in Wasser angerührten, sehr süßen Kakao tunkt, damit sie nicht im Hals stecken bleiben. Manchmal sind die nämlich ausgesprochen trocken. Dazu stehen manchmal Bananen oder eine Fleischpaste, vergleichbar mit Leberwurst auf dem Tisch. Mittlerweile konnte ich mich ganz gut mit dem hiesigen Frühstück anfreunden… man gewöhnt sich mit der Zeit schon dran.

Am Samstag und Sonntag morgen können die Jungs etwas länger schlafen und ich nutze die Zeit in der Küche, um für´s Frühstück Eier zu frittieren. Frittieren? – Ja, das macht man hier so gut wie mit allen Lebensmitteln. Ob Reis oder Maniok- (hier auch Yukkawurzel genannt), Hühnerbrust, Eier oder Schnitzel – all das gibt es hier in frittierter Form und schmeckt, wie ich finde, hervorragend!

Weiter geht´s nach dem Frühstück mit den „oficios“.

Das sind die täglichen Hausarbeiten, die die Jungs zwei bis drei Mal täglich erledigen um das Haus sauber zu halten. Dazu gehört es, den Garten sauber zu halten und Schlafzimmer, Essensraum und Küche, Flur und Fernseh- & Lehrsäle zu fegen und zu wischen. Jeden Tag. Und das ist auch wirklich nötig, da sich einerseits durch das meist recht windig-trockene Klima viel Sand in den Innenräumen ansammelt und andererseits, weil man hierzulande wirklich ein sehr anderes Verständnis von Nachhaltigkeit und Müllvermeidung hat. Das merkt man ziemlich schnell und es ist nicht nur eine Eigenheit von den Jungs im Techo, sondern man lässt seinen Müll einfach fallen wo man gerade geht oder steht… das, was nicht der Wind in der Zwischenzeit überall verteilt, wird ja dann sowieso bald von irgendjemand weggefegt. Fakt am Rande: Ich habe während meiner kompletten Zeit hier in Bolivien noch keinen einzigen Staubsauger gesehen… so etwas kennt man hier offensichtlich nicht oder es ist einfach ein absolutes Luxusgut.

Nach den Hausarbeiten, bei denen es mein Job ist, die Jungs immer wieder zu motivieren und ihnen auch mal zu helfen, startet die „actividad mañana“ – Vormittagseinheit. Diese variiert je nach Wochentag zwischen einer Art Unterricht in Mathe, Schreiben & Lesen, einer von mir eingeführten Englischstunde oder auch mal praktischen Aktivitäten, wie z.B. Rasen mähen oder die eigene Wäsche waschen – mit der Hand! Freitags, an meinem freien Tag, backen die Jungs meistens typisch bolivianisches Essen und machen eine Grundreinigung. Obwohl für diese Vormittagsaktivitäten eigentlich ein klarer Zeitrahmen von 9:00 bis 10:30 Uhr gesetzt ist, läuft diese Zeit in der Realität meist ziemlich nach Lust und Laune der zuständigen „Educadores“ (Erziehern). Damit meine ich, dass die festgelegten Zeiten und Aktivitäten sogar manchmal eingehalten werden. 😉 Der Tagesablauf hat auf dem Papier also eine Struktur – in der Praxis ist diese aber nicht immer so umsetzbar.

Brotzeit.

Um 10 Uhr verschwinde ich für einen Moment in der Küche und bereite für alle die sogenannte „Merienda“ vor – das ist so etwas wie ein kleiner Zwischensnack und ist in ganz Latein- und Südamerika vor und auch nachmittags recht üblich – ich schneide meistens ein paar frische Äpfel, Bananen, manchmal auch eine Papaya oder Ananas auf und serviere sie dann den Kindern zur Versüßung ihrer jeweiligen Aktivität – meistens während dem Unterricht. Ansonsten unterstütze ich die Schüler bei ihren Rechenaufgaben oder versuche ihnen etwas neues beizubringen.

Um 12 Uhr…

…oder etwas später gibt es dann das „almuerzo“ (Mittagessen), was immer in der Zentralküche des Hogar Don Bosco, also des großen Kinderheims gekocht und an alle in der Stadt verteilten Einrichtungen ausgeliefert wird. Während die Jungs noch mit ihren Aufgaben oder mit Fußballspielen beschäftigt sind, verteile ich schon mal das Essen auf die verschiedenen Teller und hole mir ein oder zwei Jungs, die mir beim Tische vorbereiten helfen. Meistens findet sich noch einer, der aus einer frischen Ananas oder Papaya einen „refresco“, ein Erfrischungsgetränk zubereitet, was dann zum Essen serviert wird.

Jede Mahlzeit beginnt und endet mit einem Gebet, was meistens auch von einem der Jungs gesprochen wird und danach beginnt das große (Fr)essen. Ja – das läuft wirklich alles etwas viel chaotischer und mit sehr dürftig ausgeprägten Tischmanieren ab, als man es von uns zu Hause so kennt. Zur Erklärung: Gegessen wird mit einem Löffel. Gabeln und Messer gibt es hier nicht, da diese in der Vergangenheit vielmehr mehr als Waffen als zum essen benutzt wurden. Erste Schwierigkeit. Wie soll man denn als ungeübter Laie so glibbrige Bandnudeln mit Soße oder ein Stück zähes Fleisch, wie es hier keine Seltenheit ist allein mit einem Löffel bewältigen? Da fängt man halt an, sich mit den Händen zu helfen. Daraus folgen dann Schlingen, Schmatzen und manchmal auch kleine Essensschlachten, bei denen ich anfangs nur recht hilflos zusehen konnte und mittlerweile immer noch keinen großen Einfluss darauf habe. Auch für die Erzieher ist eine solche Situation nur mit sehr großer Mühe unter Kontrolle zu bringen. Demnach geht es auch ziemlich laut und belebt bei Tische zu. Naja – übel nehmen kann man es den Kindern trotzdem nicht. Ich freue mich eher, wenn ein neuer Junge ins Techo eintritt, der gerade von der Straße kommt und womöglich seit Tagen keine anständige Portion, geschweige denn etwas Warmes zu sich genommen hat, einfach mal in sich hineinschlingt, was reinpasst. Das muss man immer im Hinterkopf haben – dann sieht man die ganze Essensprozedur aus einer anderen Perspektive. Klar – es wird im Techo versucht, den Jungs Manieren, Sitten und Verantwortung zu vermitteln- aber das dauert seine Zeit und kann nicht von jetzt auf gleich passieren.

Vor dem Beenden der Mahlzeit wird wie immer noch ein Junge für den Abwasch und Reinigung des Speisesaals bestimmt und für die anderen geht es in die Mittagsruhe. Das bedeutet für die Jungs ein bis zwei Stunden faulenzen, Karten spielen oder tun, was ihnen halt gerade so einfällt. In dieser Zeit steigen die Temperaturen an heißen Tagen auf bis zu 37 Grad an. Da tut es gut, einfach mal ein bisschen Ruhe zu geben. Trotzdem gibt es einige Jungs, die selbst in dieser Hitze ein Fußballspiel anfangen und oberkörperfrei, schweißtriefend etwas in der Sonne rumkicken.

Nachmittagsprogramm.

Dienstags, mittwochs und donnerstags werden die Jungs um 2 Uhr mittags von dem Fahrservice des Hogars, der auch das Essen vorbeibringt, abgeholt und zur „soldadura“, der Schweißerei des Hogars gefahren, wo sie dann eine Art Ausbildung in Sachen Metallbearbeitung und Handwerk bekommen. An den restlichen Tagen und nach der Soldadura, bietet die Nachmittagserzieherin den Jungs an, Armbänder zu gestalten und zu flechten. Das ist eine Arbeit, die hierzulande recht verbreitet ist, da sich diese schönen Unikate gut zum Verkauf oder als Geschenk eignen. Auch ich habe mittlerweile schon ein paar von diesen sogenannten „manillas“ um mein Handgelenk…

Manchmal, wenn es die klimatischen Gegebenheiten und damit zusammenhängend mein Energielevel zulassen, versuche ich auch ein Gruppenspiel anzuleiten oder mach mit ein paar von ihnen ein paar Sport- und Kraftübungen. Was sich aber als eine wirkliche Herausforderung für mich entpuppt hat, sind die eben erwähnten Gruppenspiele. Es ist echt nicht einfach die Jungs zu einem Spiel zu motivieren, was nicht Fußball heißt. So eine Gruppe von Jungs zu einer Aktivität zusammenzutrommeln hat sich als schwieriger herausgestellt, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe den Eindruck, dass solche Gruppenspiele wie ich sie aus Ministrantengruppenstunden oder Zeltlagern zu Haufe kennengelernt habe, hier bei Weitem nicht so bekannt sind. Das macht das Ganze nicht einfacher. Ich bin mir sicher, wenn eine meiner Spielideen mal so richtig gezündet hat und ein paar von den Jungs Spaß daran gefunden haben, wird das Spiel auch für die Anderen um einiges attraktiver und es kann die ganze Gruppe Spaß daran haben. Aber allein schon die Aufgabe, genügend Leute für ein Spiel zu finden, die sich nicht vom Mitspielen ihrer Kumpels abhängig machen, ist schwierig genug – nicht zuletzt durch mein geringes Durchsetzungsvermögen aufgrund der fehlenden Sprachgewandtheit.

Gut – das gehört anscheinend dazu – und ich bin mir sicher, dass sich das ich da mit der Zeit und der Hilfe der Erzieher auch noch einiges dazulernen kann. Soviel dazu.

Langsam kühlen sich die Temperaturen ab und es geht auf den Abend zu.

Die „cena“ (Abendessen) gibt es um 19:30 Uhr. Es gibt wieder ein vollwertiges warmes Essen, wie auch schon zum Mittag. Das scheint die Jungs aber in keinster Weise zu stören und auch ich habe zum Abendessen wieder kräftig Hunger. So ein Tag kann je nach Bewegungsintensität auch echt anstrengend sein. Die cena verläuft grundsätzlich gleich wie das Mittagessen, manchmal sogar noch ein bisschen chaotischer und lauter.

Mittlerweile ist es schon dunkel und es herrscht eine angenehme Atmosphäre, bei der die Jungs gerne noch einmal Verstecken spielen oder einen Film schauen dürfen. Um ca. 21 Uhr verabschiede ich mich dann und mache mich auf den Heimweg.

Bemerkung des Autors:

Wer jetzt mitgerechnet hat, denkt, dass ich einen Arbeitstag von 13,5 Stunden habe. Stimmt so natürlich nicht – das habe ich im obigen Text nicht erwähnt. Montags, mittwochs und sonntags arbeite ich vormittags von 7:30 – 15:30 Uhr. Dienstags, donnerstags und Samstags habe ich die Nachmittagsschicht von 14:00 – 21.00 Uhr. Freitag frei.

Soweit so gut!

Ich hoffe ihr könnt euch an Hand dieses Beitrags ein grobes Bild davon machen, wie so ungefär ein Arbeitstag von mir aussieht und was für eine Art Einrichtung das Techo Pinardi ist, in dem ich jetzt seit eineinhalb Monaten als Volontär mithelfe.

Macht´s gut, bis zum nächsten Mal – Chao!

Euer Gabriel

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Buenos dias a todos! Hiermit melde ich mich nach den vergangenen ersten zwei Wochen in meiner neuen Heimat. Vorab – es geht mir gut. Ich wohne jetzt mit meinen drei deutschen und zwei holländischen Mitvolontären in einem Haus, das direkt am Projekt steht und seit Jahren den Freiwilligen zur Verfügung gestellt wird.

Die erste Woche bestand für uns neue Volontärsgruppe vor allem aus Kennenlernen, Einführungen, Informationsmaterial und dem Empfang durch jeder Menge neugieriger Kinder.

Wie geht es denn mit der Sprache so?

Da wir die ganze erste Woche in einer der Einrichtungen zum Essen eingeladen waren, konnten wir von Tag 1 an mit den Leuten vor Ort ins „Gespräch“ kommen… wenn man die händeringenden Versuche spanisch zu sprechen als solches gelten lassen kann. Ja – das war, vor allem in den ersten Tagen, eine ganz schöne Umstellung. Es gibt natürlich Leute, die es einem einfacher machen, sie zu verstehen, indem sie bewusst langsamer sprechen. Einem Großteil der Leute war das aber nicht so bewusst und so hat man uns in schönstem hiesigen Dialekt sätzelang zugetextet um dann am Ende in ein verdutztes Volontärsgesicht zu sehen, welches dem nur die Worte „mas lento por favor“ – „bitte nochmal etwas langsamer“ entgegensetzen kann. Klar, man ist halt erst mal ziemlich überfordert, wenn man die Sprache noch nicht gewöhnt ist, beziehungsweise sie in keinster Weise flüssig zu sprechen vermag. Aber mit der Zeit das kommt schon hat man uns gesagt.

Es ist eben anfangs eine andere Art der Kommunikation als nur das Gesprochene. Ich half mir viel mit einer Mischung aus Spanisch, bestimmten Geräuschen und hier und da wilden Gesten aus, um mit den Kindern zu kommunizieren. Funktioniert auch. Mittlerweile geht es schon besser mit der Sprache. Auch wenn ich natürlich noch lange nicht alles verstehe, lerne ich bewusst und unbewusst jeden Tag neues Vokabular dazu.

Wo und was arbeiten wir denn jetzt genau? Das war die große Frage für uns Volontäre.

Wie ich schon in meinem ersten Beitrag vorgestellt habe, besteht dieses Projekt, das „Proyecto Don Bosco“ aus mehreren Häusern, die unterschiedliche Funktionen haben.

Hier nochmal der Link zu der Seite, wo man alles genauer nachlesen kann…. Es macht wahrscheinlich Sinn, diese Seite noch einmal grob durchzulesen, dann kann man mit den im folgenden Absatz genannten Häusernamen mehr anfangen.

Am Montag, fünf Tage nach unserem Ankommen standen dann die Arbeitsplätze fest. Die Holländerinnen arbeiten im Patio Don Bosco und im Mano Amiga, meine drei deutschen Mitvolontäre hingegen im Hogar Don Bosco, der größten Einrichtung, und ich arbeite bin im Techo Pinardi.

Die letzten Jahre über war der Arbeitsplatz von uns deutschen Don Bosco Volunteers normalerweise im Hogar – ich hatte mir aber bei der Besichtigung der verschiedenen Häuser, die wir in der ersten Woche alle angeschaut hatten, ganz gut vorstellen können im Techo zu arbeiten und so wurde ich dann auch eingeteilt.

Aller Anfang ist… anders!

Mein erster Arbeitstag dort war interessant. Meine Schicht beginnt um 7.30 Uhr und endet um 15.30 Uhr. Ich bekam nur sehr wenig Einweisung, was es für mich zu tun gibt – das liegt wohlgemerkt aber nicht nur an der Sprachbarriere – sondern mir wurde von den dortigen Erzieherinnen einfach sehr wenig gesagt. Es wirkte so, als wollte man mal sehen wie ich mich so mache… Gut – dachte ich mir – dann mach ich halt einfach mal.

Das in-Kontakt-treten mit den Jungs aus dem Techo war keine allzu schwierige Aufgabe. Die größtenteils 12 – 15-jährigen Jugendlichen hatten keinerlei Scheu, gleich voll durchzuchecken, was man bei mir alles machen darf und was eben nicht. Klar – das geht ganz gut bei einem neuen „Betreuer“, der nicht mal der Sprache mächtig ist… Da ich aber im Umgang mit Jugendlich diesen Alters schon einige Erfahrungen in diversen früheren Praktika und Nebenjobs hatte, war ich zum Glück nicht ganz hilflos im Umgang mit ihnen. Man wird halt gleich auf die Probe gestellt, ob man will oder nicht. Anscheinend hatte die Erzieherin nicht allzu viel auszusetzen an meinem ersten Umgang und so hat man mich ohne große Einweisung weitermachen lassen.

Da die Jungs im Laufe des Tages darauf gekommen sind, dass ich ebenfalls kein Sportmuffel bin, fingen wir bald ganz ungezwungen eine Gymnastik-Stunde an, wo vom Handstand bis zu diversen Breakdance-Moves alles dabei war. Das hat Spaß gemacht und ganz nebenbei war das erste Eis danach schon durchbrochen. „Test bestanden – der kann morgen wieder kommen.“, so hat sich das für mich angefühlt.

Am folgenden Tag hat mir dann die Erzieherin doch erst mal auf schonende Art und Weise beigebracht, dass es durchaus einen Plan gäbe, an den es sich – mehr oder weniger – zu halten gilt. Diesen und wie ein typischer Tag im Techo aussieht, stelle ich euch dann in einem eigenen Beitrag vor.

Die nächsten Tage verliefen soweit ganz gut. Ich habe zwar mittlerweile eine grobe Ahnung von der Struktur eines normalen Tagesablaufes, jedoch wird diese hier und da je nach Laune verändert und dadurch, dass ich auch noch nicht alle auf spanisch getroffene Absprachen und daraus folgende Auswirkungen aufs Wort verstehen und nachvollziehen kann, muss ich auch etwas flexibel sein, was das angeht. Was aber feststeht ist, dass ich täglich neue Wörter, Regeln und Umgangsformen dazulerne, was mir bei meiner Arbeit weiterhilft.

Noch eine, für mich interessante Erfahrung:

In den vergangenen Jahren habe ich festgestellt, dass ich bei verschiedensten Arbeiten und Tätigkeiten gerne direkt mit anpacke und gute Arbeit leisten kann, jedoch fühle ich mich hier manchmal so, als würde ich durch mein fehlendes Wissen mehr Arbeit machen, als dass ich dabei helfe… hier kann ich halt nicht gleich so in der Weise mitmachen, wie bisher. Aber solche Erfahrungen sind normal und da ich das mittlerweile akzeptiert habe und trotzdem mein Bestes gebe mich hier einzuleben, denke ich mir: „Ja, dann ist das halt mal so.“

„Hast du dich schon eingelebt?“ bekomme ich viele Nachrichten aus der Heimat…

Ich denke, da gehört mehr dazu als nur sagen zu können „Ich habe ´ne Wohnung und die Leute sind ganz nett hier… Das ist halt ein Prozess, dieses „Ankommen“.

Mittlerweile habe ich mich hier aber schon soweit zurechtgefunden, dass ich ruhigen Gewissens sagen kann: Ja, hier kann ich ein Jahr ganz gut verbringen und es wird bestimmt ein gutes Jahr. Ich denke, das ist schon mal ein großer Schritt in Richtung „eingelebt sein“.

Bevor die ersten jetzt aber vor dem Bildschirm einschlafen, weil ich so viel geschrieben habe, setze ich jetzt erst mal einen Punkt . …und verschiebe weitere Erzählungen auf ein nächstes Mal.

Bis zum nächsten Update wünsche ich eine gute Zeit – Hasta la vista!

Gabriel

PS: Ein paar schöne Bilder dürfen ja eigentlich nicht fehlen 🙂

Die Sicht vom Turm der Kathedrale von Santa Cruz
Plaza 24 de Septiembre …Sozusagen der Marienplatz von Santa Cruz
Eingangsbereich vom Hogar – der größten Einrichtung des Projekts

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