wo ist die Tanzfläche?
Vier Tage, nachdem wir in Indien ankamen, startete das Ganesha Festival, oder auch Ganesh Chaturthi. Bei diesem 10 tägigen hinduistischen Fest wird der Gott Ganesh gefeiert, welcher der Gott der Neuanfänge, Weisheit, des Glücks, des Erfolgs und der Intelligenz ist. So werden während dieser Zeit überall Statuen des Gottes aufgestellt, welche von der Nachbarschaft organisiert werden und dann in einer ausgelassenen Prozession aus Tanz und Musik in den Fluss versenkt werden.


Wenn man eines dieser halboffenen Zelte betreten hat, wurde man erstmal mit einem angenehmen Räucherstäbchengeruch empfangen und meistens auch von Leuten aus der Nachbarschaft, die sich zusammen um die Statue gekümmert haben. Auch um‘s Essen kommt man meist nicht herum, wenn man einmal vor der Statue steht. Vor allem der Lemon Rice ist wirklich super lecker, aber auch Süßigkeiten, deren Namen ich mir immer nicht merken kann oder auch Bananen wurden uns angeboten. Entweder direkt in die RECHTE Hand (als Linkshänderin musste ich da manchmal schon entsetzte Blicke über mich ergehen lassen, wenn ich das mal wieder vergessen habe) oder in eine aus Blättern zusammengepresste Schale. Die Statuen haben mir aber wirklich sehr gut gefallen und auch, wie alle Leute dort zusammengekommen sind und einfach miteinander geredet und gegessen haben, fand ich wirklich schön.
Einmal wurden wir auch zu einer Tanzveranstaltung vor einen der Statuen eingeladen. Mädchen zwischen acht und sechzehn haben in wunderschönen, glitzernden Kostümen mit Glocken und Henna an den Füßen und Händen Tänze aufgeführt. Die Tänze haben mich wirklich begeistert und ich bin sehr motiviert das mal auszuprobieren, wenn sich irgendwer erbarmt mir das zu zeigen. Nach den Tänzen sind wir unfreiwillig zu einer Fotoattraktion vor der Ganesha Statue geworden: Wir standen also zu viert wirklich sehr überfordert neben ein paar weiß gekleideten Männern neben Ganesh, Bananen und ein süßes breiartiges Essen, das anscheinend Ganeshas Lieblingsessen ist, in der Hand, während ca. 20 Handykameras wie bei einem Fotoshooting auf uns gerichtet waren. Bei der erstbesten Gelegenheit haben wir ganz schnell das Weite gesucht.


Mein persönliches Highlight von diesen mindestens 14 Tagen Feierlichkeiten war aber eindeutig das Tanzen: An bestimmten Tagen werden die Statuen nämlich mit einem großen Umzug zum Krishna gefahren, um dort im Fluss versenkt zu werden. Vorneweg fährt immer ein Wagen, der mit so vielen Musikboxen beladen ist, dass man damit bestimmt auch ein kleines Festival mit Ton versorgen könnte und ganz viel Konfetti. Dann kommen die Tänzerinnen und Tänzer, bei denen wir immer sehr motiviert dabei waren und ganz hinten ein zweiter Wagen mit der Statue und einem rieeesigen Topf voll Lemon Rice, der an die Leute verteilt wird.

Beim Tanzen haben wir immer wirklich nette Leute kennengelernt, mit denen wir getanzt haben, die aber auch alle unsere Fragen zu dem Fest beantwortet und uns ein bisschen vor unangenehmen Situationen mit zu aufdringlichen Leuten bewahrt haben. Es ist wirklich toll, wie die Menschen hier gegenseitig auf einander achten und dabei so unfassbar ausgelassen und energievoll tanzen. Wir haben uns richtig von der Energie anstecken lassen und waren immer sofort am Start, wenn wir irgendwo Musik gehört haben. Egal, ob das jetzt beim Abendessen war und wir einfach barfuß und mit Schlabberhosen auf den Straßen rumgehüpft sind, oder ob wir tatsächlich irgendwo eingeladen wurden. In diesen Momenten konnte man aber wirklich einfach loslassen und tanzen, ganz egal wie und ob da jetzt eine Handykamera auf einen gerichtet war, es 34 Grad hatte oder der Tag davor anstrengend war. Die Menschen und vor allem die Frauen, die wir dort getroffen haben, waren alle so toll und ich hatte wirklich die Zeit meines Lebens beim Tanzen.

Das Festival war wirklich so schön und ich freue mich schon ganz dolle auf das nächste, mal schauen ob bis dahin das abendliche Feuerwerk, das es ausnahmslos jeden Abend seit unserer Ankunft hier gab, mal ein par Tage lang aufhören wird…
