Und ACTION !

Schon wieder sind einige Wochen vergangen und es passieren immer wieder spannende Dinge, die für mich nach ein, zwei Tagen wieder in den Hintergrund geraten, die ich aber hier auch einmal erzählen könnte. Heute möchte ich euch von einem kleinen Projekt erzählen, das ich mit der Klasse, die Culinary Arts lernt, verwirklicht habe. Außerdem noch von der Fronleichnamsprozession am vergangenen Sonntag und auch noch ein bisschen davon, was ich sonst noch so erlebe und was neu ist.

Backen auf Englisch

Und ACTION! So habe ich diesen Blogeintrag genannt, da ich jetzt in dieser ruhigen Zeit mit meiner Culinary Arts Klasse etwas neues ausprobieren wollte. Ruhige Zeit deshalb, weil nun die Level 1-Schüler in ihren Praktikums in der ganzen Stadt verteilt sind. Dadurch ist es um einiges stiller. In der Schule sind nur noch ca. 25 Schüler. Das sind die, die im letzten Term im Praktikum waren (von Level 3 und 4). Sie haben quasi mit Level 1 getauscht. Mehr als der Hälfte der Schüler mussten wir also schon Tschüss sagen. Da gab es für alle Lollis. Nun ist die Schüleranzahl also um einiges geschmälert, was jedoch nicht schlimm ist, sondern auch einmal ganz angenehm. Dennoch unterrichte ich noch viel, da ich auch, als die Level 1-Schüler noch da waren, hauptsächlich Level 3 und 4 unterrichtet habe: Das bedeutet, ich muss mich beeilen, den ganzen Stoff durchzubekommen, denn es ist nur noch eine Woche, bis die Examen beginnen. Dieses Term sollte ich es jedoch schaffen, alles zu unterrichten, denn jeden Tag außer Dienstag steht Englisch auf dem Stundenplan. Im Gegensatz zu letztem Term habe ich mich von Anfang an beeilt. Zur Info: Ein Schuljahr hat 3 Terms, das letzte endet jetzt im Sommer. Danach steigen die Schüler von Level 3 und 4 in das nächsthöhere Level auf, wobei es nach Level 5 endet. Die Schüler von Level 1 beenden ihre einjährige Ausbildung schon nach diesem Jahr.

Um meine Klasse mal etwas aufzuwecken, habe ich mir gedacht, dass es ihnen vielleicht Spaß machen würde, das Kochen und Backen mit Englisch zu verknüpfen. Also haben wir gemeinsam ein Backvideo gedreht. Ein solches, wie sie z.B. auf Youtube zu finden sind. Aus eigenen Überlegungen heraus, wollten die Schüler Torte backen, genauer gesagt einen „Sponge Cake“, das ist ein Biskuitboden. Den wollten sie dann anschließend mit Buttercreme verzieren. Eine nicht ganz so leichte Angelegenheit.

Also bin ich am Vortag auf den Markt, um fast alle Zutaten zu kaufen. Den Rest wollte ich noch am Morgen des Backtags in Rango kaufen. Leichter gedacht, als getan. Denn in Rango gab es zu früher Stunde noch keine 15 Eier, 3 kg Mehl und auch kein Zucker. Mit einer Schülerin bin ich dann in den etwas größeren Nachbarort Tumba gelaufen, wo wir alles kaufen konnten.

Damit das Englisch auch Einklang findet, wollte ich von den Schülern auch ein Plan auf Papier, wie sie das Video strukturieren können und wie man die Schritte in gutem Englisch ausdrücken kann. Darauf hatte allerdings keiner Lust, also gab es dann doch keinen Plan und alles wurde spontan, nicht ganz grammatikalisch und inhaltlich korrekt, ausgedrückt. Der Traum vom perfekten Video wurde dann aber auch etwas über Bord geworfen, als nach und nach auch nicht mehr darauf geachtet wurde, bei den Aufnahmen im Hintergrund keine Geräusche zu machen. Das Gesäge der Schreinerei ist ohnehin immer zu hören. Aber perfekt muss es auch gar nicht sein. Denn wir hatten alle Spaß. Auch wenn das Englisch dann nicht ganz wie von mir geplant integriert wurde, habe ich mich doch gut mit den Schülern unterhalten und sie hatten Spaß beim Backen. Da konnte ich gleichzeitig auch noch einer Leidenschaft von mir nachgehen, denn ich vermisse das Backen schon.

Leider ist es hier gar nicht so leicht, sich auszuprobieren, oder spezielle Dinge zu backen, denn es gibt in Rwanda keine Butter. Zumindest habe ich sie noch nie gesehen und wenn, würde sie bestimmt auch ein kleines Vermögen kosten. Die Margarine, die man hier für ALLES benutzt, heißt „Blue Band“ und kommt aus Kenia. Meines Wissens nach wird sie in vielen Ländern Afrikas verkauft. Außerdem gibt es auch keine Sahne, Mascarpone, Frischkäse, gemahlene Nüsse und den Krams, den ich zuhause zum Backen benutze. Über diesen Luxus in Deutschland bin ich schon sehr froh.

Ich habe den Schülern etwas geholfen, auch wenn sie das meiste von selbst konnten. Wir hatten am Ende noch so viel Mehl und Butter übrig, dass wir noch Chapati (ein dünner frittierter Brotfladen) und Kekse gebacken haben.

Alles ist super lecker geworden, der Biskuit auch sehr fluffig, auch wenn das Aufräumen sehr anstrengend war und wir für alles den ganzen Tag gebraucht haben. Den anderen Schülern konnten wir dann auch noch etwas vom Kuchen und den Chapatis geben.

Stolz mit der zweistöckigen Torte (wegen der Margarine war die Verzierung nicht ganz so einfach)
Kekse in bunten Farben und allen möglichen Formen
Chapati-Produktion (ein ganze einfacher Teig mit Lauchzwiebeln)


Frohnleichnam

Am letzten Sonntag (11.6.) fand die Fronleichnamsprozession statt, für uns ganz ohne Vorahnung. Wir sind Sonntags in die Kirche, aber ich hatte den Feiertag gar nicht auf dem Schirm. Es gab noch einige Taufen in der langen Messe, bevor es dann raus ging. Nach den Taufen wurden wieder viele Geschenke der Familienangehörigen nach vorne getragen. Das ist hier so üblich. Alles wird in den traditionellen Körben nach vorne getragen (sie heißen Agaseke und sind wunderschön, Viele können das Handwerk selbst).

Die Prozession hatte sehr viele Ähnlichkeiten mit der, die ich aus Deutschland kannte. Unter dem Baldachin lief der Pfarrer mit der Hostie und um ihn herum Mädchen mit gebastelten Kronen und in Gewändern, die den ganzen Weg über Blüten auf die Straße geworfen haben. Wir sind als riesige Gemeinde durch Rango und Tumba gelaufen, wobei viele Leute gesungen und getanzt haben. Die herumstehenden Leute haben sich, auch wie in Deutschland, immer sehr über die riesige Menschenmenge gewundert. Alle waren so fröhlich und auch ich habe am Ende mit getanzt. Was besonders süß war, viele Kinder kamen zu mir und wir sind zusammen gelaufen, Hand in Hand. Auf dem Weg hatten Leute zuvor Figuren gelegt aus Sand und Gräsern, sodass es wie an Stationen ab und zu schöne Bilder auf dem Boden zu sehen gab. Eines der Figuren war z.B. ein Lamm. Für unsere Prozession mussten auch die Autos auf der großen Hauptstraße anhalten, die Motorräder haben sich aber immer noch so durchgequetscht.

Nach dem langen Sonntagmorgen in der gefüllten Kirche und der langen Fronleichnamsprozession war ich dann schon etwas müde, auch wegen der Sonne, aber ich war froh, bei einem weiteren Ereignis dabei gewesen zu sein.

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  1. Selina

    Liebe Sonja, immer wieder spannend von deinen Erlebnissen und Erfahrungen zu lesen!
    Es freut mich, dass du dich so gut eingefunden und offensichtlich ein tolles Verhältnis zu deinen Schülern hast! Ganz viel Spass noch & geniess es , denn die Zeit rennt und du kannst sicherlich schon schneller wieder deinem Backhobby (mit allen Wunschzutaten) nachgehen, als es dir lieb ist ;). Bis ganz bald, deine Cousine Selina

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