Tag 15 bis 24: Unser Urlab aka. das 3/4-Seminar (Teil 2)
Ich verzichte diesmal auf die Einleitung und mache einfach da weiter, wo ich aufgehört habe. Viel Spaß beim Lesen!
Pfingsten
An Pfingsten gingen wir zusammen mit Leonie, Maria und ihren Foyer-Mädchen bei ihnen in die Messe. Es war die „Kindermesse“, die wie ein Familiengottesdienst in Sankt Paulus aufgebaut ist. Eigentlich war es eine ganz normale Messe, nur die Predigt war kindgerechter.
Nach der Messe gingen wir nochmal zu Maria und Leonie ins Projekt. Dort trafen wir auch Marlene, die sich noch einmal für einige Tage bei unserem Urlaub anschloss.Wir verabschiedeten uns also von Maria (vorläufig) und Leonie und fuhren weiter nach Ouidah.
Ouidah: Arbre et Porte de non-retour
In Ouidah besichtigten wir zunächst den Python-Tempel, ein Voodoo-Tempel. Leider waren gerade Bauarbeiten und wir konnten nicht alles sehen. Dadurch war es eher enttäuschend.
An den Python-Tempel schlossen wir die Besichtigung des „Arbre de non-retour“ und der „Porte de non-retour“ an. Damit liefen wir den gleichen Weg durch den Ort wie vor uns Tausende und Abertausende Sklaven. Nur dass wir es als freie Menschen und mit Chance auf Rückkehr taten. Es war ein sehr bedrückendes Gefühl, vor dem Baum zu stehen, den die Sklaven so lange umrunden mussten, bis sie ihre Identität vergessen hatten, und zu wissen, wie viel Leid unsere europäischen Vorfahren hier und in ganz Westafrika verursacht haben. Die Folgen sind auch heute noch deutlich spürbar. Während unserer Schweigeminute für die Opfer musste ich jedoch vor allem an die Opfer von Menschenhandel heutzutage denken. Wie unglaublich grausam und wie schrecklich, dass diese Grausamkeiten noch immer fortwähren!



Einen Rucksack ärmer
Von Ouidah aus ging es weiter nach Grand-Popo. Dort bemerkten wir, dass Gladys einer Rucksack weg war. Hatte der Sammeltaxi-Fahrer ihn bei einem Halt fälschlicherweise ausgeladen oder hatten wir ihn beim Zem-Fahrer vergessen? Wir wussten es nicht. Jedenfalls war er weg. Zum Glück waren nur ihr Waschbeutel, ihr Togo-Trikot und einige Souvenirs darin gewesen. Die Stimmung auf dem Weg zur Lion Bar, unserer Unterkunft, war dennoch verständlicherweise nicht gerade gut. Und sie wurde auch erst besser, als alle etwas gegessen hatten. Erst dann konnten wir uns so richtig über das Wiedersehen mit Lotte und Maria, die in Ouidah nicht dabei gewesen waren, freuen.
Paradies Grand-Popo
Die Tage in Grand-Popo waren genau so, wie ich mir einen Urlaub zum Entspannen vorstelle. Gemütlich, lustig, irgendwie zeitlos. Lotte und Maria konnten leider nur eine Nacht bleiben, dafür kam Edwin für einige Tage dazu. Wir schliefen lange aus, frühstückten erst gegen Mittag – dafür aber die besten Avocado-Brote der Welt! – spielten stundenlang irgendwelche Partyspiele und spazierten am Strand entlang. Wir bauten ein Sand-Krokodil, sahen Quirin und Edwin bei ihrer Kokosnuss-Ernte zu, lösten gemeinsam Kreuzworträtsel und redeten bis tief in die Nacht hinein. Quirin und ich verfeinerten an einem Tag das Frühstück noch, indem wir unter widrigsten Umständen in der Hostel-Küche – daran merkt man, wie wohl wir uns fühlten – Rührei für alle zubereiteten und das Brot anrösteten. Ein wahrer Genuss!






Dadurch, dass die ersten beiden Tage etwas verregnet, windig und kühl (vielleicht 25 °C – ich werde noch zu einer wahren Togoerin) waren und ich erkältet war, konnte ich nur an einem Tag baden gehen, doch das nahm dem Urlaub nichts von seiner Schönheit.
Schöne Scheiße
Viel zu schnell vergingen die gemeinsamen Tage und plötzlich war es Donnerstagmorgen und wir mussten Edwin verabschieden. Gladys brachte ihn noch vor zur großen Straße und als sie zurückkam… war ihr Handy weg. Geklaut. Arme Gladys! Was ein Pech sie doch in diesem Urlaub hatte! Da wir noch bei der Polizei waren, verzögerte sich unsere Abfahrt erheblich.
Irgendwann fuhren wir dann aber doch ab. Marlene war bereits zurück nach Porto-Novo gefahren, Katja, Elia, Quirin, Henry und ich machten uns auf den Weg nach Lomé. Dort kamen wir allerdings erst gegen Mitternacht an, denn an der Grenze vergeudeten wir weitere vier Stunden, weil sie bei Quirins und Elias Visum Faxen machten. Was haben wir alle Grenzen und alles, was damit zusammenhängt, verflucht!
Noch mehr Visum
Am nächsten Tag durften Gladys und ich uns weiter um Visumskram kümmern, wir mussten unser Togo-Visum verlängern. Zu unserer Überraschung wurde uns gesagt, dass wir es bereits am nächsten Tag, einem Samstag, abholen könnten und nicht wie gedacht erst am Montag. Als wir am Samstag uns mit unserem Abholzettel an den Schalter begaben, wurde uns gesagt, dass wir das Visum erst bekämen, wenn wir unser Rückflugticket ausgedruckt zeigten. Das taten wir natürlich brav und mir wurde einmal mehr bewusst, dass uns gar nicht mehr so viel Zeit in Togo bleibt.
Kochen und tanzen
Am Freitagabend kochten wir mit Katjas Kollegen (das heißt, sie kochten und wir schnitten lediglich ein wenig Gemüse, aber gut). Es war trotzdem ein netter Abend. Besonders mit Miriam, einer anderen deutschen Freiwilligen, die eingeladen war, verstand ich mich sehr gut. Anschließend gingen wir noch in einen Reggae-Club und die Musik katapultierte mich gedanklich an den Strand in Grand-Popo zurück.
Am Samstagabend hatte Laura, Katjas Mitbewohnerin, uns zu Freunden zum Salsa-Tanzen eingeladen. Wir hatten total viel Spaß bei unserem Salsa-Kurs und feierten anschließend noch spontan den Geburtstag des einen mit.
Den Sonntag verbrachten wir größtenteils am Strand, wo wir auch Gladys F und Victor trafen, die zufällig zur gleichen Zeit in Lomé waren. Zusammen gingen wir danach zu einem Drifting-Wettbewerb. Erst wollte ich nicht mitkommen, weil ich dachte, dass ich die ganze Zeit Angst um den Fahrer haben würde und mir diesen Stress nicht antun wollte. Es stellte sich jedoch heraus, dass ein zu hoher Adrenalinspiegel nicht das Problem war. Eher im Gegenteil. Nach zehn Minuten war Elias Quiz-App wesentlich spannender als das Geschehen auf der Bahn. Umso mehr hat es mich amüsiert, wie investiert manche Leute um mich herum waren. Diese Begeisterung für Autos werde ich wohl nie verstehen.


Quirins Begeisterung für gutes Essen teile ich dagegen sehr wohl und habe es daher sehr genossen, dass er in den Tagen bei Katja richtig aufkochte. An diesem Abend beispielsweise gab es Wraps, mit denen wir sicher als Streetfood-Händler einen guten Umsatz gemacht hätten, sie waren nämlich köstlich.
Abstecher zur Maison Don Bosco
Und schon war das Wochenende vorbei und wir mussten uns von Henry verabschieden, der zurück nach Cotonou und von dort aus in den Senegal musste. Nochmal danke, dass du extra für unser 3/4-Seminar die weite Reise auf dich genommen hast!
Nun blieben also nur noch Quirin, Elia, Gladys, Katja und ich übrig. Und natürlich Katjas Mitbewohner. Mit dem einen, Simon, gingen wir an diesem Nachmittag auf den Markt, wo Unmengen an Secondhand-Kleidung verkauft wurden. Unweigerlich fragte ich mich, ob diese Kleidung wohl aus Agbogbloshie kamen. Oder doch direkt vom Hafen? Lomé hat schließlich den einzigen Hafen Westafrikas, der tief genug für die riesigen Containerschiffe aus aller Welt ist.
Den Abend verbrachten wir zu fünft (Quirin, Elia, Gladys, Katja und ich) in der Maison Don Bosco. Dort wurden wir wie immer sehr herzlich empfangen, spielten Basketball mit den Postnovizen und Jugendlichen des Viertels und aßen mit den Salesianern zu Abend.
Side Quests
Der eigentliche Plan für den Dienstag war 1. Grand Marché, 2. Palais de Lomé, 3. ein bestimmter Kunstmarkt gewesen, wurde aber konsequent nicht eingehalten. Die erste Station war als ganz kurzer Stopp geplant, wurde dann allerdings doch zu einem wesentlich ausführlicherem Bummel, der Palais war uns wegen dem Ausländer-Aufpreis (kein Witz, Ausländer zahlen knapp doppelt so viel wie Togoer, das steht so auf der Preistafel und wurde uns auch vom Sicherheitspersonal bestätigt) entschieden zu teuer und beim Kunstmarkt kamen wir gar nicht erst an.
Nachdem wir nämlich leicht genervt dem Palais den Rücken zugekehrt hatten, liefen wir auf dem Weg zum Kunstmarkt am Institut Français vorbei und beschlossen spontan, einen Blick hinein zu werfen. Als nächstes lag ein Supermarkt auf dem Weg. Der musste natürlich begutachtet werden und wurde von uns allen als sehr gut befunden. Grund dafür waren in erster Linie die vielen Angebote, von denen wir natürlich profitierten. Dann liefen wir die wenigen Meter zum einem Kunstmarkt, um dort all das Geld, dass wir im Supermarkt durch Angebote gespart hatten (wahrscheinlich noch viel mehr), in Mitbringsel zu investieren. Erst gegen Ende merkte Katja an, dass das gar nicht der Kunstmarkt gewesen sei, den sie gemeint hatte. Aber egal. Wir waren fündig geworden und hatten einen schönen Tag verbracht und damit war es gut.


Tag 25 bis 28: Quirin und Elia in Kara
Am 3. Juni, dem Mittwoch, fuhren wir zurück nach Kara. Allerdings nicht allein, sondern zusammen mit Quirin und Elia, die ihren Urlaub noch um ein paar Tage verlängerten, um uns zu besuchen.
Am Donnerstagnachmittag liefen wir zusammen in Ruhe ins Foyer, schauten auf dem Weg noch bei unserer Lieblingssaftverkäuferin vorbei, schnabulierten Beignets und unterhielten uns.
Den Jungs fiel mal wieder auf, dass so mancher Mann uns hinterherstarrte. Ich muss sagen, dass ich das meist gar nicht mehr bemerke. Sogar die täglichen Heiratsanträge sind fast schon normal geworden und meistens kann ich darüber lachen. Anfangs hätte ich das niemals gedacht und auch jetzt frage ich mich manchmal, wann ich eigentlich aufgehört habe, mich darüber aufzuregen und mit einem Schulterzucken akzeptiert habe, dass ich es eh nicht ändern kann und für mich einen Weg finden muss, damit umzugehen. Gladys und Marlene haben für den Fall, dass sie dann doch zu aufdringlich werden, ein Reaktionen-zum-Abschrecken-Bingo erstellt und ich kann bestätigen, dass „Konsequent Deutsch reden“ nicht nur zu irritierten Blicken führt, sondern sehr viel Spaß macht. An alle zukünftigen Volos: Einfach mal ausprobieren, wenn euch so ein Möchtegern-Player nicht in Ruhe lässt.
Jungs-Besuch im Foyer
Während der zwei Tage, die Quirin und Elia mit im Foyer waren, merkte man, dass es nicht viel braucht, um sich mit Kindern gut zu verstehen. Sprache wird überbewertet, auch mit Händen und Füßen kann man sich verständigen und unsere Jungs waren sowieso glücklich, dass zur Abwechslung mal Jungs da waren, um mit ihnen zu spielen.
Am Freitag machten wir den obligatorischen Spaziergang zum Fluss, den wir zu zweit viel zu selten, mit unserem Besuch allerdings immer machen. Nachmittags waren wir dann wieder bei den Kindern, wo die Mädchen einmal zu oft versuchten, Quirin das Klatschspiel „Rosa, rosa“ beizubringen. Zum Abschluss ihrer Zeit in Kara gingen wir abends noch mit Gladys F, Victor und Dany tanzen.



Und dann stand der Abschied an. Als wir am Samstagmorgen die Jungs zum Bus gebracht hatten, war mir ganz seltsam zumute. Nach genau vier Wochen (!) unter Volos wieder nur zweit bzw. wieder Alltag. Das war natürlich einerseits schade, aber andererseits war mein Körper ganz froh, endlich wieder Schlaf nachholen zu können.
Mit Alltag ist’s vorbei
Jetzt ging es also wieder in den Alltag zurück, der gar nicht so alltäglich war, weil es jetzt mit Uni-Bewerbungen losging und die Kinder entweder mitten in den Abschlussprüfungen waren oder schon Ferien hatten. Inzwischen sind die Uni-Bewerbungen durch, die Kinder haben alle Ferien und einige sind schon bei ihren Familien. Ein richtiger Alltag wird sich wohl gar nicht mehr einstellen, denn nun fangen wir mit dem Ferienprogramm und damit mit unserem Projekt an. Was genau unser Projekt alles beinhaltet, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal. Bis dahin liebe Grüße und alle, die schon frei haben, schöne Sommerferien!
Marlene
Meine liebste Christine, schick mal deine fee bei mir vorbei, die dich zum Blogschreiben motiviert 😔 So schön, nochmal beim lesen alles Revue passieren zu lassen- ging alles so schnell vorbei! Du hast recht damit, dass echt nicht mehr viel Zeit bleibt. Doch wenn uns das fsj eins gelehrt hat, ist es das Positive in allem zu sehen: wir sehen uns dadurch umso schneller beim Rückkehr Seminar wieder! Hdgdl 💕
Christine Gnan
Meine herzallerliebste Marlene-Maus, da hast du natürlich recht und ich freue mich auch schon total auf unser nächstes Treffen!!! Was die Fee angeht: Die war doch bei dir zuerst und ist dann zu mir geflogen. Bestimmt fliegt sie bald wieder zurück zu dir, da braucht sie ja auch nicht mit Visumsproblemen zu rechnen… Ich bin schon sehr gespannt auf deinen nächsten Blogeintrag. Hab dich auch ganz doll lieb! 💕