Sofia en Bolivia

Mein Freiwilligendienst mit Don Bosco

Alltag im Hogar Teil 1/3

İHola amigos!

Der letzte Beitrag über die Campamentos liegt nun schon weit zurück. In der Zwischenzeit ist Einiges passiert. Direkt zu Beginn des Jahres hat mich Corona mit Fieber, Kopfschmerzen usw. dick erwischt. Schnell wieder erholt, ging es dann auf unser Zwischenseminar nach Cochabamba (dazu hat Hannah einen besonders schönen Beitrag formuliert). Gestärkt vom Seminar und seinen Inhalten, aber auch von dem kleinen Urlaub danach, ging es Anfang Februar wieder in die Arbeit, aber nicht für lange… Denn kurz darauf, schon lange befürchtet, erwischte mich das Dengue-Fieber. 39,3° Fieber, Gliederschmerzen und Durchfall plagten mich. Insgesamt hatte ich über eine Woche mit den Symptomen zu kämpfen und auch die ersten Wochen danach waren nicht einfach. Doch die Ärztin des Hogars hat sich um Teresa, die zu gleichen Zeit erkrankte, und mich sehr gut gekümmert.

Das heißt seit gut 2 Monaten sind die Ferien der Kinder vorbei und es ist wieder Alltag im Hogar eingekehrt. Die Kinder besuchen die Schule, machen Hausaufgaben und es ist leider nicht mehr allzu viel Zeit zum Spielen. Auch für mich hat sich durch den Schulalltag einiges geändert. Beispielsweise kann ich nun Bücher und Hefte einbinden im Schlaf. Aber nicht nur meine Aufgaben haben sich geändert, auch mein Verhältnis zu den Kindern hat sich nach den 6 Monaten, die ich jetzt schon hier bin in verändert. Ich habe nun klare Aufgaben, trage Verantwortung und muss leider dadurch auch mal strenger sein. Einerseits ist das schön und andererseits schmerzt es mich, nicht jeden Quatsch mehr mitmachen zu können… 🙁

In den nächsten Beiträgen möchte ich euch mitnehmen in meinen derzeitigen Alltag und euch zeigen, wie sich meine täglichen Aufgaben gestalten. Dafür starten wir bei den Kindern schon ganz früh am Morgen…

Vormittag

Der Tag beginnt für die Kinder bereits um 6 Uhr morgens (ich muss da zum Glück noch nicht auf den Beinen sein). Die Educadora (Erzieherin) der Nachtschicht steht bereits um 5.30 Uhr auf, um das Frühstück vorzubereiten und die Kinder aus den Betten zu schmeißen, die Uniformen für die Schule auszuteilen und sich darum zu kümmern, dass alle gekämmt und fertig fürs Colegio (Schule) sind.

Um 7 Uhr geht es für alle Kinder in den Comedor (Essenssaal), um gemeinsam zu frühstücken. Mal gibt es Milchreis, mal Salteñas (ein regionales Frühstück) und mal Brötchen mit Käse oder Ei. Dazu gibt es Tee (der bei dem ganzen Zucker allerdings eher wie warmes, eingefärbtes Zuckerwasser schmeckt), Kakao und Kaffee. Ja, auch die 6-Jährigen bekommen hier Kaffee! Aber keine Sorge, der ist ebenso versüßt wie der Tee und enthält kaum Koffein.

Einige der älteren Kinder verlassen bereits schon um kurz vor halb 8 den sala (Raum, Saal), um zum Colegio zu gehen. Die restlichen Kinder schnappen sich gemeinsam nach dem Essen ihre Schultaschen und stapfen mit der Educadora auf die gegenüberliegende Straßenseite zur Schule Don Boscos, die um 8 Uhr beginnt. 2 Mädchen stellen im Moment eine Ausnahme dar, sie besuchen die Förderschule Mano Amiga Educación especial, die sich den parque (Spielplatz) und die cancha (Sportplatz) mit dem Hogar Mano Amiga teilt.

Nicht alle Kinder besuchen derzeit die Schule. In der letzten Woche wurden 7 neue Kinder aufgenommen (die Namen hab ich immer noch nicht ganz drauf). Neu Aufgenommene können so schnell leider nicht in der Schule angemeldet werden. Sie bleiben Vormittags mit der Educadora, und den Kindern die krank sind oder sich vehement weigern in die Schule zu gehen, im Mano Amiga. Dort üben sie im salón grande (großer Aufenthaltsraum) Rechnen, Lesen, Schreiben oder Malen und Basteln.

Alle Kinder stehen bereit fürs Gebet nach dem Essen – nach vorne gerichtet mit dem Blick auf Jesus und Maria

Um 12 Uhr holt die Educadora der Vormittagsschicht die Kinder dann von der Schule ab. Alle gemeinsam Stellen ihren Rucksack ab, ziehen sich um und waschen ihre Uniform. Sobald die Kinder zurück von der Schule sind, beginnt auch mein und Ruths (meine ecuadorianische Mitvolontärin) Arbeitstag. Wir starten damit das Essen in Schalen auf die derzeit 7 Tische zu verteilen, damit pünktlich um 12.30 Uhr zu Mittag gegessen werden kann. Begonnen wird jedes Mal mit einem gemeinsamen Gebet. Nicht alle Kinder nehmen es mit der Pünktlichkeit so ernst und schlendern mal hier hin mal dort hin, streicheln die Katzen oder spielen im Park. Da kann es auch schon mal sein, dass wenn sie zu spät kommen nur die Suppe bekommen und nicht die Hauptspeise. (Von der Suppe dürfen sie natürlich so viel sie wollen essen. Kein Kind wird hier verhungern gelassen!! Sie sollen nur verstehen, dass das Hogar nur als Gemeinschaft funktioniert und sie sich an vorgegebene Uhrzeiten und Regeln halten müssen.)

Hier habe ich eines der kleinen Kinder doch zu ihren Oficios bewegt bekommen. Begeistert war sie davon sichtlich nicht, aber wir haben uns mit dem Fegen abgewechselt, dann war es auch erträglich.

Nachdem das Mittagessen wieder mit einem gemeinsamen Gebet und einer Ansage der Erzieherin abgeschlossen wurde, gehen die Kinder an ihre Oficios (Aufräumdienste). Im Großen und Ganzen lässt sich das so beschreiben: Auf dem ganzen Gelände schrubben, fegen, spülen und wischen rund 50 Kinder was das Zeug hält. Naja, oder so ungefähr stellt sich das die Chefin Lenny vor. Während es drinnen, wo die Großen putzen, auch ganz gut funktioniert, hört man draußen im Garten bei den Kleinen kreischen, gackern, heulen und schimpfen. Dort bin ich gemeinsam mit Ruth bis 14 Uhr damit beschäftigt die Kinder zum fegen und Müllaufsammeln zu bewegen und zur gleichen Zeit darauf zu achten, dass sie sich nicht die Köpfe einschlagen. Man braucht schon einiges an Geduld und Durchhaltevermögen Kinder vom Spielen abzuhalten, wenn doch der Baum gerade ideal ist um sich daran hoch zu schwingen wie ein Affe, das Klettergerüst perfekt zum toben, der Ball einen gerade zu anlacht und der Stock da in der Ecke, der da gestern noch nicht lag, ein perfektes Schwert darstellt…

Sobald die Kinder ihre Oficios beendet (oder erfolgreich vermieden haben) und die Besen und Kehrbleche wieder zurück an ihren Platz gebracht haben, dürfen sie bis die Glocke schellt noch draußen Spielen. In der Zeit spielt Ruth oft mit ein paar Kindern Schach. Danach beginnt die Hausaufgabenzeit…

Vokabelübersicht:

Nach den 6 Monaten hier habe ich mir einige spanische Wörter auch im Deutschen angewöhnt, daher werdet ihr immer wieder auf diese stoßen wenn ihr meine Texte lest. Wer ein bisschen Spanisch lernen möchte kann sich hier die Wörter kopieren, abschreiben oder direkt auswendig lernen. Darüber hinaus werdet ihr eine Kategorie Spanisch lernen im Menü finden, in der ich regelmäßig neue Inhalte zur Sprache hier in Santa Cruz veröffentlichen werde 🙂

la educadora – die Erzieherin

el colegio (gspr. kolechio) – die Schule

el comedor – der Essenssaal (von comer = essen)

la sala (gspr. mit scharfem s)- der Raum, der Saal

el parque (gspr. parke)- der Spielplatz

la cancha (gspr. kantscha) – der Sportplatz

el salón grande (gspr. mit scharfem s)- der große Aufenthaltsraum

los oficios (gspr. ofißios) – die (Aufräum-)dienste

Wenn ihr euch mit der Aussprache trotz kleine Hilfe unsicher seit, einfach in den Übersetzer eingeben

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  1. ufricke

    Liebe Sofia, la cancha kannte ich auch noch nicht, vielen Dank für deine Übersetzungshilfe! Hab noch eine gute letzte Zeit und lass dir den Abschied nicht zu schwer werden….

    Viele Grüße
    Ulla (Don Bosco Volunteers)

  2. Günter Rüffer

    Hi Sofia, an Krankheiten nimmst du ja mit, was mitzunehmen ist. Aber gut zu hören, dass du dich nicht unterkriegen lässt. Dein Blog ist weiterhin interessant und lustig geschrieben. Wenn du so beschreibst, wie 50 Kinder das Gelände putzen (sollen), muss ich mich an meine Zeit als Spieleopa im Kindergarten erinnern, auch da ging es drunter und drüber. Hier in Witterschlick hat nun der Frühling Einzug gehalten: alles blüht und auch die Temperaturen steigen langsam aber stetig. Hab‘ noch eine schöne Zeit und frohe Ostern wünschen Uschi, Günter und Chaplin

    • Sofia Tissen

      Hallo Lieber Günter, mittlerweile klappt es tatsächlich immer besser mit dem Fegen und Putzen. Trotzdem gibt es noch Tage an denen, genau wie du schreibst, es drüber und drunter geht.
      Mein Osterfest habe ich sehr genossen mit den Kindern, aber dazu kommt bald was in meinem neuen Eintrag!!

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