Hallo allerseits,

ich habe den Weg zurück auf die Don-Bosco-Blog-Webseite gefunden. Es hat nur mehr als zwei Monate gedauert, wobei ich rechtfertigend auch erwähnen muss, in der Zeit echt viel unterwegs gewesen zu sein. Mittlerweile ist mir zu Ohren gekommen, dass in Deutschland sogar schon so langsam der Sommer beginnt. Verrückt. Verrückt auch deshalb, weil nun nur noch ein Drittel des Freiwilligendienstes bleibt und die Gedanken schon oft zum Wiedersehen mit Deutschland schweifen. Verglichen mit der Halbmarathon-Distanz hätte man jetzt wahrscheinlich schon so 16 Kilometer geschafft, ist schon an verschiedenen Highlights vorbeigelaufen, und man weiß, dass es jetzt nicht mehr allzu lange dauert bis man auf die Zielgerade läuft. (Um ehrlich zu sein kann ich mich aber nicht mehr daran erinnern, was ich letztes Jahr bei Kilometer 16 meines bisher einzigen Halbmarathons gedacht habe.)

Was ist jetzt aber überhaupt alles passiert seit dem letzten Beitrag im Februar? Ich war in der mit bedeutendsten Stadt Südamerikas, auf dem größten Salzsee der Welt, bin Tretboot auf dem höchsten (beschiffbaren) See der Welt gefahren und war noch im Amazonas-Regenwald. Außerdem kam es zum Wiedersehen mit Freunden und Familie.

Wie ihr merkt, wird dieser Blogbeitrag ein Anreihung meiner drei Urlaubsberichte. Ich schreibe aber auch zeitig einen zur Entwicklung im Heim, damit die Wahrnehmung meines Freiwilligendienstes nicht verzerrt wird, ich schaff ja auch was.

—————————————————————————————————————————————————————

ZWISCHENSEMINAR IN BUENOS AIRES

Zum Zwischenseminar durften wir in eine der beeindruckendsten Städte gehen, die ich je gesehen habe. Die knapp 16 Millionen Einwohner Stadt in Argentinien, welche man von Santa Cruz mit einem dreistündigen Flug erreicht, war vom ”Vibe“ her eine Mischung aus Paris und Barcelona mit amerikanischem Einfluss. Die Hafengegend hat sogar etwas an Hamburg erinnert.

Generell war es ein unglaubliches Gefühl, um 7:00 Uhr morgens (endlich) in Buenos Aires anzukommen und leere, riesige Boulevards mit digitalen Anzeigetafeln und Marken wie McDonald’s wiederzusehen. Es gab auch Menschen auf Fahrrädern, ein Linienbusnetz, Häuser mit mehreren Stockwerken und so richtige, „normale“ Straßen mit einheitlichen Gehwegen.

Nachdem uns also schon rein das „Westliche“ der Stadt verblüfft hat, haben wir die drei Tage vor dem Zwischenseminar genutzt, um die Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Highlights der Stadt zu entdecken. Zwischen dem Erkunden, beispielsweise des Viertels „La Boca“ samt des imposanten Boca-Junior-Stadions, und dem Fugazzetaessen (typische argentinische Pizzaart,) sind mir die vielen, großen, belebten Parks und die sehr schöne Architektur der Gebäude im Kopf geblieben.

Das Zwischenseminar, welches wir in einer Don-Bosco-Einrichtung ca. eine Stunde vom Zentrum entfernt verbracht haben, hat sich mit dem Einordnen der ganzen Erfahrungen aus der ersten Jahreshälfte befasst. Zudem gab es einen Raum, sich mit den anderen Freiwilligen Südamerikas auszutauschen und auch über Herausforderungen zu reden, mit welchen man in seiner Einsatzstelle konfrontiert war. Außerdem war es interessant, über die Kultur und das Wetter der anderen Einsatzländer mehr zu erfahren, und so haben uns die Volontäre aus Argentinien auch gleich das Matetrinken beigebracht, was in der argentinischen Kultur tief verankert ist.

Trotz der schönen Woche in Argentinien, mit all dem Erlebten, war ich richtig froh, wieder in Santa Cruz zu landen und zu wissen, noch ein halbes Jahr hier zu haben und die Stadt mit all ihren Facetten noch genießen zu können, bis es dann wieder nach Europa ins Gewohnte zurückgeht.

——————————————————————————————————————————————————————

BOLIVIEN-URLAUB MIT MEINEN FREUNDEN

Am 7. März war dann ein weiterer großer Moment für mich. Nach ziemlich genau einem halben Jahr habe ich drei sehr gute Freunde wiedersehen dürfen, so in real life, und sie in Bolivien willkommen heißen dürfen. Es war schon echt ein cooles Gefühl, mit ihnen im Taxi vom Flughafen in die Stadt unterwegs zu sein, und zu erleben, was ihre ersten Eindrücke von Bolivien sein würden.

Wir haben dann auch erst einmal drei Tage in Santa Cruz verbracht, in denen ich ihnen die Stadt gezeigt habe. So hab ich ihnen den Abasto-Markt mit seinem riesigen Angebot an Lebensmitteln und auch anderen Verkaufsgütern gezeigt, haben Salteña Gegeessen, waren für verglichen mit Deutschland wenig Geld sehr gut essen (ca. 9 € pro Person) und ich habe ihnen das Hogar gezeigt. Dort haben sie im Übrigen den Jungs (also vom Heim) ihre fußballerischen Fähigkeiten zeigen können und haben somit die Fußballnation Deutschland noch etwas besser vertreten können, als ich es tue.

Drei Tage nach ihrer Ankunft, am Mittwoch, sind wir abends dann nach Sucre gefahren. Zumindest war das der Plan. Aufgrund eines Erdrutsches waren wir an unserer Weiterfahrt gehindert und mussten dann nach 11-stündigem Warten eine andere Lösung finden, um die Reise fortführen zu können, da es weiterhin in Strömen geregnet hat. Wir sind schließlich nach Gesprächen mit dem Busfahrer ausgestiegen und haben uns auf eigene Faust organisiert, da dieser keinen sinnvollen Lösungsweg vorschlagen konnte. (In dieser Situation haben wir natürlich das Bild vom ungeduldigen Touristen unterstrichen, aber das musste aufgrund unseres strikten Zeitplanes auch sein.) Nachdem wir dann mit dem Micro zurück nach Santa Cruz zurückgefahren sind, haben wir einen Flug nach Cochabamba genommen und sind dort dann abends sicher angekommen.

In Cochabamba sind wir nur eine Nacht geblieben und haben nach dem Anschauen der viertgrößten Jesus-Statue weltweit (größer als die in Rio) den Weg über Oruro nach Uyuni fortgeführt.

In Uyuni haben wir uns dann mit unserem Guide und gleichzeitig Fahrer sowie einem brasilianischen Paar auf drei Tage Abenteuer begeben. Um jetzt nicht jede Stunde der Tour detailliert Revue passieren lassen zu müssen, fasse ich das lieber in ein paar Sätzen eben zusammen: Auf dem Salzsee, welcher der größte und bekannteste der Welt ist, sind wir am ersten Tag gefahren und haben neben ein paar Fotoshootings auch eine Insel mit vielen Kakteen angeschaut. Hierbei ist uns klar geworden, warum er das Haupttouristenziel Boliviens ist, da er eine ewige Weite an beeindruckender, weißer Salzfläche bietet. Den zweiten und dritten Tag haben wir dann zwischen den langen Autofahrten Highlights wie verschiedengefärbte Lagunen, tolle Landschaften mit kleinen Bächen, verschiedene Steinformationen und hier und da mal eine Lamagruppe zu Gesicht bekommen. Außerdem sind wir durch eine der höchsten Wüsten der Welt, die Siloli-Wüste, gefahren. Es ist keine steile These, wenn ich sage, dass das eines der einzigartigsten und besten Erlebnisse der letzten Jahre war.

Im Folgenden haben wir dann noch La Paz und den Titicacasee besucht. Von La Paz aus haben wir an einem Tag auch die „Death Road“ mit dem Fahrrad gemacht. Zusammen mit unserem Guide sind wir auf ausgeliehenen Fahrrädern über 3.000 Höhenmeter (von 4.700 bis so 1.200 Höhenmetern) runtergeschossen, und das auf der mal tödlichsten Straße der Welt. Die Tour war eigentlich ziemlich cool, wir hatten nur Pech, weil es eigentlich die ganze Zeit bewölkt war und man so nichts von der Aussicht hatte.

Der letzte Stopp, zumindest für mich, war dann der Ort Copacabana am Titikakasee. Bekannt ist dort die Sonneninsel, welche wir aber aufgrund eines organisatorischen Fauxpas nicht besichtigen konnten. Dafür sind wir auf dem höchsten beschiffbaren See der Welt dann Tretboot gefahren, was auch nicht viele von sich behaupten können. Von der Copacabana aus sind dann meine Freunde nach Peru weiter, während ich zurück über La Paz in einem 27-Stunden-Trip nach Santa Cruz gefahren bin.

——————————————————————————————————————————————————————

AB IN DEN REGENWALD (MIT FAMILIE)

Wenn man denkt, dass es so langsam reichen müsste vom Urlaub her, habe ich noch einen draufsetzen dürfen. Innerhalb von dann eineinhalb Monaten folgte der dritte Urlaub. Einen Tag, nachdem meine Freunde von Santa Cruz aus zurückgeflogen sind, kamen mein Vater und meine Schwester hier an. (Grund für die enggetakteten Besuche waren die Schulferien)

Auch den beiden habe ich natürlich erstmal die Stadt gezeigt, bis wir uns dann drei Tage später ins nächste Abenteuer begeben haben. In einem Bus ohne gescheite Federung, ohne Toilette und mit schummerndem Licht sind wir 22 Stunden zu unserem Zielort Rurrenabaque gefahren. Auf dem Weg dahin mussten wir sogar zwei Flüsse mit dem Boot überqueren. (Nicht vergleichbar mit den Fähren, die man aus Europa kennt, das war eine reine Holzkonstruktion.)

Von Rurrenabaque aus haben wir dann eine Viertagestour zuerst in die „Pampa“ und dann in den Dschungel gemacht. Die Pampa habe ich mir so ein bisschen wie die typischen Savannen in Dokus über die afrikanische Tierwelt vorgestellt, war letztendlich aber doch ziemlich anders. Statt Trockenheit und karger Landschaft hat uns eine sehr grüne Umgebung mit viel, viel Wasser erwartet. Durch die Regenzeit war alles überschwemmt und wir sind hauptsächlich mit dem Boot gefahren. Abgesehen von vielen Vögeln und ein paar Affengruppen ist mir vor allem die unglaubliche Hitze in Erinnerung geblieben. Ich glaube, ich habe in meinem Leben kaum so eine Hitze erlebt wie in diesen eineinhalb Tagen.

Am zweiten Tag der Tour waren wir dann auf einer bewaldeten Insel, wo wir auf viele Tiere getroffen sind. Wir haben Capybaras, Adler, Affen, einen Kaiman und ziemlich unerwartet auch eine Gruppe von Kühen mitten im Wald gesehen. Auch die vielen Ameisenkolonien haben mich immer sehr fasziniert.

Am Mittag sind wir dann zurück nach Rurrenabaque, um von dort aus mit dem Boot in den Regenwald zu fahren. Nach so einer Stunde sind wir dann angekommen und das Eintreffen bei der Lodge hat mich schon direkt überzeugt. Nachdem man durch eine kleine Bananenplantage gelaufen war, musste man eine kleine Brücke überqueren, um dann zwischen einer künstlich angelegten Allee auf die Lodge zuzusteuern. Hier gab es nur durch Sonnenenergie Strom zum Handyaufladen, sonst gab es gar keinen Strom. Außerdem hatten die Zimmer keine normalen Wände, sondern Wände aus Insektengittern (s.U.). Es waren sehr einfache Gegebenheiten, aber das hat das Ereignis umso authentischer gemacht.

Dadurch, dass ich erkrankt bin, sind wir nicht wie vorgesehen am dritten Tag in den Madidi-Nationalpark sondern einfach bei der Lodge geblieben. Wir haben dann eine kleine Wanderung durch den Dschungel gemacht und dabei von unserem Guide alles Möglich über die Pflanzen und über die Tiere gelernt. (Wobei sich die Tierwelt in dieser Regenwaldzone noch nicht von einem vorangegangenen Brand erholt hat). Auf unserer Tour haben wir vom Guide, der selbst in einer indigenen Community aufgewachsen ist, gelernt, mit einem Baumstamm ein Floß zu basteln, oder haben auch Termiten probiert. Es war sehr spannend zu sehen, was einem die Natur alles gibt und wie man mit minimalistischen Möglichkeiten trotzdem in der Natur überleben könnte.

Am letzten Tag haben wir noch aus Kakaobohnen Schokolade hergestellt und uns auf den Rückweg gemacht. Von Rurrenabaque aus sind wir dann den langen Weg wieder zurückgefahren und auch gut in Santa Cruz angekommen.

Zwei Tage später habe ich dann meinen Vater und meine Schwester verabschiedet, liebe Grüße an den zu Hause gebliebenen Teil der Familie bestellt, und war wieder mit meinem Alltag konfrontiert.

Um den Blogbeitrag nicht noch länger zu machen, als er schon ist, schreibe ich darüber lieber einen anderen Eintrag.

Liebe Grüße und bis bald,

Yannick