
…und behaupte einfach mal, dass ich so ganz langsam merke, dass ich hier ankomme. Fühlt sich fast schon unwirklich an, das jetzt so auszusprechen. Die ersten 3 Wochen waren ein völliger Trubel. Ich habe gemerkt, dass meine Sinneswahrnehmungen und alles einfach so so viel für mich waren. Versteht mich nicht falsch, ich habe es trotzdem geliebt, aber ich kam einfach schwer zur Ruhe. Der erste Monat hat mich schon mehr mit Erlebnissen gefüllt, wie ein Jahr Deutschland es nie könnte. Wir haben spontan an Tänzen von dem Vinayaka Chaviti Festival teilgenommen, bei dem die Geburt des hinduistischen Gottes Ganesha mit der Aufstellung von großen Ganesha Figuren, täglichen Verehrungen (Puja), Festumzügen mit wildem Tanzen und Trommeln und anschließend der Versenkung von den Statuen im Krishna Fluss, gefeiert wird.


Mit unseren eigenen Flitzern (pinken Rädern) haben wir mehr oder weniger versucht nun langsam Orientierung in unserer neuen Nachbarschaft zu finden. Und siehe da, klappt sogar besser als gedacht. Falls wir mal nicht zurück finden, fragen wir: D ́Mart (der Supermarkt nebenan) ekara? Mittlerweile haben wir schon unsere LieblingsChai/Samsosa/Punugulu und Pani Puri-Verkäufer/innen gefunden, die uns schon auffordernd zu sich winken, falls wir mal ohne anzuhalten, an ihnen vorbei flitzen.


Auch in den Projekten fing es nun nach und nach an, mehr Routine zu finden. Verrückt war es, als ich im Tadepalle Slum in der Alphabetisierungsschule für Drop-out-children (Kinder, die aus verschiedenen Gründen die offizielle Schule nicht besuchen) gemerkt habe, dass ich das erste mal als ich, als Annika wertgeschätzt wurde, völlig unabhängig von meiner Hautfarbe.


Und jetzt waren wir letztes Wochenende mit zwei anderen Volontärinnen in Chennai auf einem Kurztrip, weil wir dort von der deutschen Botschaft eingeladen wurden. In völligen Gegensätzen haben wir dort unsere Tage verbracht. Schickest Botschaftsveranstaltung, die man sich kaum vorstellen kann (wir haben uns mit unseren schon sehr heruntergekommenen Birkenstocks nicht sehr wohl gefühlt) und auf der anderen Seite ein wuselnder Fischmarkt, Streetfoodstraßen, Wellenhüpfen im indischen Ozean, Tempel und und und.



Als ich in der offenen Tür im Zug zurück nach Vijayawada stand und mich auf absurder Art und Weise trotz der wunderschönen Erlebnisse so riesig auf unser Zuhause dort gefreut habe, bin ich fast geplatzt vor glücklich sein. Ja, irgendwie hab ich endlich realisiert, dass das hier jetzt mein Indienzuhause wird, für ein Jahr! VijaEinJahrDa – Ich tauche ein!


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