Das Jahr neigt sich dem Ende zu, also wird das mein letzter Blogeintrag aus 2025:)
Montag, 17.11.: Am Montag war der Geburtstag von Frère Julien. Mittags haben wir an dem Tisch auf der Dachterasse gegessen, Julien hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd, als er die Blumen auf seinem Platz und den selbst“gebackenen“ Kuchen von uns sah. Nach der für mich sehr wichtig gewordenen Siesta sind wir mit Franck spazieren gegangen, er hat uns ganz stolz erzählt, dass er nun endlich sein Diplom für Mechatronik geschafft hat. Das hat Marlene und mich natürlich sehr gefreut, besonders, weil Franck mittlerweile zu einem wirklich guten Freund hier geworden ist. Auf dem Spaziergang hat es etwas angefangen, zu regnen, was die Hitze zum Glück erträglicher machte. Er zeigte uns eine Kirche in der Umgebung und leider sind wir auch Zeugen eines Unfalls geworden, der erste Unfall, den wir hier sahen. Details erspare ich euch, ich denke aber, dass beide Beteiligten überlebten. Auf den Schreck war ich sehr dankbar, von dem Geburtstag von Julien abgelenkt zu werden. Denn Geburtstage hier scheinen sehr lustige Traditionen zu beinhalten: Abgesehen von dem Essen mit den Prénovices, was generell immer witzig ist, gab es auch noch einige Tanz,- und Singeinlagen. So fanden Marlene und ich uns auf einmal vor allen Happy Birthday auf Deutsch singen. Natürlich mussten dann auch noch Happy Birthday auf Englisch, Französisch und Foun folgen, was zum Glück alle mitsangen. Mein absolutes Highlight des Tages war allerdings, als Julien zu Marlene meinte, sie soll nach vorne zu ihm kommen und mit ihm seinen Geburtstagskuchen anschneiden: Marlene war nämlich die „Geburtstagspatin“ („Marraine“) von Julien, musste also, nachdem wir alle von 3 auf 0 zählten, mit ihm den Kuchen anschneiden. Das erinnerte mich doch sehr an die Hochzeitstradition in Deutschland, was alles nur noch witziger machte. Ich saß neben Père Arnaud und wir beide lachten so dolle, dass mir irgendwann die Tränen kamen.

Mittwoch, 19.11.: Da mein Vater Geburtstag hatte, rief ich ihn gemeinsam mit meinen Schwestern an, um ihm zu gratulieren. Das bekam dann allerdings Frère Julien mit und wollte ihm unbedingt auch liebe Grüße Wünschen. Ich ging mit meinem Handy runter, so wie wir das abgemacht hatten, allerdings stand da plötzlich eine Horde von kleinen Jungs, die meinem Vater alles Gute wünschen wollten und 3 Männer mit Gitarre und Trommel. Es endete damit, dass mein Vater ein beninisches Geburtstagsständchen inklusive Tanz der Jungs zum Gebrutstag bekam. Ich konnte mich kaum zurückhalten, weil die ganze Situation so verrückt war, allerdings hab ich mich natürlich auch extrem gefreut für mein Vater. Er fand es super:) Am Abend sind wir mit Père Arnaud zum Kulturzentrum „Ouadada“ („Willkommen“) gelaufen, um uns für eine Bootstour auf dem Rivière Noir anzumelden. Dort bekamen wir von Père Arnaud ein Bier und Eis spendiert. Anschließend bekamen wir sogar eine kleine Führung durch das Zentrum: Es beinhaltet eine Kunstausstellung und Hotelanlage mit Pool und Dachterasse und ein Restaurant.




Freitag, 21.11.: Ob ihr’s glaubt oder nicht, Marlene und ich haben die Porto Novo Besichtigung doch tatsächlich noch weitergeführt! Erst waren wir, wie mittlerweile an jedem freien Freitag, in einem Café frühstücken (die Croissants sind wirklich himmlisch). Danach haben wir den Marché Ouando, die Zentralmoschee Porto Novo und den Grand Marché besucht. Alles war wirklich interessant zu sehen, besonders hat mich die Zentralmoschee beeindruckt. Ich wollte sie unbedingt sehen, weil ich sie auf Pinterest entdeckt hatte. In echt war sie aber noch mal um einiges Beeindruckender. Die beiden Märkte waren auch sehr schön zu sehen, wir waren wirklich weit und breit die einzigen Weißen, was die ganze Aufmerksamkeit auf uns gezogen hat. Ich glaube, daran werde ich mich so schnell nicht gewöhnen. Abends kamen dann wieder die anderen Freiwilligen von Volunta, um uns das Wochenede über zu besuchen. Wir sind Essen gegangen mit Charlotte und Marielle, blieben aber diesmal nicht allzu lange wach. Denn am nächsten Tag erwartete uns ein Abenteuer!




Samstag, 22.11.: Erst sind wir morgens Frühstücken gegangen, haben uns nach einer kurzen Mittagspause ein Chawarma auf die Hand gekauft und sind (etwas verspätet) am Kulturzentrum „Ouadada“ angekommen. Von dort ging es dann per Zem zum Rivière Noir, allerdings regenete es etwas und die Straßen waren wirklich spiegelglatt, weshalb Marlene und ich uns nur dachten: hoffentlich kommen wir überhaupt an… Naja, was eine Überraschung, wir haben es überlebt (Marlenes Chawarma musste sehr unter dem Fahrtwind leiden). Mit der selben Truppe wie den Abend zuvor begann unser Guide Ivonne die Tour. Überraschender Weise beinhaltete diese nicht nur eine Bootsfahrt, sondern auch eine Dorfbesichtigung, die verschiedene Stationen hatte: Zuerst durften wir selber ausprobieren, wie man einen Korb flechtet, nachdem uns das eine Frau vor Ort zeigte. Dann haben wir selbstgebrannten Palmenschnapps probiert und konnten sehen, wie der Prozess dahinter war. Der Schnapps hat sehr nach Vodka geschmeckt und eher gar nicht nach Palme. Nochmal werde ich das jedenfalls nicht trinken. Danach folgte eine Kunstausstellung vor Ort mit Figuren, Bildern und Masken und am Ende wanderten wir zu einer Trommelwerkstatt. Dort wurde uns gezeigt, wie traditionelle Trommeln geschnitzt werden und ein Trommelcrashkurs war sogar auch inklusive! Jeder von uns hat eine Trommel in die Hand gedrückt bekommen & schon ging es los: 1, 2, 3, Pause! 1, 2, 3, Pause! Die erste Übung klappte sehr gut bei uns allen, deshalb war es umso überraschender, dass wir uns bei der zweiten Übung so anstrengen mussten: Wir sollten nämlich nun ganz schnell trommeln und erst als er das Wort „Feu“ ruft, also „Feuer“, sollten wir stoppen. Wer sich verspielt, hat verloren. Der Trommelcrashkurs endete damit, dass drei Männer für uns trommelten und wir alle zu den „Tam Tams“ („Trommeln“) gemeinsam mit einigen Kindern aus dem Dorf tanzten:) Diese Erfahrung werde ich niemals vergessen, es hat mich zu tiefst beeindruckt, zu sehen, wie die Menschen dort leben und was sie arbeiten.










Sonntag, 23.11.: Am Totensonntag gingen wir wie immer in die Messe, leider hatten Marlene und ich nicht auf dem Schirm, dass Feiertag war. Denn normalerweise freu ich mich immer auf den Satz: „Allez dans la paix de dieux“, also das Französische „gehet hin in Frieden“. Doch dieser Satz wurde auch diesmal gesagt und die Messe war trotzdem nicht vorbei, was irgendwie alle Leute checkten außer Marlene und ich, denn alle blieben sitzen. Ein Kind kam zu Marlene und mir und fragte uns, ob wir Zwillinge sind (das ist erstaunlich lang nicht mehr passiert) und, wo unsere Mutter ist. Ich schmunzelte nur und meinte, sie ist zu Hause. Wir waren sehr verwirrt, als nach der Messe noch eine Zeremonie folgte, bei der Père Jacques, gefolgt von der ganzen Gemeinde, auf den Schulhof lief und sich vor den dort aufgebauten kleinen Altar niederkniete. Da ich den Totensonntag als „stillen Feiertag“ kenne, hat mich das 5 minütige Knien in der prallen Sonne nicht sonderlich überrascht. Im Hintergrund betete eine Frau und erst, als Jacques aufstand, stand auch die ganze Gemeine wieder auf. Weiter ging es mit lautem Gesang und Geklatsche, was mich etwas verwirrte. Nächster Halt und gleiche Prozedur war vor dem Eingang eines Gebäudes, wieder Knien, wieder singen. Dann weiter, um vor der Mariastatue auf dem Campus zu beten. Marlene und ich konnten ehrlicherweise nicht mehr, wehalb wir uns leise von der Zeremonie verabschiedeten. Abends aßen wir mit den Kindern, es waren auch Besucher vor Ort. Eine Frau hat eine Rede gehalten, die mir immer noch sehr im Gedächtnis geblieben ist: Sie hat an die Jungs appelliert, weiter so stark zu bleiben. Denn wenn sie den Regeln folgen würden, lasse sich bald eine Adoptivfamilie für sie finden. Denn das wäre vielleicht noch wichtig zu erwähnen: Das Foyer Don Bosco hier ist auch ein Kinderheim. Die Jungs sind aus ganz verschiedenen Gründen hier, zum Beispiel wegen Verbannung aus ihren Familien aufgrund von „Hexerei“, Gefängnisaufenthalte, (sexuelle) Misshandlungen,… Umso wichtiger ist es also, ihnen Hoffnung und Aufmerksamkeit zu schenken.


Montag, 24.11.: Leider habe ich die „pâte“, also eine Art zusammengepresster Teig auf Maisbasis die hier sehr verbreitet ist, wohl bei dem Essen mit den Kindern nicht allzu gut vertragen. In der Nacht hatte ich die schlimmsten Magenkrämpfe, bis ich dann um 2 Uhr nachts auf meinem Badezimmerboden liegend nichts anderes mehr tun konnte, als mir den Finger in den Hals zu stecken. Weitere Details werde ich euch ersparen:) Die ganze Woche über lag ich nur in meinem Bett und war heilfroh, als ich endlich wieder etwas Essen konnte. Meine erste Lebensmittelvergiftung habe ich eigentlich viel früher erwartet bzw natürlich gehofft, dass mir das ersparrt bleibt. Naja, die Lust auf „pâte“ ist mir bis auf Weiteres vergangen…
Sonntag, 30.11.: Als ich dann endlich wieder fit war, stand der erste Advent plötzlich vor der Tür. So schnell vergeht die zeit, dass jetzt die Weihnachtszeit ansteht? Marlene und ich konnten es nicht glauben. Zur Feier des Tages gingen wir morgens in die Messe und sangen im Chor mit, anschließend gab es eine Feier in der größten Gemeinde von Porto Novo: „Paroisse Xavier“. Als wir ankamen, sahen wir, dass der komplette Platz vor der Kirche mit Stühlen und Tischen vollgestellt war, es gab eine große Bühne (dessen Soundcheck in unseren Ohren wehtat) und es war schön geschmückt. Wir wurden von dem dortigen Chef Père Rapha zu einem Snack zu sich ins Gemeindehaus eingeladen, danach ging es für uns auf den Platz voller Stühle und Tische, um dort mit der ganzen Gemeinde zu essen. Es wurde nicht nur ordentlich gegessen, sondern auch ordentlich getrunken. Zur Feier des Tages darf man sich ja auch mal etwas gönnen, meinten die Pères bloß (sie gönnen sich ziemlich oft etwas). Die Feier wurde also noch sehr lustig, besonders, als einige an unserem Tisch auf die gute Idee kamen, sich mit zu der Band auf die Bühne zu stellen, um mitzutanzen. An unserem Tisch wurde laut gejubelt und geklatscht und Marlene und ich konnten unser gekicher nicht mehr unterdrücken.


Montag, 01.12.: Es gab noch keine Woche, in der wir so oft in Cotonou waren wie in der, von der ich euch jetzt berichten werde. Es startete am Montag mit einem Treffen mit Emmi und Oscar, um etwas Essen zu gehen und Kaffee zu trinken, dann sind wir im Supermarché Erevan einkaufen gegangen. Dieser Supermarkt ist ziemlich westlich, denn da kaufen entweder die eher obere Schicht von Beninern oder viele Weißen ein, also Touristen, Franzosen, die hierhin ausgewandert sind und irgendwelche wichtigen Leute aus Ämtern, die ihren Sitz in Cotonou haben. Dort gibt es alles, was es auch zu Hause in Supermärkten gibt. Deshalb ist es nicht immer ganz ungefährlich für uns, denn dort haben wir leider schon viel Geld gelassen (ups). Wir kamen dort das erste Mal hier so richtig in Weihnachtsstimmung durch die Weihnachtslieder, die im Hintergrund spielten, Deko und Geschenke waren überall. Menschen, die Plastiktannenbäume und Weihnachtsdekorationen für die Festtage kauften. Geschenke für ihre Kinder lagen in den Einkaufwägen. Wir entkamen dem Supermarkt mit zwei Lichterketten, die jetzt auf unserer Dachterasse hängen und mit einigen Snacks. Nach einer anstrengenden Rückfahrt kamen wir geschafft zu Hause an, zum Glück konnten wir noch etwas bei den Prénovices essen, während sie fern sahen:) Am Dienstag fuhren wir erneut nach Cotonou, um ein riesiges Paket, was Marlene von ihrer Familie zu Weihnachten geschickt bekommen hat, abzuholen. Natürlich konnten wir uns einen kleinen Stopp in einem Café nicht verkneifen.

Donnerstag, 04.12.: Am Donnerstag waren wir mit Arnaud und seiner Nichte Ida in Cotonou, die zu Besuch da war, um die „Carte Identité Personelle“ (unser beninischer Ausweis) zu beantragen. Denn die brauchten wir, um endlich unser Visum erstellen zu lassen. Bis jetzt hatten wir nämlich nur ein Visum für 90 Tage, was wir online beantragen mussten, um einreisen zu können. Nachdem wir alles nötige ausgefüllt und ein Bild machen lassen haben, gingen wir noch in die Kirche, wo Arnaud seine Ausbildung zum Père gemacht hat und er zeigte uns eine Bibliothek direkt nebenan. Anschließend gingen wir noch in eine Markthalle, die mich tatsächlich extrem an das Centro in Oberhausen erinnerte. Also zumindest vom Aufbau her. Denn die Berge an frischem Obst, Meerestieren, Fleisch und Gemüse gibts im Centro natürlich nicht. Dort hat sich Stand an Stand gereiht, wir wurden von gefühlt jedem Verkäufer angesprochen, ob wir nicht doch etwas von ihnen kaufen wollen. Das Angebot war riesig. Es gab zwei Ebenen, von oben sah das ganze ziemlich beeindruckend aus. Oben gab es auch noch Stände für Touristen, die lauter Schmuck, Statuen und was ein Touriherz sonst noch so begehrt, verkauften. Da konnten Marlene und ich natürlich nicht Nein sagen, wir wurden nach kurzem Verhandeln um den Preis schnell fündig:) Arnaud hatte noch keine Lust, wieder ins „langweilige Porto Novo“ (das hat er wirklich gesagt) zurückzufahren, also gingen wir in einem süßen Restaurant Chawarma essen. Anschließend gingen wir noch kurz an den Strand, um unsere Füße in Wasser zu halten und dann machten wir uns auf den Rückweg ins „langweilige Porto Novo“.





Freitag, 05.12.: Drei mal dürft ihr raten, wo wir Freitag waren. Genau, in Cotonou! Diesmal gingen Marlene und ich wieder Kaffee trinken in unserem Stammcafé (der Kellner kennt mittlerweile unsere Bestellung). Danach fuhren wir zu Emmi, Edwin und Oscar, um dort Karten zu spielen, Emmis Adventskranz aus Steinen, Blättern und Kerzen zu machen und zu essen. Später fuhren wir zusammen in eine Bar, um dort noch Felix, einen weiteren Freiwilligen aus einer anderen Organisation (Experiment), zu treffen. Dort spielten wir lustige Spiele (wer checkt, der checkt), tanzten mit Pakistani und Libanesen und kamen erst am nächsten Morgen wieder bei den drei zu Hause an. Mal wieder ein gelungener Abend. Der Tag danach wurde am Strand mit Sonnenbrille verbracht:)





Sonntag, 07.12.: Am zweiten Advent gingen Marlene und ich wie gewohnt zur Messe, doch noch während wir in der Kirche saßen, erhielten wir eine Nachricht in unserer Benin Freiwilligen Whatsapp Gruppe: Es sei heute zu einem Staatsstreich gegen den aktuellen Präsidenten Talon gekommen. Wir sollen alle zu Hause bleiben. Marlene und ich waren erstmal total überfordert, wir wussten gar nicht, was das jetzt für uns bedeuten würde. In dem Chat mit den anderen Freiwilligen wurde dann auch noch geschrieben, dass zwei von ihnen Schüsse in ihrer Nähe gehört hatten. Das hat mir schon ziemlich Angst eingejagt. Wir Freiwilligen waren in Kontakt mit der Botschaft, die uns zunächst mittteilte, dass sie nichts verifizieren könnten. Nach einer Stunde kam dann die Nachricht, der Putschversuch ist gescheitert, die Lage sei wieder unter Kontrolle. Beim Mittagessen fragten wir die Péres, ob sie davon mitbekommen hätten, woraufhin sie uns beruhigten. Sie meinten, hier in Porto Novo sind wir auf jeden Fall sicher, wenn irgendwas passieren würde, würde das in Cotonou ausgetragen werden. Dadurch, dass hier im April die Neuwahlen stattfinden, ist es nicht so ungewöhnlich und überraschend, dass es zu Ausschreitungen kommt. Trotzdem war das alles total gruselig. Zum Glück ist alles nochmal gut gegangen, die Ausgangssperre wurde aufgelöst. Wer weiß, was bis zu den Neuwahlen im April noch auf uns zukommt.
Sonntag, 14.12.: Tja, nach dem ganzen Trubel der letzten Tage sollten Marlene und ich dann mit einer Mandelentzündung bestraft werden. Knapp eine Woche lagen wir beide in unseren Betten und kurierten uns aus. Nachdem wir dann endlich wieder gesund waren, spielten wir am Sonntag Abend den Nikolaus, Beim gemeinsamen Essen mit den Kindern erzählten wir die Geschichte des Sankt Nikolaus (wir mussten das datum etwas ändern, weil wir spät dran waren), woraufhin alle Kinder auf uns zugestürtzt kamen, um uns zu fragen, ob das denn wirklich wahr sei und ob sie morgen Süßigkeiten kriegen werden. Die Zeit, bis die Kinder endlich schliefen, verbrachten Marlene und ich mit einem Weihnachstfilm, danach ging es für uns mit leisen Schritten vor jedes Zimmer. Dort verteilten wir (also der Nikolaus) Süßigkeiten, einige Kinder hatten die Geschichte sogar richtig verstanden und haben ihre Schuhe rausgestellt. Die anderen bekamen natürlich trotzdem Süßigkeiten vor ihre Zimmertüren gelegt.


Dienstag, 16.12.: Dass die Nikolausaktion gut funktioniert hatte, wussten wir am nächsten Tag: die Kinder kamen auf uns zu und meinten, der Nikolaus war bei ihnen und hat Kleinigkeiten vorbeigebracht. Einige vermuteten, dass Marlene und ich dahinter steckten, aber wir blieben standhaft und schüttelten nur den Kopf. „Das war der Nikolaus“. Vormittags halfen Marlene und ich im Garten des Campus, wir ernteten Erdnüsse und schnitten die Blätter von getrockneten Palmenzweigen mit Macheten ab. Die Arbeit hinterließ so einige Blasen an unseren Händen. Als die Kinder Pause hatten, verbrachten wir Zeit mit ihnen. Wir spielten UNO, andere Spiele und quatschten mit den Kindern. Nachmittags lud uns der Fußballtrainer der Jungs auf einen Spaziergang zum „Marché du poisson“ (Fischmarkt) ein. Wir liefen durch den Wald zum Markt, dort stieg mir schnell der Geruch von Fisch in meine Nase. Der Markt liegt an der Lagune von Porto Novo, die Fische, die hier verkauft werden, könnten also nicht frischer sein. Anschließend liefen wir noch zum Sitz der beninischen Fußballnationalmannschaft. Natürlich musste der Fußballtrainer uns das zeigen:) Abends hieß es: „kommt, wir schmücken den Campus“. Schnell stellte sich heraus, dass das „Schmücken“ gar nicht mal so weihnachtlich ist, wir wir das kennen. Es wurden zwar lauter bunte Lichterketten und Lametta verteilt und über der Don Bosco Statur hängt tatsächlich sogar eine Discokugel, aber der ganze Hof ist auch voll mit strahlend orangenen, aufblasbaren Polstern, die Werbung gegen Rauchen machen. Diese hängen überall: in den Büschen, in den Palmen und in den Bäumen.








Mittwoch, 17.12.: Morgens halfen wir bei der Köchin, die das Essen für die Kinder zubereitet. Sie gab uns die Aufgabe, unter Anleitung des Wäscher, uns um das Gemüse zu kümmern. Wir wuschen die großen Blätter, dann wurden mithilfe von Salz und Wasser die Parasiten bekämpft und dann mussten wir die Blätter kleinschnibbeln. Nach dieser entpannten Aufgabe ging es dann rüber in den nicht ganz so entspannten Teil: Der Wäscher holte noch lebendige (!) Krabben in einer Schüsel zu uns. Er machte uns vor, wie man die Krabben, nja, unlebendig macht. Wow, das hat mich etwas traumatisiert. Ich war zwar nie ein großer Fan von Meerestieren, aber spätestens jetzt ist mir der Appetit so richtig vergangen. Am Nachmittag kamen endlich meine neuen Loombands zum Einsatz. Marlene machte mir mithilfe von den kleinen Gummibändern ganz viele kleine Zöpfe. Meine erste Frisur mit den langen Haaren! Die Kinder fanden das auch ziemlich lustig, vor allem weil diese Frisur hier sowieso relativ verbreitet ist unter den Mädchen. Mir gefiel sie auch ziemlich gut:)


Samstag, 20.12.: An unserem freien Tag dachte ich mir, gönn ich mir doch mal was: zum Frühstück hab ich mir zum ersten Mal hier Spiegeleier gebraten. Das hab ich schon vermisst:) Nachmittags kamen dann Charlotte und Marielle (zwei Freiwillige von Experiment) zu uns auf den Campus, wir zeigten ihnen alles und gingen anschließend ins Schwimmbad. Dort war es leider voller als erwartet, also fuhren wir zum Essen zu einem anderen Restaurant. Unerwarteter Weise gab es da sogar Livemusik, die nach einem echt nervigen Soundcheck gar nicht mal so schlecht klang.



Sonntag, 21.12.: Nach dem Mittagessen fragte mich Pére Arnaud, ob Marlene und ich Lust hätten, später einen Spaziergang zu machen. Ich sagte natürlich ja, denn mit Arnaud erlebt man immer irgendwas. Ich sollte später recht behalten: Marlene und ich befanden uns auf einmal in einem Auto, Arnaud meinte, wir fahren jetzt zu einer Grundstückssegnung. Überrascht sahen Marlene und ich zu, wir Arnaud in sein kirchliches Gewand schlüpft, mit Salz, Mariaketten und Wasser zu dem Besagten Grundstück lief und wir folgten ihm. Dort wartete bereits der Besitzer des Grundstücks, er wird dort bald ein großes Haus bauen. Arnaud ließ aus seinem Segnungsbuch vor und wir gingen von Ecke zu Ecke. In jeder war ein Loch in dem Boden, wo Arnaud zunächst Wasser, dann Salz und dann die Mariaketten hineinwarf. Auch der Brunnen des Grundstücks wurde gesegnet. Anschließend wollte Aurnaud uns noch eine Gemeinde zeigen, aber bevor es dazu kam, sahen wir zufällig auf der anderen Straßenseite Charlotte, Marielle, Felix und Noah. Arnaud bot uns allen an, uns einen schönen Ort an der Lagune zu zeigen, was wir sechs natürlich schlecht ablehnen konnten. Also saßen wir zu siebt in dem Pickup und als wir ankamen, sahen wir einen wunderschönen Garten. Arnaud meint, hier geht er oft hin, wenn er mal eine Pause braucht. Über einen langen Steg kamen wir direkt an die Lagune, überall waren Palmen, Vögel und der Geruch von Wasser. Dort ist es ziemlich idyllisch und Marlene und ich meinten, dass dort der perfekte Platz zum Picknicken und Blog schreiben ist. Also vielleicht wird mein nächster Blog, den ich poste, genau dort entstehen:)
Sabine
Liebe Matilde, wie schön das alles zu lesen und ein bisschen mit in euer Leben dort schauen zu können! Hoffentlich seid ihr an Weihnachten alle wieder fit und könnt mit all der Deko und den Vorbereitungen morgen gut zusammen feiern. Schön, dass ihr mit Arnaud offenbar einen guten „ Verbündeten“ habt und mit ihm immer wieder neue Sachen entdeckt Wir denken oft an euch und schicken herzliche Grüße!! Sabine