Es ist mal wieder Ende eines weiteren Monats und somit auch wieder einmal Zeit für meinen nächsten Blog-Eintrag. Yeah:)

Ich hoffe mal, ihr alle seid gut in das neue Jahr gestartet und hattet bis jetzt eine zumindest weitgehend gute Zeit. 

Nun, da die Formalitäten mal wieder alle bei Seite sind, geht es jetzt mal ans Eingemachte. Den letzten Blog-Eintrag hab ich kurz vor Weihnachten veröffentlicht und da fange ich jetzt auch mal an. 

Das Weihnachtsfest ist auch den Indern hier bekannt, auch wenn die meisten es trotzdem nicht feiern. Dennoch, schon zwei Wochen vor dem Feste zog die Weihnachtszeit in Vijayawada ein. Überall wurden Jesus-Plakate aufgehängt und es schlichen sich Plastikweihnachtsbäume in das Stadtbild. Es gab auf einmal Werbung mit exklusiven Weihnachtsshopppingangebote und in den Don Bosco-Einrichtungen wurden Krippen errichtet.

Kurz nachdem wir wieder aus Hyderabad zurückgekommen waren, begann auch schon unser Weihnachtsprogramm. Am Freitag vor Heilig Abend, das war der 19.12,  hatte der Shelter sein eigenes kleines Weihnachtsfest. Hierbei hatten die Kinder sowie wir Tänze einstudiert, die wir dann schön vortanzen konnten. Ich durfte dabei als Weihnachtsmann verkleidet Süßigkeiten ausgeben. Es war zwar nur eine kleine Veranstaltung, die aber trotzdem für viel Freude beiden Kindern sorgte. 

Am vierten Advent (21.12.) war das große Don Bosco Weihnachtsfest. Hierbei kamen alle Menschen, die was mit Don Bosco am Hut hatten, im Chirigu zusammen, welches fast aus allen Nähten platzte. Den ganzen Vormittag über wurden Weihnachtstänze, Tänze in denen der Text oder die Bewegungen weihnachtliche Bezüge aufwiesen, Krippenspiele oder kleine Sketche aufgeführt. Wir Volos waren mit unserem eigenen Tanz natürlich mitten in der action (Ich durfte auch hier mal wieder Weihnachtsmann spielen, um Geschenke und Süßes zu verteilen). Nach einer halben Ewigkeit gab es dann Mittagessen. Und was für eins! Für die Verpflegung war sämtliches Küchenpersonal Don Boscos zusammen gekommen, um in einer provisorisch errichteten Großküche – mit Töpfen und Pfannen in mir bisher unbekannter Größe – ein indisches Festmahl herzuzaubern. Es war einfach fantastisch. Am meistens hat, glaube ich, die Kinder jedoch das Eis, das es zum Nachtisch gab, gefreut. 😉 An Weihnachten Eisessen draußen, und dabei aufzupassen das es nicht schmilzt, war schon eine eher surreale Erfahrung. (Generell fühlte sich Weihnachten ganz anders an, sowohl negativ als auch positiv gemeint: einerseits hat man schon das deutsche Weihnachten vermisst, andererseits war es schon irgendwie cool und interessant).  

Jetzt aber wieder zum 4. Advent: Nach dem Mittagessen ging es für die Kinder so richtig los. Es gab den ganzen Nachmittag über Spiele. Da war zum Beispiel ein Spiel, bei dem die Kinder versuchten mussten, in einem Teller voll Mehl eine Münze zu finden, oder einen Backstein eine Minute lang mit zwei Fingern halten. Wer so etwas schaffte, konnte dabei ein Bändchen gewinnen und diese dann an einem Stand gegen z. B. Süßigkeiten eintauschen. Geleitet wurde der Tag von Father Thambi, der durch wiederkehrende Unterbrechungen, um kurze Predigen zu halten, dem ganzen Tag eine Struktur gab. 

Die Folgefage bis zum 24. hin waren wieder ganz normale Arbeitstage für uns.

Am 24. trafen wir vier uns alle Abends, um gemeinsam zu versuchen, Kaiserschmarren hinzukriegen (es hat geklappt auch, wenn es länger gedauert hat als geplant). Nach unserem gemeinsamen Kocherlebnis hatten wir Bescherung, dafür hatten wir unter einander gewichtelt. Ich bekam von meinem Wichtel ein sehr schönes (und cooles) schwarzes Hemd geschenkt, auf dem mit bunten kleinen Glassteinen zwei kleine Vögel, die auf einem Ast sitzen, dargestellt/abgebildet sind. 🙂 Das ist ‘ne typische indische Art von Hemden, die hier vor allem an Festtagen getragen werden. Gegen Mitternacht brachen wir dann auf, um zu einer Christmette zu gehen, die uns von den Fathers empfohlen worden war. Diese Christmette war schon ein besonderes Ereignis. Die Messe war komplett in Telugu, was jetzt kein Problem darstellt, da ja eh alle katholischen Messen gleich sind in ihrer Struktur. Das was ein viel größeres Problem für uns war, war die Soundanlage. Diese war nämlich auf voller Lautstärke, was trotzdem keinen davon abhielt, sich das Mikro direkt vor den Mund zu halten und rein zu schreien, damit die ganze Stadt mitbekommt, was man zu sagen hat. Die Anlage übersteuerte ca.  alle 10 Minuten – was aber anscheinend keinen in der Gut besuchten Outdoorkirche zu stören schien. Nach ca. 2 Stunden entschieden wir uns gemeinsam die Messe zu verlassen, um das, was von unserem Hörvermögen noch übrig war zu retten. 

Um kurz nach 6 Uhr morgens ging es dann für mich mit dem Messprogramm weiter, den Mädels war es zu früh. Ich begleitete Father Thambi zu einer Frühmesse, in einem von Schwestern des Ordens von Mutter Theresa geführten Hospiz. Die Messe fand in einer Kapelle statt, war zum Großteil auf English und in einer „normalen“ Lautstärke. Zur Feier des Tages gingen wir dann in ein etwas feineres Restaurant und bestellten mehr oder weniger irgendetwas von der Karte (das machte die Sache einfacher, indem Diskussionen um das Essen erspart blieben) 😉 . Den 26. verbrauchten wir damit, uns gemeinsam Weihnachtsfilme anzusehen und wie schon teilweise am 25. mit unseren Familien zu telefonieren. 

Am 27. bekamen wir Besuch von einer weitern Volontärin von Don Bosco (die in Salem stationiert ist und zu der Gruppe aus Bayern gehört). Mit Elisabeth (das ist der Name von unserem Besuch) erkundeten wir das Gandhi-Denkmal in Vijayawada, welches ziemlich gut von Schulklassen besucht war. Von dort hatten wir einen fantastischen Überblick über die Stadt. Am Abend waren wir bei den Fathers eingeladen, unter der Bedingung, das wir auch was Kochen würden. Wir entschieden uns dazu Kaiserschmarren zu machen, was uns dieses mal deutlich schneller glückte als letztes Mal. Unser Essen kam so ok bei den Priestern und dem Staff an (es war halt schon sehr anders als deren gewöhnliches Essen). 

Silvester planten wir ein Krimidinner zu viert, mit Elisabeth, da Jette sich mit ihren Eltern im Süden Indiens traf.

Das Neujahresfest wurde dann von den Indern nicht groß gefeiert, auch wenn die Nachbarskinder die Möglichkeit ergriffen, um lauter kleine Böller zu zünden.  

Die ersten Neujahrstage waren von mehren Krankheitswellen, unsererseits und den Kindern, gekennzeichnet (die Kinder mussten vor allem gegen fiese Windpocken ankämpfen, wärend wir es mit der Grippe zu tun hatten).

Mitte Januar kam dann auch Jette mit ihren Eltern wieder hier her. Gleichzeitig began hier in Indien ein fest mit dem Namen Sankranti. Es dauert ungefähr 3 Tage (vom 13. bis zum 15.) und ist ein Erntedankfest (es gibt hier bei sehr viele regionale Unterschiede). Sehr früh morgens wurden hier überall auf den Straßen Lagerfeuer angezündet, was der in Dunkelheit und Nebel gehüllten Stadt ein mystisches Wesen gab. Auch beginnt mit Sankranti (teilweise) die Drachensteige-Saison, was den Nachbarskindern ordentlich Freude bereitet 🙂 . Die Kinder hatten übrigens die ganze Woche Schulfrei und durften (wenn es ging) zu ihren Familien gehen. Was uns teilweise das Arbeiten erleichterte (wir durften ums auch einen Tag frei nehmen). (Ich war aber die meiste Zeit des Festes Krank im Bett) 🙁 .

Mittlerweile ist alles wieder auf Normalbetrieb. Wir arbeiten wieder alle und wir sind nicht mehr so von Krankheiten geplagt. Am 26. war hier in Indien der Constitution Day. An dem wurde hier die Gründung des unabhängigen Indischen Staates gefeiert, Jette und ich feierten den Tag im Vimukthi, während Lele und Marlene der großen Zeremonie im Deepanivas beiwohnten. Am Mittwoch, den 27.01., besuchten wir mit den Kindern des Vimukthi zusammen, für uns unangekündigt, eine Hochzeit (vor allem, um dort Mittag zu essen) das kurze ca. 2 1/2 stündige Unterfangen machte den Kindern sehr viel Spaß. Besonders der Weg der ab und zu mal querfeldein durch Maisfelder führte, machte den Kindern Spaß (man konnte sich dort gut verstecken, um andere zu erschrecken 😉 ). 

Das ist so grob das, was uns (mir) so seit dem letzten Blog (von mir) widerfahren ist. Ich hoffe, euch hat meine doch etwas längere Pause nicht allzu sehr gestört. Und der etwas lange Text auch nicht. 

Wie immer mach ich jetzt noch kurz auf meinen Spendenlink aufmerksam ( https://www.donboscomission.de/volontariat/2025/spenden/anton ). Wer will, kann gerne etwas spenden. Das würde mich (und Don Bosco, die, wie gesagt, das ganze hier finanzieren) sehr freuen. Einen schönen Tag euch und denen, die das gelesen haben. Habt eine schöne Zeit, wo auch immer ihr seid. 🙂

Gruß Anton 

Ps: Im nächsten Blog könnte es möglicherweise um unser eigenes Bauprojekt im Shelter gehen und um meinen Versuch, Kindern das Flötespielen beizubringen, aber ich will nicht zu viel Vorwegnehmen wer weiß was alle so noch passiert. 😉