Hallo liebe Leser,
ich bin seit einem Monat wieder zurück in Deutschland und schreibe jetzt meinen letzten Blog über die Monate in Kazembe. Es ist sehr viel passiert.
Wir hatten die Motomboko-Zeremonie auf die wir seit Anfang an gewartet haben, die Wahlen und unser letztes Holiday-Camp.
Motomboko-Zeremonie
Am 25.07. fand die Motomboko-Zeremonie statt, auf das nicht nur wir Volontäre gewartet hatten, sondern auch ganz Kazembe – oder fast ganz Zambia. Für die Zeremonie kamen extra einige Volontäre aus Lusaka. Alle schliefen bei uns im Haus. Somit war es schön voll. Sie kamen um den Chief Mwata Kazembe zu sehen. Er ist der Bürgermeister vom Luapula District.
Wir hatten von Dienstag bis Sonntag frei, da die Kinder nicht mehr ins Oratorium kamen. Draußen auf den Straßen war sehr viel los. Kazembe war überlaufen mit Menschen und kleinen Ständen, an denen man Kleidung, Essen und Küchenutensilien zu niedrigen Preisen kaufen konnte. Es gab sogar Hüpfburgen, die nicht nur die Kinder, sondern auch wir ausprobiert haben. Man kann sagen Kazembe wurde für diese Woche zu einer kleinen Großstadt. Die Menschen waren nicht nur tagsüber, sondern auch nachts unterwegs, um zu feiern. Im Oratorium wurden von unserer Organisation Don Bosco warmes Wasser, Mahlzeiten, Duschen und die Möglichkeit zum Wäschewaschen angeboten. Diese Möglichkeiten haben viele Menschen dort sonst eigentlich nicht.



In diesen Tagen verbrachten wir viel Zeit mit unseren Freunden auf dem Markt und im Zelt (ein kleiner Shop) von „Auntie Jane“. Die Jungs halfen ihr dabei, Kleidung zu verkaufen, und als Dankeschön schenkte sie jedem von uns ein Hemd.

Am 25.07. trafen wir uns gegen 11 Uhr mit unseren Freunden. Wir planten, um 15 Uhr zum Chiefsplace zu gehen. Dieser war extra für die Zeremonie gesäubert worden, und die Wege und Felder waren hergerichtet worden, damit die vielen Menschen gut dorthin laufen oder mit dem Auto fahren konnten. Bis dahin verbrachten wir wieder Zeit bei „Auntie Jane“ und entspannten dort.
Letztendlich liefen wir erst gegen 15:30 Uhr zum Platz. Wir waren etwas spät dran, weshalb der gesamte Platz bereits voll war und wir außerhalb der Absperrung stehen mussten. Der Chief sollte um 17 Uhr kommen. Bis dahin führten einige Kinder und Jugendliche traditionelle Tänze, Gesänge und vieles mehr auf. Da wir wegen der vielen Menschen kaum etwas sehen konnten, gingen wir wieder, bevor der Chief ankam.



Nach der Zeremonie sahen wir ihn dann aber doch noch, als er die Hauptstraße hinuntergetragen wurde. Vor, neben und hinter ihm liefen unzählige Menschen her. Es war unglaublich zu sehen, was für eine riesige Menschenmenge gekommen war, nur um den Chief zu sehen.
Es war eine meiner liebsten Wochen, da wir so viel erlebt haben, viel Zeit mit unseren Freunden verbringen und den Chief endlich einmal sehen konnten.
Election/Wahlen
Dieses Jahr, am 13.08.2026, wurde in Sambia ein neuer Präsident gewählt. Schon lange vor der Wahl wurde im ganzen Land sehr viel Wahlkampf betrieben.
Seit ungefähr Anfang Juni fuhren immer wieder Autos mit riesigen Musikboxen und vielen Menschen, die auf dem Auto standen oder hinter dem Auto herliefen durch Kazembe. Dabei spielten sie Songs von Künstlern, die die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten unterstützten. Der aktuelle Präsident wird zum Beispiel von Yo Maps unterstützt, einem sehr berühmten und beliebten Musiker.
Es gibt sechs große Kandidaten, die durch die einzelnen Städte und Dörfer reisen, um dort ihre Wahlprogramme vorzustellen. Am 08.07. kam Brian Mundubile gemeinsam mit einem Musiker nach Kazembe. Es war sehr viel los und wir konnten zum Glück oben auf einem LKW sitzen und alles gut beobachten. Viele Menschen riefen immer wieder seinen Namen und zeigten mit ihren Händen sein Zeichen, das wie eine leuchtende Lampe aussieht.

In der darauffolgenden Woche kam der damalige Präsident mit einem Helikopter nach Kazembe. Für ihn wurde eine große Bühne auf dem Fußballplatz aufgebaut. Das Ganze konnte man am besten vom Oratorium aus beobachten, da es direkt vor der Bühne sehr voll war.

Am 13.08. wurde dann verkündet, dass Hichilema die Wahl gewonnen hatte. Allerdings wurden ihm Korruptionsvorwürfe gemacht, weshalb für kurze Zeit überlegt wurde, die Wahl neu durchzuführen. Einige Menschen zweifelten die hohe Anzahl der Stimmen für Hichilema an und vermuteten Unregelmäßigkeiten oder Manipulationen. Allerdings hätte er auch ohne diese Stimmen gegen Mundubile gewonnen, weshalb die Wahl letztendlich nicht wiederholt wurde. Er hat nun seine zweite Amtszeit angetreten.
Holiday-Camp
Jetzt kommen wir zu einem Thema was viele wahrscheinlich am meisten interessiert und zwar das Holiday-Camp. Es fand zwei Wochen statt mit ca 100 Kindern und jungen Jugendlichen.
Das Camp fing morgens um 7:00 Uhr für uns an und ging bis 14:00 Uhr, wo sich dann das normale Oratorium dran angeschlossen hat. Jeden morgen wurde erstmal das Oratorium sauber gemacht und danach gab es einen einstündigen Gottesdienst, welcher von Father Joseph geleitet wurde. Er hat den Gottesdienst sehr interessant für die Kinder gestaltet und ab und zu auch mal kleinere Energizer eingebaut.

Von 9:00 Uhr bis 9:30 Uhr haben wir alle zusammen gefrühstückt, welches von einigen Teenager vorbereitet wurde. Wir haben mit den Kindern zusammen Hände gewaschen und danach duften die jeweiligen Gruppen ihr Essen abholen.

Die Kinder erhielten am ersten Tag morgens bei der Registrierung einen Gruppennamen, den sie die ganzen zwei Wochen beibehalten haben. Sie wurden nach Alter sortiert, um die jeweiligen Workshops dementsprechend anzupassen. Ich habe mit einem Freund die kleinste Gruppe (3 – 6 Jahre) durch die verschiedenen Workshops begleitet. Die Kinder waren natürlich sehr aufgedreht vor allem wenn sie lange sitzen mussten, wie z.B. beim Kirchenunterricht was sehr anstrengend war aber es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht und wir hatten viel zu lachen. Junior (6 Jahre) ist mitten in der Lesson aufgestanden und hat ein Rad quer durch den Kreis geschlagen oder sie sind ständig aufs Klo gerannt, haben gelacht und die ganze Zeit dazwischen gequatscht. Wir hatten dadurch zum Glück auch sehr viel zu Lachen.

Vor den Workshops haben wir eine kleine Tanzeinlage mit denn Kindern eingelegt und standen dabei auf der Bühne um die Schritte vorzumachen. Nachdem alle ein bisschen ausgepowert waren, folgten die Spiele. Diese wurden vor allem von den Animateuren angeleitet. Es wurden einige Kinder ausgewählt, um Ball-, Wasser- oder Fangspiele zu spielen und die restlichen Kinder haben sie angefeuert. Von 11:00 Uhr bis 12:00 Uhr starteten die Workshops. Wir hatten Sport-, Unterricht-, Tanzen und Singen-, Malen-, Schminken-, Armbändern knüpfen und Kirchliche -Workshops. Von Montag bis Freitag haben die jeweiligen Altersgruppen die Workshops gewechselt und so konnte jeder verschiedene Sachen ausprobieren. Um 12:00 Uhr haben wir alle zusammen gebetet und gemeinsam mittag gegessen, welches wieder von einigen Teenagern und uns zubereitet wurde. Danach haben die Animateur den Katechismus unterrichtet, dort werden die Kernprinzipien des Glaubens erklärt und den Kindern nah gebracht. In dieser Zeit hatten wir eine Stunde Pause.
Danach fing das Oratorium an. Wie viele von euch bereits wissen, kommen hier die Kinder aus dem Ort hin, um zu spielen und zu lernen. Ich habe mit den Kindern und Jugendlichen Fußball, Basketball oder Karten gespielt, das hat mir immer sehr viel Freude gemacht, insbesondere die vielen lustigen Gespräche, die ich mit den Kindern hatte. Um 17:30 Uhr wurde es dann mit dem Good Night beendet und alle sind müde nach Hause gegangen. Die zwei Wochen waren echt was Besonderes. Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich finde es sehr schade, dass es schon unser letztes Camp war.


Dadurch, dass für alle die Schule geschlossen hatte, haben wir abends sehr viel Zeit mit unseren Freunden verbracht und unter anderem auch unsere Haare gefärbt, was nicht immer von Erfolg gekrönt war. Schwarze Haare zu färben ist gar nicht so einfach.
Die Ferien sind auch in Kazembe meine Lieblingszeit, da wir das Holiday-Camp hatten und wir viel mehr Zeit mit unseren Freunden verbringen konnten.
Am Samstag nach dem Camp sind wir mit den Animateuren nach Nchilenge zum See gefahren. Wir durften alle hinten auf dem Truck sitzen. Im See konnten wir schwimmen und Kayak fahren. Nebenbei haben einige Teenagers Reis mit Hühnchen gekocht. Abends ging es dann wieder zurück. Das war ein schöner Abschluss für unser Jahr, da wir mit all unseren Freunden nochmal ein bisschen Zeit verbringen konnten und der See ein wirklich schöner Ort ist.
Highlights
In den letzten zwei Monaten habe ich angefangen, besondere Momente aufzuschreiben. Ich würde euch gerne ein paar davon erzählen, weil sie wirklich gut beschreiben, wie das Jahr für mich war und wie viel Schönes ich erleben durfte.
- Am 22. Juli habe ich mit Sophia und Sara Catan gespielt. Vorher hat Sophia gefragt, wer die Bank sein möchte, und dann gesagt: „Eigentlich ist die Frage, ob ich oder Sara die Bank machen wollen, weil Thea sonst schummelt.“ Sara hat dann die Bank übernommen. Bei jedem Räuber, der gewürfelt wurde – also bei jeder 7 –, musste ich aufstehen und meine Taschen ausleeren, damit sie kontrollieren konnten, ob ich schummele. Es war fast wie eine kleine Sporteinheit. Am Ende habe ich trotzdem gewonnen und es war ein sehr schöner Abend.
- Am Dienstag vor Motomboko kamen vier Kinder zu Viper und mir und erzählten uns, dass auf dem Markt drei Hüpfburgen aufgebaut worden waren. Ich habe direkt zu Viper gesagt, dass wir da unbedingt drauf müssen, und er war sofort dabei. Also sind wir dorthin gelaufen, haben 10 Kwacha bezahlt und durften zehn Minuten hüpfen. Jedes Mal, wenn wir die Treppe hochgelaufen sind, mussten wir über die kleineren Kinder hinwegklettern, weil sie uns etwas zu langsam waren. Ich habe mich wie ein kleines Kind gefühlt und es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

- Einmal saß ich mit Viper an der Kirche und hatte schon den ganzen Tag Lust auf ein Freez-It, also ein Wassereis. Dann kamen drei Freunde von uns vorbei, und Viper fragte sie, woher sie das Eis hätten. Dabei erzählte er ihnen auch, dass ich gerne eins hätte. Ohne zu zögern gab mir Bostone den Rest von seinem Freez-It ab. Ich durfte es aufessen, und ich habe mich sehr darüber gefreut.
- Im Oratorium kam Junior (6 Jahre) einmal mit einem Freez-It zu mir und fragte, ob ich etwas davon abhaben möchte. Er machte es dann in der Verpackung klein, drückte es auf seine Hand und legte es mir anschließend in die Hand. Natürlich habe ich es gegessen und mich sehr gefreut – obwohl vermutlich seine Spucke von der Verpackung, seine und meine schmutzige Hand mit dem Eis in Kontakt gekommen waren. Aber es hat sehr gut geschmeckt und ich habe mich einfach total darüber gefreut, dass er mit mir geteilt hat.
- Wenn ich im Oratorium mit Sophia, Gilli und Viper Karten spiele, spielen wir manchmal auch ein paar Runden mit Mogeln. Das ist immer sehr witzig. Einmal habe ich mit Viper und einem etwa siebenjährigen Jungen Karten gespielt und aus Spaß geschummelt. Ich war die Einzige, die das gemacht hat. Als ich dem Jungen nach der Runde gezeigt habe, dass ich die ganze Zeit auf Karten gesessen hatte, fand er es unglaublich lustig und konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Er kannte es gar nicht, dass jemand beim Kartenspielen schummelt. Danach hat er es immer wieder selbst versucht, musste dabei aber jedes Mal lachen. Wenn wir anschließend wieder gespielt haben, musste ich auf seine Aufforderung hin immer wieder aufstehen, damit er kontrollieren konnte, ob ich schummele. Darüber hat er sich jedes Mal aufs Neue gefreut.
- Am ersten Tag des Holidaycamps war ich in einer Gruppe mit den ganz Kleinen, also den Drei- bis Sechsjährigen. Alle Kinder haben selbstständig ihren Stuhl zur Tribüne getragen, da wir Kirchuntertericht hatten. Ich war zu faul, mir selbst einen Stuhl zu holen, und Junior sagte dann, dass ich seinen haben könnte. Dafür setzte er sich einfach für zwei Stunden auf meinen Schoß. Er war die ganze Zeit total unruhig und mittendrin, während Viper gerade geredet hat, stand er einfach auf und machte quer durch den Kreis ein Rad. Das war einfach unglaublich lustig. Und dann als er auf die Toilette gegangen ist, hat sich ganz schnell ein anderen Junge auf meinen Schoß gesetzt.

- Am Dienstag haben wir im Camp als Workshop Fußball gespielt. Alle Kinder haben sich total gefreut, mit mir in einer Mannschaft zu sein, und immer wieder gesagt: „With Thea we will definitely win.“ Und wir haben natürlich auch gewonnen. Es war sehr witzig, weil immer alle Kinder gleichzeitig auf einen zugerannt sind, sobald man den Ball hatte – wie kleine Kampfzwerge.
Diese kleinen Momente sind für mich zu ganz besonderen Erinnerungen geworden. Gerade sie zeigen mir, wie viel Schönes, Lustiges und Herzliches ich in diesem Jahr erleben durfte.
Ich bin unglaublich dankbar für dieses besondere Jahr, die vielen Erfahrungen und vor allem für die Menschen, die es so unvergesslich gemacht haben. Auch wenn meine Zeit in Kazembe jetzt vorbei ist, werde ich mich immer gerne an die vielen schönen, lustigen und besonderen Momente zurückerinnern. ❤️
Mittlerweile bin ich seit einem Monat wieder in Deutschland und habe angefangen, in Paderborn Soziale Arbeit zu studieren. Ich bin gespannt, was die Zukunft für mich bereithält und wohin der Wind mich noch so trägt. ☺️

Damit endet nun auch mein letzter Blog über mein Jahr in Sambia. Vielen Dank an alle, die meine Reise verfolgt und meine Erlebnisse mitgelesen haben. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in mein Leben in Kazembe geben und euch an den vielen schönen Momenten teilhaben lassen.
Das war’s jetzt erst einmal von mir und meiner Reise! ❤️
Liebe Grüße
Thea

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