Hey zusammen.

Mittlerweile ist etwa eine Woche vergangen, seit wir ins Flugzeug gestiegen sind. Seitdem ist sehr viel passiert, die Fülle dieser Eindrücke ist so enorm, dass ich kaum glauben kann vor ein paar Tagen noch in Deutschland gewesen zu sein. Auf dem Flug hatten wir einen Zwischenstopp in Delhi. Als ich dort das erste mal unter freiem Himmel in Indien stand war ich überwältigt. Gerüche und eine feuchte Hitze, die ich bisher nur aus Gewächshäusern kannte, prasselten auf mich ein. In Vijayawada kamen wir morgens um 8 an. Wir wurden am Flughafen abgeholt von einem Fahrer, der so nebenbei und lässig dauerhupte, dass wir zuerst dachten das passiere ausversehen. Im Projekt angekommen wurden wir herzlich empfangen. Wie in einem Traum wandelten wir an diesem Tag das erste mal durch die Nachbarschaft und ließen alles auf uns wirken. 

Wir wohnen im Navajeevan Bala Bhavan. Das ist sozusagen das Hauptquartier aller Don Bosco-Projekte der Stadt. Hier sind die Büros der Angestellten, die Küche, sowie die Zimmer der Fathers. Highlight an diesem Gebäude ist eindeutig die große Dachterrasse. Von da oben hat man eine gigantische Sicht auf die Stadt. Auf dem Dach waschen wir unsere Wäsche und können in unseren Hängematten entspannen. Direkt nebendran ist der D-Mart, ein Supermarkt der in der ganzen Stadt bekannt ist. Das ist sehr praktisch um nach Hause zu finden. Die ersten Tage hatten wir noch keine Simkarten, also auch kein Google Maps. Wenn wir uns dann mal verlaufen haben, kam man mit der Frage, „where‘s Dmart?“ immer wieder zurück. 

„Where do you come from? Ah Germany, nice. I once studied in London. What do you think about the Indian culture, you like indian food, how is the climate here, you want to make a Selfie ?…“

…Ungefähr so laufen sehr viele Gespräche auf der Straße ab. Als weiße Person fällt man hier sehr auf und wird interessiert ausgefragt. Allgemein sind alle Menschen hier extrem freundlich und offen. Und so kommt man hier sehr schnell mit Leuten ins Gespräch. 

Am Freitag sind wir das erste mal in einer der Einrichtungen, dem Shelter. Dort leben zurzeit 11 Jungs, die aus verschiedenen Gründen von ihren Familien getrennt sind und nun als Zwischenlösung im Shelter leben. Wir haben mit den Kindern sehr viele Spiele gespielt und nach ein paar Tagen auch einmal Unterricht in Englisch und Mathe vorbereitet. Während der Gamestime waren wir entweder draußen auf einem Sportplatz oder drinnen um Uno oder Carrom zu spielen. Große Aufregung gab es, als sich vor der Tür des Shelters ein Affe mit einem Hund anlegte. Gespannt rannten alle Jungs und zur Tür und wollten sehen was abgeht. 

Bis auf den Shelter haben wir die anderen Projekte noch nicht gesehen. Eigentlich war das für diese Woche geplant, hat sich aber auf nächste Woche verschoben. Über die anderen Projekte werde ich deshalb später noch berichten.

Die letzten Tage waren wir also meistens einmal am Tag für ein paar Stunden im Shelter und haben die restliche Zeit genutzt um die indische Kultur kennenzulernen. Gerade ist in Vijayawada das Ganesha-Festival in vollem Gange. In fast jeder Straße hat die Nachbarschaft zusammen eine Art Bühne aufgebaut, in der riesige Ganesha-Statuen stehen. Ganesha ist eine der wichtigsten Götter im Hinduismus. Gestern hatten wir die Ehre bei einer Parade mitzulaufen, bei der die Statue zum Fluss transportiert wurde. Begleitet von einem Musikwagen sind wir am frühen Abend durch die Stadt getanzt. Mittlerweile kennen wir uns in der direkten Umgebung etwas aus, sind sogar schon bekannt  bei einem Chaiverkäufer an der Ecke. 

Der Straßenverkehr war zu Beginn reine Überforderung. Jedoch haben wir heute unsere Fahrräder bekommen. Ich muss schon sagen, das macht ganz schön spaß mit dem Rad zwischen Rikschas und Scooties hindurch Slalom zu fahren. Es gibt nur eine einzige Verkehrsregel: Einfach nie anhalten, sondern immer konstant weiterfahren. 

Abschließend möchte ich erwähnen wie dankbar ich bin, all diese Erfahrungen machen zu dürfen. Jeden Tag wird mir mehr und mehr bewusst, dass dies alles andere als selbstverständlich ist. Ich merke schon dass mich das Jahr prägen wird und mir für vieles die Augen öffnet

Ganesha-Festival
Streetfood