„Clinique St. Vincent de Paul, après la marie de Zogbo“ ist bestimmt unter den TOP 5 Destinationen dabei, die ich zu Zem-Fahrern sage, oder wie eine Freundin letztens zu mir meinte, „mein drittes Zuhause“. Ja, so absurd es klingt, zu einem nicht geringen Teil ist diese Aussage richtig. Ich würde mal behaupten, ich war noch nie so oft krank wie in diesem Jahr. Dabei ist eine ganz bestimmte Krankheit ganz hoch im Kurs. Aber beginnen wir mal von vorne:
(Kurze Warnung vorweg: das sind alles meine ganz persönlichen Erzählungen. Symptome und der Krankheitsverlauf sind nicht allgemein gültig und bei jedem gleich!)
Gerüchte und Erzählungen
Wenn ich in Deutschland von meinem Freiwilligendienst erzählt habe und auch davon, dass es für mich nach Benin, Westafrika geht, kam irgendwann auch das Thema „Malaria“ auf. „Wie ist das dann mit Malaria? Kannst du das auch bekommen?“ oder „Ist das nicht voll gefährlich in Benin mit den Mücken und Malaria?“ bekam man oft zu hören. Also JA, mir war bewusst, dass ich mich in ein Malariarisikogebiet begebe und dass die Wahrscheinlichkeit nicht gerade gering ist, dass ich auf lange Sicht auch infiziert werde, zumal mir das auch einige Vorvolontäre erzählt hatten. Doch ich hatte zu keiner Zeit Panik davor, da ich zum einen von überwiegend harmlosen Verläufen gehört habe, die eher einer leichten Grippe (wenn überhaupt) ähneln und zum anderen die Ärzte vor Ort mit dieser Krankheit vertraut und auch vorbereitet sind und somit die richtigen Medikamente zur Verfügung stellen können. Mit dieser Einstellung startete ich also in mein Jahr in Benin – und dieser Ansicht bin ich auch jetzt noch (kleiner Spoiler);)
Irgendwann ist immer das erste Mal
Um mir den Start hier in Benin etwas zu erleichtern und nicht gleich in den ersten Wochen mit Malaria flach zu liegen, habe ich mich dazu entschieden, eine Malariaprophylaxe einzunehmen, mich aber gleichzeitig dagegen entschieden, diese für ein gesamtes Jahr, also 12 Monate Tag für Tag einzunehmen (wäre auch möglich, aber eigentlich ist diese Prophylaxe vor allem für Touristenaufenthalte gedacht, also 2-3 Wochen. Aber das muss einfach jeder für sich individuell entscheiden).
Der erste Monat verlief malariafrei, und sogleich der zweite. Doch passend zum Start in die Adventszeit lag ich dann mit meiner ersten Infektion für gut eine Woche flach. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich die ersten Symptome gespürt habe.
Ich war samstags noch mit Maria und Lotte auf dem Dantokpa einkaufen, mittags lecker essen und als wir dann nachmittags zu Hause waren, kamen die Symptome schlagartig und gleichzeitig schleichend. Komischer Widerspruch, ich weiß, aber ich hatte Bauchweh und eine leichte Übelkeit, die nicht weggehen wollte. In der Nacht kamen dann noch extreme Rücken- und generell Gliederschmerzen hinzu, die wirklich sehr unangenehm waren. Sonntag morgen machte ich mich dann sofort auf den Weg zur Klinik – die ist zum Glück nicht weit entfernt, nur 5 Zem-Minuten ! Dort wurde ich auch sogleich behandelt, man gab mir ein paar Booster-Infusionen und mir wurde Blut für einen Malariatest abgenommen. Das positive Ergebnis konnte ich dann Mittags auch schon abholen und abends startete ich mit der Behandlung: eine Dosis Malariamittel und eine weitere Antibiotika im Abstand von 12 Stunden und das Ganze 3 Mal. Die darauffolgenden 1 1/2 Tage bin ich also immer morgens und abends zur Klinik gefahren, um mir meine Spritzen abzuholen. Soweit so gut. Die Woche über war ich wirklich sehr geschwächt, hab fast nichts gegessen und getrunken, da ich eine extreme Appetitlosigkeit hatte… Ich habe viel mit meinen Eltern telefoniert, mich versucht abzulenken und ab Mitte der Woche ging es dann auch langsam Berg auf. Aber ich weiß heute noch, dass sich diese eine Woche angefühlt hat wie 3 Wochen.
Verfrühtes Weihnachtsgeschenk???
Von meiner ersten Malariainfektion habe ich mich gut erholt und mich zu keinem Zeitpunkt nicht gut aufgehoben gefühlt – das möchte ich hier noch einmal klar stellen!! Nach der Behandlung in der Klinik habe ich dann noch Tabletten verschrieben bekommen, aber das Tablettenchaos ist dann nach 3 Tagen auch vorbei gewesen. Mitte Dezember bin ich eines Morgens aufgewacht mit Rückenschmerzen. „Oh, die kenne ich doch!“, dachte ich mir, wurde stutzig und bin sofort in die Klinik zum Testen gefahren. Als ich am Abend wieder ein positives Ergebnis in den Händen hielt, war mir dann doch ein bisschen mulmig zumute… „Meine letzte Infektion liegt doch erst gute 2 Wochen zurück…“ „Aber was solls…“, und startete die 2. Behandlung. Die war dann zum Glück noch vor dem 24.12. abgeschlossen und so konnte ich ein relativ entspanntes Weihnachten verbringen. Übrigens auch ein schönes Silvester bis….
Alle guten Dinge sind 3… oder etwa 4???
…Mitte Januar. Ab da wieder der gleiche Ablauf. Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlappheit, etc. Die Ärzte in der Klinik begannen langsam, sich meinen Namen zu merken, da ich nun innerhalb von 1 1/2 Monaten schon ziemlich häufig da war. Ich war auch etwas von mir selbst beeindruckt, wie gut ich meinen Körper nun schon einschätzen konnte, da bis jetzt jeder Malariatest positiv war, ich also immer richtig mit meiner Vermutung lag. Ich beendete meine nun schon dritte Behandlung – dieses Mal habe ich zur Abwechslung mal die Tabletten-Variante ausprobiert und bin dann relativ schnell auch schon wieder zur Arbeit gegangen. Zuhause war es einfach zu langweilig und die Verläufe sind auch von Mal zu Mal unterschiedlich stark.
Ich startete mit vollem Elan in eine neue Woche – endlich wieder Arbeit, die aber schon am Dienstag wieder durch Rückenschmerzen und Co zur Bettruhe mutierte. „Das kann doch jetzt nicht sein??!! Ich wurde doch letzte Woche erst behandelt und jetzt schon wieder die nächste Infektion? „Innerhalb von 2 Wochen 2 Mal?“, ich war ganz aufgeregt. „Ja, das ist durchaus möglich.“, meinte der Arzt zu mir. „Denn während du gerade in Behandlung bist, kannst du von einer infizierten Mücke erneut den Parasiten übertragen bekommen. Für diese Erreger wirkt dann die aktuelle Behandlung nicht, da die 2. Infektion erst später ausbricht.“ „OK, klingt plausibel. Trotzdem blöd.“, dachte ich mir. Aber so logisch das auch klingen mag, ich musste erneut behandelt werden. Also auf ein Neues!
Mein Körper wird langsam aber sicher resistenter
Ab Mitte Januar zogen Tage und Wochen ins Lande. Ich habe die Zeit in Ghana beim Zwischenseminar und auch die Arbeit in den Projekten genossen. Denn mit am meisten hat mir immer weh getan, dass ich so gar nicht in einen Arbeitsrhythmus reinkommen konnte, da ich wenige Wochen später schon wieder außer Gefecht gesetzt war. Mitte März – meine letzte Malariainfektion liegt nun schon 8 Wochen zurück – geht es mir eines Nachmittags auf einmal schlagartig schlecht. So starke Müdigkeit inklusive Appetitlosigkeit, sodass ich irgendwann total erschöpft ins Bett falle. Am nächsten Morgen wieder mein schon fast zur Gewohnheit gewordener Abstecher zur Klinik und am Abend das positive Testergebnis in den Händen haltend – eins steht fest: Das mache ich jetzt einfach schon zu oft. Das Klinikpersonal freut sich zwar immer, mich zu sehen, doch sie haben auch Mitleid mit mir und fragen mich immer, ob ich denn schon mit Moskitonetz schlafe???
Dieses Mal hat es mich aber schon mehr erwischt. Ich kann kaum aufstehen, schlafe die meiste Zeit des Tages und habe überhaupt keinen Appetit – sogar zum Trinken muss ich mich regelrecht zwingen. Als es Mitte der Woche nicht so richtig besser wird, werde ich stutzig. Also suche ich erneut die Klinik auf, um mir Infusionen geben zu lassen – zum aufpeppeln. In diesem Zuge lasse ich mir Blut für einen Malariatest abnehmen. Als ich dann wenige Stunden später die Worte „Recherche parasitaire: POSITIV“ lese, bin ich sprachlos….
„………….wie?…………warum?…………“
Ich will es nicht so richtig glauben, bin aber andererseits auch froh darüber, da das meinen anhaltenden schlechten Zustand erklärt. 2 Infektionen innerhalb von EINER Woche! Neuer Rekord für mich! Aber die letzten Male haben mir gezeigt, dass das Leben danach auch weiter geht! Auch wenn man sich ein paar Tage wirklich nicht „en forme“ fühlt… Irgendwann wird es wieder besser und dann schätzt man seine Gesundheit noch viel mehr.
aktueller Stand
Wie viele Monate sind seither vergangen? Richtig! 2 Monate. Das heißt eine erneute Infektion stünde doch an, oder? Richtig vermutet. Mich hats wieder mal erwischt. Und mittlerweile überlege ich, ob es vielleicht doch das geringere Übel wäre, einfach jeden Tag eine Tablette von der Malariaprophylaxe zu nehmen, um so die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Infektion zu minimieren. Sofern ich diese noch gut vertrage, wäre das eventuell eine neue Herangehensweise.
Eins ist sicher: Ich möchte mich von dieser Krankheit auf keinen Fall einschüchtern lassen. So schwer mir die letzten Monate teilweise gefallen sind, so viele schöne Momente habe ich dennoch in den Projekten mit den Kindern erlebt. Denn es gab und gibt ja auch ein Leben zwischen den Infektionen. Diese Zeit im Bett fühlt sich einfach immer nach viel mehr an als sie ist: meist 5-7 Tage. Und ich muss dazu sagen, dass meine Verläufe zwar nicht immer angenehm waren, jedoch zu den harmlosen Fällen zählen, die keine Spätfolgen mit sich bringen.
Dieser Blogeintrag soll auf keinen Fall Angst schüren oder weitere Vorurteile erzeugen. Ich wollte hiermit nur meine ganz persönliche Geschichte teilen und zeigen, dass auch in einem Freiwilligendienst nicht immer alles rund läuft und es Herausforderungen gibt, die man meistern kann. Diese Zeilen sollen also eher Mut machen, nicht aufzugeben und immer das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.
Was die nächsten 3 1/2 Monate mit sich bringen, steht noch in den Sternen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es so kommt, wie es eben kommen soll 😉
Am Ende noch die ultimative Preisfrage: Wie oft hatte ich denn bis jetzt Malaria? Wer hat mitgezählt?
Ach ja und eines kann ich mit großer Sicherheit sagen: die Versicherung hat sich für mich auf jeden Fall ausgezahlt 😉
Bis zum nächsten Mal 😉



Ali
Das ist ja wirklich blöd. Ich wünsche dir Gute Besserung und viel Glück dass du die letzten Monate so gesund wie möglich verbringen kannst. 🍀 Hoffentlich geht es ab jetzt gesundheitlich nur noch bergauf
Sophia
Liebe Leonie, ich wünsch dir eine ganz schnelle, langanhaltende Besserung und für deinen restlichen Aufenthalt alles Gute! Hoffentlich bleibst du in den nächsten Monaten verschont!🤞 Es freut mich sehr, dass du trotz Malaria auch viele schöne Erlebnisse sammeln kannst und das Beste daraus machst. Danke, dass du so offen über deine Erfahrungen mit der Krankheit und der Versorgung vor Ort schreibst. Lass dich nicht unterkriegen und werd ganz bald wieder gesund!🥰
Ulla
Liebe Leo, so bleibst du uns zumindest über Jahre in Erinnerung. Als Malaria Königin:-) Natürlich behalten wir von dir noch mehr in Erinnerung, zum Beispiel dein reflektierter Umgang mit Herausforderungen. Aber Deinen Artikel speicher ich mir mal ab… Er kann vielleicht so einige Eltern überzeugen, das Malaria zwar unangenehm ist, aber nicht automatisch eine schwere Krankheit mit Folgeschäden.
Liebe Grüße
Ulla von Don Bosco Volunteers
Nowecki Caroline
Je suis fière de toi. 😘