Leonews aus Benin

zwischen Motorradtaxis und Markt-Gewusel

Hoher Besuch aus Deutschland

Vorab: Auch wenn das Erzählte jetzt nun schon einen Monat zurück liegt, ist es dennoch erzählenswert!! Viel Spaß beim Lesen:

Nach rund 7 Monaten war es soweit! Leonie hat sich spät abends auf den Weg zum Flughafen gemacht, um ihre Eltern freudig in Empfang zu nehmen!! Ja, ich hatte das Glück, dass mich die beiden für 2 Wochen besucht haben, und so einen kleinen Einblick in mein Leben bekommen haben, das ich nun schon über ein halbes Jahr führe. Die 14 Tage waren sehr intensiv und wunderschön, aber eins nach dem anderen…

Schritt Nr. 1: Akklimatisieren

Da sich Deutschland zu dieser Zeit ja noch im tiefsten Winter befunden hat (ich übertreibe natürlich!!!), war die Ankunft neben den vielen neuen und überwältigenden Eindrücken vor allem klimatisch dann doch erst einmal herausfordernd…Ein Temperatursprung von ca. 30 Grad und zusätzlich hoher Luftfeuchtigkeit: da ist AKKLIMATISIEREN angesagt!!! Für mich als frisch gewordene Reiseleiterin hieß das: Sachtes Programm, nichts überstürzen.

Papas handwerkliche Fähigkeiten waren sofort gefragt, denn in unserer Küche musste ein Regal montiert werden… Anschließend hab ich ihnen die touristische Seite Cotonous gezeigt: Amazone und den Strand. Das Wetter – etwas bewölkt – hat uns die Sightseeing- Tour etwas erleichtert, mittags sind wir dann doch wieder zurück und haben uns ausgeruht…

Schritt 2: Härtetest „MESSE“

… für die bevorstehende Messe am Sonntag! Um sich schon mal auf die Ostermesse eine Woche später vorzubereiten, dachte ich, es wäre nicht schlecht, auch schon die „Palmsonntagsmesse“ zu besuchen. Einfach ein bisschen Warmlaufen for „The big day“! Daher ging es punkt 8:30 Uhr los zur Kirche. Auch an diesem Tag war alles dabei, von Prozession bis Animation vom Kinderchor! War eine gute Vorbereitung für Ostern. Nachmittags haben wir dann Zeit mit den Foyer-Mädchen verbracht, die meine Eltern sogleich umzingelt und belagert haben. Die beiden waren einfach DAS Highlight an diesem und den weiteren Tagen!

Urlaub muss auch mal sein!

Nach dem Wochenende in Cotonou, das vor allem zum Ankommen vorgesehen war, ging es für uns drei nach Dassa, etwas nördlicher von Cotonou (ca. 3h Autofahrt). Damit es auch für mich zum Urlaub wurde, habe ich einen Guide zusammen mit Chauffeur organisiert, die uns für 3 Tage begleitet haben! Die etwas längere und teils auch wilde Autofahrt wurde uns versüßt dank einer Wegstärkung am Straßenrand: Ananas – und zwar zuckersüß!!! Angekommen in der Unterkunft, in der wir mit erfrischenden Säften willkommen geheißen wurden, richteten wir uns ein und besuchten nach einer kurzen Siesta einen Wallfahrtsort in der Nähe. Abends wurde noch gespielt und gegessen, dann aber auch schon ins Bett gegangen!

Denn für den nächsten Tag mussten wir fit sein! Es ging nämlich schon früh morgens los, um Nilpferde zu sehen. Auch wenn wir nicht so erfolgreich waren, haben wir die Stille in der Natur genießen können – fern von hupenden Motos…

Nachmittags bestiegen wir noch einen heiligen Hügel und wurden anschließend mit einem super leckeren Essen belohnt!!!

Am dritten und letzten Tag ging es für uns in ein Peulh-Dorf. Die Peulh sind ein nomadisches Volk in Westafrika, das vor allem für den „Fromage du Peulh“ bekannt ist, ein traditioneller Käse (auch Wagashi genannt), der von ihnen hergestellt wird. Ich fand das richtig spannend, weil wir bei der Käseherstellung dabei sein durften und dann sogar probieren und etwas mit nach Hause nehmen konnten! Wirklich sehr beeindruckend und ein schöner Abschluss unseres Urlaubs!

Ausflüge und Projekte besuchen

Zurück in Cotonou waren wir wieder mitten drin im wuseligen Stadtleben. Die kommenden Tage haben wir Tagesausflüge unternommen und meine Eltern haben die unterschiedlichen Projekte der Schwestern kennengelernt, wie die Baraque auf dem Markt oder die Babys im Maison du Soleil. Vor allem der Besuch auf dem Markt war sehr eindrucksvoll und überwältigend… Hier ein paar Eindrücke:

Neben dem Projektalltag waren wir

  • einen Tag in Ganvié, einem Pfahlbautendorf auf dem nahegelegenen See „Nokoué“
  • in Porto-Novo, der Hauptstadt Benins und anschließend auf dem Rivière Noir, auf dem wir eine entspannte Bootstour unternommen haben und auch in einem kleinen Dorf Halt gemacht haben

Zur Touristenführerin wurde ich dann in Ouidah, da ich dort bereits war und mich daher relativ gut zurecht finden konnte. Diese Stadt in Benin ist sehr reich an Geschichte, da sie das Zentrum des Sklavenhandels in der Region war. Als Symbol für die Deportationen der Gefangenen wurde in der Nähe des Strandes die „Porte du non-retour“ errichtet, um an die Opfer zu gedenken.

Nach einem kleinen Spaziergang durch die verschiedenen Ecken Ouidahs hatten wir uns eine Stärkung verdient. Für Mama und Papa gabs Shawarma, eine Art Döner, für mich Attiéké, ein traditionelles Gericht aus der Elfenbeinküste, das aus fermentiertem Maniok hergestellt wird und zusammen mit frittierter Kochbanane gegessen wird! Lecker!!!

Dieser Wechsel zwischen Ausflügen und dem Leben in Cotonou mit Besuchen der Projekte war optimal. So hatten wir zu dritt noch eine schöne und intensive Zeit und meine Eltern sahen zusätzlich noch andere Ecken Benins.

Joyeux Pâques

Das ganze Jahr über war ich schon gespannt darauf, wie wohl Ostern hier gefeiert werden würde und vor allem, wie lange die Ostermesse gehen würde!!! Umso schöner fand ich es natürlich, dass genau an diesem Festtag auch meine Eltern zu Besuch waren. Als Vorbereitung (neben der Palmsonntagsmesse) haben wir mit Stoff im Gepäck dem Schneider einen Besuch abgestattet: Ziel war ein Osteroutfit! Dieses war dann pünktlich zum Festtag fertig und konnte in der Osternacht zum ersten Mal getragen werden! Zur Messe: Dauer: 3 1/2 h, Musik: traditionell aber auch bisschen poppiger, Fazit: nicht so krass wie Silvester… Auf dem Weg nach Hause gerieten wir jedoch regelmäßig in Straßenzüge, die lauthals sangen und trommelten. Da war was los…

Als Osteraktivität für die Kinder haben Maria und ich uns überlegt, eine Eiersuche zu machen. Gesagt getan wurden dann erst einmal 50 Eier gefärbt und anschließend zusammen mit einem Stift auf dem Gelände der Schwestern versteckt (an dieser Stelle nochmal ein riesengroßes DANKESCHÖN an Mama, die mir beim Eierfärben geholfen hat!!). „Auf die Plätze, fertig, und los“ ging die Suche. Sowohl die Kinder als auch wir hatten einen riesigen Spaß und so hat es sich dann doch nach deutschem Ostern angefühlt… Die neu gefundenen Buntstifte wollten die Mädchen dann unbedingt ausprobieren. Da jedoch kein Papier in Sicht war, musste wohl Leonies Gesicht herhalten…

Als Abschluss des Urlaubs ging es noch einmal auf den Dantokpa – Stoff kaufen!!! Dieses Mal fiel es Mama und Papa schon etwas leichter, sich in diesem Gewusel zurechtzufinden und vor allem nicht verloren zu gehen 😉 Also Übung macht den Meister!!!

Und dann waren die 2 Wochen auch schon wieder rum… Abends begleitete ich die beiden noch zum Flughafen und nach einem kurzen Drücker sagte ich dann: „Wir sehen uns doch eh schon wieder in 4 Monaten!“, und verließ das Flughafengebäude.

Ich hab die Zeit zu dritt wirklich sehr genossen, die Ausflüge, den kurzen Urlaub aber vor allem die Zeit hier in Cotonou. Ihnen einen Einblick in mein Leben zu geben und einzutauchen in diese Welt war etwas ganz Besonderes für mich! Doch wie heißt es so schön: Man soll aufhören wenn’s am schönsten ist! (Ich hab mich dann auch wieder auf meinem ganz normalen Alltag gefreut…;)

So ich hoffe, die Textfülle war nicht zu erschlagend und die Bilder haben das Lesen etwas erleichtert!

E yi zanɖé bis zum nächsten Mal 😉

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  1. Maria R.

    Liebe Leonie,
    es ist schön, eure kleine Familie so glücklich zu sehen. Toll, deine Arbeit!!!!! Weiterhin viel Erfüllung und schöne Erlebnisse wünsche ich dir von Herzen!
    Liebe Grüße in die Ferne von deiner „Neighborin“ Maria

    • leonews-aus-benin

      Liebe Maria, schön, deine kleine Nachricht zu lesen! Erfrischende Grüße (dank des Regens) zurück 😉

  2. Nowecki Caroline

    Beim Lesen spüre ich direkt die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. 😅
    Danke, für den Einblick in deine Arbeitsbereiche und die vielen Freundschaften und Begegnungen, die wir haben durften.
    Bénin, ich komme bestimmt wieder.

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