Einblicke in meinen Freiwilligendienst bei Navajeevan

Ich merke gerade selbst, dass mein erster Blogeintrag sehr spät kommt. Dafür möchte ich mich am Anfang kurz entschuldigen. Seit meiner Ankunft im September 2025 hier in Indien ist so viel passiert, dass ich oft einfach im Alltag „drin“ war, ohne wirklich Zeit zu finden, alles zu reflektieren oder aufzuschreiben. Umso mehr ist jetzt der Moment gekommen, ein bisschen davon zu erzählen und einen Einblick in mein Leben hier zu geben.

Ich bin als Freiwillige im Don Bosco Volontariat in Indien tätig und lebe und arbeite in Vijayawada in der Organisation Navajeevan Bala Bhavan.

Navajeevan ist ein großes Netzwerk von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, die aus sehr schwierigen Lebenssituationen kommen. Viele der Kinder haben auf der Straße gelebt, kommen aus extrem armen Verhältnissen, haben familiäre Probleme oder kämpfen teilweise mit Suchtproblemen und anderen Belastungen. Ziel der Organisation ist es, ihnen Schutz, Stabilität, Bildung und langfristig eine Perspektive für ihr Leben zu geben.

Ein zentraler Ort meiner Arbeit ist das Open Shelter. Dort kommen Kinder zunächst an, wenn sie aus akuten Notlagen kommen oder von der Straße aufgenommen werden. Es ist eine Übergangseinrichtung, in der sie bleiben, bis entschieden wird, ob sie wieder in ihre Familie zurückkehren können oder in eine langfristige Einrichtung wechseln.

Was mich im Open Shelter besonders bewegt hat, ist die Lebenssituation dort: Die Kinder leben, schlafen, essen, lernen und spielen alle in einem einzigen Raum. Es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten oder getrennte Bereiche. Alles passiert in diesem einen gemeinsamen Raum. Genau deshalb war ein Projekt in den letzten Monaten für mich besonders wichtig.

Durch Spenden von Don Bosco in Höhe von jeweils 300 Euro pro Freiwilligem konnten wir im Open Shelter einen kleinen Sportbereich gestalten. Wir Volos haben unser Geld zusammengelegt, um diesen Bereich zu finanzieren und anschließend selbst zu bemalen. Dadurch wurde ein zusätzlicher Freiraum geschaffen, in dem die Kinder sich bewegen, spielen und einfach Kind sein können. Etwas, das im beengten Alltag des Shelters sonst kaum möglich ist. Es war sehr schön zu sehen, wie schnell dieser neue Bereich angenommen wurde und wie viel Freude er den Kindern bereitet.

Das Deepa Nivas ist ein Jungenwohnheim, in dem die ca. 80 Kinder dauerhaft leben, zur Schule gehen und im Alltag begleitet werden. Dort gibt es feste Strukturen, Unterricht und gemeinsame Aktivitäten. 

Das Vimukti Rehabilitationszentrum liegt etwa eine Stunde außerhalb von Vijayawada. Dort leben Kinder und Jugendliche mit Drogenproblemen, die Schritt für Schritt dabei unterstützt werden, wieder Stabilität und Perspektive in ihr Leben zu bekommen. Da die Einrichtung weiter entfernt ist, bleiben wir Freiwillige dort auch mehrere Tage am Stück und übernachten direkt vor Ort.

Die meiste Zeit unter der Woche verbringen wir im Open Shelter. Meistens montags bis freitags am Vormittag. Zusätzlich sind wir regelmäßig im Deepa Nivas, meist donnerstags und freitags nachmittags sowie sonntags am Morgen. Im Vimukti arbeiten wir im Wechsel von Sonntag bis Mittwoch und bleiben dort auch über Nacht. Wir vier Freiwillige  (Anton, Lele, Marlene und ich, alle aus Deutschland) teilen uns die Einsätze in Zweierteams auf und wechseln zwischen den Einrichtungen.

Unser Alltag besteht vor allem aus Unterricht und gemeinsamer Zeit mit den Kindern. Ich gebe Englisch- und Mathematikunterricht und verbringe viel Zeit mit Spielen, Malen, Tanzen oder einfach dem gemeinsamen Alltag.

Ein besonderes Highlight war für mich das Sommercamp im Mai im Deepa Nivas, wo ich mit Lele gemeinsam gearbeitet habe. Während dieser intensiven Zeit haben wir morgens Englischunterricht gegeben und nachmittags kreative und spielerische Angebote gestaltet. Dazu gehörten Tanzstunden, Bastelaktionen, Spiele und auch Töpfern. Besonders das Armbänderknüpfen war ein großes Highlight, sowohl für uns als auch für die Jungs. In dieser Zeit sind wir sehr eng mit den Kindern zusammengewachsen und es sind viele echte, kleine Freundschaften entstanden. Auch heute wirkt diese Zeit noch nach und Lele und ich basteln manchmal sogar außerhalb der Arbeit weiter oder machen Origami und Armbänder mit den Jungs.

Auch im Alltag gibt es viele kleine Dinge, die diese Erfahrung besonders machen: die enorme Energie der Kinder, ihre Musikbegeisterung und die vielen gemeinsamen Momente im Alltag.

Das Leben hier ist außerdem geprägt vom Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen. Ich  wohnen gemeinsam mit Anton, Lele und Marlene. Zunächst haben wir in einer eigenen Wohnung („Flat“) gelebt, sind aber aufgrund der extremen Hitze inzwischen ins YB umgezogen, unser Office, in dem auch die Fathers leben. Die Temperaturen liegen aktuell oft über 40 Grad, was den Alltag manchmal anstrengender macht, aber gleichzeitig auch ein fester Teil dieser Erfahrung geworden ist.

Insgesamt sind die letzten Monate für mich eine sehr intensive, prägende und wertvolle Zeit gewesen. Ich lerne jeden Tag dazu, über die Arbeit mit Kindern, über andere Lebensrealitäten und auch über mich selbst.

Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, freue ich mich sehr über jede Spende! 

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Hallo Welt!

  1. Franzi

    Wow Jetti. Bin wirklich sprachlos, richtig toller erster Blog !!

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