Halbzeit! Und etwas mehr…

Hallo zusammen! So langsam geht die Zeit vorbei, mal merkt man es mehr, mal weniger.. Die Arbeit macht immer noch Spaß und die jetzt vergangene Osterzeit brachte nette Messen und einige Möglichkeiten zu schönen Aktivitäten mit den Kids mit sich (Die Ostereier die wir gestaltet haben sind nicht besonders schön geworden, aber darum geht es ja auch gar nicht…)

In den letzten sechs Monaten hat unsere Gruppe aber auch reisend schon viel gesehen, von kleinen Ausflügen zum Wandern bis hin zu unserem Don-Bosco-Zwischenseminar in Buenos Aires! All das möchte ich zu diesem Anlass mal auffassen, vielleicht erschließt sich die eine oder andere Person hier auch ein neues Reiseziel!

Nachdem wir uns in den ersten Wochen nach unserer Ankunft erstmal hier in Santa Cruz umgesehen haben, wir sind zum Beispiel zum Botanischen Garten gefahren oder haben Museen besucht, sind wir im November dann für ein Wochenende nach Samaipata gefahren, einem wirklich schönen Wanderort mit kleinem Dörfchen ca. 120 km von Santa Cruz entfernt. Die Distanz kann man ganz einfach mit den Trufis überbrücken, kleine Vans die einen für ein bis zwei Euro über etwas weitere Strecken bringen.
In Samaipata kann man neben den Wanderrouten in den Bergen und der beeindruckenden Natur auch eine ökologisch betriebene Kaffeeplantage und eine alte Stätte der Inka besuchen.

Ein sehr lohnenswerter Tagesausflug hier in der Umgebung sind auch die Espejillos in San José, viele kleine Becken mit Wasserfällen, wo man Schwimmen und die Sonne genießen kann. Ich war jetzt mittlerweile zweimal dort, und an einem Tag davon haben zwei andere Freiwillige und ich eine bestimmt fünfstündige Wanderung angedreht bekommen, die uns so durch die Tiefen des Parks geführt hat, dass unser Guide ständig mit der Machete den Weg freihauen musste. An dem Tag hab ich auch meine erste Tarantula gesehen! Nochmal würde ich die Wanderung nicht machen, aber durch den anstrengenden Weg hat das Schwimmen danach noch viel mehr Spaß gemacht.

Mitte Dezember ging es für unsere Gruppe dann nach La Paz, dem mit 3.650 m höchstgelegenen Regierungssitz der Welt, um dort ein von der deutschen Botschaft organisiertes Treffen für deutsche Freiwillige in Bolivien zu besuchen. Es waren bestimmt 50 andere Jugendliche dort, und es hat mich schon überrascht, dass sich so viele für ein Auslandsjahr in Bolivien entscheiden. Der Tag war zwischendurch wirklich interessant, z.B. die Runden über verschiedenste wirtschaftliche, politische oder soziale Themen Boliviens, und wir konnten einige Jugendliche aus anderen Städten kennenlernen, was einem bei Reisen durch Bolivien ein bisschen die Planung erleichtert.
Beim Erkunden der Stadt durften natürlich einige Fahrten mit der Teleférico, dem größten städtischen Seilbahnnetz weltweit, nicht fehlen. Hierbei kann man sich sehr gut die interessante Lage von La Paz anschauen, die Stadt ist nämlich eingekesselt von Bergen und ist mit der vielfältigen Bebauung wirklich schön anzusehen.
Interessant war auch der „Mercado de las brujas“, der Hexenmarkt. Dieser setzt sich aus ein paar hübschen Einkaufsgassen zusammen, wo nicht nur Souvenirs, sondern auch Elemente für spirituelle Rituale zu finden sind. Manchmal sieht man bspw. tote Lamas und Lamababys, die von den Dächern herabhängen und erworben werden können.

Ein weiterer wichtiger und schöner Meilenstein war das Campamento mit den Kids Anfang Januar, wofür wir als Mano Amiga nach Postrervalle gefahren sind, einem kleinen Dorf in der Nähe von Samaipata. Hier haben eine weitere Erzieherin und ich neun Tage lang mit den Kindern zusammen in einem verlassenen Krankenhaus genächtigt, was mehr oder weniger schön war, aber tagsüber haben wir tolle Wanderungen in die Berge gemacht, manchmal um Feuerholz für den Ofen zu holen oder auch einmal zu einem Wasserfall! Manchmal sind wir auch in einem naheliegenden Fluss baden gegangen oder haben dort Kleidung gewaschen. Die Zeit mit den Kindern war sehr schön (wenn auch manchmal anstrengend) und ich freue mich schon auf das zweite Campamento im Winter!!

Da ich im Campamento also die ersten neun Tage verbracht hatte, hat man mir die zweite Hälfte frei gegeben, denn da hat mich dann eine andere Freiwillige abgelöst. Victor hatte zufällig die selbe Einteilung und wir haben entschieden, die Zeit zu nutzen, um den Salar de Uyuni zu besichtigen, die mit über 10.000 km^2 größte Salzwüste der Welt. Entstanden ist sie durch das Austrocknen prähistorischer Seen und durch die Ansammlung des Wassers nach Regenfällen entsteht der Eindruck, der Himmel würde sich endlos weit im Boden spiegeln, was diesen Ort mitunter zu einem sehr gut besuchten Reiseziel macht.
Wir haben uns aufgrund der Höhe (ca. 3.650m) aber dafür entschieden, auf der Hinfahrt einen Zwischenstopp in Sucre zu machen, um uns ein wenig an die Höhe anzupassen. Sucre kann man an seinen hübschen weißen Gebäuden und den teilweise europäisch aussehenden Straßen im Zentrum seine koloniale Vorgeschichte gut ansehen. Wir sind in Sucre aus Zeitgründen eher etwas herumgeschwommen, haben uns aber den Templo de San Felipe Neri angesehen, wo man bis nach oben zu den Türmchen steigen konnte und eine hübsche Aussicht auf die Stadt hatte. Auch Markt- und Cafébesuche und ein Treffen mit einer Freiwilligen in Sucre waren mit drin. Ich muss sagen, auch, wenn ich nicht so viel von Sucre sehen konnte, war es für mich bisher eigentlich die schönste bolivianische Stadt, auch, weil sie durch ihre europäischen Züge ein bisschen das Heimweh gelindert hat, was zu der Zeit etwas präsenter war.

Nach unserer Stadtbesichtigung stand abends auch schon die weitere Busfahrt nach Uyuni an, bei der man so gefroren hat, dass ich am liebsten mit drei Hosen und fünf Pullis dagesessen hätte, konnte mir aber nur meine Jacke und Handschuhe anziehen. Um ca. 4 Uhr nachts sind wir in Uyuni angekommen, und bei dem zunehmenden Unwohlsein durch die Höhe und absoluter Müdigkeit und Kälte war es ein wirklich elendiges Gefühl, so früh planlos am Busbahnhof zu stehen. Wir hatten Glück, dass ein Taxifahrer uns noch zu einem Ort bringen konnte, wo man so spät noch recht günstig unterkommen konnte, und so haben wir zum Glück noch ein bisschen Schlaf und Wärme tanken können.

Da um 10 Uhr morgens schon die meisten Touren in der relativ kleinen und gewöhnlichen Stadt Uyuni starten und sich in Richtung Salar begeben, haben wir uns schon so gegen 8:30 auf die Suche nach einem Anbieter gemacht und letztendlich auch einen gefunden. Die Touren werden mit einem Geländewagen gemacht, wo mehrere Reisende hineinpassen, und so hatten Victor und ich als Reisegruppe eine kolumbianische Familie, die eigentlich wirklich sehr lieb waren, wenn die Mutter nicht gerade versucht hat, Victors und meine Höhenkrankheit mit seltsamen Heilmitteln zu heilen.
Am ersten Tag der Tour hat man einige sehr mit Touristen überflutete Attraktionen wie den Zugfriedhof (ein Platz mit jetzt ungenutzten Lokomotiven, welche einst für den Transport von Metallen genutzt wurden) und das Plateau mit den Flaggen abgearbeitet, die ganz nett anzusehen waren, aber nicht so eindrucksvoll waren wie das, was man die nächsten zwei Tage gesehen hat.

Von farbigen Lagunen mit Flamingos und Thermalquellen über uralte Felsstrukturen mit Chinchillas und rundherum die wirklich beeindruckende Landschaft aus Bergen und Vulkanen war wirklich viel dabei und obwohl es uns wegen der Höhe nicht ganz so toll ging, konnte man die Tour wirklich genießen und es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Ende Februar haben wir dann auch schon die Halbzeit erreicht, und hier sind wir Don Bosco-Freiwilligen aus Lateinamerika alle für unser Zwischenseminar nach Buenos Aires gereist, was ein wirklich großartiger Ort für das Seminar war. Weil wir uns die Stadt vor dem Seminar noch ein bisschen ansehen wollten, sind wir ein paar Tage früher angereist. Für mich war Buenos Aires schon praktisch wie New York, mit dem Obelisken an der riesigen Kreuzung und all den Werbebildschirmen und hübschen Straßen. Nach einem halben Jahr in Bolivien war es mal wieder ganz schön, in einer so großen Stadt zu sein. Mit den Freiwilligen aus Argentinien zusammen waren wir dann abends mal essen oder haben uns die Stadt angeschaut.
Das Seminar selbst fand in einem ruhigen Don-Bosco-Zentrum statt, das sich etwas weiter im äußeren Teil der Stadt befindet. In dieser Seminarswoche haben wir mit der Hilfe von unseren Teamern viel über den Verlauf des letzten halben Jahres reflektiert, aber auch gespielt (auch ein Lagerfeuer mit Theater fand statt) und die Zeit zusammen genossen. Ich fand es sehr schön, die Leute, die ich von den Seminaren ja noch kannte, mal wiederzusehen und sich über alles mögliche auszutauschen.

Die letzte Reise, die ich dann bisher gemacht habe, war eine Woche in Cochabamba mit Frieda, einer deutschen Freiwilligen, die in der Nähe von Santa Cruz arbeitet. In Cochabamba waren wir einfach viel spazieren und auf Erkundungstour, haben uns den „Cristo de la Concordia“ angeschaut, eine riesige Christusskulptur auf einem Berg nahe des Zentrums Cochabambas, von wo aus man eine wirklich schöne Aussicht auf die Stadt hat.
Einen Tag wollten wir am Lago Corani entlangwandern, einem großen See in Cochabambas Umgebung, hatten aber ganz schönes Pech mit dem Wetter, sodass alles benebelt war und man den See letztenendes kaum sehen konnte. Es war trotzdem ein nettes Abenteuer, und ich glaube, bei gutem Wetter ist es ein wirklich schöner Ort.

So, das war jetzt ein ganz schön langer Eintrag, aber so habe ich jetzt auch alle Reisen bis jetzt einmal zusammenfassen können. Ich finde, Bolivien ist ein echt gutes Land zum Reisen, weil Busfahren hier sehr gut läuft (bis auf einige Blockaden und Streiks hin und wieder) und es viel zu sehen gibt. Die nächste Reise steht im Juni an, da ist dann mal eine kleine Dschungel-Tour geplant. Ich hoffe, dieser Eintrag hat gute Einsichten bringen können. Bis zum nächsten Mal, passt alle gut auf euch auf!!

Vorheriger Beitrag

Alle Jahre wieder…

Nächster Beitrag

April-Mai-Juni-Update!!

  1. Ulla Fricke

    Liebe Mariana, schön von dir zu lesen. Wir hatten bis gestern ja Paolo zu Gast bei uns in Bonn und dadurch auch ein bischen Bolivien hier. Er hat sehr wertschätzend von euch berichtet!

    • marianawakil

      Hallo liebe Ulla,

      ja, die vorherigen Volos haben mir auch erzählt, dass sie zusammen mit Paolo eine nette Zeit hatten, das freut mich! Und schön, dass unsere Arbeit hier auf Zufriedenheit trifft 🙂

      Liebe Grüße
      Mariana

  2. Charlotte Hasselbach

    Liebe Mariana, das hört sich ja alles richtig toll an! Genieße deine Zeit weiter sehr! Viele, liebe Grüße aus dem verregneten Hamburg von deiner Hase

    • marianawakil

      Liebe Hase,
      ja, vielen Dank!! Die Zeit bis jetzt war wirklich sehr schön, und ich glaube, jetzt kommen auch nochmal ein paar spannende restliche Monate.
      Während es bei euch ja langsam wärmer wird, sind wir hier allesamt erkältet, deshalb liebe Grüße zurück aus dem schon etwas kühlen Santa Cruz!!

  3. Silke Lehmbecker

    Hallo Mariana,

    du kannst dir vorstellen, dass ich dich sehr um deine Reisen beneide. Deine Fotos verursachen bei mir ein gewisses Fernweh. Genieß den restlichen Teil der Zeit!
    Ich freue mich auf deinen Erlebnisbericht, wenn du wieder da bist.

    Abrazos
    Silke

    • marianawakil

      Hallo liebe Silke,
      ich weiß, ich weiß, aber wenn ich wieder da bin, werde ich natürlich ganz genau berichten, versprochen.
      Ganz liebe Grüße
      Mariana

  4. Melissa Karow

    Liebe Frau Wakil,
    es freut mich, dass ich nun etwa von Ihnen lesen darf – nach doch so einer langen Zeit ;).
    Es scheint, als würden Sie tolle Erfahrungen machen und viel herumkommen. Besonders beneide ich Sie natürlich um die Reise nach Buenos Aires. Ihre Beschreibungen klingen traumhaft. Etwas enttäuscht bin ich, dass Sie von keinen Gated Communities erzählt haben, denken Sie etwa nicht an eine langjährige Freundin?

    Und natürlich werde ich gut auf mich aufpassen, ich hoffe, Sie tun das auch.
    Seien Sie bitte bloß nicht neidisch auf mein Leben und Umfeld in Hamburg. Sie werden demnächst auch in den Genuss kommen und eine Mathe-Vorlesung besuchen dürfen.
    Bis dahin: Bleiben Sie gesund und seien Sie nicht zu aufgeregt.

    Viele Grüße
    Melissa Karow

Schreibe einen Kommentar

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kommentarformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@donboscomission.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén