Hallo zusammen!! Die letzten Wochen vergingen gefühlt wieder ganz schön schnell und langsam wird die Abreise Ende August zu etwas ziemlich Greifbarem. Auch, wenn es in letzter Zeit keine gigantischen Ereignisse gab, dachte ich, ich teile ein bisschen von den kleineren bis mittelgroßen Dingen, die sich in den letzten Wochen so ereignet haben.

Die Arbeit im Mano Amiga habe ich in letzter Zeit ziemlich genossen, und obwohl es manchmal ein bisschen langweilig oder auch sehr stressig sein kann, macht es doch sehr Spaß. Gestern Abend habe ich den Kindern zum Beispiel in den Dormitorios eine kleine Gedankenreise vorgelesen, und obwohl es vor allem bei den kleinen Jungs erst einmal ewig gedauert hat, bis alle in ihren Betten waren (der eine musste auf Klo, der andere hat die anderen in ihren Betten geärgert) glaube ich, dass die Geschichte schön war, um sie ein bisschen zu beruhigen. An anderen Tagen haben wir ein bisschen gemalt und kreiert oder getanzt, wie jeden Tag Hausaufgaben gemacht, oder Reinigung rund ums Heim erledigt und so sind die Nachmittage ganz schön schnell vorbeigegangen.
Zu den Kindern habe ich mittlerweile eine ziemlich enge Bindung, was einem besonders bewusst wird, wenn ein Kind plötzlich unangekündigt das Heim wechselt, bevor man sich richtig verabschieden konnte. Wenn das jetzt schon so traurig ist, weiß man gar nicht, wie man Ende August dann den endgültigen Abschied packen soll… Aber so weiß man umso mehr die Momente im Heim zu genießen. Hier sind ein paar Eindrücke der letzten Monate!

Neben den Kiddies im Mano gibt es aber auch einen anderen Ort, von dem der Abschied doch etwas traurig sein könnte. Denn ungefähr im März habe ich mal den Mut zusammengenommen, und mir einen Boxverein gesucht, um das Gelernte aus dem Kurs in der Oberstufe noch etwas auszuweiten. Obwohl ich so viel Engagement von mir gar nicht erwartet hätte, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, morgens ins Training im „Club Deportivo Verastegui“ zu gehen. Da ich nachmittags arbeite, gehe ich ins 05:30-Training, das die meiste Zeit aber nach bolivianischer Art eher um 06:00 Uhr beginnt. Der Profe und Inhaber des Clubs ist sehr nett und motivierend und lässt mich sogar für die Hälfte des Preises trainieren!! Die Gruppe ist mal größer, mal kleiner und eine bunte Mischung aus Büroleuten, Medizinern und Jugendlichen.

Übers Boxtraining wurden wir dann auf einen Kampf aufmerksam gemacht, den man besuchen konnte, und natürlich habe ich die Chance ergriffen und bin hingegangen. Das Ganze war wirklich aufregend, und besonders die ersten Kämpfe, die man gesehen hat, waren sehr spannend. Nach dem 10. von ca. 20 Kämpfen wurde es natürlich ein bisschen eintönig, aber ich bin trotzdem sehr froh, dass ich die Erfahrung mitnehmen konnte. Die Mitglieder aus meiner Boxmannschaft waren natürlich auch alle da!

Mitte Mai hatte ich dann Geburtstag. Und obwohl ich dachte, von zu Hause weg zu sein würde mich ganz schön traurig machen, ging es gut, denn ich hatte einen ganz schönen Tag 🙂 Morgens wurde ich von meiner Boxgruppe zum Frühstücken eingeladen, und danach gab es eine Art Fortbildung für alle Mitarbeiter im Hogar Don Bosco, die aber mit ganz viel Bewegung und Spielen gehalten wurde und somit echt lustig war. Als dann alle zum Essen versammelt waren, hat irgendjemand die Info meines Geburtstags verbreitet, und der gesamte Raum von Mitarbeitern (von denen ich übrigens vielleicht 20% kannte) hat für mich gesungen, was mir dann doch etwas peinlich war.
Später sind wir dann mit dem Mano Amiga in den Park gegangen, denn es war Samstag und gutes Wetter. Ich habe Muffins ausgeteilt, die ich am Abend zuvor gebacken hatte (ich habe im Leben noch nie so viele Muffins gebacken) und die Kinder haben so süß für mich gesungen und mich umarmt, dass ich fast mit Weinen angefangen hätte.. :,(

Der Anruf nach Hause durfte natürlich auch nicht fehlen, denn vermisst habe ich alle natürlich trotzdem.
Auch den Geburtstag der Kids haben wir im letzten Monat gefeiert. Da es um die 40 Kinder sind, machen wir so eine Feier nur alle drei Monate, aber dafür war sie dieses Mal richtig schön. Eine große Gruppe von Medizinstudenten ist mit Torte, Spielen und Piñatas zu Besuch gekommen, und wir haben davor den Saal schön geschmückt.
Auch ein Herr aus meiner Boxmannschaft, der eine Konditorei besitzt, ist zu Besuch gekommen und hat Dessert und Getränke bereitgestellt. Es wurde viel getanzt, gegessen und gespielt und ich glaube, die Kinder hatten richtig Spaß.

Ende Mai stand dann auch die Pilger-Wanderung nach Cotoca an, einem Örtchen ca. 16 km von Santa Cruz, welches dafür bekannt ist, dass dort ein Bildnis der Jungfrau Maria geehrt wird, welches einer Legende zu Folge einst von Holzfällern im Innern eines großen Baumes entdeckt wurde. Ich bin mit den älteren Kindern mitgewandert. Um 3 Uhr morgens sind wir losgelaufen und am frühen Morgen in Cotoca angekommen. Dort haben wir dann als gesamtes Proyecto Don Bosco eine Messe abgehalten und gefrühstückt. Die Kinder haben ein wenig Taschengeld bekommen, womit sie sich auf den wuseligen Märkten Cotocas etwas kaufen konnten. Hierfür hat jede Erzieherin ein kleines Grüppchen zugeteilt bekommen, und ich habe ganz schön das Zittern gekriegt, da mir gerade die fünf Jungs aufgetragen wurden, die sich im Mano mit Abstand am meisten streiten und am wenigsten hören. Ich weiß nicht, welches Glück mir da zuteil wurde, aber die Jungs haben sich gerade diesen Tag ausgesucht, um sich wie kleine Engel zu benehmen (bestimmt durch die Freude über das Taschengeld) und ich konnte alle heil wieder zurückbringen.

Einige Tage später war dann die Zeit für mich gekommen, zum ersten Mal ein Fußballstadion zu besuchen: Die beiden großen Santa Cruz- Vereine „Blooming“ und „Oriente“ haben gegeneinandergespielt, und mit dreieinhalb Fußballfans im Haus hatte ich natürlich keine Chance, da drumherum zu kommen, und hatte eigentlich auch Lust, hinzugehen. Das Spiel war echt aufregend für mich, vor allem durch die ganzen koordinierten Fangesänge und die vielen Leute. Die Jungs konnten nicht davon ablassen, zu betonen, auf was für einem geringen Niveau die Spieler gespielt haben, und obwohl wir großen Unterstützer auf der Oriente-Seite saßen, hat Blooming leider 1:0 gewonnen.
Nach diesen Spielen muss man sich dann auch ganz schnell aus der Umgebung des Stadions begeben, denn die Blooming- und Oriente-Fans sind für ihre großen Schlägereien nach den Spielen bekannt, in die man mit oder ohne Trikot ganz schnell involviert ist.

Des Weiteren haben Yannick, Victor und ich uns für den Santa Cruz Run angemeldet und die Wochen davor (meistens) fleißig geübt. Die Jungs hatten sich die 15 km vorgenommen, mir haben erstmal die 7 km gereicht, wir wollen es ja nicht übertreiben. Vor ca. zwei Wochen war es dann so weit, und obwohl es schon morgens um fünf ganz schön geregnet hat, haben wir uns zur Startlinie begeben. Die Leute auf dem Event schienen zum größten Teil aus der wohlhabenderen Bevölkerungsschicht zu kommen, denn die Mehrheit der Cruzeños würde zweimal überlegen, ob sie 150 Bs (14€) für einen Lauf ausgeben würden, geschweige denn, überhaupt joggen zu gehen.
Schön war der Lauf trotzdem, und die Teilnehmer waren gut in Stimmung, und pünktlich zur Arbeit geschafft haben wir es auch!

Das war es jetzt erstmal mit meinem Update!:) In nächster Zeit kommen noch ein paar Volontäre an, und am 07. Juli geht es für das halbe Projekt ins Campamento. Nico und ich fahren mit dem Mano Amiga mit nach San Carlos und ich freue mich schon!

Oh, und noch eines: Das Proyecto Don Bosco ist mit seinen vier Einrichtungen und guter Fürsorge für die Kinder natürlich immer auf finanzielle Hilfe angewiesen. Wenn ihr die Heime gerne unterstützen würdet, ist hier der Link: https://misionessalesianas.org/noticias/menores-calle-bolivia-2502/

Auch geringere Beträge helfen immer!

Vielen Dank und jetzt aber Tschüss von mir!!

Mariana