
Wie in jeder Einrichtung gibt es auch im Boys‘ Shelter sowohl positive als auch negative Aspekte. Da ich in keinem anderen Heim in Indien so lange geblieben bin wie in diesem, kann ich es persönlich nicht vergleichen. Ich habe mich jedoch mit vielen Fathers und Brothers aus dem Salesianerorden unterhalten, die mir versicherten, dass den Kindern in dieser Einrichtung viele Möglichkeiten geboten werden.
Zum einen bekommen die Kinder hier sehr viel zu essen. Sie erhalten dreimal täglich warme Mahlzeiten sowie Tee und Kekse zu den Teatimes. Dafür gibt es Essenslieferanten, die mittags und abends Curry, Reis, Salat und Gemüse liefern. Morgens bekommen die Jungen etwas aus der Küche des Kinderheims, die größtenteils für die Versorgung des Personals verantwortlich ist, aber zusätzlich auch Fisch und Fleisch für die Kinder zubereitet.
Auch wenn das vermutlich bereits ausreichen würde, erhalten die Kinder manchmal noch übrig gebliebenes Essen aus einem Hotel. Von diesen ganzen Speisen bleibt meist sehr viel übrig.


Die Jungen bekommen zudem viele Spenden. Sehr oft besuchen Menschen das Heim, veranstalten Programme mit den Jungen und spenden ihnen Essen, Lernmaterialien oder Kleidung. Das liegt vermutlich an mehreren Faktoren: Das Kinderheim existiert schon relativ lange und ist dadurch bekannt geworden, sodass viele Menschen, die etwas Gutes tun möchten, an diese Einrichtung denken. Zudem ist das Kinderheim eine christliche Einrichtung. Der Glaube spielt hier in Goa eine sehr große Rolle, und vermutlich würde man hier nie einen Atheisten antreffen. Die Menschen gehen jeden Sonntag in die Kirche und beten bei jeder Gelegenheit. Dazu gehört auch, kirchliche Institutionen wie unser Boys‘ Shelter zu unterstützen.

Im Boys‘ Shelter gibt es viele Freiwillige. Neben Klara und mir kommen nachmittags mehrere Frauen aus Goa, die Einzelunterricht geben. Eine von ihnen ist Seelsorgerin und kommt zweimal pro Woche, um mit den Kindern zu sprechen und bei Problemen zwischen ihnen zu vermitteln.
Jeder Junge in dieser Einrichtung bekommt außerdem ein Konto zur Verfügung gestellt, auf das jeden Monat eine gewisse Summe überwiesen wird. Dieses Geld soll den Jungen nach ihrem Aufenthalt im Kinderheim als kleine finanzielle Starthilfe dienen.
Eigentlich ist vorgesehen, dass die Jungen mit ihrem 18. Lebensjahr ausziehen. Viele von ihnen haben dann jedoch noch keine Arbeit oder fühlen sich einfach noch nicht bereit dafür. In diesem Fall dürfen sie weiterhin im Boys‘ Shelter bleiben. Daher gibt es hier auch viele junge Männer bis etwa 22 Jahre.
Trotz ihrer Volljährigkeit müssen sich die Jungen weiterhin an die strikten Regeln im Kinderheim halten. Wenn sie von der Schule kommen, müssen sie sich direkt nach dem Essen um ihre Wäsche kümmern. Danach geht es ohne Pause direkt mit dem Unterricht und Lernen weiter.
In dieser Zeit sitzen sie in einem Raum, der mit Schulbänken ausgestattet ist. Jedes Kind hat dort eine eigene Bank mit Stauraum für seine Materialien. Während dieser Lernzeit müssen sie entweder in diesem Raum sitzen und lernen oder sie haben 45 bis 60 Minuten Einzelunterricht.
Nach dieser Lernzeit haben sie zwei Stunden Zeit, um Fußball zu spielen oder draußen etwas anderes zu unternehmen. Anschließend müssen sie wieder hineingehen und weitere zwei Stunden lernen oder am Unterricht teilnehmen. Danach versammeln sich alle zum gemeinsamen Abendgebet.


Nach dem Abendessen haben sie noch eine Stunde zum Fußballspielen. In dieser Zeit müssen sie sich draußen aufhalten – es ist ihnen nicht erlaubt, beispielsweise drinnen Kartenspiele zu spielen oder ähnlichen Beschäftigungen nachzugehen.

Vielen Dank fürs Lesen! Ich sende ganz viel Sonnenschein aus Goa ins kalte Deutschland.
Adele ☀️
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