Vroni in Indien

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Ausflug nach Shillong

Was macht man an einem freien Samstag in Indien?

Richtig, man genießt zuerst das Frühstück mit Pfannkuchen, Ei und Kichererbsensoße und mit einer Banane als Nachspeise – zumindest sieht unser Frühstück so aus. Und dann?

Anita und ich stürzen uns ins Abenteuer, eine Reise nach Shillong. Wir packen unsere Sachen und los geht es auf die Straße. Die erste Hürde, ein Taxi finden – das Richtige wohl gemerkt. Denn nur mit den Gelben kann man für 70 Rupien die eineinhalb Stunden nach Shillong fahren. Das sind umgerechnet etwas weniger als ein Euro. Wir stellen uns auf den Mittelstreifen und warten. Lastwagen, Autos, Motorräder fahren vorüber – da ist ein Taxi. Wir fangen an wild mit den Armen zu fuchteln. Der Taxifahrer winkt zurück und rauscht an uns vorbei. Ja gut, das war wohl nichts, so ganz selbstständig wie wir dachten sind wir anscheinend doch noch nicht. Aber zum Glück gibt es hier immer nette Inder, die uns helfen. Eine Frau hält für uns das nächste Taxi für 100 Rupien an. Wir zahlen bereitwillig, denn wir sind einfach nur froh endlich im Auto zu sitzen.

Die Straße führt immer weiter nach oben in die Berge. Links und rechts grüne Landschaft und Verkaufsstände am Straßenrand. Kurve um Kurve nähern wir uns der Stadt Shillong. Wir hängen unseren Gedanken nach und gucken aus dem Fenster oder versuchen zu dösen. Nach einiger Zeit werden wir an einem Verkehrsknotenpunkt herausgelassen. Los geht’s!

Zunächst gehen wir zur Post um Briefmarken zu kaufen. Am Schalter 4 fragen wir: „Sorry, where can we buy stamps?“, wir werden zu Schalter 7 geschickt und stellen uns ganz hinten an. Nach einiger Zeit sind wir an der Reihe und fragen, ob es hier Briefmarken gibt. Von dort werden wir in einen Raum geschickt und stellen uns erneut in der Schlange an. Endlich sind wir dran! Ja genau, wir möchten Postkarten verschicken, unter 20 Gramm, nach Deutschland. Wir sind erfreut, dass wir hier richtig zu sein scheinen, doch die Frau weiß den Tarif nicht. Wir gehen also zu Schalter 3, um den Tarif zu erfragen. Dem Herrn am Schalter schildern wir, was wir möchten und bekommen gesagt, dass eine Briefmarke 94 Rupien kostet. Na das ist doch schon mal was! Zurück in dem Raum von vorher warten wir kurz und werden dann nochmals in einen anderen Raum weitergeleitet. Wir werden gebeten Platz zu nehmen und warten. Jetzt, die Frau wendet sich uns zu, wir erklären abermals unseren Wunsch und sagen ihr unseren Tarif, worauf sie in einer Kiste zu wühlen beginnt. Letztendlich bekommen wir jeweils vier Briefmarken für einen Brief. Ob da noch so viel Text auf die Postkarte passt? Aber egal, wir haben es geschafft! Mit etwas Geduld kommt man auch in Indien immer ans Ziel! 😉

So – nur noch zur Bank und dann auf in die Menschenmengen auf den Markt. Schon sehen wir die ersten Verkaufsstände mit indischen Taschen, Kochlöffeln aus Holz und Flechtkörben. „Da, siehst du die vielen wunderschönen Ohrringe? Die vielen bunten Farben?“ Hier geht wohl jedes weibliche Herz auf. Von Stand zu Stand lassen wir uns treiben. Schauend und staunend, tauchen wir in die atemberaubende Menge ein.

Die ganzen Eindrücke machen hungrig, deshalb setzen wir uns in das nächste indische Restaurant. Die Bedienung bekommt natürlich auf Grund unserer Hautfarbe sofort mit, dass wir nicht von hier stammen, weshalb sie beginnt uns die Speisekarte auf Khasi ins Englische zu übersetzten. Und das in einem Tempo, sodass wir nur „Chicken Curry“ verstehen. Also gut, das bestellen wir zusammen mit einem Tee, der nie fehlen darf. Kurz darauf bekommen wir einen Teller Reis mit Tomaten, Bohnen, verschiedenen Soßen und Hühnchen. Zufrieden und gut gesättigt stürzen wir uns nach einer Weile erneut ins Gedränge.

Und da fallen uns die ersten Stoffläden ins Auge. Die gibt es hier überall und ich könnte sie mir ewig anschauen. Am liebsten würde ich mir ständig Salvars, so heißen die traditionellen Gewänder von hier, nähen lassen. Auch einen Sari, den man zwar vor allem im Süden Indiens trägt, die aber mit super schönen Stoffen gemacht werden, würden wir uns gerne in naher Zukunft machen lassen. Also gut, wir reißen uns los von dem Anblick und laufen weiter. Überall rufen die Verkäufer! Das Obst wird zwischen Schuhen, Klamotten, Fleisch und Schmuck verkauft. Alles nebeneinander, hintereinander, übereinander.

Um die Straße zu überqueren hängen wir uns an andere Inder oder versuchen so selbstbewusst wie möglich loszumarschieren. Denn zu warten bis kein Auto mehr kommt ergibt hier einfach keinen Sinn. Nach dem wir einen Lassi, ein indisches Joghurtgetränk, getrunken und einen Muffin gegessen haben und uns mehr oder weniger dringend notwendige Habseligkeiten zugelegt haben, bricht allmählich die Zeit der Heimreise an.

Also machen wir uns erneut auf die Suche nach einem Taxi. Doch Alle, die wir fragen, verlangen entweder Wucherpreise, erzählen uns, dass sie nicht nach Nongpoh fahren, schütteln mit dem Kopf oder gucken uns nur verständnislos an. Wir versuchen uns nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und beginnen zurück zu der Stelle zu gehen, an der wir ausgestiegen sind. Auf dem Weg fragen wir immer wieder durch die Fensterscheiben der Taxis: „You go to Nongpoh?“ Nach einer Weile kommen wir an „edleren Taxis“, die sehen so wie bei uns in Deutschland aus, vorbei. Hier finden wir endlich jemanden, der uns zurück ins Internat bringen kann. Dafür müssen wir zwar 250 Rupien zahlen, was für hiesige Verhältnisse wirklich teuer ist, aber umgerechnet ist das nur etwas mehr als drei Euro. Das können wir uns gerade noch leisten! In dem Taxi müssen wir eine halbe Stunde auf noch andere Mitfahrer warten, dann geht es endlich los. Kaum fahren wir fünf Minuten ruft unsere Hauptschwester an, dass sie auch gerade mit ihrem Meeting in Shillong fertig geworden sind und uns mit zurücknehmen können. Darauf folgt zwecks schlechter Telefonverbindung und spärlichen Englischkenntnissen des Fahrers eine holprige Kommunikation. Doch letztendlich verlassen wir das komfortable Taxi und warten auf den Jeep der Schwestern. Gequetscht zu viert auf der Rückbank machen wir uns auf den Heimweg und als wir abends im Convent ankommen sind wir müde und froh wieder gut heimgekehrt zu sein.

Wir hatten einen sehr aufregenden und wunderschönen Tag in Shillong verbracht!

Das war’s auch schon wieder von meiner Seite, macht’s gut und bis bald! 🙂

Hier gibt’s noch was zum Anschauen…

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Thema von Anders Norén.