Muraho lieber Leser!

Es ist so weit. Dies wird sehr wahrscheinlich schon mein letzter Blogeintrag aus Ruanda sein. In wenigen Tagen (genauer gesagt 3), geht mein Flieger zurück nach Deutschland. Diese Tage möchte ich noch einmal ganz intensiv erleben, da werde ich wohl keine Zeit zum Schreiben eines weiteren Artikels finden.

Am Liebsten möchte ich gar nicht an den bevorstehenden Abschied denken. Zu viele Menschen, Dinge und Tagesabläufe sind mir an mein Herz gewachsen, als dass ich auf eine zunächst einmal unbestimmte Zeit „Auf Wiedersehen!“ sagen muss. Aber die Zeit vergeht und auch in Deutschland gibt es ja schon feste Pläne, wie es nun weitergehen soll.

Trotzdem möchte ich diesen Eintrag nutzen, um Euch ein ganz kleines Bild zu vermitteln, was diese Dinge sind, von denen ich mich so schwer trennen kann. Hier meine ganz persönliche „Top-Ten“.:

1. Unsere Kinder

Wenn ich von unseren Kindern spreche, meine ich die Kinder, mit denen ich täglich Kontakt habe. Das sind zum einen die Straßenkinder, von deren Situation ich Euch schon in meinem letzten Artikel berichtet habe (HIER). Zum anderen sind es auch Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen, die viel Zeit mit uns verbringen oder auch einfach Kinder, die nachmittags zum Spielen auf das Gelände kommen. Jedes einzelne Kind ist besonders, hat seine Macken, aber vor allem seine ganz persönlichen Stärken. Oft genug überrascht mich die Lebenserfahrung, Kreativität und Hartnäckigkeit der Kinder und vor allem in der letzten Zeit ist die Beziehung zu vielen Kindern noch viel vertrauter geworden.

Natürlich treiben mich die Kinder oft genug auf die Palme: Wenn mein angehender Ehemann (so sieht er sich zumindest selbst gerne) mal wieder nicht in die Schule gegangen ist. Wenn mein kleiner Schatz („Cheri wanjye“), nach zwei Wochen zuhause bei seiner Familie doch wieder auf der Straße auftaucht. Wenn unser „Aufmerksamkeitsspezialist“ mal wieder aus Zorn mit Steinen in der Gegend herumwerfen will und sich dann schließlich selbst schreiend auf den Boden wirft. Wenn es mal wieder 15 Minuten dauert, bis die Kinder abends alle Bälle abgeben. Wenn mir das Wort „Egoistin“ („Umugome“) an den Kopf geworfen wird, weil ich es eben nicht immer allen Kindern recht machen kann. Oder wenn mir ein kleiner Freund – nicht wirklich absichtlich – die Nase blutig schlägt. 😉 Ja, einfach ist es sicher nicht immer und manchmal komme ich mir echt etwas wie in einem Irrenhaus vor.

Aber all das ist ganz schnell vergessen: Wenn ich sehe, das ein dreizehnjähriger Junge jetzt endlich seinen Namen schreiben kann. Wenn mal wieder erkannt wurde, dass ich minimal kitzelig bin und das natürlich sofort schamlos ausgenutzt wird. Wenn ich mit meinen Gesangskünsten die Kinder zum Lachen bringen kann. Wenn aus einer Malstunde eine „Ich-schreibe-dir-einen-Liebesbrief“-Stunde wird. Wenn ich sehe, dass die Hautkrankheit verheilt ist. Wenn die Kinder einfach Zeit mit mir verbringen und wir so gegenseitig so viel voneinander mitnehmen. Wenn nach einem langen Tag ein Kind ankommt, mich umarmt und sagt, dass ich doch noch länger bleiben soll.

Ja so sind sie eben, „unsere“ Kinder. Meisterdiebe, denen man doch nicht wirklich böse sein kann, „Störenfriede“mit weichem Kern, „Flummibälle“, die scheinbar keine Grenzen ihrer Kräfte haben und jeder von ihnen einzigartig auf seine ganz eigene Weise.

Der Abschied von „unseren“ Kindern wird mir am schwersten fallen. Ich will sie nicht zurücklassen müssen, möchte sehen, was aus ihnen wird, und wie sie erwachsen werden. Aber gleichzeitig weiß ich, dass ihren Weg schon gehen werden. Ob mit oder ohne mir. Natürlich wünschte ich, dass ich sie auf diesem Weg noch etwas länger begleiten könnte, doch ich bin dankbar, für all das, was sie mir beigebracht haben. Ob es nun Fluchen auf Kinyarwanda oder Schnipsen mit einer Hand ist. Oder aber Gelassenheit, Spontanität, Dankbarkeit, für das, was ich habe, Optimismus und eine Prise Verrücktheit. „Abana bacu“ – unsere Kinder- werden immer einen Platz in meinem Herzen behalten, denn genau dort haben sie sich eingepflanzt.

Hier ein Foto von unserem letzten Sonntagsessen

Super hübsch….wie immer

 

 

 

 

 

 

 

Ein Tag im Oratorium: Action...

Ein Tag im Oratorium: Action…

....Quatsch...

….Quatsch…

 

 

 

... und jeden Tag...

…und jeden Tag..

 

...und jeden Tag etwas anderes. HIer beim Klettern

…und jeden Tag etwas anderes. Hier beim Klettern

„Unsere Kinder“ werden mir fehlen

2. Meine Englisch-Jungs und die VTC-Schüler

„Teacher, it‘s too difficult!“, „Teacher, we want muuuusic!“, „Teacher, I love you!“. Ja das sind sie, meine Englisch-Jungs. Seit Januar habe ich im VTC meine eigene Englischklasse. Von meinen anfangs 34 Schülern der Sektion „Maurer“ und „Schreiner“- unter ihnen sogar zwei Mädchen – sind es momentan nur noch ca. 18 Schüler, die regelmäßig mal mehr, mal weniger im Unterricht erscheinen. Die zwei Mädchen gehören leider nicht mehr dazu und auf meine Frage, wo sie denn hin seien, meinten meine Schüler nur schulterzuckend „They fear boys.“. Solch grammatikalisch korrekten Sätze kann ich allerdings nur von einer kleinen Anzahl meiner Schüler erwarten. Viele haben nur die Grundschule abgeschlossen, andere jedoch sogar die Sekundärschule, sodass das Niveau der Schüler dementsprechend unterschiedlich ist und ich den Unterricht an diese Ausgangssituation anpassen muss. Mit vielen Höraufgaben, die oft „tooooo difficult“ sind nach Meinung der Schüler, einigen Energizern, die schnell in kleine Tanzorgien ausarten und vielen Dialogen, die meistens mit dem Satz „Go out, student!“ enden, versuche ich die Schüler zu motivieren und wortwörtlich wach zu halten. Auch wenn meine Jungs nicht immer das machen, was ich ihnen sage: Meine Schüler schaffen es in jeder Stunde, mich zum Lachen zu bringen. Ob durch pantomimische Glanzleistungen eines „Happy Ghosts“, angestimmte Kirchenlieder oder die ständig wiederholten Fragen und Aussagen „Can I be your boyfriend?“, „We want music!“, „Time is over!“, „I love you!“.

Letzteres höre ich jedoch nicht nur von meinen Schülern, sondern immer wieder von verschiedensten Schülern und auch Schülerinnen anderer Klassen. Gerade im neuen Schuljahr habe ich viel mehr Kontakt zu den Schülern geknüpft, versuche Vorurteile über Deutschland und „Abazungu“ (Weiße) im Allgemeinen aus dem Weg zu räumen, werde auf bessere modische Styling-Tips hingewiesen (meine Haare sind zwar super toll, aber ich sollte sie doch viel lieber flechten lassen) und ich habe an einer von den Schülern auf die Beine gestellte Modenschau mitgewirkt.

Das sind sie: einige meiner Jungs

Hier bei der Modenschau...

Hier bei der Modenschau…

 

 

 

 

 

Natürlich auch in traditioneller Kleidung

Die Schüler werden mir fehlen. Ihre manchmal nervige und doch meist total liebenswürdige Art.

3. Meine zweite Familie

Wer kann schon behaupten, zwei Familien gleichzeitig zu haben? Ich schon, denn ich habe während meines Jahres in Ruanda meine zweite Familie in Rango gefunden. Zu meiner zweiten Familie gehören 4 Salesianer-Priester, ein Bruder und ein Priester der Diozöse, mit denen ich unter einem Dach wohne. Was das bedeutet, könnt ihr auch gerne in Linas Blog (HIER) nachlesen.

Dazu gesellen sich noch unsere zwei Küchen-Mamas, die ein unendlich großes Herz haben und auch einige Angestellte, die einfach auch dazugehören und die ich an dieser Stelle erwähnen muss, weil das Jahr ohne sie nicht so wäre, wie es ist. Außerdem haben wir seit ca. zwei Monaten eine kleine Katze, die von den „Familienmitgliedern“ mal mehr oder weniger geliebt wird. Lina und ich haben ihr den Namen „Skoline“ gegeben ( „Skol“ ist eine ruandische Biermarke) und tatsächlich hat sich der Name durchgesetzt, sodass die Katze von allen so gerufen wird. So oder eben „Pussi“, der ruandische Name für Katze. Wir sind mächtig stolz auf Skoline, dass sie schon die ein oder andere Maus in der Küche erlegt hat, denn davon gibt es hier doch reichlich viele und ziemlich große. Ich habe ja schon so oft gesagt, dass ich mich hier Zuhause fühle und meine zweite Familie hat dazu einen enorm großen Teil beigetragen. Durch die gemeinsamen Mahlzeiten, das gemeinsame Gebet und das tägliche Zusammenleben, gibt es natürlich auch den ein oder anderen Insider, was mir in Deutschland auch fehlen wird. Ob meine Aufgabe als „Mama-Suppo“ (Ich hole bei dem Essen immer die Suppe auf den Tisch), Witze über Linas noch nicht eingetretene Berufung oder über Mutmaßungen, für wie viele Kühe man uns denn mit ruandischen Männern verloben könnte, eigentlich gibt es immer was zu lachen und besonders das Lachen unseres Direktors ist einfach ansteckend, auch wenn man gar nicht richtig verstanden hat, was denn jetzt so lustig ist.

Meine „zweite Familie“

Unser jüngstes Mitglied: Skoline

Unser jüngstes Mitglied: Skoline

 

4. Das Essen

Schon einmal eine frische, sonnengereifte Mango gegessen? Nicht die, die man in Deutschland überteuert im Supermarkt findet, sondern so eine richtig leckere? Ich kann euch sagen, Mangos sind hier zu meinem absoluten Lieblingsessen geworden. Aber auch sämtliche andere Köstlichkeiten haben sich einen Weg in mein Herz, oder besser gesagt, in meinen Magen, gebahnt.

Bleiben wir bei den Früchten: Von Papaya, Maracuja, Bananen und Baumtomaten (ja auch ich hatte am Anfang nicht die leiseste Ahnung, was das sein soll), hin zu Avocado und frischen Orangen. Ich weiß noch nicht, wie ich in Deutschland wieder den Umstieg auf Äpfel und nach Wasser schmeckenden Bananen bewältigen soll;)

Doch nicht nur Obst schmeckt gut in Ruanda. Auch das traditionelle Essen, wie Bohnen, Kochbananen, Süßkartoffeln und vor allem Maniok-Pâte, wird mir fehlen. Wer mehr über diese Köstlichkeiten erfahren möchte, sollte bei Linas Blog (HIER) vorbeischauen. Sie hat ihrer Liebe zu ruandischem Essen einen ganz eigenen Artikel gewidmet.

Eine wichtige Sache fehlt an dieser Stelle noch. Im Prinzip gar keine Sache, sondern unser Lebenselixier hier in Ruanda: Kaffee. Schön stark aufgebraut hilft der „Ikarwa cya Rwanda“ , für den sogar tatsächlich ein Lied gedichtet wurde, was unsere Küchenmama Maria immer mal wieder zum Besten gibt, uns und so manch anderem Salesianer, den langen Tag zu überstehen. Wenn ich vor dem Jahr ein Kaffee-Liebhaber war, so bin ich nun tatsächlich süchtig 😉

 

5. Musik – immer und überall

Ich laufe Samstagsnachmittags über unser Gelände: Musik. Ich gehe nach Rango auf den Markt: Musik. Ich fahre mit dem Bus in die Stadt: Musik. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, doch habe ich mich doch im Laufe des Jahres an die Musik gewöhnt. Sogar mehr noch: Höre ich keine Musik, wo normalerweise immer Musik zu hören ist, so fehlt mir mittlerweile etwas. Es sind zwar immer die gleichen Lieder, die an meine Ohren schallen und nach 6 Monaten den gleichen fünf Liedern jeden Samstag ist der Bedarf an Justin Bieber und halb englisch-halb-ruandischen Liedern von Künstlern mit klangvollen Namen wie „Dreamboys“, „Bulldogg“ und „Charly na Nina“ (man kann auch einfach Lina verstehen) fürs erste gedeckt. Trotzdem erwische ich mich selbst dabei, dass meine Füße im Takt mitwippen und dass ich mich freue, ein mir bekanntes Lied zu hören und den Text auf Kinyarwanda zu verstehen.

Zur Musik gehört selbstverständlich auch das Tanzen. Wenn mal wieder die Musik über das Gelände schallt eignet sich auch eine kleine „Der-Ball-Ist-Zu-Weit-Geflogen-Pause“ während des Volleyballspiels für eine kleine Tanzeinlage der Spieler. Sowohl Lina als auch ich sind nicht die begnadesten Tänzerinnen und so ziemlich alle Kinder haben ein besseres Körper- und Rhythmusgefühl als wir. So blieb es sowohl beim modernen Tanz, als auch beim traditionellen Tanz bei vereinzelten Versuchen.

Stop-Tanzen

 

6. Kinyarwanda

„Mwaramutse! – Amakuru? – Ni meza…..“ „Guten Morgen! – Wie geht`s? – Gut…“

Die wohl vier wichtigsten Wörter auf Kinyarwanda, die ich täglich mindestens 30 Mal sage, wenn nicht mehr. Vor meinem Jahr in Ruanda, nahmen Lina und ich in Deutschland an einem 5-tägigen Kinyarwanda-Crashkurs teil und nach diesen fünf Tagen wurde mir erstmals ansatzweise bewusst, was es bedeutet eine völlig andere Sprache zu lernen und das Kinyarwanda sicher nicht die leichteste Sprache der Welt ist. Im Laufe des Jahres bin ich zwar noch immer kein Meister in Kinyarwanda – ich denke da könnnte ich mein Leben lang lernen- aber trotzdem kann ich mit einer großen Portion Stolz sagen: „Kinyarwanda….Ndakizi!“ (Ich kann Kinyarwanda). Natürlich war es eine Menge Arbeit, zahlreiche Monate Kinyarwanda-Unterricht, jeden Tag, zwei Stunden, eingeschlossen Kommentare wie „Ja also eure Vorgängerin Agnes, die konnte ja Kinyarwanda“ oder „Jaaa, irgendwann, wird das schon“, aber letztlich hat es sich gelohnt. Die Kinder, die größtenteils nur Kinyarwanda sprechen, waren die größte Motivation und ich weiß jetzt schon, dass mir Kinyarwanda zurück in Deutschland sehr fehlen wird und ich diese Sprache am liebsten gar nicht vergessen möchte. Ich liebe es, wenn mal wieder ein ungläubiges „Eh, azi Kinyarwanda“ (Eh, die kann ja Kinyarwanda) von fremden Menschen aufschnappe, wenn man mich beim Handeln auf dem Markt nicht völlig abzocken kann, Smalltalk mit den Mototaxifahrern zu halten oder wenn ich verstehe, was die Leute über mich sagen , ohne zu wissen, dass ich sie sehr wohl verstehe. Mir fällt es nicht leicht, in Worte zu fassen, was Kinyarwanda für mich bedeutet. Eins steht fest: Die Sprache steht in unmittelbarer Verbindung zu meinem Jahr in Ruanda, war für mich zu Beginn oft Hindernis, mittlerweile aber viel öfters eine Brücke um mit Menschen in Kontakt zu kommen und als Mensch wahrgenommen zu werden, der eben nicht nur in die Schublade „Umuzungu“ passt.

Ich beherrsche Kinyarwanda nicht perfekt, baue manchmal so viele grammatikalische Fehler in einen Satz, dass die Kinder, die mich gut kennen mein Kinyarwanda für die anderen Kinder in richtiges Kinyarwanda übersetzen müssen. Trotzdem gibt es bestimmte Sätze, Sprichwörter oder auch nur Gesten, die ich mir in Deutschland abgewöhnen muss und die mir sicher fehlen werden. In diesem Sinne: „Nabaye umunyarwanda kazi mu mutwe na mu mutima! Nzakikumbuye!“ Ich bin Ruanderin in Kopf und Herz! Es wird mir fehlen.

 

7. Spontanität und Improvisation

„Hey, ich habe euch schon einmal ein paar Kinder mitgebracht. Ihr wisst ja, heute wird mit allen Schülern ein Fest im Noviciat gefeiert. Wir sind noch nicht ganz fertig mit den Vorbereitungen, aber ihr könnt ja in der Zwischenzeit die Kinder beschäftigen. Lernt doch Englisch! Ich habe jetzt noch was anderes zu tun.“

So oder so ähnlich lautete die Aussage einer der Priester, der an besagtem Feiertag ca. 150 Kinder auf unser Gelände brachte und sie uns mal einfach so „überließ“. Was tut man mit den Kindern, alle zwischen 6 und 16 Jahren? Ideen her, aber schnell! Guut, fangen wir mal mit den klassischen Animationen an. Zuerst einen Kreis bilden, dann Klatschen, Singen, Tanzen und manchmal auch etwas verrückt herumschreien. Hat ganz gut geklappt, denn was wir in diesem Jahr gelernt haben, dann ganz sicher das: Wenn man eine Menge Kinder versammelt hat, dann muss man sie beschäftigen. Egal wie, Hauptsache sie sind beschäftigt und kommen nicht auf die Idee, sich gegenseitig zu verhauen, auf die Straße zu rennen oder Holz aus der Schreinerei zu klauen. Spontanität und Improvisation lautet das Zauberwort und das haben wir jetzt ganz gut drauf. Denn egal, was man plant, am Ende kommt es doch anders als gedacht, wobei anders ja nicht gleich schlecht heißt.

Es kann auch passieren, dass man 5 Minuten vor Beginn der Schule gesagt bekommt, dass man nun 2 Stunden Englisch unterrichten soll. Oder sich ein spontaner Besuch als eine Art Sekten-Besuch entpuppt und man sich „Alleluja-Amen“-rufend im Mittelpunkt von einem Dutzend Gläubigen wiederfindet. Oder dass das Auto mangels Fahrfähigkeit und mangels Benzin mitten auf der Straße stehenbleibt.

Was tun? Sich selbst nicht immer ganz ernst nehmen. Locker bleiben. Eine Lösung findet sich immer und gerade solche spontanen Situationen sind zu Situationen geworden, an die ich mich am meisten erinnern werde.

Klatschspiele

Klatschspiele

Der Banana-Song darf auch nicht fehlen

Der Banana-Song darf auch nicht fehlen

8.Rango-City

Rango. Zuhause. Ich habe unsere Bleibe ganz fest in mein Herz geschlossen. Mit seinen rund 15.000 Einwohnern. Dem doch sehr dörflichen Charakter. Der Kirche. Dem Markt. Der Grundschule. Der geteerten Straße, die hier sein Ende findet. Den Verrückten, von denen es genug gibt. Jaja, Rango, das ist schon eine Nummer für sich. Jeder kennt jeden. Jeder weiß alles über dich und so oft das auch nervt, wenn mich ein Kind, das ich gefühlt noch nie in meinem Leben gesehen habe, mit meinem Namen anspricht, dann ist das doch ein schönes Gefühl. Wenn ich so langsam aber sicher Verwandtschaftsverhältnisse durchschaue oder beim „Spazierengehen“ mit Kindern völlig neue Ecken des Dorfes entdecke. Wenn selbst die Leute in der Stadt uns erkennen und den Kommentar „Ja, das sind die zwei Mädels aus Rango, bei den Patern“ abgeben, dann fühle ich mich hier Zuhause.

Rango und vor allem die Menschen aus Rango, ob gute Freunde oder bekannte Gesichter, werden mir fehlen.

„Mu rugo“ – Zuhause

Meine „Guhinga“-Versuche

9. Meine Vielzahl an Rufnamen

Nur Valentina genannt zu werden ist doch langweilig. Hier eine kleine Auflistung an Namen, die ich regelmäßig höre oder einmalig im Kopf behalten habe:

  • Muzungu (Weiße) – immer, überall und ziemlich nervig
  • „Agnes!“- Ja, unsere Vorgängerinnen sind den Kindern in Erinnerung geblieben. Lina wurde als Gegenpart „Jenny!“ gerufen
  • „Nshuti yanjye!“ (Meine Freundin!) – Ja, damit kann ich leben
  • „Cheri wanjye! (Mein Schatz) “, „Sweetie!“, „Ubuki! =Honey!“ – Ja, Rufe dieser Art sind nichts ungewöhnliches. Genauso wie das ein oder andere Liebesgeständnis, welches ich im Laufe des Jahres bekommen habe. Auch Heiratsanträge (von teils unbekannten Personen oder 8-jährigen Kindern) waren dabei. Auch der Hinweis „Du hast doch schon eine Frau!“, genügt nicht, um darauf hinzuweisen, dass eine Hochzeit nun wirklich nicht möglich ist. „Ja, dann bist du eben meine zweite!“; das war darauf die Antwort
  • „Umuswa!“, „Igishwi!“- Ersteres heißt so viel wie Dummkopf. Mit dem zweiten Wort beschreibt man eine Person, die „so blöd ist, dass sie eine Hose auf dem Kopf und nicht auf den Beinen trägt.“ (Zitat unseres Kinyarwandalehrers) . Diese Worte höre ich ehrlich gesagt gar nicht so selten – zurecht. Irgendwie schaffe ich es mindestens einmal wöchentlich hinzufallen, mit kleineren oder größeren Schürfwunden zu Folge, mir die Zehen an einem Stein anzustoßen oder beim Volleyballspielen total zu versagen. Wobei ich sagen muss, ich habe mich was Volleyball angeht echt verbessert. Ach wie gut tut Eigenlob 😉

10. Die vielen kleinen Dinge, die mir fehlen werden

  • prasselnder Regen am Ende eines heißen Tages
  • das Gefühl, wenn der Priester nach einer 3-stündigen Messe endlich den Abschlusssegen gibt
  • die Vorfreude auf das Bier am Sonntag
  • beim Fußball-Spielen „indege“ (Flugzeug) genannt werden, weil ich mich im Prinzip jeden Tag einmal hinhaue
  • der tiefe Schlaf nach einem langen, anstrengenden Tag
  • „Valentina“-Rufe von Menschen, die ich gefühlt noch nie gesehen habe
  • Die Erkenntnis, dass ein Kind das neue T-Shirt doch nicht auf dem Markt verkauft hat
  • die Freude über verschwindende Flohstiche
  • die Sonntagmorgenfrühstücke mit Lina
  • mein Brotverkäufer, bei dem ich Stammkunde bin
  • anziehen können, was man will, und trotzdem Superstar und „wambere neza“ (gut angezogen) sein
  • die 1000 Hügel
  • die Dusche am Abend, nach der man wenigstens etwas das Gefühl hat, sauber zu sein( vorausgesetzt es gibt Wasser, das tatsächlich von oben kommt, was seit gut eineinhalb Monaten nicht mehr so regelmäßig der Fall ist 😉 )
  • 15 Minuten länger schlafen können, wenn die Morgenmesse nicht um 5.45 Uhr ist, sondern um 6.00 Uhr ist
  • verrückt sein können und selbst total den Kinderquatsch machen
  • kleine braune Dreckhandabdrücke abends auf meinem T-Shirt
  • der kühle Wind bei Mototaxifahrten
  • Smalltalk auf der Straße

Nun das war sie, meine „Top-Ten“. Ausgeufert zu einer Art Liebesbrief an all die Menschen, Dinge und Gewohnheiten, die ich am liebsten gar nicht gehen lassen möchte. Vielleicht habt ihr ja gemerkt, wie wichtig mir all das ist und in meinem Herzen und in meinem Bauch zieht sich etwas zusammen, wenn ich an den bevorstehenden Abschied denke (Und das sind sicher keine Amöben, die ich mir eingefangen habe).

Bevor es nun aber tatsächlich zum finalen Endspurt übergeht, möchte ich den Artikel nutzen, um Danke zu sagen!

Danke, für all die Personen, die mich in diesem Jahr begleitet haben. Personen, die ich neu kennenlernen durfte hier in Ruanda, Personen aus Deutschland oder anderen Teilen der Welt. Ob durch kleine Nachrichten aus der Heimat, Telefonate von anderen Kontinenten oder auch nur in Gedanken oder das Verfolgen meines Blogs. Ich kann euch gar nicht sagen, wie dankbar ich für Eure Unterstützung bin!

Danke für ein Jahr voller neuer Erfahrungen, neuen Freundschaften, zahlreichen glücklichen Momenten, aber auch ein Jahr mit Herausforderungen, die mich auf jeden Fall nicht zu einem gänzlich anderen Menschen gemacht haben, aber doch geprägt und ein Stück weit verändert haben!

Vielen Dank! Murakoze cyane!

Eure Valentina

Twabaye abanyarwanda kazi! - Wir sind Ruanderinnen geworden!

Twabaye abanyarwanda kazi! – Wir sind Ruanderinnen geworden!