Pasikali nziza, liebe Leser!

Das heißt Frohe Ostern auf Kinyarwanda. Zwar kommen diese Wünsche (mal wieder) zu spät, aber das ändert nichts daran, dass Ostern wie auch schon das Weihnachtsfest und mein Geburtstag eine völlig neue Erfahrung für mich war. Darum möchte ich Euch kurz von meinen Erfahrungen berichten und ein kleines Lebenszeichen von mir nach Deutschland schicken.

Ostern kommt ja nicht unerwartet. Ostern gehört vorbereitet! Diese spezielle Vorbereitung sollte in der 40 tägigen Fastenzeit stattfinden. Das ist hier exakt das Gleiche wie in Deutschland. Jedoch habe ich die Fastenzeit zum ersten Mal in Gemeinschaft mit Patern und Brüdern verbracht, wobei es abgesehen von weniger Fleisch auf dem Speiseplan kaum Veränderungen gab.

Trotzdem versuchten Lina und ich vor Beginn der Fastenzeit mit den Kindern Fastnacht zu feiern. Da an genau diesem Fastnachtsdienstag allerdings nicht viele Kinder auf dem Gelände waren, wurde es eine sehr kleine Fastnachtsfeier, die hauptsächlich aus Linas Kindeschminke-Kunstwerken bestand.

Hier entsteht gerade ein kleiner Fisch

Hier entsteht gerade ein kleiner Fisch

 

Frosch, Fisch und Spiderman

Frosch, Fisch und Spiderman

Am nächsten Tag, Aschermittwoch, hieß es für uns, Teilnahme an dem Gottesdienst für sämtliche Schüler aus Rango und naher Umgebung. Im Klartext bedeutete das während des kurzen eineinhalbstündigen Gottesdienstes von ungefähr 1500 Kinder der Grundschule, der weiterführenden Schulen und unseres VTC‘s angestarrt zu werden.

Eineinhalb Stunden Gottesdienst. Kurz? Ja liebe Leser, mein Zeitgefühl hat sich in den letzten Wochen sehr verändert. Warum?

 

Zunächst einmal begann am 7. April die Genozid-Gedenkwoche. Während des Genozids 1994 wurden innerhalb drei Monate über 800.000 Menschen umgebracht, zumeist aus der Bevölkerungsgruppe der Tutsi (die Klassifizierung in verschiedene Bevölkerungsgruppen gibt es heute offiziell nicht mehr in Ruanda). Eine Woche lang wurde der Opfer des Genozids vor 23 Jahren gedacht. Zunächst mit einer Auftaktveranstaltung und schließlich mit täglichen Versammlungen der Bürger, auf denen Zeitzeugen berichteten oder die Geschichte Ruandas erläutert wurde. Diese Veranstaltungen fanden in der Regel nachmittags statt und im ganzen Land wurde zu diesem Zeitpunkt die Arbeit niedergelegt. Ich selbst habe an nur drei dieser Veranstaltungen teilgenommen, weil das ca. vierstündige Sitzen auf sehr komfortablen Holzbänken kombiniert mit langen Reden, von denen ich meistens nur die Hälfte verstand, doch nicht meiner Lieblingsbeschäftigung entspricht. Dennoch habe ich in dieser Woche noch einmal viel besser verstanden, warum die Menschen hier in meinem Umfeld manchmal auf eine gewisse Weise handeln und wie groß die Auswirkungen der traurigen Vergangenheit noch heute auf die Gesellschaft sind. Über den Genozid an sich und meine eigenen Erfahrungen mit diesen grausamen Geschehnissen möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht berichten. Zu kompliziert, zu vielschichtig und zu verworren sind die Zusammenhänge. Wer trotzdem großes Interesse hat: Schreibt Fragen auf und fragt mich, wenn ich zurück in Deutschland bin!

Nun aber zu einem schöneren Thema: Ostern. Ich habe während der Feiertage viele neue Eindrücke sammeln können und durch die zahlreichen Stunden, die ich in der Kirche verbracht habe, ein völlig neues Zeitverständnis entwickelt. An Karfreitag beispielsweise wurde von den Novizen ein Kreuzweg mit Passionsspiel veranstaltet. Zwei Stunden in der Sonne stehen ohne Essen im Bauch war doch eine kleine Herausforderung. Dafür sah ich zum ersten Mal, wie der Jesus-Darsteller von den anderen Schauspielern wirklich geschlagen wurde.

Der gedeckte Osterfrühstückstisch mit unseren improvisierten Osternestern

Der gedeckte Osterfrühstückstisch mit unseren improvisierten Osternestern

Die Osternachtsmesse wurde hier Samstagabend begonnen, nicht wie in Pilgerzell am Ostersonntag um 5 Uhr morgens. Allerdings war ich bereits am Samstagmorgen ziemlich angespannt. Warum? Nun ja, ich sollte zum ersten Mal eine Lesung auf Kinyarwanda in der Messe halten. Die Ankündigung, dass die Kirche voll besetzt sein wird, hat nicht zu meiner Beruhigung beigetragen. Darum stand dann Samstag-Vormittag erst einmal Ablenkung auf dem Plan. Lina und ich wollten voll motiviert Ostereier färben. Das Ganze stellte sich allerdings als schwieriger heraus als gedacht, weil wir keine Farbe zum Färben besaßen und so etwas kreativ sein mussten. Rote Zwiebelschale sollte rot ergeben, Gras grün und Karottensud gelb. Letztendlich war das Färben dann doch nicht so erfolgreich, die Eier wurden nur etwas dunkler, als sie zuvor schon waren…. Umso besser sind uns allerdings die kleinen Osterkränze gelungen, die wir für den Ostersonntag vorbereiteten. Auch wenn es hier die Tradition des Osterhasens nicht gibt, wollten wir trotzdem kleine Osternester auf den Frühstückstisch stellen.

Sieht zwar aus wie ein Osternest, ist es aber nicht! Den Osterhasen gibt es hier nicht.

Sieht zwar aus wie ein Osternest, ist es aber nicht! Den Osterhasen gibt es hier nicht.

Irgendwie ging der Samstag dann auch schneller vorbei, als gedacht und bereits um 16 Uhr fanden Lina und ich uns bei der Kirche ein, um noch ein letztes Mal unsere Texte mit unserem Kinyarwanda-Lehrer durchzusprechen. Die Anspannung stieg langsam aber sicher und als zwei Stunden später (mit etwas Verspätung) die Messe begann, wollte ich es einfach nur schnell hinter mich bringen. Aber das festliche Programm hat mich ganz gut abgelenkt. Völlige Dunkelheit in der Kirche, dann nach und nach einzelne Kerzen der Kirchenbesucher, bis schließlich ein gemütliches Leuchten unsere Gesichter erhellte. Fast so, wie ich es aus Deutschland gewöhnt war.

Lina hielt dann zuerst ihre Lesung. Währenddessen merkte ich, wie mein Herzschlag immer schneller wurde, die Handflächen immer verschwitzter und der Mund immer trockener. Als ich dann aufstehen musste und mit dem Lesen begann, bemerkte ich, dass es gar nicht so schlimm war, weil ich aufgrund der Dunkelheit in der Kirche die ganzen Menschen gar nicht sehen konnte. Schließlich habe ich es irgendwie dann doch ganz erfolgreich gemeistert und konnte dem verbleibenden Gottesdienst, der nebenbei bemerkt ganze 4,5 Stunden dauerte, deutlich entspannter folgen. Nach der Kirche ging es zu uns nach Hause, wo noch ein gemeinsames Abendessen mit unserer Kommunität und gemütliches Beisammensein auf dem Programm stand. Zu später Stunde fiel ich dann erschöpft, aber trotzdem glücklich in mein Bett, mit dem Wissen, dass am nächsten Morgen der Wecker um 6:30 Uhr klingeln wird. Die Samstagabendmesse ersetzt selbstverständlich nicht die Sonntagmorgenmesse 😉

So sieht die Kirche übrigens von Innen aus

So sieht die Kirche übrigens von Innen aus

Wer jetzt denkt, dass ich Ostern nur in der Kirche verbracht habe, der irrt sich. Sonntags stand ich lange in der Küche und habe geholfen, das Essen für die Kinder vorzubereiten. Für ca. 40 Kinder gab es die letzten vier Wochen sonntags eine warme Mahlzeit und so auch am Ostersonntag ein richtiges Festessen. Leider ist es nicht möglich, für alle Kinder Essen auszugeben. Viele haben außerdem Zuhause die Möglichkeit, zu essen. Dementsprechend gab es auch Kinder, die nichts von dem Essen abbekommen haben und ihre Enttäuschung also an Lina oder mir ausließen.

Hier ein Bild von einer der Essensausgaben

Hier ein Bild von einer der Essensausgaben

Gemeinsamer Abwasch nach dem Essen

Gemeinsamer Abwasch nach dem Essen

Während ihr an Ostern durch einen nachträglichen Wintereinbruch bibbern musstet, friere ich hier momentan wegen der Regenzeit, die mit einigen Grad weniger auf dem Thermometer sowie Erkältungs- und Malariafällen verbunden ist. Von letzterem blieb ich bisher zum Glück verschont.

Seit letzer Woche findet nun auch wieder nach zwei Wochen Osterferien Unterricht im VTC  statt.

So geht ihr alles seinen gewohnten Lauf. Im nächsten Artikel möchte ich Euch gerne von einem ganz normalen Tagesablauf berichten. Un diesmal, ich verspreche es, lasse ich Euch nicht so lange warten. 

In diesem Sinne: Ganz liebe Grüße in die Heimat!
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Eure Valentina