{"id":24,"date":"2026-02-01T02:02:39","date_gmt":"2026-02-01T01:02:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/?p=24"},"modified":"2026-02-01T02:03:28","modified_gmt":"2026-02-01T01:03:28","slug":"campamento","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/2026\/02\/01\/campamento\/","title":{"rendered":"Campamento"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sonntag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In <a href=\"https:\/\/strassenkinder.de\/laender\/lateinamerika\/bolivien-strassenkinderzentrum\/\">Santa Cruz<\/a> regnete es in Str\u00f6men. Es waren 28 Grad, aber es regnete und mir war kalt. So fuhr ich an diesem Morgen frierend zum Busbahnhof. Es hatte zuvor tagelang nicht geregnet und ausgerechnet als ich fuhr, musste es regnen, vielleicht ein b\u00f6ses Omen f\u00fcr die kommenden neun Tage, vielleicht auch nicht. Ich traf mich mit Mario, einem Erzieher &#8211; er versp\u00e4tete sich um eine Stunde &#8211; und wir liefen durch den Regen, um unseren Bus nach San Carlos zu suchen. Und als wir das \u201eTrufi\u201d nach San Carlos fanden, waren wir wieder durchn\u00e4sst und froren. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir kamen an und setzten uns, insgesamt waren es neun Leute in einem alten Minivan &#8211; mit nur acht Pl\u00e4tzen. Ausgerechnet ich durfte ganz hinten in der Mitte sitzen, auf einem Platz, der eigentlich nicht existierte, zwischen zwei normalen Sitzen. Und so fuhren wir los an diesen unbekannten Ort im Regenwald. Die Fahrt war alles andere als kommod. Fahrer und Beifahrer kauten flei\u00dfig Kokabl\u00e4tter, in der Mitte unterhielt man sich laut und der Mann neben mir wollte nicht aufh\u00f6ren zu beten und sich zu bekreuzigen. All dies verlieh mir ein leicht mulmiges Gef\u00fchl, das dann jedoch schnell verflog, als der Fahrer die Fenster aufmachte, sodass es nun tierisch windete und hineinregnete. So fror ich wieder, war wieder nass, und vor allem war ich ziemlich genervt. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach ein paar Stunden kamen wir dann auch in San Carlos an. Dort gab es erst einmal Mittagessen &#8211; wie immer Reis. Doch gerade diesen \u00f6den, alten Reis w\u00fcrde ich in den n\u00e4chsten paar Tagen noch mit Herz und Seele vermissen. Nach dem Essen machte ich mich mit den R\u00e4umlichkeiten des Ferienlagers vertraut, kein besonders langes Unternehmen. Zwei Schlafs\u00e4le gab es, zwei Dusch- und Toilettenbereiche &#8211; ausgestattet mit hochmodernen Hockklos &#8211; eine K\u00fcche mit Speisesaal, einen Mehrzweckraum. Ich war sehr erfreut, als ich entdeckte, dass es neben den Schlafs\u00e4len noch ein Bad f\u00fcr Erzieher und Volont\u00e4re gab &#8211; ausgestattet mit einer Dusche und einer normalen Toilette. Ich bezog mein Bett und lag probe. Es war ungef\u00e4hr zwanzig Zentimeter zu kurz und geformt wie eine Sch\u00fcssel, sodass ich die Beine nicht ausstrecken konnte, ohne dass sie sich zu weit bogen und in den Gang ragten. Aber es musste wohl reichen. Der Rest des Tages geschah ohne wesentliche Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Montag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am ersten Tag war es schrecklich hei\u00df. Schon morgens zur Fr\u00fchst\u00fcckszeit waren \u00fcber drei\u00dfig Grad und dazu war es schw\u00fcl. Den Morgen verbrachte ich auf einer Bank im Schatten und tat wenig, daf\u00fcr war es zu hei\u00df. Auch hatte ich keine klare Aufgabe, so konnte ich die Hitze ohne gro\u00dfen Stress ausharren. Das Mittagessen bildete die Erste in einer langen Reihe ern\u00e4hrungsbezogener Entt\u00e4uschungen. Denn der Reis war ausgegangen, es gab nur noch Nudeln. In <a href=\"https:\/\/multimedia.strassenkinder.de\/bolivien\">Bolivien<\/a> werden Nudeln vor dem Kochen noch in \u00d6l frittiert, anschlie\u00dfend in einer fettigen br\u00fcheartigen Fl\u00fcssigkeit noch zu einer homogenen Masse gekocht. Insgesamt handelt es sich hier um ein schweres Delikt, das gegen jegliche Konventionen des Essbaren verst\u00f6\u00dft und ausgesprochen ekelhaft ist. Das Wasser in San Carlos ist dem schwachen europ\u00e4ischen Magen nicht bek\u00f6mmlich, deshalb mussten wir es aufkochen &#8211; ein starker Eisengeschmack war leider nicht wegzubekommen. So w\u00fcrgte ich meine Schandnudeln mit meinem nach Blut schmeckendem Wasser runter und f\u00fcrchtete die kommenden Tage. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Essen verlie\u00dfen wir das erste mal das Gel\u00e4nde des Ferienlagers und betraten die umringenden Viehweiden, die immer wieder zu unpassierbarem Dschungel \u00fcbergingen. Nun begann die liebste T\u00e4tigkeit der Jungen. Mit Steinschleudern bewaffnet suchten sie Wespennester und schossen auf sie. Jeder &#8211; mir inklusive &#8211; rannte so schnell er konnte fort, um dem wilden Schwarm aus fetten, schwarzen Wespen zu entkommen. Manchmal schafften es alle in Sicherheit, manchmal nicht. Dann gab es Stiche, die zu der Gr\u00f6\u00dfe eines Tennisballs anschwollen und viele Tr\u00e4nen. Dieser riskante Zeitvertreib beruhte auf dem darwinistischen Prinzip des \u00dcberlebens des St\u00e4rkeren; und ich konnte schneller rennen als die Kinder, ich entkam immer. Das erh\u00f6hte Risiko dieses Unternehmens war wohl auch die Ursache seiner Beliebtheit. Denn normalerweise f\u00fchren die Jungen im Heim ein ausgesprochen geregeltes und durchgeplantes Leben, ohne Gefahren oder gro\u00dfe \u00dcberraschungen. Die Wespenjagd war wohl eine Art infantiler Schrei nach Freiheit und Selbstbestimmung, auch angesichts eines gro\u00dfen Risikos &#8211; selbst wenn keiner von den Jungs es als solchen angesehen hat, sondern einfach als ein lustiges Spiel.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"1280\" class=\"wp-image-30\" style=\"width: 500px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8155-1.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8155-1.jpeg 960w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8155-1-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8155-1-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8155-1-900x1200.jpeg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p>Danach kehrten wir wieder in das Ferienlager zur\u00fcck, wo schon das Abendessen zubereitet wurde. Wieder gab es die elenden \u00d6lnudeln, wieder musste ich sie mit Blutwasser runterw\u00fcrgen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dienstag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am zweiten Tage gab es wenig zu tun. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck regnete es. Das war kein belgischer Spr\u00fchregen und kein Berliner Sommergewitter &#8211; das war ein Sturm, wie es ihn nur im Amazonas geben kann. Das waren Wassermassen, die einen ganzen Ozean f\u00fcllen konnten, begleitet von einem ohrenbet\u00e4ubenden Get\u00f6se, einem krachenden, vollen Rauschen. Es schien mir, als k\u00f6nnte jeder einzelne Tropfen ein Glas f\u00fcllen, als breche jedes gleich Dach zusammen. In der Ferne waren die Felder und der Dschungel wie durch eine silberne Gardine verschleiert und die rote Erde und das gr\u00fcne Gras ersoffen im bald kn\u00f6cheltiefen Wasser. Es war ein herrlicher, kr\u00e4ftiger, wunderbarer Regen, der mich befriedigte und beruhigte, ein Regen, wie es ihn nur sehr selten gibt. Und am aller wichtigsten &#8211; der Regen k\u00fchlte ab. Bald h\u00f6rte er auf und es legte sich \u00fcber die Landschaft eine paradiesische K\u00fchle. Die V\u00f6gel fingen wieder an zu zwitschern und die M\u00fcckenheere zogen ab und meine Kopfschmerzen verschwanden und meine m\u00fcden Glieder waren wieder flink.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"1280\" class=\"wp-image-29\" style=\"width: 500px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8451.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8451.jpeg 720w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8451-169x300.jpeg 169w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8451-576x1024.jpeg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/> <\/p>\n\n\n\n<p>Meine Stimmung tr\u00fcbte sich wieder, als die Uhrzeiger sich dem Mittagessen n\u00e4herten. Zerschlagen musste ich mein Schicksal akzeptieren und mal wieder die niedertr\u00e4chtigen Armutsnudeln wegstecken. Nachmittags wurde es wieder sehr hei\u00df und wir gingen in den Park des Dorfes San Carlos. Zum Park musste man ungef\u00e4hr zwanzig Minuten laufen, der Weg f\u00fchrte \u00fcber eine Landstra\u00dfe. Die langsam untergehende Sonne schien auf den Asphalt und lie\u00df ihn in der Ferne flimmern. Wie ein schwarzer Faden trennte die Stra\u00dfe den dichten Regenwald, der sie zu beiden Seiten einschloss; jenes \u00fcppige, satte gr\u00fcne Dickicht, das mir zu dieser Zeit noch so geheimnisvoll vorkam &#8211; und es auch immer noch tut. Beim Laufen wurde man von beiden Seiten mit den Ger\u00e4uschen des Dschungels beschallt, es war geradezu laut. Kr\u00f6ten, V\u00f6gel, Fr\u00f6sche, Grillen und viel mehr schmolzen zu einer st\u00e4ndigen Ger\u00e4uschkulisse zusammen, die mich fesselte. Im Park angelten die Jungen in einem kleinen, braunen B\u00e4chlein und fingen viele Fische. Es war ein sch\u00f6ner Nachmittag. Zum Abendessen gab es leider wieder Nudeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"720\" class=\"wp-image-26\" style=\"width: 1000px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8473-e1769906651732.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8473-e1769906651732.jpeg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8473-e1769906651732-300x169.jpeg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8473-e1769906651732-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8473-e1769906651732-768x432.jpeg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8473-e1769906651732-900x506.jpeg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mittwoch:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Mittwoch lernte ich den f\u00fcr mich so faszinierenden Dschungel das erste Mal von innen kennen. Wir gingen wieder mit den Steinschleudern raus. Doch nach ein paar Minuten sah einer von den Jungen am Waldrand einen Affen, so hie\u00df es: rein in den Dschungel! Mit einer Machete bewaffnet ging ich vor, um uns einen Weg freizuhacken. Ich f\u00fchlte mich wie Fitzcarraldo oder Aguirre, die sich und ihrem Gefolge den Weg auf die Spitze eines Berges bahnen. Doch nach nur einigen Minuten war ich alleine. Ich sah mich um und sah keinen anderen Menschen mehr und pl\u00f6tzlich war es sehr leise. Diese Stille war sehr gespenstisch, denn am Vortag hatte ich sehr regsam die Lautst\u00e4rke des Regenwaldes wahrgenommen. Ich blickte umher; vor mir lag ein schwarzer, faul riechender T\u00fcmpel, dessen Tiefe ich unm\u00f6glich einzusch\u00e4tzen vermochte. \u00dcber mir war kein Himmel zu sehen, nur Bl\u00e4tter und \u00c4ste. Auf den anderen Seiten meiner Gestalt befand sich eine undurchschaubare und undurchdringliche Ein\u00f6de aus Gr\u00fcn und Braun, eine Art Wand, die ich ohne Hilfsmittel nicht passieren konnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Unterholz schien mir auf den ersten Blick seltsam tot und unbelebt. Vielleicht versteckte man sich vor mir, dachte ich. Doch dann bemerkte ich, dass sich alles bewegte. Der kleine Zweig unmittelbar neben meinem Kopf r\u00fchrte sich etwas und ich merkte, dass es sich um eine Stabheuschrecke handelte. Vor meinen Augen flog ein gro\u00dfer, blauer Schmetterling, an einem Baum lief eine be\u00e4ngstigend gro\u00dfe Spinne herauf, vor meinen F\u00fc\u00dfen verlief eine Ameisenstra\u00dfe. Mir lief ein kalter Schauer bis tief ins R\u00fcckenmark und mich \u00fcberkam der Drang, mich aus dem Staube zu machen. Gottseidank hatte ich noch meine Machete bei mir und so begann ich, wild umher zu schlagen, um mir einen Gang durch den dichten Busch zu hauen. So bewegte ich mich langsam voran, und nach einigen Minuten gedrosselten Fortschrittes stand ich pl\u00f6tzlich wieder auf einer Weide, vor mir ein paar magere Rinder. Ich hatte mindestens zwanzig neue M\u00fcckenstiche. So endete meine erste Exkursion in den Dschungel, ich hoffe, ihn in Zukunft noch besser kennenzulernen.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"1280\" class=\"wp-image-31\" style=\"width: 600px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8185.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8185.jpeg 960w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8185-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8185-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8185-900x1200.jpeg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Donnerstag fuhren wir an den R\u00edo Surut\u00fa. Der Fluss war vom Ferienlager ungef\u00e4hr zwanzig Minuten Fahrt entfernt, die wir aufgeteilt auf mehrere Ladungen auf der Ladefl\u00e4che eines Pickups verbrachten. Auf der Fahrt lie\u00dfen sich immer wieder die Berge blicken, die in der Ferne zu den Anden anwachsen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Strom, an den wir fuhren, teilt das Flachland von den Vorbergen und nach vielen hundert Kilometern flie\u00dft er in den Amazonas. Als wir ankamen, zog ich meine Schuhe aus und stellte mich in das knietiefe Wasser. H\u00e4tte ich mich hingelegt und mich treiben lassen, dann w\u00e4re ich kurz hinter der brasilianischen Metropole Manaus mit dem R\u00edo Madeira in den Amazonas geflossen, nach noch etwa 1.500 km mehr bei Belem in den S\u00fcdatlantik. Doch ich blieb stehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Wasser war r\u00f6tlich braun, vollkommen opak. Zu beiden Ufern t\u00fcrmte sich das tiefgr\u00fcne Mauerwerk des Regenwaldes. Hier und da gab es Sandb\u00e4nke, und manchmal bestand das Ufer aus hellen Kieselsteinen, was mich sehr an die M\u00fcnchner Isar erinnerte. Im Laufe des Tages nahmen viele Teile meines K\u00f6rpers, besonders meine Arme und mein Nacken eine krebsfarbige R\u00f6tung an. Die Kinder badeten im braunen Wasser und wir bauten Sandburgen und spielten Ball. Au\u00dferdem hatte an diesem Tag die schreckliche Nudelzeit ein Ende, denn es gab endlich wieder Reis. So m\u00fcndete das Essen umso mehr, und ich war sehr zufrieden.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"720\" class=\"wp-image-33\" style=\"width: 1000px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/66ef80b6-be38-4a30-8e11-5dc91508569c.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/66ef80b6-be38-4a30-8e11-5dc91508569c.jpeg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/66ef80b6-be38-4a30-8e11-5dc91508569c-300x169.jpeg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/66ef80b6-be38-4a30-8e11-5dc91508569c-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/66ef80b6-be38-4a30-8e11-5dc91508569c-768x432.jpeg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/66ef80b6-be38-4a30-8e11-5dc91508569c-900x506.jpeg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Montag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Samstag und Sonntag verliefen ohne nennenswerte Ereignisse, deshalb habe ich zu ihnen nichts geschrieben. Montag war der letzte ganze Tag, den wir im Ferienlager hatten. Vormittags wurde alles gr\u00fcndlich aufger\u00e4umt und gewaschen. Ich \u00fcberwachte alles, denn ich hatte genug Kleidung mitgenommen, um nicht waschen zu m\u00fcssen. Abends bin ich mit ein einer Erzieherin und meiner Mitvolont\u00e4rin Sophie zum Haus der K\u00f6chin gefahren, denn wir wollten Pizza backen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6chin wohnte im Dorf, in einer Armseligen aber gem\u00fctlichen Gegend. Die Stra\u00dfe, in der das Haus lag, war unbefestigt und aufgrund des h\u00e4ufigen Regens kaum befahrbar.\u00a0\u00a0Vor dem Haus standen erhabene B\u00e4ume, an denen Pampelmusen und andere lokale Tropenfr\u00fcchte wuchsen. Auch ein uralter Gel\u00e4ndewagen stand davor. Der Vorgarten bestand aus einer tristen Schlammfl\u00e4che und einem Grab; wer dort lag wagte ich nicht zu fragen. Der Hintergarten bestand auch aus rotem Matsch &#8211; der war mir in dieser Woche sehr vertraut geworden. \u00dcberall liefen h\u00fchner rum, die gackerten, irgendwo war auch ein Schwein zu h\u00f6ren. Es war an zuf\u00e4lligen und unn\u00f6tigen Stellen Stacheldraht aufgespannt, scheinbar nur als Dekoration. D\u00e4cher und Z\u00e4une waren mit allerlei Materialien geflickt, W\u00e4nde nicht verputzt.\u00a0 Dieses Dorf war vollkommen in der Zeit stecken geblieben, es kam mir vor, als h\u00e4tte sich hier seit Jahrzehnten nichts mehr ge\u00e4ndert.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>An solchen stillen Orten \u00fcberkommt mich immer ein allgegenw\u00e4rtiges und gewaltiges Gef\u00fchl der Ohnm\u00e4chtigkeit. Ich h\u00e4tte mich am liebsten auf eine Bank gesetzt und den Hunden beim Bellen zugeh\u00f6rt, h\u00e4tte den Nachmittag am liebsten unt\u00e4tig verstreichen lassen. Dieses Gef\u00fchl kannte ich bereits von anderen Orten; von einem halb stillgelegten Geh\u00f6ft in der finnischen Provinz, aus einem backsteinernen ostfl\u00e4mischen Nest, in dem der K\u00f6nig immer noch Boudewijn ist, aus einem Berliner Hinterhof, in dem der Putz von den Brandw\u00e4nden br\u00f6ckelt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pizza wurde in einem m\u00e4chtigen Lehmofen gebacken, der wohl nicht f\u00fcr diese Anwendung gedacht war, sich aber erstaunlich gut dazu eignete. Als die Pizza fertig war, fuhren wir zur\u00fcck in das Ferienlager. Die Jungs freuten sich sehr \u00fcber diese neapolitanische Spezialit\u00e4t, die wir nicht besonders originalgetreu zubereitet hatten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dienstag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Dienstag fuhren wir endlich nach Hause, nach Santa Cruz. Ich freute mich sehr darauf, denn obwohl es im Ferienlager eine ausgesprochen sch\u00f6ne Zeit gewesen war, genie\u00dfe ich stets die Tr\u00fcmpfe der Zivilisation, besonders die des Stadtlebens. Die insgesamt etwas primitiven Zust\u00e4nde, die teils frevelhafte Kost und mein zu kurzes Bett h\u00e4tten mich auf Dauer langsam in den Wahnsinn getrieben. So war ich gut gelaunt, als ich das letzte Mal schwitzend in meiner Sch\u00fcssel aufwachte. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Vormittag bestand aus dem Packen. Alles, was wir mitgebracht hatten, musste auch selbstverst\u00e4ndlich wieder zur\u00fcckgenommen werden. Dazu geh\u00f6rten nicht nur Anziehsachen, Schuhe und der Besitz der Jungen, sondern auch eine gro\u00dfe Menge an Matratzen und K\u00fcchenger\u00e4ten. Selbst eine riesige, uralte Gefriertruhe, die scheinbar aus Tungsten hergestellt war, mussten wir in unseren Viehtransportwagen heben. <\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"757\" class=\"wp-image-28\" style=\"width: 600px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8471-e1769906976510.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8471-e1769906976510.jpeg 720w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/02\/IMG_8471-e1769906976510-285x300.jpeg 285w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p>Als alles gepackt war, gab es noch ein letztes Mal Mittagessen &#8211; eine echte Rarit\u00e4t, denn es handelte sich um ein kulinarisches Bravourst\u00fcck, bestehend aus frittiertem H\u00fchnchen mit Pommes. Dann quetschten wir uns allesamt in den Lastwagen und fuhren los. Nach holprigen und ausgesprochen unbequemen drei Stunden erreichten wir endlich die Heimat. Es war eine sch\u00f6ne Zeit, das Ferienlager &#8211; und ich werde mich an viele Momente noch lange erinnern. Im tiefsten Winter, also im Juli, werden wir nochmal hinfahren und ich bin durchaus gespannt, wie ich es ein halbes Jahr sp\u00e4ter empfinden werde.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Zuhause im Casa de Voluntarios angekommen, widmeten wir uns erst einmal der Rattenjagd, denn unsere K\u00fcche war infiltriert worden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ihr k\u00f6nnt gerne an mich spenden, es w\u00fcrde mich sehr freuen!<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.donboscomission.de\/don-bosco\/\">DON BOSCO<\/a> MISSION<br>LIGA BANK M\u00dcNCHEN<br>IBAN: DE66 7509 0300 0102 1418 76<br>BIC: GENODEF1M05<\/p>\n\n\n\n<p>Verwendungszweck: Ingmar Wetzel, <strong>S25VB021<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag: In <a href=\"https:\/\/strassenkinder.de\/laender\/lateinamerika\/bolivien-strassenkinderzentrum\/\">Santa Cruz<\/a> regnete es in Str\u00f6men. Es waren 28 Grad, aber es regnete und mir war kalt. 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