{"id":12,"date":"2026-01-02T23:38:41","date_gmt":"2026-01-02T22:38:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/?p=12"},"modified":"2026-01-02T23:38:43","modified_gmt":"2026-01-02T22:38:43","slug":"von-kafka-kolumbus-und-biermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/2026\/01\/02\/von-kafka-kolumbus-und-biermann\/","title":{"rendered":"Von Kafka, Kolumbus und Biermann"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-white-background-color has-background wp-block-paragraph\"><strong>Einf\u00fchrung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da dies mein erster Blogeintrag ist, ist eine kleine Einf\u00fchrung wohl angebracht. Ich hei\u00dfe Ingmar Wetzel, ich bin 19 Jahre alt, ich komme aus Berlin, ich habe die letzten paar Jahre in Br\u00fcssel gewohnt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urspr\u00fcnglich plante man, mich f\u00fcr mein Auslandsjahr nach S\u00fcdindien zu schicken; doch das indische Konsulat in M\u00fcnchen vers\u00e4umte mein Visum und lie\u00df mich vollkommen im Stich. Nach ungef\u00e4hr drei Monaten Wartezeit, in denen ich mir wir Josef K. aus Kafkas <em>Der Prozess <\/em>&#8211; also vollkommen ohnm\u00e4chtig und unt\u00e4tig &#8211; vorkam, beschloss man mich dann nach <a href=\"https:\/\/multimedia.strassenkinder.de\/bolivien\">Bolivien<\/a> zu schicken, nach <a href=\"https:\/\/strassenkinder.de\/laender\/lateinamerika\/bolivien-strassenkinderzentrum\/\">Santa Cruz<\/a> de la Sierra. Nun bin ich also eher wie Christoph Kolumbus; ich wollte nach <a href=\"https:\/\/strassenkinder.de\/laender\/asien\/inden\/\">Indien<\/a>, landete schlie\u00dflich in Amerika. (Witz von Richard Wetzel) Hier in der neuen Welt arbeite ich im Hogar <a href=\"https:\/\/www.donboscomission.de\/don-bosco\/\">Don Bosco<\/a>, einem Kinderheim f\u00fcr Jungen im Alter von ca. 5-17 Jahren. Ich begleite die mittlere Gruppe, Jungen im Alter von ca. 9-14 Jahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Blog wird wohl keine genaue Erz\u00e4hlung meiner Erfahrungen hier, ich werde nicht schreiben, was ich jeden Tag mache, es wird nichts chronologisch. Stattdessen wird es eine einfache Sammlung an Beobachtungen, Geschichten, und generell Sachen die mir Auffallen und die ich f\u00fcr schreibenswert Halte. Was ich hier schreibe ist keineswegs empirisch bewiesen, sondern rein subjektiv. Der Titel meines Blogs ist eine doppelte Hommage an Roger Melis und Wolf Biermann, beides K\u00fcnstler, die mir sehr nahe liegen. Roger Melis ver\u00f6ffentlichte 2007 einen Fotoband mit Bildern aus der DDR, eines meiner liebsten Fotob\u00fccher. Dieses Buch hei\u00dft <em>In einem stillen Land, <\/em>ein Titel, der an Biermanns Lied <em>Noch <\/em>angelehnt ist, indem Biermann singt, \u201cDas Land ist still, noch.\u201d Das Buch sowie das Lied handeln von einer schl\u00e4frigen Landschaft und einem mattes Volk, die auf bessere Zeiten warten. Insofern finde ich, dass dieser Titel auch in gewisser Weise zu Bolivien passt. \u00dcbrigens werde ich wohl jede Woche oder alle zwei Wochen einen neuen Beitrag schreiben.\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"853\" class=\"wp-image-15\" style=\"width: 1000px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-1.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-1.jpeg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-1-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-1-1024x682.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-1-768x512.jpeg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-1-900x600.jpeg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hogar Don Bosco:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich arbeite im Hogar Don Bosco. Hier gibt es einen lieben alten Padre namens Octavio &#8211; einen Italiener von mindestens 85 Jahren. Es gibt eine Cheffin namens Wilma, eine etwas konfuse, aber durchaus angenehme Frau. Es gibt die Educadores, die ich als Volont\u00e4r unterst\u00fctze. Mario, Jose Carlos, Lu\u00eds Fernando, Lourdes, um nur die zu nennen, mit denen ich oft zu tun habe. Es gibt einen Theatersaal in dem die Jungen manchmal Filme gucken oder Karaoke singen, es gibt einen gro\u00dfen Fu\u00dfballrasen, zwei kleine Betonbolzpl\u00e4tze. Es gibt eine K\u00fcche, in der Huhn und Reis zubereitet werden, es gibt zwei Essensr\u00e4ume, in denen Huhn und Reis gegessen werden, es gibt zwei furchteinfl\u00f6\u00dfende Sch\u00e4ferhunde in einem Zwinger, die abgekaute H\u00fchnerknochen zu essen bekommen. Es gibt sechzehn Schlafs\u00e4le und noch viel mehr. Und hier alles ist umrundet mit hohen Mauern und einem kilometerlangen Drahtverhau, der selbst einen Pioniersoldaten im Ersten Weltkrieg neidisch machen w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt gibt es an die 90 Jungen hier, aufgeteilt in drei Gruppen. In der meinen sind momentan 18, im Alter von ca. 9-14. Ich wecke sie morgens auf, gebe Zahnpasta aus, dann fr\u00fchst\u00fccken wir. Danach m\u00fcssen die Kinder oft sauber machen, fegen, wischen, M\u00fcll aufsammeln. Dennoch liegt immer M\u00fcll herum, fast \u00fcberall im Hogar. Dies scheint mir nicht wie fehlende Sorgfalt der mit der R\u00e4umung des Abfalls beauftragten Kinder, sondern eher wie grunds\u00e4tzlich fehlende Bildung. Man bringt den Kindern zwar bei, den M\u00fcll aufzuheben, aber sie lernen nie, ihn nicht in die Gegend zu schmei\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies h\u00e4ngt auch mit einem scheinbar entscheidenden Element der Mentalit\u00e4t der Heimkiner zusammen &#8211; der Impulsivit\u00e4t. Diese Impulsivit\u00e4t ist bei den meisten Jungen omnipr\u00e4sent und l\u00e4sst sich in einer Vielzahl von Situationen beobachten. Da sind es die &#8211; eigentlich oft eng befreundet &#8211; die sich bei jedem Konflikt erstmal kr\u00e4ftig pr\u00fcgeln, statt vern\u00fcnftig zu bleiben. Oder aber die, die in jeglichen sportlichen Aktivit\u00e4ten vollkommen individualistisch gepr\u00e4gt sind. Generell ist Sport und besonders Fu\u00dfball eine gute Repr\u00e4sentation f\u00fcr die mentale Einstellung der Jungs. Das Ziel des Spieles ist, prim\u00e4r die eigene sportliche Exzellenz zu beweisen, nicht um den Belang der Mannschaft voranzubringen. Apropos, Sport wird meist nach dem Aufr\u00e4umen betrieben. Irgendwann gibt es dann auch Mittagessen, Huhn und Reis, danach wird in der Regel eine Art Siesta gemacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Essen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bolivianische K\u00fcche &#8211; oder die, die man hier in Santa Cruz zu Gesicht bekommt &#8211; stellt f\u00fcr mich eine Entt\u00e4uschung dar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich vermute, dass durch jahrhundertelange Armut und Ausbeutung besonders die Kaufkraft des Volkes auf ein Minimales reduziert wurde. Nat\u00fcrlich \u00fcbt sich dies auch auf das hier verf\u00fcgbare Essen aus. Dieses scheint mir eher dazu gemacht, den K\u00f6rper mit ausreichenden N\u00e4hrstoffen zum Arbeiten zu stopfen, als ein geschmacklich anspruchsvolles Erlebnis abzuliefern. Reis, Kartoffeln, Huhn &#8211; jeden Tag mehrmals. Dazu wird auch so gut wie nie Wasser getrunken, immer Cola oder Fanta oder zuckrige Fruchts\u00e4fte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss den Bolivianern jedoch auch einige kulinarische Volltreffer zumuten, zum Beispiel Saltenas. Eines der besten Fr\u00fchst\u00fccke, die ich je essen durfte, besteht aus einem s\u00fc\u00dflichen, mit salziger H\u00fchnerfleischf\u00fcllung gef\u00fcllten Teig. Gegessen wird vertikal, von einem spitzen Ende zum Anderen. Doch ist die bolivianische K\u00fcche insgesamt nicht besonders vielf\u00e4ltig, deswegen kochen wir im Casa de Voluntarios auch oft Tag zu Abend.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Segen, der uns hier aufgrund unserer zivilisierten Lage zukommt, ist, dass es doch eine beachtliche Auswahl an internationalem und auch geliefertem Essen zur Verf\u00fcgung steht. So kann man zu einem durchaus nachvollziehbaren Preis etwas bestellen und auch mal etwas au\u00dfer Huhn und Reis bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Hogar reicht das Essen scheinbar willk\u00fcrlich von haarstr\u00e4ubendem Fra\u00df zu anst\u00e4ndiger Heimk\u00fcche. In der Regel gibt es nat\u00fcrlich Huhn mit Reis und Kartoffeln, oft auch diverse Eint\u00f6pfe, zum Beispiel mit Linsen. Wenn man gro\u00dfes Pech hat, muss man sich jedoch Kutteln oder frittiertem Panser ergeben &#8211; ein grauenhaftes Schicksal, das bis zum Feierabend schrecklichen Hunger garantiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Santa Cruz:\u00a0<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"853\" class=\"wp-image-17\" style=\"width: 1000px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output.jpeg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-1024x682.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-768x512.jpeg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/photo-output-900x600.jpeg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bolivien scheint f\u00fcr mich ein Land unendlicher Wiederspr\u00fcche und Probleme zu sein, und Santa Cruz scheint dies ausgesprochen gut zu verdeutlichen. F\u00fcr mich ist es wie in Belgien, wie in Br\u00fcssel, nur dass alle Probleme bis ins fast Absurde verzerrt sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Da ist zum Beispiel die Infrastruktur in der Stadt. An jeglichen \u00f6ffentlichen Diensten scheint es vollkommen zu mangeln, stattdessen gibt es private Unternehmen, die der wohlhabendsten Schicht der Bev\u00f6lkerung vorbehalten sind. Die Stra\u00dfen strotzen vor Dreck und Verm\u00fcllung, das Volk ist das \u00e4rmste in S\u00fcdamerika, das Land steckt tief in einer scheinbar hoffnungslosen Wirtschaftskrise. Aber wenn man hinter den Mauern und dem Stacheldraht genug Geld \u00fcbrig hat, dann kann man diese Engp\u00e4sse so gut wie umgehen &#8211; mit genug \u201cPlata\u201d kann man hier sehr gut leben. Auch Zugang zu guten Schulen, Krankenh\u00e4usern, Sicherheit, usw. h\u00e4ngt prim\u00e4r vom Wohlstand ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Santa Cruz wird die unsichtbare Mauer, die die sozialen Welten trennt, sehr schnell sichtbar. Das Casa de Voluntarios befindet sich im Stadtviertel 3 de Mayo, einer eher wohlhabenden, doch gemischten Gegend. Direkt gegen\u00fcber von uns liegt der Mercado 4 de Noviembre, ein gro\u00dfer aber durchaus regul\u00e4rer Markt. Da gibt es eine ungek\u00fchlte Fleischstra\u00dfe, eine Gem\u00fcsestra\u00dfe, eine Eisenwahrenstra\u00dfe. Da verkaufen uralte indigene Frauen diverse Wurzeln, da liegen ein paar Bettler und Obdachlose. Irgendwo rennt auch eine Ratte herum. Im Obergeschoss kann man sich f\u00fcr umgerechnet ca. 1,30\u20ac Huhn mit Reis und Kochbanane oder ein okkultes Suppengebr\u00e4u kaufen. Alles ganz normal, alles ausreichend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00e4uft man nun zehn Minuten die Stra\u00dfe hoch, kommt man nach Equipetrol, eines der wohlhabendsten Viertel in Santa Cruz. Dort befindet sich der IC Norte. Dies ist ein riesiger Supermarkt, der mich sehr an die in den USA erinnert, inklusive Foodcourt und co. Das ist eine andere Welt. Hier ist alles spiegelblank poliert &#8211; spiegelblank poliert von uralten indigenen Frauen. Auf dem Parkplatz stehen teure Importwagen, Marken wie Volvo, Cadillac, Mercedes. Aus den Autos steigen schick angezogene Menschen, oft Hellh\u00e4utige, die sehen aus wie Europ\u00e4er &#8211; wohl ein fernes Erbe der Kolonialzeit. Drinnen gibt es alles was das westliche Herz begehrt, vor allem amerikanische Markenprodukte. Westliche Produkte zu westlichen Preisen. In einem Land, in dem mehr als ein Drittel der Bev\u00f6lkerung mit unter vier Euro am Tag ist, ist das ganz sch\u00f6n teuer. Hier kann der Durchschnittsbolivianer nicht einkaufen. An den Kassen stehen Jungen und packen Eink\u00e4ufe in Plastikt\u00fcten ein, schieben Einkaufswagen zu teuren Importwagen. Sie sind teilweise alarmierend jung, und sie bekommen keinen Lohn vom IC Norte &#8211; nur Trinkgeld von dem einen oder anderen Kunden.\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"675\" class=\"wp-image-16\" style=\"width: 1000px\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/DSC_0081-Kopie.jpeg\" alt=\"IC Norte\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/DSC_0081-Kopie.jpeg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/DSC_0081-Kopie-300x158.jpeg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/DSC_0081-Kopie-1024x540.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/DSC_0081-Kopie-768x405.jpeg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/unterwegs-in-einem-stillen-land\/wp-content\/uploads\/sites\/21775\/2026\/01\/DSC_0081-Kopie-900x475.jpeg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Santa Cruz ist eine komische Stadt. Hier herrscht ein heilloses Durcheinander, hier herrscht die Gegen\u00fcberstellung zwischen Neu und Alt, zwischen Tradition und Fortschritt. Diese Konfrontation erinnert mich auf viele Weisen an meine zwischenzeitliche Heimat, Br\u00fcssel. Dort wird &#8211; besonders im architektonischen Sinne &#8211; die Tradition auf eine fast barbarische Art und Weise zerschmettert. Die brutalen Strukturen der Europ\u00e4ischen Institutionen, oder die im Quartier Nord, wurden in ein existierendes st\u00e4dtisches Netz gestampft und koexistieren jetzt mit ihm. In Santa Cruz zeigt sich dieses Zusammentreffen von Alt und Neu eher auf der kulturellen Ebene. Denn das im spanischen Kolonialstil erbaute Stadtzentrum ist mehr oder weniger intakt. Der Kampf wird zwischen Mercado 4 de Noviembre und IC Norte gefochten, zwischen Pique Macho und Burger King, zwischen Papayasaft und Coca Cola. In Santa Cruz werden nicht plastische Strukturen ersetzt, sondern gesellschaftliche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wird in Santa Cruz der Gesamtzustand Boliviens klar. Hier wohnen fast zwei Millionen Menschen &#8211; es ist die gr\u00f6\u00dfte Stadt des Landes. Es ist das wirtschaftliche Zentrum Boliviens, die gr\u00f6\u00dften Unternehmen und Banken sind hier angesiedelt. Doch wirkt die Stadt an vielen Ecken seltsam provinziell. Der historische Stadtkern ist sehr beschaulich, alles dreht sich um den zentralen Plaza 24 de Septiembre, der auch nicht wahnsinnig viel zu bieten hat. Santa Cruz fehlt jegliche Grandeur, die man in einer europ\u00e4ischen Stadt vergleichbarer Gr\u00f6\u00dfe finden w\u00fcrde, oder f\u00fcr die viele andere s\u00fcdamerikanische Gro\u00dfst\u00e4dte bekannt und gar ber\u00fchmt sind. Die Stra\u00dfen in den Barrios sind oft verschlafen und wirken eher, als liegen sie in einem Dorf oder in einer Kleinstadt, als in einer Millionenstadt. Vielleicht h\u00e4ngt dies aber auch mit dem generell recht gem\u00e4chlichen Tempo des Lebens zusammen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Menschen stehen langsam auf, sie bewegen sich gem\u00fctlich &#8211; wie in Belgien. Abends sitzt man vor den H\u00e4usern auf der Stra\u00dfe oder spielt Billard. Man schaut den Stra\u00dfenhunden zu, die einem \u00fcber den Weg laufen. Man isst sp\u00e4t zu Abend; sp\u00e4t Huhn und Reis. Die Einwohner von Santa Cruz, oder Cruce\u00f1os, reden mit einer l\u00e4ssigen, oft langsameren Mundart als Bewohner anderer Gro\u00dfst\u00e4dte. Sie sind freundlich, hilfsbereit.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Santa Cruz ist ein raues Pflaster mit viel Stacheldraht und Graffiti; es ist ein angenehmer, hei\u00dfer, dreckiger Fleck voller leidenschaftlicher Menschen die einfach nur versuchen im skrupellosen Sp\u00e4tkapitalismus des modernen Boliviens zu \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr k\u00f6nnt gerne an mich spenden, es w\u00fcrde mich sehr freuen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DON BOSCO MISSION<br>LIGA BANK M\u00dcNCHEN<br>IBAN: DE66 7509 0300 0102 1418 76<br>BIC: GENODEF1M05<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verwendungszweck: Ingmar Wetzel, <strong>S25VB021<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung: Da dies mein erster Blogeintrag ist, ist eine kleine Einf\u00fchrung wohl angebracht. 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