{"id":171,"date":"2017-11-22T23:58:18","date_gmt":"2017-11-22T22:58:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tobiniess\/?p=171"},"modified":"2018-09-03T15:28:04","modified_gmt":"2018-09-03T13:28:04","slug":"gastarbeiter-des-herrn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tobiniess\/2017\/11\/22\/gastarbeiter-des-herrn\/","title":{"rendered":"Gastarbeiter des Herrn?"},"content":{"rendered":"<h3>Ahoj liebe Leser!<\/h3>\n<p>Nach einiger Zeit der Stille auf meinem Blog, melde ich mich heute mit einem neuen Beitrag bei euch.<\/p>\n<p>Und zwar geht es diesmal um das Thema &#8222;Religion&#8220;.<\/p>\n<h3>Ursprung des Textes:<\/h3>\n<p>Auf meinem ersten EFD-Seminar hier in Tschechien wurden wir Volont\u00e4re gebeten kurze Informationstexte f\u00fcr ein kleines &#8222;Booklet&#8220; zu verfassen. Und zwar f\u00fcr zuk\u00fcnftige Freiwillige, die in die tschechische Republik kommen. Oder die bereits vorhandenen Texte zu aktualisieren. Dieses &#8222;Booklet&#8220;, wurde von der &#8222;National Agency&#8220; zusammengestellt. Es soll den neuen Volont\u00e4ren vor Allem den Anfang in dem fremden Land erleichtern.<\/p>\n<p>Ich war der einzige Volont\u00e4r war, der in einer religi\u00f6sen Organisation oder Gemeinschaft arbeitete und lebte. Deshalb hatte ich einen gewissen Bezug zu dem Thema. Ich erkl\u00e4rte ich mich dazu bereit, einen Text \u00fcber das Thema Religion zu verfassen. Besser gesagt zu aktualisieren, da ich zuf\u00e4llig und gl\u00fccklicherweise schon eine sehr gute Vorlage eines deutschen Volont\u00e4rs hatte. Dieser war ebenfalls vor sieben Jahren hier bei den Salesianern als Volont\u00e4r t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Dadurch, dass das &#8222;Booklet&#8220; von internationaler Natur ist, musste ich den Text nat\u00fcrlich auf Englisch verfassen aber ich habe den fertigen Text nun f\u00fcr euch sozusagen zur\u00fcck ins Deutsche \u00fcbersetzt, und das Folgende, die etwas gek\u00fcrzte Version, ist daraus geworden. Es kann sein, dass das Ganze ein Bisschen wie ein Sachtext klingt, aber am Ende des Beitrages werde ich auch noch meine pers\u00f6nlichen Gedanken zu dem Thema \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<h3>&#8222;<\/h3>\n<div>Wenn man sich die Statistiken zur Religionszugeh\u00f6rigkeit in der Tschechischen Republik ansieht, so kann man direkt erkennen, dass die Bev\u00f6lkerung dieses Landes haupts\u00e4chlich atheistisch ist:<\/div>\n<h3>Volksbefragung:<\/h3>\n<div>Eine Volksbefragung im Jahre 2011, bei der auch die Religionszugeh\u00f6rigkeit ein Thema war, st\u00fctzt diese These: 34,5 Prozent der gesamten Bev\u00f6lkerung (heute ungef\u00e4hr zehn Millionen Menschen) gaben an, &#8222;keine Religion&#8220; zu haben. Sogar noch mehr Menschen, in Zahlen 44,7 Prozent gaben auf die Frage nach ihrer Religionszugeh\u00f6rigkeit keine Antwort. Deshalb l\u00e4sst sich nicht ganz sicher sagen, ob die Menschen in dieser Gruppe wirklich komplett atheistisch sind, oder ob sie sich einfach nur nicht zu ihrer Beziehung zu etwas Spirituellem \u00e4u\u00dfern wollen. Vielleicht wollen diese Menschen aber auch nicht in eine institutionalisierte Organisation, wie zum Beispiel die katholische Kirche mit einbezogen werden.<\/div>\n<h3>Christentum:<\/h3>\n<div>Wenn man sich die Verbreitung des christlichen Glaubens in der Tschechischen Republik vor Augen f\u00fchrt, so sieht man, dass sich nur 10,4 Prozent, also rund eine Million Menschen, zur katholischen Kirche bekannten, was damit die gr\u00f6\u00dfte Gruppe von Gl\u00e4ubigen in einer institutionalisierten Organisation in Tschechien ist. Nur ungef\u00e4hr ein Prozent der Bev\u00f6lkerung gab an, zur evangelischen Kirche zu geh\u00f6ren.<\/div>\n<h3>Andere Religionen:<\/h3>\n<div>Da es in Tschechien generell nur sehr wenige Menschen aus anderen Kulturen gibt, war nur ein sehr kleiner Prozentsatz (auch ungef\u00e4hr ein Prozent) der Bev\u00f6lkerung einer anderen Religion au\u00dfer der Christlichen zugeh\u00f6rig, wie zum Beispiel&#8230; Buddhisten (aufgrund einer Vietnamesischen Minderheit), wenige Muslime und andere kleinere Gruppen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Fr\u00fcher lebten in Tschechien au\u00dferdem relativ viele Juden, deren Existenz in Tschechien durch den Holocaust jedoch fast ausgel\u00f6scht wurden und heute gibt es nur noch ein paar tausend Juden, die in Tschechien leben.<\/div>\n<h3>Warum gerade hier?<\/h3>\n<div>Das mag einem auf den ersten Blick \u00fcberraschend vorkommen, vor Allem wenn man sich auf der Karte die Nachbarn Tschechiens anschaut. Diese sind n\u00e4mlich \u00fcberhaupt nicht atheistisch gepr\u00e4gt. Wie zum Beispiel die Slowaken oder die \u00d6sterreicher und insbesondere die Polen identifizieren sich sehr stark mit ihrem Glauben.<\/div>\n<h3>Kommunismus:<\/h3>\n<div>Um zu verstehen, wie es dazu gekommen ist, muss man in der Geschichte des Landes zur\u00fcckgehen. Nat\u00fcrlich ist dieser Zustand vor Allem dem kommunistischen Regime im 20. Jahrhundert zuzuschreiben. Die Ideologie der Kommunisten war n\u00e4mlich eindeutig atheistisch und es zwang die Menschen, die in der Tschechischen Republik lebten in ihr System, das keinerlei Art von Glauben zulie\u00df. Sie verbaten alles, was mit dem Glauben in Verbindung stand.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Die am Meisten betroffene religi\u00f6se Gemeinschaft war die katholische Kirche. Im Jahre 1950, was bedeutet, nur eine kurze Zeit nach der Okkupation der Kommunisten im Jahre 1948, bekannten sich 76,3 Prozent der Bev\u00f6lkerung zur katholischen Kirche. In diesem Jahr wurden Kl\u00f6ster geschlossen, M\u00f6nche und Nonnen teilweise inhaftiert. Kirchen und andere Gottesh\u00e4user wurden durch den Staat enteignet und haupts\u00e4chlich als Lagerhallen benutzt aber gl\u00fccklicherweise nicht allzu stark zerst\u00f6rt, weshalb man sie heute immer noch bestaunen kann. Ein Resultat dessen, sind die vielen, vor Allem im Gottesdienst &#8222;leeren Kirchen&#8220; in Tschechien, die damals zu stark Christlich gepr\u00e4gten Zeiten gebaut wurden und heute immer noch von dieser Zeit zeugen, aber nicht mehr sehr stark besucht werden.<\/div>\n<h3>Altmodisch&#8230;<\/h3>\n<div>Wenn man noch weiter in der Geschichte Tschechiens zur\u00fcckgeht, so erkennt man, dass es einige Versuche gro\u00dfer Herrscher gab, das Gebiet, das heute die Tschechische Republik genannt wird, und seine Umgebung, zu christianisieren. (Kyrill und Method aus Byzanz, neuntes Jahrhundert. Wenzel der Erste, F\u00fcrst von B\u00f6hmen, zehntes Jahrhundert. Karl der Vierte, Heiliger R\u00f6mischer Herrscher, 14. Jahrhundert). Obwohl vor Allem Wenzel und Karl auch heute noch sehr beliebt bei den Tschechen sind, da es eben gro\u00dfe Herrscher waren, verbinden heute viele Menschen etwas Aufgezwungenes und Altmodisches damit.<\/div>\n<h3>Ungerechtigkeit:<\/h3>\n<div>Als Jan Hus (welcher f\u00fcr die Tschechen vergleichbar mit Martin Luther f\u00fcr die Deutschen ist) sich als einer der ersten Menschen gegen die katholische Kirche und ihr Handeln emp\u00f6rte, fand sein Leben ein j\u00e4hes Ende. Die Kirche, die im 15. Jahrhundert einen gro\u00dfen Einfluss hatte, verurteilte ihn als Ketzer und wurde deshalb am Pfahl (in Konstanz) verbrannt. Nach seinem Tod formierte sich eine Bewegung, die unter und in seinem Namen k\u00e4mpften: die Hussiten erhoben sich und k\u00e4mpften in den so genannten Hussitenkriegen (1419-1434) gegen die katholische Kirche. Im 17. Jahrhundert, im drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg (1618-1948), verloren die Protestanten gegen die katholische Liga und sie wurden von der \u00d6sterreichischen Habsburg Monarchie einmal mehr in ihrem Glauben unterdr\u00fcckt und christianisiert. Diese Ungerechtigkeit l\u00e4sst manchen Tschechen eventuell auch heutzutage noch eher skeptisch von der Institution Kirche denken.<\/div>\n<h3>Heute:<\/h3>\n<p>Heute leben die meisten christlichen Gl\u00e4ubigen in M\u00e4hren (Osten oder S\u00fcdosten der Tschechischen Republik). Einige protestantische Christen geh\u00f6ren immer noch zur Hussitenkirche, die sich immer noch auf Jan Hus, ihren Gr\u00fcnder bezieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>&#8222;<\/h3>\n<h3><span class=\"dig-oberzeile dig-h\">RELIGION &#8211; <\/span><span class=\"dig-ueberschrift dig-h\">Gastarbeiter des Herrn<\/span><\/h3>\n<div><\/div>\n<div>\n<div class=\"dig-vorspann\">&#8222;Aus Mangel an Priestern besch\u00e4ftigt die katholische Kirche zunehmend ausl\u00e4ndische Geistliche wie Benjamine Gaspar: Er stammt aus <a href=\"https:\/\/strassenkinder.de\/laender\/asien\/inden\/\">Indien<\/a> und predigt nun in Westfalen.&#8220;<\/div>\n<\/div>\n<h3>Seminar:<\/h3>\n<div>Auf dem letzten Seminar der deutschen Don-Bosco-Volunteers aus S\u00fcddeutschland, sollten wir gemeinsam ein Plakat gestalten. Dieses sollte unsere Erwartungen an unseren bevorstehenden <a href=\"https:\/\/www.donboscovolunteers.de\/\">Freiwilligendienst<\/a> darstellen.<\/div>\n<h3>Ein Gedanke:<\/h3>\n<div>Dazu verwendeten wir unter Anderem alte Zeitschriften. In einer Zeitschrift fand ich einen Artikel mit einer \u00dcberschrift, die mir im ersten Moment recht interessant und passend vorkam, und zwar &#8222;<span class=\"dig-ueberschrift dig-h\">Gastarbeiter des Herrn<\/span>&#8222;. Ich hatte die \u00dcberschrift schon ausgeschnitten, doch dann verwarf ich den Gedanken schnell wieder, da ich nicht wirklich wusste ob ich mich in dieser Rolle sah, da ich bei mir dachte, dass erstens kein Priester bin und mich zweitens nicht als Missionar sehe.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Eine andere Freiwillige, die f\u00fcr ein Jahr nach Indien gehen w\u00fcrde, fand jedoch den ausgeschnittenen Papierstreifen und fragte herum, wem dieser &#8222;geh\u00f6re&#8220;. Ich meldete mich und sagte, dass ich ihn nicht mehr brauche. Daraufhin klebte sie die \u00dcberschrift auf das Plakat, da sie ihn wohl doch auch irgendwie passend fand.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nun, im Nachhinein bin ich froh, dass der kleine Schnipsel es dann noch auf unser Plakat geschafft hat. Ich f\u00fchle mich nun doch irgendwie so, wie ein kleiner Gastarbeiter des Herrn. Denn ich arbeite im Sinne Don Boscos und damit im Sinne des Herrn, in einem fremden Land, jedoch ohne dabei wie ein Missionar zu versuchen, meinen Glauben den Jugendlichen zu vermitteln.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<h3>Was bewirke ich?<\/h3>\n<p>Jedoch versuche ich, durch mein Handeln, meine Ausstrahlung und meine (noch sehr wenigen) Worte, zu zeigen, dass die Jugendlichen bei <a href=\"https:\/\/www.donboscomission.de\/don-bosco\/\">Don Bosco<\/a> auch liebevoll aufgehoben sind, ohne unbedingt an Gott zu glauben. Ich merke auch im Oratorium, dass einige Jugendliche dem Thema Religion eher befremdlich gegen\u00fcberstehen. Zum Beispiel bleiben Einige konsequent dem &#8222;Sl<span class=\"st\"><em>\u016f<\/em><\/span>vko&#8220;, (-kleines Wort- einem kleinen Impuls um f\u00fcnf Uhr mittags) fern, vielleicht auch da dieser Impuls manchmal einen religi\u00f6sen Ansatz hat.<\/p>\n<p>Einmal wurde von einem Jungen gefragt, ob ich ein Salesianer bin. Das zeigt dann eben auch, dass die Jugendlichen doch interessiert zu sein scheinen und was es vielleicht auch bewirkt, Don Bosco &#8211; Artikel als Kleidung zu tragen.<\/p>\n<p>Das sch\u00f6nste Ereignis, dass ich zum Thema &#8222;Glauben&#8220; erleben durfte, war, dass mir, nach dem Schlie\u00dfen des Oratoriums, ein Junge, von dem ich nicht wirklich wei\u00df, ob er sonst in die Kirche geht, mir in den Gottesdienst folgte (und das ganze jetzt schon sogar zwei Mal). Manchmal fragt er mich, ob ich heute in den Gottesdienst gehe. Dieser Junge ist sonst eher ein schwieriger Charakter und auch immer recht aggressiv und aufgedreht. Aber in der Kirche ist er f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse wirklich anst\u00e4ndig, nach ein Paar anf\u00e4nglichen &#8222;Bl\u00f6deleien&#8220; vor dem Gottesdienst. Er versucht so gut es geht, mitzusingen und auch die Gebete irgendwie mitzusprechen. Zur Kommunion geht er nicht und ich bedeute ihm, dass das vollkommen in Ordnung ist. Auch dieses sch\u00f6ne Beispiel gibt mir ein bisschen Hoffnung und zeigt mir auch, dass dieser sonst so freche Junge, zumindest Respekt vor dem Glauben anderer Menschen hat.<\/p>\n<h3>Erfahrungen:<\/h3>\n<p>Ansonsten bekomme ich hier von dem gro\u00df ausgepr\u00e4gten Atheismus noch nicht viel mit. Denn im Moment bewege ich mich noch in nur eher religi\u00f6s gepr\u00e4gten Kreisen. Bevor ich mich nicht n\u00e4her mit dem Land Tschechien besch\u00e4ftigt hatte, war mir auch nicht bewusst gewesen, dass es hier so wenige gl\u00e4ubige Menschen gibt. Ich war \u00fcberrascht als ich davon erfuhr. Ich finde es auch ein wenig schade aber verst\u00e4ndlich bei all den schlechten Erfahrungen, die die Vorfahren der heutigen Tschechen mit der aufgezwungenen Religion gemacht haben. Dazu durch die lange Zeit des Kommunismus, durch den das Weitergeben oder das Erlangen dieses Guts schlichtweg unm\u00f6glich war.<\/p>\n<h3>Sch\u00f6ne Erlebnisse:<\/h3>\n<p>Die kleine Anzahl der noch Gl\u00e4ubigen Menschen identifiziert sich jedoch sehr stark mit ihrem Glauben. Das bereitet mir auch hier bei den Salesianern Don Boscos sch\u00f6ne Momente. Oder zum Beispiel bei einem &#8222;Taiz\u00e9-Wochenende&#8220; in Budweis, an dem ich meinen 20. Geburtstag erleben durfte. Manchmal bin ich aber auch \u00fcberrascht von einigen Dingen, die ich so aus Deutschland noch nicht kenne.<\/p>\n<h3>Fazit:<\/h3>\n<p>Ich versuche jedenfalls weiterhin mit meinem Auftreten im Sinne des Herrn und im Sinne Don Boscos als &#8222;Gastarbeiter&#8220; zu handeln. Ich hoffe, dass ich dadurch bei den jungen Menschen etwas bewirken kann. Wenn vielleicht auch f\u00fcr sie oder f\u00fcr mich unbewusst.<\/p>\n<p>Vielen Dank daf\u00fcr, dass du meine Seite besucht hast und bis bald,<\/p>\n<p>liebe Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p>TOBI<\/p>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ahoj liebe Leser! Nach einiger Zeit der Stille auf meinem Blog, melde ich mich heute mit einem neuen Beitrag bei euch. Und zwar geht es diesmal um das Thema &#8222;Religion&#8220;. Ursprung des Textes: Auf meinem ersten EFD-Seminar hier in Tschechien wurden wir Volont\u00e4re gebeten kurze Informationstexte f\u00fcr ein kleines &#8222;Booklet&#8220; zu verfassen. 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