Hallo liebe Leute,

In meinem folgenden Blogeintrag geht es um meinen Alltag, der sich nun langsam aber sicher ein bisschen eingependelt hat. Und mittlerweile würde ich auch sagen, dass ich hier, auch im Kopf, angekommen bin.

Mo.-Fr.: (morgens/vormittags/mittags)

Da ich im Moment am Vormittag noch einen Sprachkurs besuche, sieht dieser wie folgt aus.

Ich versuche um sechs Uhr aufzustehen, was mir leider nur sehr selten gelingt. Denn es gibt die Möglichkeit, das Morgengebet, die Morgenmeditation beziehungsweise die Morgenmesse zu besuchen. In der Gemeinschaft gibt es außerdem die Möglichkeit das Angelus-Gebet um zwölf Uhr mittags zu besuchen oder abends noch ein Abendgebet. Danach frühstücke ich zusammen mit den Salesianern, die schon wach sind, und dann geht es auch schon in die Schule.  Dazu muss ich 15 Minuten mit der Prager Metro fahren und dann auch noch 15 Minuten laufen. Mein Sprachkurs findet in einer Abteilung der Karls-Universität (älteste Universität Mitteleuropas, 1348 gegründet von Karl dem Vierten) statt, die professionelle Tschechisch-Sprachkurse anbietet. Wenn dieser vorbei ist, werde ich wahrscheinlich auch einen Beitrag diesbezüglich veröffentlichen.

M0./Do.: (nachmittags)

An diesen Tagen arbeite ich im Oratorium, welches unter der Woche immer von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet ist. Da ich von der Schule erst um 14:00 Uhr zurückkommen, darf ich noch in Ruhe etwas essen und mich ein wenig ausruhen. Dann heißt es aber, ab ins Oratorium.

Dort macht mir die Arbeit mit den jungen Menschen (12-18 Jahre) am Meisten Spaß, obwohl ich immer noch Schwierigkeiten mit der Sprache habe. Aber es ist auch wirklich schon etwas besser geworden. Dort stehe ich für all das zur Verfügung, worauf die Kinder gerade Lust haben, soweit es meine Sprachkenntnisse erlauben. Fußball, Tischtennis, Skaten, Verstecken spielen, Brettspiele spielen, Fangen spielen… Mittlerweile habe ich schon Einige lieb gewonnen und ich habe auch das Gefühl, dass sie sich freuen, wenn ich da bin. Außerdem finden sie es nach wie vor lustig, wenn ich spreche, weil ich noch kein richtiges tschechisch kann. Aber ich lass ihnen den Spaß und probiere soweit es geht mit ihnen auf tschechisch zu sprechen, da sie eben leider eigentlich auch kein Englisch verstehen oder sprechen können. Manchmal muss Adam, mein erster Ansprechpartner oder ein anderer Mitarbeiter des Oratoriums vermitteln.

Ritual:

Ein kleines Ritual im Oratorium findet täglich um 17:00 Uhr statt. Es ist ein kleiner Impuls, genannt „Slůvko“, was so viel bedeutet wie kleines Wort. Es wird immer eine kleine Geschichte erzählt. Dabei hören die Besucher des Oratoriums meistens dann doch recht interessiert zu, weil sie auch mit einbezogen werden. Mir wird die ganze Geschichte danach dann auch noch übersetzt. Wenn es die Sprachkenntnisse zulassen, werde ich wohl auch bald ein „Slůvko“ erzählen dürfen.

Wenn alle Kinder dann pünktlich um sechs Uhr nach Hause gehen, findet die Evaluation des Tages statt. Bei dieser sitze ich leider im Moment noch recht hilflos daneben aber ich werde auch mit einbezogen, wenn die Mitarbeiter des Oratoriums mitbekommen haben, was die Kinder zusammen mit mir gemacht haben. Auch sie denken, dass es einige freut, dass ich da bin. Das höre ich natürlich gerne. Es wird wirklich jeden Tag schriftlich festgehalten, was die Einzelnen Kinder heute getan haben, wie sie sich verhalten haben und was die Mitarbeiter über ihre Entwicklung denken. Das finde ich wirklich bemerkenswert und sehr gut. Denn einige, die ins Oratorium kommen, sind in der Schule eher Außenseiter oder können nicht nach Hause gehen, da ihre Eltern arbeiten müssen.

Di./Fr.: (nachmittags)

An diesen beiden Nachmittagen arbeite ich nach dem Mittagessen im Moment im Büro von SADBA. Einmal im Monat werde ich jedoch am Freitag schon auf ein Cagliero-Wochenende gehen. Dort helfe ich so gut bei allem, worum mich Klára, Pavel oder Gambi beten. Sei es zur Post gehen und Briefe verschicken, etwas für ein Cagliero-Wochenende vorbereiten oder im Haus ein Paar Pinnwände für die Auslandsfreiwilligen neugestalten. Diese Arbeit ist interessanter als es klingt. Ich lerne viel über die Freiwilligen und deren tun, steigere meine Kreativität und kann meine Kollegen ein wenig entlasten.

Kláras´ „TO-DO“-Liste

Mi.: (nachmittags)

Mittwochs begleite ich nach dem Mittagessen mit einer Mitarbeiterin des Jugendzentrums eine Klettergruppe mit Kindern von ungefähr fünf Jahren. Dabei geht es nicht nur das Klettern, sondern auch darum, die Motorik der Kinder und deren körperliche Stabilität zu fördern. Ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie voll von Energie diese kleinen Racker doch immer wieder sind. Das steckt mich dann immer total an und ich spiele bei fast allem mit, und versuche so gut zu unterstützen, wie es eben die gering vorhandenen Sprachkenntnisse zulassen.

Danach bereite ich dann wie so oft auf die letzte Minute hin, den Unterricht für meinen Deutsch-Kommunikationskurs für Schüler und Studenten (16-24 Jahre) vor, der sich in zwei Gruppen unterteilt, die ich begleite. Anfänger und Fortgeschrittene. Und ich muss sagen, obwohl ich immer recht aufgeregt vor dem Unterricht bin, war er bis jetzt dann immer ganz gut und ich hatte auch Spaß daran. Diese Kurse zeigen mir dann einmal mehr, wie schön ich die deutsche Sprache finde und sie erinnern mich daran, dass Deutschland einmal das Land der Dichter und Denker war und hoffe, dass das vielleicht in Zukunft auch wieder so wird. Heute ging es zum Beispiel um das Thema „Reisen“. Anlässlich dieses Themas habe ich heute mit ihnen „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gespielt. Noch sind meine Schüler noch etwas schüchtern, aber ich denke das entwickelt sich bestimmt im Laufe des Jahres.

Fazit:

Durch diesen Beitrag wollte ich euch näherbringen, wie mein Arbeitsalltag aussieht und ich kann euch sagen, dass er mich persönlich sehr fordert aber mir inzwischen auch ganz gut gefällt. Denn er ist mit seinen vielen Facetten doch schon sehr abwechslungsreich. Genauso wie Don Bosco war. Denn auch er war in seinem Handeln sehr flexibel und sein Tätigkeitsfeld war breit gefächert. Ich bin auf jeden Fall froh mit und für junge Menschen im Geiste Don Boscos arbeiten zu können und hoffe, dass das dann mit besseren Sprachkenntnissen nochmal besser wird.

In meinem nächsten Beitrag werde ich euch verraten, was ich in Tschechien oder Prag am Wochenende mache und vor Allem, wie ich diese wunderschöne Stadt versuche zu erkunden.

Vielen Dank dafür, dass du meine Seite besucht hast und bis bald,

liebe Grüße

TOBI