Heute möchte ich zur Abwechslung mal nicht von einem bestimmten Thema oder Aspekt meines Abenteuers Freiwilligendienst erzählen, sondern ganz schnöde und chronologisch von den Ereignissen der vergangenen Festtage.

Dazu muss ich zunächst einmal sagen, dass die gesamten vier Wochen des Advent, der Warmlaufzeit für Weihnachten, überhaupt keine festliche Stimmung in mir aufkommen hatten lassen. Warum? Ganz einfach, für mich ist Weinachten kalt. Vor dem Kamin sitzen und Kakao trinken während draußen die Temperaturen gegen null fallen, dick mit Mütze und Schal vermummt durch die Straßen laufen und beim Ausatmen zur Wolkenfabrik werden- das ist die Atmosphäre, in der ich in Weihnachtsstimmung komme. Hier hingegen lief ich den gesamten Advent über in Flipflops und kurzer Hose rum, spielte draußen bis abends Volleyball und genoss bei Gelegenheit weit lieber ein kaltes Wasser als einen heißen Kakao.
Dementsprechend war ich, so absurd das auch klingen mag, tatsächlich ein bisschen überraschat als es dann am 24. so weit war und der heilige Abend in Afrika von einem abstrakten Ereignis in der Zukunft zum konkreten Abendprogramm wurde. Den Tag verbrachte ich damit, mit Simon und einigen anderen die Kirche zu schmücken- ich werde versuchen, auch einige Bilder vom Endergebnis hochzuladen. Um es mit Worten zu beschreiben kann ich aber auf jeden Fall sagen, dass die allgemeine Buntheit an Weihnachten ihren wunderschönen Höhepunkt findet. Es gab in der Kirche kaum eine freie Stelle an der Wand oder sonst wo, die nicht farbig ausgeschmückt gewesen wäre und die (selbstgemachte) Krippe glich, bitte nicht falsch verstehen, eher einem Wagen im Rosenmontagszug als dem was ich so kenne. Ich persönlich fand es super, bei den Vorbereitungen mitzuhelfen, allerdings ist mir dabei einmal mehr aufgefallen wie hilfreich die doch so oft als lästig und überflüssig abgetane deutsche Organisation sein kann. Alles in allem wurde nämlich am Weihnachtstag selbst gegen Mittag angefangen darüber nachzudenken, was man denn am Abend essen würde und wie man denn jetzt innerhalb von wenigen Stunden eine Krippe organisieren könne, wurde doch vor wenigen Minuten festgestellt dass es die von letztem Jahr schon seit Monaten nicht mehr gab. Aber irgendwie, mit ugandischem Improvisationstalent und Kreativität, wurden wir dann doch noch einigermaßen rechtzeitig zum Nachmittag fertig.


Das war, wie mir im Nachhinein bewusst wurde, auch gut so denn schon stand der nächste Programmpunkt an: Karneval feiern! Wie, ist der jetzt vollkommen übergeschnappt? Halluziniert er schon vor Heimweh? Nein, tue ich nicht. Wir haben, aus salesianischer Tradition heraus, einen der Pickups mit Tannen- und Palmzweigen geschmückt und einen der Novizen mithilfe meines Strohhuts, weißer Farbe und einem Priestergewand zum „Father Christmas“ verwandelt (das eigentliche Kostüm, nach dem man eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrt zu suchen begonnen hatte, war nämlich spurlos verschwunden). Mit ihm, einer Menge Bonbons und Simon als Wache für ebendiese auf der Ladefläche, einem anderen Novizen und mir als Wagenengel und der kommunitätseigenen Blaskapelle als Vorhut zogen wir dann von Dutzenden Kindern gefolgt durch den Ort. Und was wir dann machten, brauche ich ja hoffentlich nicht mehr zu erklären, oder? Die Kinder schrien im Chor „Tuagala Sweetie!!“ (übersetzt heißt das so viel wie „Kamelle!!“) und der „Vater Weihnacht“ auf der Ladefläche schmiss, im Takt der Blasmuik tanzend, die Kamelle in die Menge. Wie unglaublich zuhause ich mich während dieser Prozession gefühlt habe, das kann ich euch gar nicht beschreiben. Natürlich hat diese Art Weihnachten zu feiern überhaupt nichts mit dem zu tun was ich vom deustchen Fest kenne, aber dennoch war mir die Atmosphäre und das Verhalten der Leute derart vertraut, dass ich zwischendurch beinahe das Gefühl hatte ich sei in Köln- und etwas schöneres als ’ne Karnevalszoch in Bombo hätte ich mir ja nun wirklich nicht zur Bescherung wünschen können!
Abends dann besuchte ich mit den anderen Bewohnern der Kommunität zusammen die Messe und anschließend gab es ein (spontan am Nachmittag zubereitetes) Festessen zusammen mit den uns benachbarten Nonnen, das in einem ausgelassenen Tanz- und Musikabend endete. Die beiden darauffolgenden Weihnachtstage verliefen relativ unspektakulär und abgesehen von Sondermessen ganz normal.

Vielleicht noch ein paar Worte zu Weihnachten in Uganda allgemein: zumindestens für die ungefähr 50% Christen im Lande ist es, wie bei uns, das größte und wichtigste Familienfest im Jahr. Ebenfalls wie bei uns versammeln sich die Menschen deswegen um die Feiertage rum auf den Dörfern, meistens bei den ältesten Familienitgliedern, und feiern abends mit Messe und einem großen Festessen. Eine Bescherung ist anders als in Deutschland nicht üblich, da in den meisten Fällen das gesamte Ersparte für das bereits erwähnte Festessen ausgegeben wird. So werden wenn überhaupt von den Eltern einige neue Klamotten oder Schuhe an die Kinder verschenkt.

Das anschließende Silvester verlief dann für mich ein bisschen wie die gesamte Weihnachtszeit im Kurzdurchlauf: ich realisierte, weil es allgemein kein besonders großes Thema war, erst nachmittags dass ich grade dabei war die letzten Stunden von 2019 zu erleben. Die letzte dieser Stunden von 11 Uhr bis Mitternacht verbrachte ich dann, Hurraaaaaa, in der Messe. Als ich kurz vorm Jahreswechsel heimlich auf meinem Handy auf 2020 wartete, befanden wir uns gerade irgendwo zwischen Fürbitten und letztem Abendmahl. Als es dann soweit war, hörte ich von der Hauptstraße Bombos her Feuerwerk und Jubel, gratulierte Simon per Handschlag und, das gebe ich offen und ehrlich zu, fragte mich was um alles in der Welt ich eigentlich grade in dieser… wunderschönen Kirche machte. Die übrigen Gläubigen zuckten mit keiner Wimper, lediglich einer der vier die Messe lesenden Priester bemerkte dann gegen 20 Minuten nach 12 beiläufig „so, schreiten wir nun zum letzten letzten Abendmahl in 2019… ach ne, ist ja schon 2020, tja… frohes Neues euch allen“. Naja, ich nehme an, dabei handelte es sich einfach mal wieder um die weltweit berühmte und mir mittlerweile bestens bekannte afrikanische Pünktlichkeit…