Wenn man in Uganda mit einem Freund oder einer Freundin irgendwo entlang oder hingeht, dann hält man Händchen. Und zwar nicht nur so, dass sich die Hände irgendwie leicht berühren, sondern so richtig mit Fingern verschränken, Arme hin und herschaukeln und allem drum und dran. In meinen ersten Wochen hier war es durchaus keine Seltenheit, dass ich durch die Gegend spazierende Freunde für Pärchen gehalten habe und mich wunderte, dass es entgegen meiner Erwartung offenbar kein Problem sei, eine Beziehung in den frühen Teenagerjahren offen zu zeigen. Nun, mittlerweile bin ich aufgeklärt und weiß, dass Hand-um-die-Hüfte-legen, Händchenhalten und Vergleichbares hierzulande vollkommen normal und rein freundschaftlich ist. Und dieses Beispiel für die hier herrschende Nähe und Geselligkeit soll der Einstieg in diesen Blogeintrag sein.


Die Menschen in Uganda, sei es in einem kleinen Dorf mit 40 Einwohnern oder in der Hauptstadt Kampala- leben zusammen. Das klingt zunächst einmal sehr banal, ich weiß, schließlich leben wir in Deutschland ja auch irgendwie zusammen, nebeneinander, parallel zueinander. Aber die Leute hier leben MITeinander.


Ein paar Beispiele. Wenn man in Deutschland kocht, wäscht oder auch grade mal nichts zu tun hat, befindet man sich in den allermeisten Fällen im Haus. Die Haustür ist geschlossen, kein Mensch kann einfach so hereinkommen, die Wäsche wird im Keller oder Garten aufgehangen wo kein Fremder sie sieht. Der Geruch des auf dem Herd stehenden Mittagessens füllt zwar die Küche aus, aber die auf der Straße Vorbeigehenden bekommen davon nichts mit. Selten wird ein Vorbeigehender gegrüßt, angelächelt oder in ein kurzes Schwätzchen verwickelt, kurzum: die Allermeisten kümmern sich um ihren eigenen Kram, sind in Gedanken bei ihrem Programm und in ihrem ganz persönlichen Film- was man ja nicht unbedingt schlecht finden muss. Und natürlich gibt es auch Ausnahmen, so wie zum Beispiel die wunderbare Nachbarschaft in der ich aufgewachsen bin.


Die Ugander leben so ziemlich das Gegenteil. Gewaschen wird in einem Wäschetrog vor dem Haus, gerne auch mit den Nachbarn zusammen. Die Geschäfte, Werkstätten und Restaurants sind alle zur Straße hin offen und das Personal arbeitet meistens auch davor. So sieht man zum Beispiel den Koch einer Imbissbude auf der Straße sitzen und Kartoffeln schälen oder Mechaniker vor ihrer Werkstatt, auf offener Straße, an einem komlett zerlegten Moped rumschrauben. Hausfrauen haben ihre Feuerstellen im Vorgarten und Vorbeigehende witzeln zur Mittagszeit über das Gekochte, loben den Geruch oder wünschen einen Guten Appetit. Jetzt könnte man natürlich sagen dass das, wenn die technische Grundausstattung der Haushalte hier wäre wie in Deutschland, alles auch in Uganda drinnen stattfinden würde. Aber dass die Leute hier, ob jung, alt, Frau oder Mann soviel draußen sind hat einen anderen Grund- sie lieben Gesellschaft. Selbst wenn die Leute nichts zu tun haben, sitzen sie meistens vor der Haustür und quatschen mit jemandem, lachen, hören Musik oder beobachten einfach nur, was so passiert. Auch die Kinder spielen so gut wie nur draußen und bewegen sich frei im Dorf herum, was kein Problem ist da man sich als Familien untereinander kennt und vertraut. Wenn jemand mit oder ohne bestimmten Ziel durch die Straßen läuft und jemanden trifft den er kennt, wird erstmal e bissje verzellt- was unter anderem auch ein Grund dafür ist, dass den Menschen hier Pünktlichkeit schlicht gesagt egal ist. Auch die unterschiedlichen Gangarten, die ich von hier und aus Deutschland kenne passen perfekt ins Bild. Während die meisten Menschen in Deutschland zügig und zielgerichtet durch die Gegend gehen, schlendern die Menschen hier in Flipflops durch die Weltgeschichte und brauchen dementsprechend zum Zurücklegen von kurzen Entfernungen erstaunlich lang. Das sollte man aber bitte auf gar keinen Fall mit Faulheit verwechseln- es ist einfach nur eine andere Mentalität.


Eine andere Sache, die aus diesem Lebenstil resolutiert und mir am Anfang sehr stark aufgefallen ist ist die Lautstärke. Egal ob dienstagnachmittags um fünf oder sonntagmorgens um sieben- man hört immer irgendwas. Immer spielt irgendwo eine Musikkapelle, aus irgendeiner Lautsprecheranlage predigt jemand das Wort seines Gottes (oder das, was er daraus macht) oder jemand meint, mit seiner Dancehall-Musik ganz Ostafrika beglücken zu können. Überall hört man die Leute quatschen, lachen und arbeiten und das verleiht dem Leben hier eine super lebendige und lebensfrohe Atmosphäre (allerdings würde ich dass, wenn ich sonntagmorgens um sieben vom neuesten Afropop-Hit geweckt werde, etwas anders ausdrücken).
Die Art und Weise, wie hier gelebt wird, ist einfach irgendwie freier und offenherziger. Die Menschen sind kontaktfreudiger, gesprächiger und oft auch geselliger. Alles findet zusammen in Gemeinschaft statt. Ob man für diese Lebensart der Typ ist, ist natürlich eine andere Frage. Ich für meinen Teil kann an beiden Lebensarten positive Dinge finden. Trotzdem ist es eine lustige und schöne Vorstellung wie es wäre, wenn auch die Köche der Restaurants in Deutschland auf der Straße Gemüse schnibbeln würden oder es Wasch(maschinen)treffs unter Nachbarn gäbe.


Muberee Bulungi / Macht et joot!