Rauchschwaden hängen in der Luft. Es wird geschunkelt, gelacht, getanzt. Die Leute schreien vor Vergnügen, springen, klatschen, schnippsen und winken mit dem Armen im Takt der Musik.
Nein, ich möchte euch heute nicht von meinem ersten Besuch in einer ugandischen Kneipe erzählen- der verlief weitaus ruhiger. Ich spreche von einer ganz normalen Morgenmesse. Was man an Ausgelassenheit und Feierlaune hierzulande morgens um 6:45 (!!!) in der Gottesandacht findet kann durchaus mit der Stimmung an Karneval in Kölle konkurrieren. Ehrlich gesagt war das für mich und ich denke auch für Simon am Anfang komplett neu und wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, im Takt des Kirchenchors zu springen oder zu tanzen. Aber mittlerweile schätze ich diese Art der Messe wirklich wert und kann mir kaum noch vorstellen wie langweilig es doch sein muss, in Deutschland stumm auf den Bänken zu sitzen und zuzuhören. Viel zu sehr würde mir die Freude und das Gemeinschaftsgefühl fehlen, das hier in einer Messe aufkommt. Man bekommt wirklich den Eindruck, dass die Leute hier sich darüber freuen ihren Glauben ausleben zu können und ihn mit anderen Menschen zu teilen.
Das ist nämlich noch ein weiterer Punkt- zum einen ist die Messe hier natürlich in erster Linie eine Gottesandacht bei der es grundsätzlich darum geht im Gebet, Abendmahl etc. in eine Kommunikation mit Gott zu treten. Dieser Teil der Messe ist das, was wir auch aus Deutschland kennen. Hier ist der Gottesdienst aber noch mehr als das. Er ist ein gesellschaftliches Ereignis, ein Zusammenkommen, bei dem sich Nachbarn und Freunde treffen und gemeinsam etwas feiern. Den Vätern, die die sie halten, dient der Gottesdienst auch als Sprachrohr. Ob es eine mahnender Vortrag über Prügeleien, eine motivierende Ansprache angesichts der anstehenden Abschlussprüfungen oder auch einfach nur eine lustige Anekdote für zwischendurch ist- in der Predigt oder oft auch zwischen Abendgebet und finalem Segen findet so etwas immer Zeit und wird von den Schülern und anderen Besuchern der Messe freudig aufgenommen. Oft wird in die Reden auch eine Interaktion mit den Zuhörern eingebaut, der Priester stellt also Fragen, die dann im Chor beantwortet werden oder fordert den Hörer dazu auf, seinem Nachbarn dafür zu danken dass er da ist und mit ihm den Gottesdienst feiert.
Diese Bandbreite an Programmpunkten, die hier fester Bestandteil eines Kirchenbesuches sind, erklären auch deren Länge. Während die erste Morgenmesse nur 45 Minuten dauert, bewegen sich die Schülermessen zwischen anderthalb und zweieinhalb Stunden. Auch die Sonntagsmessen, von denen es zwei morgens und eine abends gibt, sind ähnlich lang. Das hat allerdings nicht zur Folge, dass die Reihen der Kirchenbänke spärlich besetzt wären- im Gegenteil müssen jeden Sonntag zusätzliche Stühle rangeschafft werden und trotzdem gibt es immer einen Rest an Leuten, die stehen bleiben müssen.
Diese wundervolle, lebensfrohe Atmosphäre die in den Messen entsteht wird noch untermalt von der Gestaltung der Kirche. Alles ist irgendwie farbenfroher als in Deutschland- sei es das hellblaue Kreuz, die knallgrünen Gewänder der Priester und Messdiener oder die bunten Wimpelketten und Fähnchen, mit denen das Kirchenschiff regelmäßig ausgeschmückt wird.
Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, kann man sagen dass der Ausdruck „Gottesdienst feiern“ hier eine ganz neue Bedeutung bekommt bzw. das was eigentlich dahintersteht- nämlich etwas zu feiern und nicht in Schulklassenmanier Bibelversen zu lauschen- hier Realität ist. Damit möchte ich auf keinen Fall die Art und Weise in der in Deutschland Messe gefeiert wird abwerten. Die einen leben ihren Glauben so aus und die anderen so- jedem Jeck sing Messe. Aber ich für meinen Teil bin froh das hier kennenzulernen und weiß, welche Art des Gottesdienstes ich bevorzuge…