Tim jeiht noh Ujanda

Hätzlich Willkumme /Tuba sanyukidde auf meinem Blog!

die abenteuerlichste Routine der Welt

Nun bin ich seit einem Monat hier- unglaublich wie schnell die Zeit verfliegt- und langsam aber sicher richtet sich ein Alltag ein. An vier Tagen in der Woche unterrichten Simon und ich Sport in der Grundschule- eine große Herausforderung, da weder er noch ich Erfahrung mit so etwas haben und die Klassen aus circa 100 Schülern bestehen. Mittlerweile haben wir jedoch eine gewisse Übung und Routine und die Anarchie, die zu Beginn während unserer Stunden herrschte, verflüchtigt sich langsam.

Abgesehen vom Unterrichten sind wir vormittags manchmal dafür zuständig, die Fathers irgendwohin zu fahren. Auch das ist dank Linksverkehr und den chaotischen Gepflogenheiten des ugandischen Straßenverkehrs (VORfahrt heißt im wahrsten Sinne des Wortes wer vor dem anderen fährt hat eben Glück gehabt uund der andere muss eben warten) etwas gewöhnugsbedürftig, macht aber gleichzeitig auch Riesenspaß. Allerdings befürchte ich schon jetzt, dass ich bei meiner Rückkehr eine ernstzunehmende Gefahr für den so geordneten und ruhigen Verkehr in Deutschland darstellen werde…
Wenn ich nichts anderes zu tun habe, gehe ich entweder beim Kochen in der Großküche helfen (dazu ein andermal mehr) oder verbringe die Zeit in der Schreinerei des Ausbildungszentrums (VTC). Zwar wundern sich manche Beobachter, wenn sie mich unter einer Bank auf dem dreckigen Fußboden liegen sehen, wo ich eine Schraube festziehe und ich muss manchmal leider wirklich hartnäckig darauf bestehen wie alle anderen auch die langweilige oder anstrengende Arbeit machen zu dürfen. Nichsdestotrotz wurde ich super freundlich empfangen und bin froh über die Möglichkeit, teilhaben zu können. Dasselbe gilt auch für die anderen Abteilungen des VTC wie beispielsweise die Metallwerkstatt oder den Maurerlehrgang. Unsere Nachmittage verbringen wir meistens mit den Jugendlichen der Secondary School und des VTCs, mit denen wir Volley- und Basketball spielen.
An den Wochenenden fahre ich, wenn sonst nichts ansteht, samstags immer mit zur Kasawaernte. Die essbaren Wurzeln dieses Baumes müssen ausgegraben werden und da die Felder meistens ziemlich zugewuchert sind, schaufelt und hackt man sich meistens quasi erst den Weg zum Baum und dann erst die Wurzel frei. Ich mache das freiwillig und mir macht das einmal in der Woche echt Spaß, aber da ich jetzt auch weiß wie anstrengend es ist bei dem Wetter und der Luftfeuchtigkeit hier zu arbeiten, habe ich umso mehr Respekt vor den Leuten die hier jeden Tag auf den Feldern schuften.
Samstag- und Sonntagnachmittag sind Simon und ich für die Gestaltung des Oratoriums zuständig, wir organisieren also eine Art freie Spielzeit für die Kinder. Auch hier war bzw. ist es eine Herausforderung, das grundsätzlich vorhandene Chaos einzudämmen und dafür zu sorgen, dass z.B. das eingeführte Pfandsystem funktioniert, Flummis nicht mit Kaugummmi verwechselt werden, die Gesichtsfarbe nicht zum Verschönern der Tische eingesetzt wird und so weiter. Obwohl uns es wwohl noch ein bisschen Kraft und Zeit kosten wird, das alles einigermaßen souverän über die Bühne zu bringen, lernen wir mit jedem Wochenendnachmittag dazu und der Spruch „learning by doing“ bewährt sich von Mal zu Mal mehr.
Abgesehen davon bleibt noch zu erwähnen, dass ein weiterer fester Bestandteil meines Alltags die Messen und Gebet sind. Die Morgenmessen beginnen hier Montag bis Donnerstag um 6.45 und Freitag bis Sonntag um 8.30. Die Dauer hängt stark von der Messe ab, wochentags liegt sie meist zwischen einer und anderthalb Stunden und Sonntags verbringt man zwischen zwei und zweieinhalb Stunden in der Kirche. Dazu kommen noch die Abendgebete und der Rosenkrantz, die in dieser Reihenfolge jeden Abend vor dem Abendessen von 19.30 bis 20.15 stattfinden. Obwohl Simon und ich nicht an allen Messen und Gebeten teilnehmen stellen diese einen festen Bestandteil unserer Alltags dar.
Natürlich wird unsere Routine, die sich grade ein wenig einpendelt, ständig von unerwarteten Ereignissen unterbrochen- seien es Besuche anderer Gemeinden, Ausflüge, Sportwettbewerbe oder das spontane Teilnehmen an zweistündigen Messen auf Luganda, aber trotzdem kann euch diese Beschreibung vielleicht einen Eindruck von meinem dem in Deutschland so wenig ähnelnden Alltag hier in Bombo verschaffen.
Leider ist das Hochladen von Bildern bisher an der Internetverbindung gescheitert, ich werde es aber zusammen mit diesem Blogeintrag nochmal versuchen.
Muweereh Bulungi!
Euer Tim

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von Ausgelassenheit und Lebensfreude

  1. Avatar

    Das klingt sehr spannend! Ihr erlebt bestimmt ganz tolle Sachen, die dir in Deutschland nicht mal in den Sinn gekommen wären. Und sieh das Autofahren als Übung, weil so verlernst du es immerhin nicht 😉
    Freu mich schon auf die Bilder! Liebe Grüße aus dem Kosovo, Vroni 🙂

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