Timo in Togo

Mein Jahr in Westafrika

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Meine Mutter in Togo

Hallo liebe Leser,

wenn ihr Euch nach meinem letzten Grusel-Artikel immer noch auf meinen Blog traut, dann seid ihr wirklich treu!

Dieser Eintrag ist fast vollständig meiner Mutter gewidmet. Er soll leicht zu lesen sein, weswegen er diesmal weniger Text, aber ganz viele Bilder enthält.

Pfannkuchen

Schon lange hatte ich es den Kindern versprochen: “Wenn meine Mutter kommt, machen wir euch ein typisch deutsches Essen.“ Ich hatte mir dabei so etwas wie Bratkartoffeln erhofft, jedoch wäre das sehr arbeitsaufwendig und teuer geworden – denn die Kartoffeln auf dem Markt sind aus Europa importiert.

“Dann halt nur Pfannkuchen mit Nutella“, gab ich klein bei.

Eier, Weizenmehl und Milch. All das ist irgendwie in Togo zu kriegen. Flache Pfannen und Elektroherde sind dagegen selten.

Eier, Weizenmehl und Milch. All das ist irgendwie in Togo zu kriegen. Flache Pfannen und Elektroherde sind dagegen recht selten.

Die präzise Hand eines Herzchirurgen ist erforderlich, um so leckere Pfannkuchen wie die unseren zu erzeugen.

Die Konzentration steht ihm ins Gesicht geschrieben!

Die Konzentration steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Das Treiben hat viele Schaulustige angelockt.

Das Treiben hat viele Schaulustige angelockt.

Die Kinder haben die Pfannekuchen mit Nutella (bzw gefälschtem Nutella-Ersatz) verschlungen. Für mich und meine Mutter blieben leider keine Pfannkuchenfetzen übrig.

Schade, dann muss ich also noch anderthalb Monate auf das deutsche, vitamin- und nährstoffreiche, bissfeste Essen verzichten.

Ataaya!

Bis vor kurzem habe ich es geheim gehalten – doch ich bin jetzt stolzer Besitzer eines Ataaya-Grills.
In Togo wird er hauptsächlich von Fulbe und Muslimen getrunken. Je weiter man in Richtung Sahelzone fährt, desto höher wird auch die Dichte an Ataaya-Trinkern.

Der beste Ataaya südlich der Sahara.

Den besten Ataaya südlich der Sahara gibt’s von nun an im Foyer Immaculée.

Gemütliches Ründchen ums Ataaya-Feuer

Gemütliches Ründchen ums Ataaya-Feuer.

Wir malen im Mädchenfoyer eine große detaillierte Weltkarte an die Wand. Auch dabei konsumieren wir viel Ataaya.

Wir malen im Mädchenfoyer eine große detaillierte Weltkarte an die Wand. Auch dabei konsumieren wir viel Ataaya.

Der Norden

Um meiner Mutter ein bisschen vom Land zu zeigen, hat uns ein Freund in seine Heimatstadt Dapaong eingeladen. Vorerst sind wir aber mit dem Autotaxi nach Cinkassé, die Grenzstadt zu Burkina Faso, gefahren.

Das war unser Autotaxi. Moment mal, wo ist mein Kopf?

Hier sieht man unser Autotaxi. Moment mal, wo ist denn mein Kopf?

Als sich während der Fahrt plötzlich ein Soldat, mit einer AK-47 bewaffnet, 300 Meter vor uns auf die Straße stellte und uns mit ernstem Gesicht signalisierte, dass wir doch bitte anhalten möchten, drückte unser Taxifahrer nochmal ordentlich auf das Gaspedal und raste an dem Beamten vorbei. Der hat aber blöd aus der Wäsche geguckt.
“Dachte der, ich gebe dem jetzt Geld oder was?“

Doch, man kann eine lebende Kuh auf einem Motorrad transportieren!

Doch, man kann eine lebende Kuh auf einem Motorrad transportieren.

Togo hat schöne Ecken.

Togo hat schöne Ecken.

Als wir dann endlich ankamen, mussten wir erstmal frühstücken, um mich hungrigen Jammerlappen ruhig zu stellen. Hiernach kauften wir einen Gürtel für meinen Kumpel, der seinen vergessen hatte und dessen Hose mitten in der Stadt herunter zu rutschen drohte. Daraufhin besichtigten wir die Grenze zu Burkina Faso (das Land des aufrichtigen Menschen)

Ein kleiner ausgetrockneter Schlammfluss stellt die Grenze zwischen Togo und Burkina Faso dar.

Ein kleiner ausgetrockneter Schlammfluss stellt die Grenze zwischen Togo und Burkina dar.

Wenn man noch kein Visum für Burkina Faso hat, kann man es für 92.000 Francs (140 Euro) an der Grenze kaufen. Ich hatte zum Glück schon das wesentlich billigere Entente-Tourismus-Visum aus Lomé, das für Burkina Faso gültig ist. Also habe ich mit meinem Kumpel für wenige Stunden die Grenze überquert.

Natürlich sieht es auf der anderen Seite der Grenze sehr ähnlich aus.

Großartig anders sieht es direkt hinter der Grenze natürlich nicht aus. Der Eindruck, dass es dort schon sandiger und trockener ist als auf der anderen Seite der Mauer, täuscht bestimmt.

Ein burkinischer Esel. Schmeckt bestimmt genau so gut wie ein togoischer.

Ein burkinischer Esel. Muuuh.

In Gesellschaft mit etwa 30 Fliegen haben wir gemütlich ein typisch burkinisches Bier namens Brakina getrunken. Übrigens sollen die Burkinabès die trinkfestesten Menschen Westafrikas sein.

In Gesellschaft von über 30 Fliegen haben wir gemütlich das typisch burkinische Bier namens Brakina getrunken. Übrigens sollen die Burkinabès die trinkfestesten Menschen Westafrikas sein.

Nach dem burkinischen Bier haben wir noch burkinischen Mais geknabbert, burkinisches Schafsfleisch verzehrt, burkinische Datteln gegessen und sind ein bisschen herum gelaufen. Das war es dann aber auch schon fürs Erste mit meiner Burkina-Erfahrung.

Ein Basketballkorb

IMG-20160526-WA0003_resizedDie Koffer meiner Mutter waren bei der Ankunft tonnenschwer befüllt mit deutschen Sachen und auf dem Rückflug bleischwer befüllt mit togoischen Sachen.

Zu den Dingen, die sie nach Togo einführte, gehörte ein wunderschöner, roter und sehr stabiler Basketballkorb.

Nur wo befestigen wir den jetzt? Etwa an einer Wand? Im Foyer gibt es keine Wand, die hoch genug ist. Wir können ja jetzt schlecht noch ein Gestell dafür bauen, oder?

Mein Freund Samuel und seine Flex.

Mein Freund Samuel und seine Flex.

Samuel wusste sofort, wie so ein Ständer zu bauen wäre.

Von Spendengeldern auf Cornelias und mein Privatkonto haben wir eine große Eisenplatte, Schweißelektroden und ein paar Stahlleisten gekauft. In einer Rumpelkammer des Foyers fanden wir weitere große Stahlträger, die wir gut gebrauchen konnten.

Die grelle Flamme des Schweißtrafos hüllt alles in einen romantischen Lichtschein.

Die grelle Flamme des Schweißtrafos zieht regelmäßig neugierige Blicke auf sich. “Nicht reingucken“, schreie ich dann immer den Kindern entgegen.

Ein kleiner Test, ob der Ständer auch gerade ist.

Ein kleiner Test, ob der Ständer auch gerade ist. Das ist ja sauschwer, das Ding!

Jetzt noch schnell zusammen mit Cornelia weiß streichen und ein schwarzes Viereck über den Korb malen. Den NBA-Normen entspricht der Korb natürlich nicht ganz ;)

Jetzt das Ding noch schnell zusammen mit Cornelia weiß streichen und ein schwarzes Viereck über den Korb malen. Den NBA-Normen entspricht das Ganze natürlich nicht 😉

Ab jetzt dann war Teamwork gefragt. Fast alle Jungs halfen mit. Wir hatten eine tolle Mannschaft, in der jeder seine individuelle Aufgabe zu erfüllen hatte:

  • 1 Junge an der Schüppe, um ein Loch zu buddeln (das war ich)
  • 1 Junge an der Spitzhacke, um Steine in diesem Loch zu zertrümmern
  • 2 Jungs, die mit Eimern Sand auf einen Haufen transportieren
  • 3 Jungs, die Kies mit Eimern auf einen anderen Haufen transportieren
  • 2 Jungs, die Eimer mit Wasser holen
  • 2 Jungs, die große Steine sammeln
  • 4 Jungs, die den Basketballkorb-Ständer mit Seilen gerade halten
  • 1 ausgebildeter Junge, der Sand, Kies und Zement zu Beton vermengt
  • 1 Junge, der bockig ist und den anderen nur beleidigt bei der Arbeit zuschaut
Mit vereinten Kräften hievten wir ihn in die Lüfte!

Mit vereinten Kräften hievten wir ihn in die Lüfte!

In vier Tagen sollte der Zement ausgehärtet sein und dann wird der Basketball ausgepackt!

Kinder im Gefängnis

Meine Mutter hatte das große Glück, an Ausflügen teilzunehmen, die zum Ferienprogramm unserer Kinder gehören.

Viele unserer Kinder und Jugendlichen haben ein Problem, das sie vielleicht später einmal in die Bredouille bringen könnte: Sie klauen zu viel. Nicht nur die Seife aus dem Schränkchen eines anderes Kindes verschwindet manchmal, nein, auch Türschlösser werden mit Dietrichen geknackt oder die Geldbörse eines Erziehers verschwindet aus dem Rucksack und taucht auf unerklärliche Weise im gleichen Rucksack ausgeleert wieder auf. Hinter manchen Diebstählen steckt also Professionalität, die die Kinder auf der Straße gelernt haben.

Um unseren Jungs und Mädchen zu zeigen, wohin diese Gier führt, haben wir einen Ausflug in das Zivilgefängnis von Kara organisiert.

Hohe Mauern und Taschenkontrollen begrüßten uns.

Hohe Mauern und Taschenkontrollen begrüßten uns.

Bei den Kontrollen entdeckten die Soldaten häufig auch geklaute Spielzeugautos in den Taschen mancher Jungs.

Wir durften leider keine Fotos machen und auch nur den Trakt für die jugendlichen Gefangenen besichtigen. Den Soldaten nach wäre es im Männerabteil zu gefährlich und vermutlich auch unschön gewesen. Von einem bekannten ehemaligen Gefängnis-Insassen weiß ich, dass sich die erwachsenen Gefangenen mit vielen (über 15 Menschen) eine kleine Zelle teilen. Einmal am Tag gibt es Maniokmehl zu essen.

Von der Jugendzelle war ich doch sehr überrascht – da sich eine togoische Nicht-Regierungs-Organisation (ONG; NGO) namens Creuset-Togo für die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Justizvollzugsanstalten einsetzt, sind die Haftbedingungen einigermaßen gut.

Die vier Häftlinge verfügen über einen kleinen Hof mit Kohlegrill, Toiletten und Duschen. Bereits um 17.30 Uhr werden sie in ihrem Schlafzimmer eingesperrt, in dem sie auf Matten auf dem harten Beton schlafen (Was sich für uns Europäer unmenschlich anhört, ist in Togo ganz normal und auch viele unserer Kinder im Foyer schlafen auf dem Boden). Um 8 Uhr erst wird die Schlafzelle aufgeschlossen und die Jungs können sich weiterhin auch auf dem Hof langweilen. Denn viel Platz und viele Spiele haben sie nicht. Es gibt nur eine Mahlzeit am Tag, die sie selbst zubereiten müssen.

Unsere Kinder haben viele Fragen an die vier Jugendlichen gestellt und zeigten sich sehr interessiert. Die Jungen waren allesamt wegen Diebstahl in Haft und sehr unzufrieden mit ihrer Situation.

Meine Mutter und ihre neuen Freunde

Meine Mutter gibt den Anstoß zum Ferien-Fußballturnier

Meine Mutter gibt den feierlichen Anstoß zum Ferien-Fußballturnier.

Ihre neue Freundin Antoinette, bei wir zum besten Pâte eingeladen wurden, was ich je gegessen hatte.

Ihre neue Freundin Antoinette aus der Nachbarschaft, bei der wir zum besten Pâte eingeladen wurden, was ich je gegessen habe.

Spiele am Samstagmorgen im Foyer Ignace.

Sie hat bei dem Kartenspiel sowieso keine Chance, aber kämpft tapfer bis zum Schluss.

Die herzliche Maman im Foyer Ignace

Das Foyer Ignace hatte kurzzeitig zwei Mamans.

Der Schulweg vom Centre Don Bosco zum Foyer

Der Schulweg vom Centre Don Bosco zum Foyer.

Ich glaube, sie hat ihren Aufenthalt hier in Togo sehr genossen.

Da die Kinder Ferien hatten und viele auch schon zu ihren Verwandten aufgebrochen sind, war das Foyerleben ruhig und meine Arbeitszeiten ließen viele Aktivitäten mit ihr zu.

Zusammen sind wir herumgereist und sie hat meine Freunde kennengelernt. Sie hat mit den Kindern im Foyer gespielt und mit ihnen gegessen. Sie war kurz krank und wurde von Moskitos zerstochen. Sie hat Ataaya, Pâte, Waci, Tchukutu, Awooyo, Din Dinnè, Coco, Téo, Pinou, Gari, Com, Sodabi und vermutlich auch noch ein paar weitere lokale Speisen und Getränke probiert.

Meine Mutter vor ihrem Abflug

Abschied am Flughafen Lomé

Insgesamt war es eine Erfahrung, die kein anderer Tourist in so einer kurzen Zeit machen kann. Die Kinder werden sich ebenfalls lange an die Begegnung erinnern.

Nach drei Wochen mussten wir uns aber vorerst wieder verabschieden, jedoch nicht mehr für ein ganzes Jahr.

Ich bleibe nur noch etwa einen Monat hier in Togo. Dieser Satz lässt mich schon ein wenig nostalgisch werden!

Ich schätze mal, dass es mein vorletzter Blogeintrag aus Togo ist. Der letzte Monat ist nochmal vollgepackt mit Projekten und Erlebnissen. Und ja, dann war es das auch schon mit dem ganzen Timo-in-Togo-Ding.

Liebe Grüße an Euch und bis bald!

Euer Timo in Togo 😉

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Thema von Anders Norén.