Timo in Togo

Mein Jahr in Westafrika

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Der große Markt der kleinen Sklaven

Liebe Leser!

Endlich finde ich mal ein bisschen Zeit und Konzentration zum Blog-Schreiben

Endlich finde ich mal wieder ein bisschen Zeit und Ruhe zum Blog-Schreiben!

Lange liegt meine letzte Veröffentlichung zurück. Und jetzt habe ich auf einen Schlag genug Material für mehrere Blogeinträge. Also lege ich mal los.

Aber Achtung, dieser Artikel enthält Fotos von Tierkadavern und Fetischen der in Westafrika vorherrschenden Naturreligionen. Das könnte vor allem Tierschützern missfallen. Weiterhin beschreibe ich, so genau ich eben kann, die Problematik des Kinderhandels in den Staaten Togo, Benin und Nigeria. Wenn ihr Euch nicht die gute Stimmung verderben wollt, solltet ihr den Abschnitt über die Marktmädchen auslassen.

Erstmal vorweg: Meine Mutter hat sich ganz gut hier in Togo geschlagen! Sie ist durch tiefen schwarzen Schlamm gewatet, hat sich mit sieben weiteren Menschen ein fünfsitziges Taxi geteilt und hat mit Hochgenuss den für die Region typischen Maisbrei (La Pâte) gegessen.

Hier seht ihr das Willkommensteam, mit dem ich meine Mutter am Flughafen empfangen habe!

Hier seht ihr das Willkommensteam, mit dem ich meine Mutter am Flughafen in Lomé empfangen habe!

Am ersten Tag nach ihrer Landung sind wir in Lomé geblieben, um im beninischen Konsulat ein Visum zu beantragen! Für alle Interessierten:

Wenn Ihr ein Touristenvisum im beninischen Kosulat in Lomé (Adresse: hier) beantragen wollt, so ist dies von Montag bis Donnerstag ab 8 Uhr morgens möglich. Die Pässe werden in jedem Fall freitags ab 15 Uhr ausgegeben, nicht früher! Eigentlich ist es unmöglich, freitags ein Visum zu beantragen, für uns wurde hier aber netterweise eine Ausnahme gemacht! Für die Beantragung benötigt Ihr eine beglaubigte Einladung einer Unterkunft in Benin oder eine Reservationsbescheinigung eines Hotels sowie zwei Passfotos und 10.000 Francs CFA (15 Euro). Ab dann ist der Stempel im deutschen Reisepass für 15 Tage gültig. Wahlweise kann man für höhere Preise auch längere Aufenthalte beantragen.

Ouidah!

Wir brauchten für die Beantragung des Touristenvisums eine Buchungsbestätigung, also haben wir ein Hotel am Strand von Ouidah für fünf Tage gebucht, von denen wir aber nur eine Nacht geblieben sind und nach Verhandlungen auch nur eine Nacht bezahlen mussten. Mit dem Autotaxi reisten wir bis ins Zentrum von Ouidah.

Die Straße zu unserem Visa-Hotel war nach schweren Regenfällen stark überschwemmt.

Die Straße zu unserem Visa-Hotel war durch die Regenfälle der Vortage noch etwas feucht.

DSCN8432Beim ersten Mal nahmen wir noch die Piroge (Boot), danach stellten wir aber fest, dass man auch problemlos durch das kniehohe Wasser stelzen konnte.

Im Hotel waren nur wenige Gäste, da die üblichen Touristenströme in der Regenzeit ausbleiben.

In Ouidah lernten wir einen netten jungen Mann kennen, der leider nicht sehr gut Französisch sprach und auch ansonsten etwas verwirrt wirkte. Von ihm ließen wir uns auf abenteuerliche Weise die Stadt zeigen, wobei er uns immer das zeigte, was wir eigentlich nicht sehen wollten und uns souverän um genau die Orte herumgeschifft hat, die wir gerne sehen wollten. Wir folgten ihm trotzdem, denn so war es lustiger.

Als er uns dann aber in sein Haus einladen wollte, habe ich höflich die Notbremse gezogen.

Voodoo und Fetische – Mit der Natur verbunden

In Ouidah haben wir auch kurz einen traditionellen Tanz einer Voodoo-Zeremonie sehen können, aber leider ist es uns nicht gelungen, ihn zu fotografieren. Seit der Voodoo-Kult in Benin als offizielle Staatsreligion anerkannt ist, strömen jedes Jahr tausende Praktizierende aus Togo, Nigeria und Benin als Pilger nach Ouidah. Die Stadt gilt als historische Hauptstadt einer Religion, die vielen nur aus Haiti bekannt ist. Entstanden ist Voodoo aber ganz klar in Westafrika, der Sklavenhandel hat die Kultur dann auch in die Karibik gebracht.

Etwa so sahen die Tänzer aus. Copyright: tripfreakz.com

Wie das Christentum ist auch der Voodoo-Kult eine monotheistische Religion, was bedeutet, dass nur ein Gott verehrt wird. Dieser sogenannte Bondieu (guter Gott) ist für die Menschen nicht direkt ansprechbar, da er als Schöpfer so überaus mächtig ist, dass die Probleme der Menschen – plump gesagt – nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fallen.

Wenn jetzt ein Mensch aber trotzdem mit Bondieu kommunizieren will, muss er sich zunächst an einen Lwa (oft auch Loa genannt) wenden. Diese vermittelnden Geistwesen sind ebenfalls sehr mächtig und jedes einzelne von ihnen hat einen eigenen Charakter und eigene Präferenzen für Opfergaben, die es erhalten will.

Natürlich gibt es in Westafrika nicht nur den Voodoo-Glauben, sondern in jedem Gebiet und Volksstamm eigene Rituale und Naturreligionen, die den Menschen vermutlich schon weit vor dem Christentum und dem Islam Orientierung im Alltag und Erklärung für das Unerklärliche boten. Meist richten sich die Gebete und Rituale an die Ahnengeister. Auf dem Markt der Fetische in Lomé (Togo) kann man neben Naturmedizin, Statuen und Puppen auch einige Voodoo-Fetische kaufen.

Hier sieht man den Opferschrein eines Fetischeurs. Durch Opfer von Zigaretten oder Alkohol kann man Schutz und Kraft erbitten.

Hier sieht man den Opferschrein eines Fetischeurs. Durch Opfer von Zigaretten oder Alkohol kann man Schutz, Gesundheit und Kraft erbitten. In der Plastikflasche links ist Sodabi, der starke Palmschnaps, der in Südtogo hergestellt wird.

Puppen

Die Zwillings-Puppen ersetzen spirituell den Verlust eines Zwillingsbruders oder auch eines Kindes. Durch das Tragen in der Hose wird die geistliche Verbindung für immer erhalten.

KRokos

Viele der Tierkörper und Knochen sind gar keine Fetische, sondern schlicht Naturmedizin. Sie werden zerkleinert, mit Kräutern und Rinden zusammengegeben, mit Öl, Honig oder Alkohol gemischt und nun als Tinktur aufgetragen oder als Lösung getrunken.

DSCN9005Dabei sind jedem Tier bestimmte Eigenschaften zuzuordnen, die den Anwender bereichern können.

Krokodile und Geier machen geduldig, Katzen und Affen erhöhen die Intelligenz, Flughunde und Welse steigern die Potenz, Hasen und Chamäleons machen listig, Singvögel und Papageien verbessern das Aussehen, Hunde sorgen für Wachsamkeit und Schlangen helfen bei Vergiftungen.

Was zwitschert denn da so lieblich?

Das liebliche Zwitschern ist mittlerweile verstummt.

Die Verkäufer, Scharlatane, Marabus und Fetischeure ersetzen traditionell Apotheker und Ärzte. Wir als Europäer, die wir ja fast alle die evidenzbasierte Medizin gewohnt sind, mögen bei dem Anblick der hiesigen Heilprodukte die Nase rümpfen.

Viele Menschen hier misstrauen aber den studierten Ärzten in Krankenhäusern und Praxen, da die Medikamente aus Asien oder Europa sehr viel Geld kosten und trotzdem nicht unbedingt schneller helfen als die äquivalente Heilpflanze aus dem Wald.

Die Tierkadaver und deren Bestandteile halte ich für genau so effektive Placebos wie homöopathische Mittel der Verdünnung D12.

Cotonou und GanviéUnbenannt

Das eigentliches Ziel der Reise war natürlich die wichtigste Wirtschaftsmetropole und einzige Millionenstadt in der Republik Benin. Die Bebauung und der Verkehr sind in Cotonou noch einmal deutlich dichter als in Lomé, weil Cotonou sehr stark in Südrichtung vom Meer und in Nordrichtung vom Nokoué-See eingeeingt ist.

Blick auf die Straße vor dem großen Markt von Dontokpa

Blick auf die Straße vor dem großen Markt von Dantokpa. Taxi-Moto-Fahrer schaffen es so schnell durch dieses hoffnungslose Verkehrsgewimmel wie eine Ameise durch einen Tafelschwamm.

Von Cotonou aus haben wir zwei Ausflüge gemacht und uns mit meinen süddeutschen Kolleginnen, nämlich Vroni und Katharina getroffen. Die beiden machen ihren Bundesfreiwilligendienst in Benin.

Der erste Ausflug führte meine Mutter und mich in ein benachbartes Dorf mit etwa 20.000 Einwohnern, das auf den Namen Ganvié hört. Doch es ist nicht irgendein Dorf, sondern das wahrscheinlich größte auf einem See errichtete Dorf in Afrika. Hier also ein paar Bilder aus dem nassen Ganvié:

Text

Alle Dorfbewohner bewegen sich auf Pirogen fort. Oft sieht man auch Frauen mit Kindern auf dem Rücken oder alte Leute, die weiterhin tüchtig durch die Gegend paddeln.

Durchschnittlich können die Kinder in Ganvié ab vier Jahren schwimmen und tauchen. Das Leben auf dem Wasser zwingt sie zum schnellen Lernen. Mich würde es nicht wundern, wenn diese Amphibienkinder Schwimmhäute und Kiemen hätten. Kinder unter vier können vielleicht wirklich noch nicht schwimmen, aber wenigstens akrobatisch auf den Konstruktionen ihrer Elternhäuser herumklettern.

Weil der Wasserstand der Lagune je nach Niederschlagsmenge häufig wechselt,steht einzelne Haus steht auf Pfählen.

Weil der Wasserstand der Lagune je nach Niederschlagsmenge häufig wechselt, steht jedes einzelne Haus auf hohen Pfählen.

DSCN8459 KopieHaupteinnahmequelle des Dorfes ist, wie ihr vielleicht schon vermutet habt, der Fischfang.  Dabei besitzen die Männer abgesteckte Wassergrundstücke, in denen sie Palmwedel aufstellen, die unter der Oberfläche vermodern und den Fischen als Habitat und Nahrung dienen.

Am nächsten Tag haben wir dann in die Arbeit einer anderen Don-Bosco-Volontärin schauen dürfen. Auch an ihrem Arbeitsplatz muss man Wasser nicht lange suchen. Katharina, deren Blog übrigens sehr lesenswert ist, arbeitet morgens in einer Vorschule. Diese liegt in einem Viertel von Cotonou, das sogar in die Lagune hinaus zu ragen scheint.

Schülchen

Das Klassenzimmer des sogenannten Espace Éveil steht, wie viele Häuser im Quartier Toyoyomey, auf Pfählen.

Innerhalb der Schule befindet sich ein kunterbuntes, gut ausgestattetes Klassenzimmer.

Innerhalb der Schule befindet sich ein kunterbuntes, gut ausgestattetes Klassenzimmer.

Die Mitarbeiter von Don Bosco singen mit den Kindern, spielen und basteln. Lehren sie Buchstaben lesen und Buchstaben schreiben. Bringen ihnen Französisch bei, damit der Einstieg in die richtige Schule problemlos klappt. Denn fast keines der Kinder kann Französisch.

Die Kinder kommen alle aus der benachbarten Bidonville, ihre Muttersprache ist Fon.

So sieht es hinter der Schule aus. Die Schule liegt im Überschwemmungsgebiet.

So sieht es hinter der Schule aus. Die Schule liegt im Überschwemmungsgebiet.

Die Marktmädchen von Dantokpa

Der Markt von Cotonou, der als einer der größten offenen Märkte Westafrikas gilt (nach Kumasi vermutlich der zweitgrößte), ist für Touristen wie uns auf den ersten Blick laut, unübersichtlich, überfordernd und bunt.
Zum Angebot stehen wundersame Speisen der ganzen Region, Äonen von bunten Stoffen und mittlerweile auch viel Ramsch aus China.

Auf den zweiten Blick jedoch, wenn man ganz genau hinsieht, entdeckt man auch sie – die Marktmädchen. Junge Mädchen, teils weit entfernt von der Volljährigkeit. Sie balancieren oft große Teller oder Schüsseln mit Waren auf dem Kopf und wandeln ohne Begleitung auf dem Markt umher.

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Über tausend dieser Kinder sind auf dem ganzen Markt verstreut. Einst wurden sie von ihren eigenen Eltern verkauft. Dabei geben die Kinderhändler als Vorwand an, die Mädchen nach Europa zu bringen oder sie auf eine gute Privatschule zu stecken. Gutgläubig und unwissend akzeptieren die Eltern das – zum Wohle ihres Kindes.

Natürlich erwartet die Mädchen keine Reise nach Europa. Noch nicht mal die Einschulung. Sie werden an Frauen weiterverkauft, denen sie im Haushalt assistieren müssen und für die sie den ganzen Tag schwerste Verkaufsarbeit in Dantokpa leisten müssen. Dabei müssen sie gut verkaufen – wenn sie sich mit zu wenig Geld nach Hause trauen, erwarten sie die Stockschläge ihrer Chefinnen. Die leiblichen Kinder der Chefinnen gehen meist zur Schule und genießen eine gänzlich andere Behandlung als die deplatzierten Mädchen. Auf der lokalen Stammessprache Fon werden die Kinder Vidomegon genannt, was soviel wie “verschlepptes Kind“ bedeutet.

Ihre Lebensbedingungen sind mehr als schwierig:

  • Arbeitszeiten von deutlich über 12 Stunden pro Tag
  • gerade mal eine Grundversorgung an Nahrung
  • keine Schulbildung, keine Alphabetisierung
  • körperliche Misshandlung bei Verlust von Geld oder zu geringen Einnahmen
  • kein Kontakt zu der eigenen Familie
  • keine Zeit zum Spielen

Um dem Problem Herr zu werden, oder zumindest den Kampf gegen die Windmühlen zu beginnen, haben sowohl die Salesianerschwestern als auch die Salesianerbrüder Baracken auf dem Markt errichtet.

In diesem belebten Teil des Marktes wurden die Baracken eröffnet und sind gut besucht.

In diesem belebten Teil des Marktes wurden die Baracken eröffnet und sind gut besucht.

Mit großen Schildern sind die Baracken für Alphabeten gut erkenntlich, aber auch die Zielgruppen werden neugierig.

Mit großen Schildern sind die Baracken für Alphabeten gut erkenntlich, aber auch Analphabeten werden neugierig.

Es gibt zwei Baracken für zwei verschiedene Zielgruppen: das Foyer Don Bosco wird von Straßenjungs besucht, SOS-Vidomegon hingegen von den Marktmädchen.

Es gibt zwei Baracken für zwei verschiedene Zielgruppen: das Foyer Don Bosco wird von Straßenjungs besucht, SOS-Vidomεngɔn hingegen von den Marktmädchen.

Vor der Baracke SOS-Vidomεngɔn sind große Tablette mit Produkten. Die Mädchen stellen sie ab, um den Aktivitäten in der Baracke zu folgen.

Vor der Baracke SOS-Vidomεngɔn sind große Tablette mit Waren. Die Mädchen stellen sie ab, um an den Aktivitäten in der Baracke teilzunehmen.

Die Mitarbeiter der Baracke, darunter auch Vroni und Katharina, bieten den Mädchen tolle Beschäftigungen an – Alphabetisierungskurse, Filmvorführungen, Bastelnachmittage oder auch einfach nur gemeinsame Spiele. Einmal in der Woche kommt sogar eine Schneiderin, die den Mädchen ihr Handwerk näher bringt. Ich hoffe, ich habe alles richtig wiedergegeben, was Vroni mir so auf die Schnelle erklärt hat 😉 .

ThumbnailFür diejenigen, die sich noch tiefergehend mit den Marktmädchen beschäftigen möchten, habe ich einen französischen Dokumentarfilm auf Youtube hochgeladen. Wir wollten ihn damals den Straßenkindern bei der Sensibilisierung vorführen, aber die Zeit reichte nicht ganz. Ihr müsst einfach das Bild anklicken für einen Dokumentarfilm über die Marktmädchen von Cotonou und den Kinderhandel nach Nigeria.

Im Film tauchen noch andere Arten des Kinderhandels auf. Dieser betrifft Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Der Kinderhandel nach Nigeria

Stellt Euch eine Familie auf dem Land vor. In Togo oder Benin. Ein Vater. Drei Mütter. Sechzehn Kinder. Zu wenig Geld, um alle davon zu ernähren. Jetzt stirbt auch noch der Großvater. Die Beerdigung ist teuer, aber unabdingbar.

Das Angebot eines Nachbarn: “Gib mir einen Sohn und eine Tochter. Ich kenne da jemanden. Er lässt die beiden für zwei Jahre bei sich arbeiten. Sie kommen mit einem neuen Haojin-Motorrad und einem Paket voller Wellbleche zurück.“

Der Vater akzeptiert. “Jemand“ kommt, um die Kinder abzuholen. Er hat einen Vertrag dabei. Ein gültiges Geschäft. Der Abschied.

Die Kinder sind in einem großen Lastwagen. Viele andere Kinder sind dazu gekommen. Darunter auch viele Straßenkinder. Sie wurden nicht verkauft, sondern gefangen. Sie überqueren die Grenze nach Nigeria. Der Polizist überprüft den Laster. Er sieht die Kinder. Nimmt unauffällig das Geld des Schmugglers entgegen. Der Laster fährt weiter.

Stundenlang. Die Straße ist schlecht. Manche Kinder weinen. Der Laster hält an. Die Jungen raus und dorthin, die Mädchen bleiben gefälligst sitzen.

Die Jungs kriegen Hämmer mit langen Stielen und zertrümmern Steine. Ein Topf voller Schotter bringt 10 Naira (3 Cent). Am Tag füllt ein Junge etwa vier Töpfe. Ein Tagesverdienst von 40 Naira (12 Cent). Sie bekommen nur Maniokmehl zu Essen. Wer nicht schnell arbeitet, wird geschlagen.

Die Mädchen werden nach Alter und Schönheit sortiert. Die einen werden zu Haushaltssklaven. Die anderen zwingt man zur Prostitution. Im Bordell werden sie krank. Garantiert.

Laut UNICEF sind aktuell etwa 200.000 beninische Kinder Opfer von Versklavung und Verkauf. Die Regierung der Republik Benin hat viele Gesetze gegen den Menschenhandel verabschiedet, aber die Mittel zur Umsetzung fehlen. Die Schmuggler sind sehr gut organisiert und die Behörden oft noch zu korrupt. Benin kooperiert zwar mit Nigeria, damit die Grenze zunehmend sicherer wird, aber die hohe Bestechlichkeit der Soldaten und Polizisten wird  noch lange ein Problem bleiben.

Diese Gründe treiben Eltern dazu, ihre eigenen Kinder zu verkaufen:

  • Armut, Sorge um schwächere Kinder
  • schlechte Ernten
  • kostspielige Zwischenfälle (Beerdigungen etc.)
  • Polygamie (und dadurch zu viele Kinder)
  • materialistische Gier

Natürlich kriege ich hier in Nordtogo nicht ansatzweise so viel von dem Thema mit wie meine Kolleginnen in Cotonou. Die größte Stadt von Benin ist nämlich der Hauptknotenpunkt des Menschenhandels in Westafrika.

In meinem letzten Beitrag habe ich euch darüber berichtet, dass am Markt die Leute dachten, wir stehlen Kinder. Jetzt weiß ich auch warum. Was sich unvorstellbar anhört, hat hier eine Geschichte, die in das 16. Jahrhundert zurück reicht.
Vor einigen Tagen kam es in einer unserer Espace Éveils zu dem Fall. Eine Frau ist am Ende des Unterrichts gekommen, um „ihr“ Kind abzuholen. Problem dabei war, es war gar nicht ihr Kind – sie wollte den Jungen stehlen. Glücklicherweise kennen die Tatas (Erzieher) die Eltern der Kinder. Von daher wusste man, noch bevor die Frau mit dem Kind fliehen konnte, was Sache ist. Auch als die richtigen Eltern kamen, lies sich die Frau nicht davon abhalten, das Kind als das ihre zu bezeichnen. Sie beschimpfte die Eltern als Lügner und wollte gegen den Willen des Kindes mit ihm fliehen. Inzwischen hatte die Lehrerin die Polizei gerufen, welche die Frau mitgenommen hat. Jetzt ist sie im Gefängnis.

Leider gehen solche Vorfälle nicht immer gut aus. Gerade zum Ende des Jahres, wenn die Menschen Geld brauchen, ist der Kinderhandel eine Methode, um an Geld zu kommen. Nach Angaben der Zeitung „die Zeit“ sind es bis zu 50.000 Kinder im Jahr, die verkauft werden. Die Gangs klauen Kinder, fordern manchmal noch Lösegeld, geben das Kind allerdings nie zurück. Sie fordern immer mehr. Letztendlich verkaufen sie die Kinder oder töten sie sofort und verkaufen die Körperteile nach Nigeria. Meistens kommen die Händler selbst aus Nigeria. Hier interessiert sich niemand für das Wohlergehen der Kinder aus dem Nachbarland. Die Jungen werden zu Haussklaven oder müssen auf Steinbrüchen oder Feldern arbeiten. Mädchen hingegen landen meistens in Bordellen und werden sogar nach Europa geschmuggelt. Diese Brutalität ist unfassbar, aber harte Realität.

Zitat von Vronis Blog, den ihr euch unbedingt mal anschauen solltet!

Bis zum nächsten Mal!

Wieder so ein Blogeintrag, der viele weggeekelt hat und der den anderen zu traurig war. Aber naja, manche Leser freuen sich ja vielleicht auch über einen Gesamteindruck meiner Erfahrungen.

Afrika – der Kontinent der Safaris, Savannen, Elefanten, Giraffen, Büffel und Trommeln.

Westafrika – die Region zwischen Ebola und Boko Haram.

Ganz so einfach ist es nämlich nicht – und das versuche ich Euch zu zeigen. Liebe Grüße an Euch alle, der nächste Blogeintrag wird bestimmt wieder fröhlich 😉 ,

Euer Timo aus Togo

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Thema von Anders Norén.