Timo in Togo

Mein Jahr in Westafrika

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Frère Timo auf Reisen

Hallo Ihr! Ich bin’s!

Ich habe doch versprochen, möglichst schnell vom Rest meiner kleinen Reise nach dem Zwischenseminar zu erzählen. Der nächste Blogeintrag (nach diesem hier) dreht sich dann wieder ganz um Kara, das Foyer und die Kinder!

Von Accra nach Kumasi

Die Reise von Großstadt zu Großstadt verläuft in Ghana unkompliziert und nach Fixpreisen. So also fuhren wir in einem klimatisierten Reisebus von Accra in die Hauptstadt der Ashanti-Region. Auf dem Weg dahin durchquerten wir eine tolle grüne Landschaft mit vielen Bergen und Hügeln. Es hätte so schön sein können, wenn die hohen künstlichen Bodenwellen in jedem Dorf und der Créme-Verkäufer nicht gewesen wären. Ja, auch auf dieser Fahrt gab es wieder den spannenden Vortrag eines Verkäufers. Der Mann war anscheinend resistent gegen die erdbebenähnlichen Erschütterungen des Busses und warb unermüdlich für sein Produkt. Seine Heilsalbe half natürlich auch ausnahmslos gegen alles, was den Menschen plagt. Die laute Metalmusik aus Kopfhörern in meinen Ohren konnte seine Parole nicht übertönen.

Nach eineinhalb Stunden des gespannten Zuhörens bin ich eingeschlafen. Der Schlaf war nicht sonderlich tief und hat nur etwa eine Stunde gedauert, in der ich durchgehend mit dem Kopf gegen die vibrierende Scheibe gelehnt auf die nächste Bodenwelle wartete. Abrupt war ich wieder wach, als der hochmotivierte Salbenexperte mir einen Flyer in die Hand drückte.

Kumasi Der Agglomerationsraum Kumasi beherbergt etwas mehr als 2,5 Millionen Menschen, von denen gefühlt die Hälfte auf dem Markt zu arbeiten scheint.

Zu Besuch auf dem größten Markt Westafrikas, nämlich in Kumasi.

Zu Besuch auf dem größten Markt Westafrikas, nämlich in Kumasi.

Kumasi ist die wichtigste Metropole im Zentrum von Ghana und Kulturhauptstadt der Ashanti.

Kumasi ist die wichtigste Metropole im Zentrum von Ghana und Kulturhauptstadt der Ashanti. Praktisch die ganze Stadt besteht aus einem Markt!

Nachdem wir eine Nacht in Kumasi verbracht hatten, ging es am nächsten Tag noch schnell ein weiteres Mal auf den Markt. Dort ist es eng, unübersichtlich wie in einem Labyrinth und zu allem Überfluss voller Menschen, Motorräder und Autos. Gegen Mittag haben wir dann nach langer Suche ein Dro-Dro gefunden, das uns an den Lake Busumtwi bringen sollte.

Der Lake Busumtwi ist ein Meteoritenkrater und bis zu 75 Meter tief.

Der Lake Busumtwi ist ein Meteoritenkrater. Er hat einen Durchmesser von etwa 6 Kilometern und ist bis zu 75 Meter tief. Er ist ausschließlich mit Regenwasser gefüllt und sehr fischreich. Die Fischer können bis zu 15 Meter tief tauchen und… ähh.. mehr Fakten habe ich jetzt nicht im Kopf.

Er ändert seinen Wasserspiegel im Laufe der Jahre stark. Sehr weit vom Ufer entfernt steht ein alter Baum im Wasser, zu dem wir mit einem kleinen ''Boot'' gepaddelt sind. Das Boot bestand aus einem Stück Holz und es war für uns unmöglich, das Gleichgewicht darauf zu halten. Aber bäuchlings taugte es etwas.

Der See ändert seinen Wasserspiegel im Laufe der Jahre stark. Sehr weit vom Ufer entfernt steht ein alter Baum im Wasser, zu dem wir mit einem kleinen “Boot“ gepaddelt sind. Das Boot bestand aus einem Stück Holz und es war für uns unmöglich, sitzend das Gleichgewicht darauf zu halten. Aber bäuchlings funktionierte es einigermaßen.

Hier haben wir sogar zwei Nächte verbracht und es hat uns gut gefallen, aber dann entschieden sich Cornelia und ich dafür, wieder ins schöne Togo (oder heißt es “in den schönen Togo“?) zurückzukehren.

Von Kumasi nach Lomé

Also wurde ein Tag dafür investiert, ein Taxi bis Kumasi zu finden, dort einen Bus nach Accra zu nehmen und dort wiederum in ein Dro-Dro nach Lomé einzusteigen. Die letzte Fahrt stellte sich als die interessanteste heraus, da wir bis zur Dunkelheit im Verkehrschaos von Accra festhingen, einen gigantischen Flughundeschwarm (mit geschätzt 10.000 Individuen) beobachten konnten und sich der Fahrer fast mit einem provokanten Fahrgast geprügelt hätte, nachdem er zum Gaffen bei einem schweren Unfall angehalten hat. Die Polizei musste den Streit schlichten.

So kamen wir natürlich zu spät zur Grenze, die schon lange geschlossen war. Der Fahrer kutschierte uns dann netterweise zu einem Hotel, das alle verzweifelten Reisenden auffängt, die es nicht pünktlich zur Grenze schaffen.

Am nächsten Morgen kämpften wir uns wieder durch die ghanaische Bürokratie und mussten alle schon bekannten Formulare noch einmal ausfüllen.

Am nächsten Morgen kämpften wir uns wieder durch die ghanaische Bürokratie und mussten alle schon bekannten Formulare noch einmal ausfüllen. Dann konnten wir durch diesen etwas protzigen Torbogen Ghana verlassen.

Jetzt kam die eigentliche Herausforderung. Zumindest hatte ich mit Schwierigkeiten gerechnet. Wir hatten nämlich gar kein Visum mehr für Togo. Aber hier stellte ich ein weiteres Mal fest, das Togo klasse ist!

Eigentlich hättet ihr in Accra bei der Botschaft ein Visum beantragen müssen. Aber weil ihr nett seid und Kabiyè sprecht, geben wir euch auch hier an der Grenze ein Visum. Das kostet 10.000 Francs (15 Euro) und ist für eine Woche gültig. In Kara könnt ihr es dann kostenlos verlängern.

Glück gehabt, dass der Grenzbeamte ein Kabiyèdo war. Mit ihm und seinen Kollegen haben wir uns knapp eine Stunde lang unterhalten und währenddessen Formulare ausgefüllt.

Ich will nicht verallgemeinern, dass Togoer netter sind als Ghanaer, aber in Lomé kam es mir ein bisschen so vor. Selbst an der Wechselbude wurde mir ein vernünftiger Kurs angeboten, auf dem Markt wird man nicht festgehalten, die Leute grüßen einen wieder häufiger und mit den Taxi-Moto-Fahrern kann man lachend verhandeln. Vielleicht kenne ich auch nur die falschen Ecken von Ghana.

Von Lomé nach Kpalimé

Nach dem Frühstück stiegen wir in ein Autotaxi ein. Der Preis war vernünftig und es erschien uns sehr komfortabel. Was wir nicht wussten: Wir warteten noch auf zwei kräftige Mitfahrerinnen. Ich saß mit einer der beiden Frauen vorne, wobei sie auf dem Sitz und ich auf der Handbremse saß. Hinten bei Cornelia sah es nur geringfügig bequemer aus, denn sie saß neben drei Personen und einem Kind auf der Rückbank des Kleinwagens. Das ergibt sieben Personen plus Fahrer. Der Kofferraum blieb offen, da er durch das viele Gepäck nicht geschlossen werden konnte. Mein Bein tat weh – ich musste es dauerhaft leicht anheben, da es sonst den Schalthelbel bewegt hätte. Mein Steißbein auf dem Handbremsenhebel war vor lauter Schmerzen irgendwann taub. Während der etwa zweistündigen Fahrt habe ich es geschafft, ein paar Koranverse zu lesen.

Unser Ziel war die Touristenhochburg Kpalimé, bekannt für ihre tolle Landschaft und die vielen Wasserfälle. Auch der letzte natürliche Regenwald Togos ist in der Nähe.

Ich, auf dem höchsten Berg Togos: Mont Agou, 986 Meter

Hier bin ich auf dem höchsten Gipfel Togos: Mont Agou, 986 Meter über Normalnull.

Hier habe ich einen verbrannten Nacken und schütze mich mit einem provisorischen Hut vor der Sonne.

Hier habe ich einen verbrannten Nacken und schütze mich mit einem provisorischen Hut vor der Sonne.

Hier stehe ich mit unseren beiden kleinen Bergführern vor einem Termitenbau.

Zwei kleine Mädchen und ich vor einem Termitenbau.

Auf diesem Bild stehe ich vor einem Wasserfall.

Auf diesem Bild stehe ich bei einem Wasserfall. (Falls ihr das nicht selbst erkannt habt)

Wir haben ein Schlange gefunden.

Oma, guck bitte weg: Wir haben eine Schlange gefunden. Keine Angst, sie ist schon tot.

Kpalimé ist ein schöner Ort und es gibt viel zu sehen, allerdings weiß das auch die einheimische Bevölkerung und kennt daher viele Tricks, mit denen man an Touristen Geld verdienen kann.

Von Kpalimé nach Kara

In Togo nennt man sie nicht mehr Dro-Dros, aber sie sind das Gleiche in grün: die Kleinbus-Taxis. Die Fahrt sollte sich als die chaotischste von allen bisherigen herausstellen: Um 8 Uhr waren wir bereits an der Busstation von Kpalimé und stiegen in einen Kleinbus ein, in dem schon seit 7 Uhr eine Frau mit ihrem Kind saß. Um 12 Uhr kam dann die Fulani-Familie aus der Moschee, auf die wir seit vielen Stunden gewartet hatten. Nun fuhr das Taxi an, um auch direkt wieder stehen zu bleiben. Die Batterie war leer. Zum Glück gelang es den beiden Verantwortlichen, das Gefährt einen kleinen Abhang herunterollen zu lassen und so zu starten. Nun geht es ja endlich voran – dachte ich. Doch auf einmal, mitten im Busch, steigen alle Menschen aus dem Bus aus, um sich zu waschen und zu beten. Nur Cornelia und ich saßen noch im Taxi und beobachteten die Szene.

Als alle wieder eingestiegen waren, ging es weiter nach Atakpamé. Beim Anfahren machte die Kupplung Probleme. Um etwa 15 Uhr hielt der Fahrer an, um einen Gast zusteigen zu lassen. Jetzt wollte er am Hang anfahren, wobei die Kupplung endgültig getötet wurde und wir in Atakpamé festsaßen.

Alte, rostige Kupplung raus und neue, rostige Kupplung rein!

Alte, rostige Kupplung raus aus dem Fahrzeug und neue, rostige Kupplung hinein! Die Jungs kriegen das bestimmt schnell wieder hin – dachte ich.

Die machen doch rasche Fortschritte - redete ich mir ein.

Die machen doch rasche Fortschritte – redete ich mir ein.

In der Zwischenzeit genossen wir ein paar Säfte, atmeten die Abgasluft der LKWs tief ein und lauschten dem schrillen Hupen der Motorräder. Ich “unterhielt“ mich mit einem jungen Peulh (Fulani), der leider, genau wie sein Vater, kein Französisch und auch kein Kabiyè sprach. Er brachte mir ein paar Worte auf seiner Sprache bei: Endlich ging ein großer Traum von mir in Erfüllung – ich kann nun auf Fulfulde bis zehn zählen.

  • Eins – Gå          
  • Zwei – Leddi
  • Drei – Tatti
  • Vier – Naai
  • Fünf – Jooi
  • Sechs – Dyægo
  • Sieben – Dyædidi
  • Acht – Dyædadi
  • Neun – Dyænaai
  • Zehn – Sappo

Um 18 Uhr wurde es dunkel, aber das Wrack war noch nicht repariert. Man hätte vermutlich schon lange das Taxi wechseln sollen, aber jetzt war es eh zu spät. Nachts durch Togo zu fahren ist nicht ganz ungefährlich. Jedes Mal, wenn ich den Fahrer nach dem Stand der Reparatur fragte, erwiderte er optimistisch: „Es ist jeden Moment fertig“. Ich weiß nicht genau, um wie viel Uhr die Klapperkiste endlich wieder lief, aber mir kam die erfolgreiche Reparatur zu diesem Zeitpunkt wie ein kleines Wunder vor.

Ab dann ging es in Eiltempo nach Hause und ich habe einen großen Teil der Fahrt verschlafen. In Sokodé stiegen einige Leute dazu, sodass der 15-Sitzer nun auch für afrikanische Verhältnisse voll war. Meine Beine waren für etwa eineinhalb Stunden im spitzen Winkel geknickt, an Ausstrecken war nicht zu denken. Ich meine, wir wären gegen 2 Uhr nachts angekommen.

Da bin ich wieder!

Als ich endlich durch das Törchen des Foyers trat, wurde ich direkt schon von ein paar freudigen Jungs begrüßt, die zu dieser Uhrzeit auf die Toilette mussten. Meine gemeinen Kollegen haben den Kindern erzählt, dass ich nach Deutschland zurückgeflogen wäre ohne Tschüss zu sagen und ich nie mehr wieder kommen würde. Eigentlich ein lustiger Scherz, aber angeblich sind Tränen geflossen. Wie wird das nur bald, wenn ich wirklich nach Deutschland fliege?

Ich freute mich unheimlich, wieder in Kara zu sein und die Kinder wieder in den Arm zu nehmen. Ich fühlte mich ein bisschen wie Zuhause angekommen. Ich freue mich auf die kommende Zeit, wohl wissend, dass die zweite Hälfte meines Jahres in Togo mich an meine Belastungsgrenzen bringen wird. Aber sie wird auch geprägt sein von Ideen, Erlebnissen, Aktivitäten, Kinderlachen, Kinderschreien, guten und schlechten Bekanntschaften, Lernerfolgen und Freundschaft.

Liebe Leser, ich gehe jetzt mal ins Bett, es ist nämlich auch in Togo schon spät. Im nächsten Eintrag geht es um Leseratten und Seiltänzer an Ostern! Was diese seltsamen Bezeichnungen zu bedeuten haben, erfahrt Ihr in hoffentlich einer Woche!

Gute Nacht und bis zum nächsten Mal!

Euer Timo!

© 2019 Timo in Togo. Alle Rechte vorbehalten.

Thema von Anders Norén.