Timo in Togo

Mein Jahr in Westafrika

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Togos reicher Nachbar?

Hallo ihr Lieben!

Natürlich geht es in diesem ellenlangen Artikel um meinen Aufenthalt in Ghana! Dort war nämlich das Zwischenseminar für alle Weltwärts-Freiwilligen von Don-Bosco, die ihr Jahr irgendwo auf dem afrikanischen Kontinent verbringen.

Ghana – Meine togoischen Kollegen und Freunde haben mir von diesem Anrainer immer wie von einem Paradies vorgeschwärmt und dessen Sauberkeit und gute Straßenbauweise angepriesen. Die meisten von ihnen hatten noch nicht die Gelegenheit, einen Fuß über die Grenze zu setzen, die Gerüchte über den Reichtum und die gute wirtschaftliche Aufstellung Ghanas hatten sie also auch nur gehört und weitergegeben.

Ich, immer ein wenig misstrauisch bei der Beschreibung von Ländern als generalisiertes Ganzes, wollte mir selbst ein Bild von Ghana machen. Ist ganz Ghana wirklich so reich? Sind die Straßen wirklich überall gut? Ist auch alles so sauber wie in den Geschichten?

Ein Gerücht sollte sich tatsächlich bewahrheiten, nämlich dass die ghanaischen Behörden streng, bürokratisch und kompliziert sind. Aber nun ganz von vorne.

Mit dem Bus nach Lomé

– also etwa 420 Kilometer in den Süden.

Die Busfahrt in einem großen roten Reisebus war sehr angenehm, auch wenn wir den Komfort zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu schätzen wussten. Es tat gut, einfach mal Abstand zum Alltagsstress im Foyer zu nehmen und sich auf eindrucksvolle zwei Wochen zu freuen. Die Fahrt hat uns ein junger Mann versüßt, der vor versammelter Mannschaft geschlagene zwei Stunden von seiner Wundersalbe erzählt hat, die nicht nur gegen Hautausschlag, sondern auch Menstruationsbeschwerden, Müdigkeit, Hepatitis A-C, AIDS, Krebs, Malaria, Dengue-Fieber und sogar gegen Schnupfen helfen sollte. Dabei war er so überzeugend, dass er nachher mehrere von seinen überteuerten Döschen verkaufen konnte.

In Togos Haupstadt sind wir vor genau einem halben Jahr gewesen, als unser Flugzeug uns dort abgeladen hat.

In Togos Haupstadt sind wir vor genau einem halben Jahr gewesen, als unser Flugzeug uns dort abgeladen hat.

Als wir in Lomé ankamen, war ich auf eine andere Weise fasziniert als bei meinem ersten Besuch. Was mir damals alles so fremdartig, klein, heruntergekommen und schlecht asphaltiert vorkam, war auf einmal riesig, bunt, gut organisiert, sauber und schon fast europäisch. Die Straßen waren voller Autos, die Gebäude waren hoch und ich entdeckte tatsächlich einen echten Baukran in der Ferne! Die Leute trugen deutlich weniger bunte Stoffe und es gab auch viel weniger Stände mit Essen an den Straßenecken. Das Leben ist ein anderes in Lomé – natürlich, man kann ja auch eine blühende Millionenstadt an der Küste nicht mit der Kleinstadt Kara im hohen Norden Togos vergleichen.

Die Bahnlinie Togos ist leider nicht mehr in Betrieb. Lediglich ein kleiner Güterzug rollt auf etwa 2 Kilometer Schienen.

Die Bahnlinie Togos ist leider nicht mehr in Betrieb. Lediglich ein kleiner Güterzug rollt auf etwa 2 Kilometer Schienen.

Wir hatten in Lomé drei Tage Aufenthalt eingeplant! Zwangsweise, denn wir mussten uns ja ein Visum für Ghana besorgen. Möglichst schnell machten wir uns also auf den Weg zur Ghanaischen Botschaft. Die Taxi-Moto-Fahrer in Lomé verhandeln hart und wollen viel Geld, was bei Beachtung der großen Distanzen aber auch verständlich ist.

Mit Reisepass rein in die Botschaft, mit Visum wieder heraus – so haben wir uns das vorgestellt. Doch alles war komplizierter und langwieriger als gedacht:

Für das Visum für Ghana in der Botschaft in Lomé braucht man…

  1. eine Carte-de-Sejour für Togo, um das Visum für Ghana beantragen zu dürfen. (An dieser Hürde sind unsere Vorgänger bereits gescheitert und mussten sich das teurere Visum an der Grenze kaufen. Anscheinend sahen wir mitleiderweckender aus. Denn für uns wurde hier eine Ausnahme gemacht.)
  2. nicht eins, nicht zwei, auch nicht drei, sondern vier Passfotos (mit meinen drei schönen Passfotos in der Hand wurde ich nur ausgelacht.)
  3. zwei Referenzadressen in Ghana – wer zur Hölle kennt mehr als eine Adresse mit Telefonnummer in einem fremden Land, das er noch nicht betreten hat? Und wofür braucht man die zweite? Hier musste uns Google helfen, aber außerhalb der Botschaft. Denn auf ihrem Gelände herrscht striktes Handyverbot.
  4. 20.000 Francs (etwa 30 Euro). Das hätte man sich denken können. Es war vielleicht auch mein Fehler, dass ich nur 1401 Francs (etwa 2 Euro) dabei hatte.
  5. ein Einladungsschreiben aus Ghana – vorbildlich wie wir halt so sind, hatten wir es ausgedruckt dabei.
  6. ein Bestätigungsschreiben aus Togo, dass wir dort als Volontäre tätig sind – auch das war natürlich griffbereit.
  7. Englischkenntnisse – die waren nach einem halben Jahr in Togo so richtig eingerostet.

Nachdem wir den halben Tag damit verbracht haben, in der Stadt nach Passfotostudios, funktionierenden (!) Geldautomaten und Adressen in Ghana zu suchen sowie in der Botschaft stundenlang höchstschwierige Fragebögen auszufüllen und uns vom Konsulat verhören zu lassen, fragte uns die unfreundliche Beamtin vom Empfang, warum wir denn so lange für das alles brauchen und ob wir uns nicht mal beeilen könnten. Ich hätte sie am liebsten geschlachtet. Dann war unser Antrag endlich abgegeben und wir waren erst mal erlöst. Leider hatten wir nicht bedacht, dass drei Werktage nötig sind, um ein kleines Blättchen mit Stempel und Unterschrift in den Reisepass zu kleben. Da wir am Wochenende in Lomé waren, würden wir also zu spät zum Zwischenseminar kommen. Naja, es half ja alles nichts, denn das Visum an der Grenze kostet das Vierfache.

So hatten wir also einen schönen kleinen Zwangsurlaub in einer großen interessanten Stadt und genug Zeit, um alte Freunde wiederzusehen! Hier also ein paar Eindrücke aus Lomé und Umgebung:

Ein toller Strand, ich hab mir den Nacken verbrannt.

Ein toller Strand, ich hab‘ mir den Nacken verbrannt.

Fotos von einem toten Tintenfisch und einem toten Kugelfisch am Strand erspare ich euch. Gern geschehen.

Frischer Fisch. Naja, frisch ist Ansichtssache.

Frischer Fisch auf dem Fischmarkt.

Unsere Vorgängerin konnten wir nicht so einfach gehen lassen, ohne noch etwas mit ihr zu unternehmen. So haben wir noch den riesigen Markt besucht, bevor sie ihr Flugzeug nach Deutschland nahm.

Unsere Vorgängerin Kathi konnten wir nicht so einfach gehen lassen, ohne noch etwas mit ihr zu unternehmen. So haben wir noch den großen Markt besucht, bevor sie ihr Flugzeug nach Deutschland nahm.

Mit zwei Freunden sind wir nach Togoville gefahren.

Mit unseren Freunden haben wir einen tollen Tagesausflug gemacht.

Das Mädchen links von mir war ehemalige Bewohnerin von Cornelias Mädchenfoyer. Don Bosco ermöglicht ihr nun ein Biologie-Studium in Lomé. Toll, dass wir sie so wiedersehen konnten! Und Alex, der in meinem allerersten Blogeintrag aus Togo eine Hauptrolle spielt, war auch bei jeder unserer Erkundungstouren dabei! Er war begeistert, wie sich mein Französisch entwickelt hat!

Die kleine Bootsfahrt über den Togosee hat mir gut gefallen, aber die Preise waren unverschämt: Weiße bezahlen 1500 Francs, Schwarze bezahlen 200 Francs. Die meisten Leute hier verstehen nicht, was ich daran so unfair finde.

Die kleine Bootsfahrt über den Togosee hat mir gut gefallen, aber die Preise waren unverschämt: Weiße bezahlen 1500 Francs, Schwarze bezahlen 200 Francs. Die meisten Leute hier verstehen nicht, was ich daran so unfair finde: “Du bist doch weiß, also hast du doch Geld“

Togoville

Unser Ziel: ein schönes, kleines Städchen namens Togoville.

Togoville, ein geschichtsträchtiger Ort am Togosee.

Anscheinend ein geschichtsträchtiger Ort am Togosee. Was wir und die anderen weißen Touristen dort genau zu suchen hatten, weiß ich bis heute nicht.

Auf diesem Bild hatte ich die richtige Palmklettertechnik offenbar verlernt, in Ghana habe ich es aber dann endlich  geschafft, mir eine Kokosnuss zu pflücken. Die Fußsohlen und Arme wurden dabei dermaßen zerschrammt!

Auf diesem Bild hatte ich die richtige Palmklettertechnik offenbar verlernt, in Ghana habe ich es aber dann endlich geschafft, mir eine Kokosnuss zu pflücken. Die Fußsohlen und Arme wurden dabei dermaßen zerschrammt!

Wir haben ein Heim für Blinde besucht, in dem ich ein paar Buchstaben auf Braille gelernt habe! Auf dem Bild sieht man eine Bibelstelle als anmutige Statue verbildlicht. Und oben drauf sitzt eine freche Eidechse.

Wir haben ein Heim für Blinde besucht, in dem ich ein paar Buchstaben auf Braille gelernt habe! Auf dem Bild sieht man eine Bibelstelle als anmutige Statue verbildlicht. Und auf dem Kopf von Jesus sitzt eine freche Eidechse.

Nach unseren ganzen schönen Unternehmungen schauten wir mal wieder in der geliebten ghanaischen Botschaft vorbei, um zu überprüfen, ob uns das Visum ausgestellt werden würde. Dort hatten sie es aber sogar schon einen Tag früher als erwartet fertig, sodass uns die Dame vom Empfang mit Knurren und bösen Blicken die Pässe in die Hände drückte.

Ende gut, alles gut!

Ende gut, alles gut! Und Tschüss!

Mit dem Bus nach Accra

– oder genauer gesagt nach Ashaiman, einer nicht weit entfernten Nachbarstadt.

Accra, die Hauptstadt des gelobten Landes

Accra, die Hauptstadt des gelobten Landes

Da ich am Vortag schon genügend Francs in Ghana-Cedis umgetauscht hatte, sollte der Grenzübergang am nächsten Morgen schnell vonstatten gehen. Um 6 Uhr morgens wurden die Tore geöffnet und alle Leute, die gerne nach Ghana einreisen wollten, durften ihr Glück versuchen.

Von der Grenze selbst habe ich keine Fotos gemacht, damit hätte ich gesetzliche Grenzen überschritten. Man darf keine Fotos von öffentlichen Einrichtungen machen, sonst werden die Soldaten respekteinflößend.  Natürlich erwarteten die ghanaischen Militärs mit ihrer schönen gefleckten Uniform von uns, dass wir die schwierigen Fragebögen noch einmal ausfüllen und schon wieder schwierige Fragen beantworten. Unsere Stimmung hielt sich dabei in Grenzen. Dann wurde etwas in den Reisepass gestempelt und zwar mit soviel Tinte, dass ich ihn etwa eine halbe Stunde nicht zuklappen konnte. Aber wenigstens durften wir dann endlich gehen. Dass es keine weiteren Probleme gab, grenzt schon an ein Wunder.

Nun half uns ein togoischer Freund, der wesentlich leichter über die Grenze kam, dabei, einen Minibus nach Accra zu finden. In Ghana heißen die Minibusse übrigens Dro-Dros. Sie fahren erst dann los, wenn der Fahrer der Meinung ist, dass sie voll sind. Bei einem 15-sitzigen Dro-Dro braucht man etwa 17 bis 19 Menschen, damit es voll ist.

Wenn ihr genau hinschaut, seht Ihr auf diesem Bild ein Dro-Dro.

Wenn Ihr genau hinschaut, seht Ihr auf diesem Bild ein Dro-Dro. Es ist schon seltsam – ich habe in den zwei Wochen meines Ghana-Aufenthaltes bestimmt in zehn verschiedenen Dro-Dros gesessen, aber nur dieses eine habe ich fotografiert.

Von Ghana habe ich zunächst wenig gesehen, weil ich den größten Teil der Fahrt verschlafen habe. Jedoch sind mir schon zu diesem Zeitpunkt einige Unterschiede zu Togo aufgefallen. Natürlich beziehen sich meine Beobachtungen nur auf die Bruchteile Ghanas und Togos, die ich besucht habe:

  • Es gibt deutlich mehr Verkehrsschilder
  • Die vielbefahrenen Straßen sind in tollem Zustand
  • Die Tankstellen sind modern und riesig
  • Es gibt Leute, die die Straße kehren
  • Gefühlt alle 10 Kilometer gibt es eine Polizeikontrolle, bei der der Wageninhalt überprüft wird
  • In jedem Dorf sind enorm hohe Bodenwellen auf der Straße, damit Raser ihr Tempo reduzieren und müde Reisende aus dem Schlaf gerissen werden
  • Viele Häuser sind mit Wandfarbe bemalt
  • Es gibt immer mal wieder dekadent große Luxusvillen

Jenseits von diesen und weiteren Unterschieden ähnelt das Aussehen der Dörfer und die Natur doch in großem Maße unserem Togo. Wie alle wissen, hat Ghana im Laufe der Jahre einen gewissen Vorsprung im Bezug auf Entwicklung der Infrastruktur und Industrie gegenüber seinen Nachbarländern erlangt. Die Wirtschaft ist deutlich stärker als in Burkina Faso, der Elfenbeinküste und Togo, wodurch es sehr viele Zuwanderer aus diesen und weiteren Ländern Westafrikas gibt. Ob wirklich jedes Fleckchen Ghanas ein Paradies ist und ob die gesamte Bevölkerung von dem erlangten Wohlstand profitiert, demonstriere ich hoffentlich im Laufe meines Blogeintrages.

Angekommen in Ashaiman, ging es sofort mit dem Zwischenseminar los, wir waren ja einen Tag zu spät. Uns war aber keiner böse.

Die Seminar-Woche hatte einen strikten Zeitplan!

Die Seminar-Woche hatte einen strikten Zeitplan!

Ich will gar nicht wirklich auf den Inhalt eingehen, denn die Programmpunkte waren eigentlich nur für uns Volontäre gedacht und daher genau auf uns zugeschnitten. In der ersten Hälfte der Woche haben wir das Erlebte des vergangenen Halbjahres unseres Freiwilligendienstes verarbeitet, dann gab es einen tollen Ausflug nach Cape-Coast, in den Kakum-Nationalpark und an einen Strand! Davon will ich euch nun ein paar Bilder zeigen!

Cape Coast Castle

Den genialen Ausflugstag hat uns der Salesianer Father Piotr aus Polen ermöglicht, der uns als Fahrer eines eigenen Dro-Dros herumchauffiert und die gesamte Organisationsarbeit übernommen hat! Am Ende des Seminars haben wir uns mit einem selbstgeschriebenen Liedtext bedankt!

Zuerst besuchten wir einen sehr traurigen Ort, der Schauplatz von viel Leid und Ungerechtigkeit war.

In Cape Coast steht das sogenannte Cape-Coast-Castle. Es ist eine große Festung aus der Kolonialzeit und ein wichtiger Umschlagplatz für den Handel mit Sklaven. Hier kamen die Sklaven aus der ganzen Region an, wurden in in kleinen Kerkern zu Hunderten für 3 Monate gefangen gehalten und anschließend wurden die Überlebenden auf Schiffe geladen, um ihre gefährliche Reise nach Amerika zu anzutreten

In Cape Coast steht das sogenannte Cape-Coast-Castle. Es ist eine große Festung aus der Kolonialzeit und war ein wichtiger Umschlagplatz für den Handel mit Sklaven. Hier kamen die Sklaven aus der ganzen Region an, wurden in den Kerkern der Burg gesammelt und anschließend auf Schiffe geladen, um ihre gefährliche Reise nach Amerika anzutreten.

Jeweils etwa 200 Menschen waren damals in diesen kleinen Räumen gefangen gehalten und mussten bis zu drei Monate auf das nächste Sklavenschiff warten. Der Sklavenkeller der Burg ist unterirdisch, schlecht durchlüftet und stockfinster. Von allen gefangenen Afrikanern erreichte nur etwa ein Drittel lebend Amerika.

Jeweils etwa 200 Menschen waren damals in diesen kleinen Räumen gefangen gehalten und mussten bis zu drei Monate auf das nächste Sklavenschiff warten. Der Sklavenkeller der Burg ist unterirdisch, schlecht durchlüftet und stockfinster. Von allen gefangenen Afrikanern dieser Zeit erreichte nur etwa ein Drittel lebend Amerika. (Bildquelle: Wikipedia)

Wo heute bunt-bemalte Fischerboote liegen und Kinder am Strand fangen spielen, beluden vor wenigen hundert Jahren Sklavenhändler ihre Boote mit Gefangenen.

Wo heute bunt-bemalte Fischerboote liegen und Kinder am Strand fangen spielen, beluden vor wenigen hundert Jahren Sklavenhändler ihre Boote mit Gefangenen. Wie kann ein Ort nur so schnell seine schreckliche Atmosphäre verlieren?

Kakum-Nationalpark

Danach ging es für uns zu einem der letzten unberührten Regenwälder Westafrikas. Man darf sich natürlich nicht wirklich frei darin bewegen, aber das ist auch gut so.

Hier gibt es noch weiträumige Areale des tropischen Regenwaldes. Der Nationalpark ist die Heimat von vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten. Der vom Aussterben bedrohte Waldelefant versteckt sich hier irgendwo.

Hier gibt es noch weiträumige Areale des tropischen Regenwaldes. Der Nationalpark ist die Heimat von vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten. Der vom Aussterben bedrohte Waldelefant versteckt sich hier irgendwo.

Zwischen den bis zu 60 Meter hohen Urwaldriesen wurden Brücken gespannt, damit Touristenhorden wie wir nicht die Tiere am Boden belästigen.

Zwischen den bis zu 60 Meter hohen Urwaldriesen wurden Brücken gespannt, damit Touristenhorden wie wir nicht die Tiere am Boden belästigen.

Es ist schon lange mein Traum gewesen, den tropischen Regenwald mit Stockwerkbau, Urwaldriesen, Lianen und Würgepflanzen zu sehen. Selbst wenn ich nur wenige Tiere beobachten konnte und mir ein hartnäckiger Fliegenschwarm permanent um den Kopf flog, habe ich den Besuch sehr genossen! Wenn ich das doch alles meinen Jungs im Foyer zeigen könnte!

Anschließend bekamen wir noch die Gelegenheit, uns an einem paradiesischen Strand auszuruhen. Da ich absolut kein Strandmensch bin, der stundenlang in der Sonne liegt und sich bräunt, habe ich gegen die starke Brandung des Golfs von Guinea gekämpft und bei Einheimischen die richtige Technik beim Palmenklettern abgeguckt! Wir ließen den Tag mit trickreichen UNO®-Spielen und einem wahren Festessen ausklingen. Bei letzterem war ich weniger vom Geschmack begeistert, als von den ganzen Nährstoffen, die ich seit einem halben Jahr in meinem Pâte (dem alltäglichen Maisbrei in Togo) vergeblich gesucht hatte.

Bei den darauf folgenden Seminartagen richteten wir den Blick nach vorne und entwickelten einen Masterplan, also eine Checkliste mit wichtigen Dingen für das zweite Halbjahr unseres Freiwilligendienstes. Mein Masterplan füllt zwei DIN-A4-Seiten!

Ich muss ja sagen, wir sind schon eine coole Truppe gewesen. Jetzt sind wir alle zurück in unseren Projekten und legen so richtig los!

Ich muss ja sagen, wir sind schon eine coole Truppe gewesen. Jetzt sind wir alle zurück in unseren Projekten und legen so richtig los!

Nach dem Seminar haben wir uns aufgespalten und in Gruppen ein paar Orte in Ghana erkundet. Los ging es mit der naheliegenden Hauptstadt.

Accra – eine Millionenstadt der Gegensätze

Hochhäuser, Autotaxis, Highways, Werbetafeln, Kreisverkehre, Ampeln, Shoppingmalls, Abwasserkanäle,

Hochhäuser, Wellblechhütten, Autotaxis, Busse, Staubstraßen, Highways, Werbetafeln, Straßenlaternen, Kreisverkehre, Ampeln, Shoppingmalls, Märkte, Kirchen, Moscheen, Triumphbögen, Müllhalden, Abwasserkanäle und Flüsse.

Etwa 2,4 Millionen Einwohner leben in der Hauptstadt Accra. Jeden Tag kommen neue Zuwanderer aus dem Norden Ghanas und Einwanderer aus seinen Nachbarländern dazu. Diese Menschen suchen eine Arbeit und bessere Lebensumstände.

Wo sonst findet man denn leicht Arbeit, wenn nicht in einer blühenden Metropole, deren Industrie stetig wächst und die den meisten Bewohnern schon jetzt einen hohen Lebensstandard ermöglicht? Es wird doch jede fleißige Hand gebraucht, damit Ghana den Sprung vom Entwicklungsland zum Schwellenland schafft, oder?

Leider landen viele der hoffnungsvollen Menschen nicht an dem Ort, den sie sich für ihre Zukunft gewünscht hätten.

Die Elektromülldeponie Agbogbloshie und der Old-Fadama-Slum

Und nun, liebe Leser, möchte ich Euch von einer Realität erzählen, von der wir alle schon irgendwann mal gehört haben. Von der wir wissen, dass es sie geben muss.

Wenn in Europa ein Elektrogerät alt und kaputt ist, dann wird es nicht repariert, sondern weggeworfen. Die fachgerechte Entsorgung ist kostenaufwändig. Der Export in Entwicklungsländer wie Ghana und Nigeria dagegen ist billig. Alles ist eine Frage des Geldes. Worauf das wohl hinausläuft?

Jährlich landen Millionen Tonnen Elektronikschrott in Ghana.

''Ghana: Unser Müll in Afrika'' - das ist der Titel dieses UNICEF-Siegerfotos aus dem Jahr 2011 von Kai Löffelbein (Quelle: Bayrischer Rundfunk)

“Ghana: Unser Müll in Afrika“ – das ist der Titel dieses UNICEF-Siegerfotos aus dem Jahr 2011 von Kai Löffelbein (Quelle: Bayrischer Rundfunk)

Das Bild zeigt einen Jungen, der einen alten Röhrenbildschirm zerschmettert, um an die wertvollen Kupfer- und Aluminiumteile zu gelangen. Im Hintergrund brennt Plastik und bildet tiefschwarzen, giftigen Rauch. Er lebt in Sodom und Gomorra, das ist der Spitzname des Old-Fadama-Viertels. Der Slum mit der benachbarten Deponie zählt laut dem Blacksmith Institute zu den zehn verseuchtesten Orten der Welt. Jeden Tag arbeitet der Junge auf einer der größten Müllhalden Afrikas und verbrennt Elektrogeräte aus Europa, die illegal nach Ghana eingeführt wurden.

Wenn er Glück hat, wird er älter als zwanzig.

Allein im Müll.

Eine feindliche und ungesunde Welt.

Über viele Quadratkilometer erstreckt sich die Müllhalde von Agbogbloshie. Schwermetalle wie Quecksilber und Blei vergiften das Grundwasser und deren Dämpfe die Luft. Man sollte sich maximal zwei Stunden in diesem Gebiet aufhalten, wenn man keine gesundheitlichen Schäden davontragen möchte. Die Menschen, die hier jeden Tag leben und arbeiten, können diesem Ratschlag nicht folgen.

Unvorstellbare Dimensionen.

Unvorstellbare Dimensionen.

Die zwei furchtlosen Don-Bosco-Freiwilligen Wibke und Karen, die dieses Jahr in Sambia und in Malawi leben, haben mich an diesen Ort begleitet. Ein Ort, der für eine unbequeme Wahrheit steht. Bei unserem Rundgang haben wir uns selbst ein paar Regeln aufgestellt, damit das ganze nicht zu heikel werden würde und wir auch keinem Menschen die Würde nehmen:

  • Wir betreten unter keinen Umständen den Slum, sondern bewegen uns nur an dessen Rand. Mit einer Gruppe aus Jungs wäre es vielleicht möglich gewesen, aber Mädchen kann weitaus schlimmeres passieren als “nur“ ausgeraubt zu werden. Die Marginalsiedlung ist für ihre hohe Kriminalitätsrate berüchtigt.
  • Fotos mache nur ich mit meiner kleinen Kamera.
  • Es werden keine Fotos von Menschen gemacht. Ausnahme sind natürlich Bilder aus großer Ferne.
  • Die Umgebung wird stets gut im Auge behalten.
  • Wir machen keine Touristenfotos und Selfies von uns auf der Müllkippe. Immer wieder soll es Menschen geben, die sowas tun.

Das Verlassen der asphaltierten Straßen in Richtung Deponie kostete uns viel Überwindung.  Mehrfach wurde uns gesagt, dass wir eigentlich nicht dort sein sollten und Weiße dort nicht hingehören.

Nach einiger Zeit sind wir einem Mann begegnet, der uns einiges über sich und den Slum erzählt hat. Er selbst kommt aus einer Stadt am Volta-Stausee (Kete Krachy) und wollte sein großes Glück in Accra finden, jedoch fand er keinen Job und stürzte in einen finanziellen und sozialen Abgrund. Anstatt gutes Geld zu verdienen, wohnt er nun in Old Fadama und lebt vom Fischfang im Meer.

So wie ihm geht es vielen Menschen dort. Dem wirtschaftlichen Aufschwung in einem Entwicklungsland folgt auch immer eine massive Wanderungsbewegung in Richtung der Städte. Nicht für alle hoffenden Menschen gibt es eine Arbeit. Das Resultat ist die Slumbildung. Die Zuwanderer arbeiten im informellen Sektor als Tagelöhner oder Metallsammler und leben in Verschlägen aus Wellblech und Brettern.

Von Müllbergen umringt wohnen 40.000 Menschen in Old Fadama.

Von Müllbergen umringt wohnen 40.000 Menschen in Old Fadama.

Das Wasser des benachbarten Flusses ist schwarz und es steigen unablässlich Blasen auf. Ebenfalls ist es stark schwermetallbelastet und mündet so in den Ozean. Die Meeresfischer finden immer häufiger Monitore und Kühlschrankteile in ihren Fischernetzen.

Das Wasser des benachbarten Flusses ist schwarz und es steigen unablässlich Blasen auf. Hiermit waschen die Bewohner ihre Wäsche und tränken ihr Vieh. Angeblich soll es in dem Wasser auch Fische geben, die gefangen und verzehrt werden.

Hiermit waschen die Bewohner ihre Wäsche und tränken ihr Vieh. Angeblich soll es in dem Wasser Fische geben, die gefangen und verzehrt werden. Auch die Felder werden mit dem Flusswasser bewässert. Für uns wäre ein Schluck bereits tödlich.

Bei allem, was wir bei unserem Besuch eingeatmet und berührt hatten, fragte ich mich am Abend nicht wirklich, woher der seltsame Ausschlag auf meiner Brust kam. Karen hatte ihn auch, jedoch auf den Armen.

All das, was ich in Agbogbloshie, aber auch in Togo gesehen und erlebt habe, macht mich auf verschiedene Weise nachdenklich.

Mein Leben

Ich heiße Timo und wurde in einem gut funktionierenden Sozialstaat geboren. Wenn ich also mal keine Arbeit finden werde, helfen mir alle Steuerzahler Deutschlands dabei, trotzdem noch gesund und glücklich weiterleben zu können. Bei einer schlimmen Krankheit oder Verletzung nahmen mich bis jetzt immer höchstprofessionelle Ärzte in ihre Obhut, die jedes Jahr bessere Therapien und Operationstechniken finden. Für die Bezahlung war gesorgt, ich bin ja bei einer guten Krankenkasse. Die Lebenserwartung in Deutschland liegt aktuell bei über 80 Jahren. Wenn mich der Hunger plagte, konnte ich mir im nächsten Supermarkt gesundes und ungesundes Essen aus der ganzen Welt kaufen, die Wahl blieb mir überlassen. Meine Müdigkeit konnte ich auf einem weichen Bett auskurieren und morgens verschlafen unter die Dusche torkeln, aus der immer warmes, sauberes Trinkwasser kam. Der Blick aus dem Fenster zeigte mir den grünen Rasen unseres Gartens, die dichten Wälder und feuchten Wiesen. Ich war schon immer ein Landkind. Gerne denke ich zurück an mein Heimatdorf Much-Marienfeld. Während meiner Schulzeit wurden dann schnell noch ein paar schöne Klamotten ohne Löcher übergestriffen. Hastig wurden ein paar leckere Schwarzbrote mit Käse, Wurst oder Nutella in den Mund gestopft und schon stand ich draußen vor der einbruchsicheren Haustür. Ich lief an meiner Nachbarin vorbei, die ihren Haustieren Futter gekauft (!) hatte und deren Katze nun gierig darüber herfiel. Der Tag sollte schön werden, ich würde meine Freunde sehen, in den Pausen Hausaufgaben für die nächsten Stunden machen, selbstständiges Denken lernen und bald schon ein Zeugnis mit nach Hause nehmen können, mit dem mir die Welt und das Leben offen steht.

Aber ich will mein Leben nicht schönreden, schließlich hatte ich in Deutschland ja auch “ernsthafte“ Probleme: Abiturstress, Regenwetter, Bahnstreiks, Trennung der Eltern, Angst vor EHEC und der Schweinegrippe, geschlossene Bäckereien, leere Handyakkus. Ganz knapp habe ich das alles überlebt.

Das Leben eines Jungen in Old Fadama

Ich heiße Koffi und bin das dritte von sechs Kindern. Eigentlich hätte ich noch mehr Geschwister gehabt, aber meine zwei kleinen Schwestern sind kurz nach der Geburt gestorben. Jeden Tag ziehe ich mit meinen Brüdern und meinem Vater zwei Karren auf die Müllhalde. Dort zertrümmern wir Monitorröhren und verbrennen Computergehäuse. Noch nie habe ich einen funktionieren Computer gesehen, aber ich habe gehört, was man damit alles machen kann. Wenn wir Metall finden, laden wir es auf unsere Wagen und mein Vater kann es abends verkaufen. Ein Kilo Eisen bringt uns einen 75 Pesewas (15 Cent) ein. Für ein Kilo Aluminium sind es schon 3 Cedis (60 Cent). Der Rauch stinkt fürchterlich. “Nicht einatmen“, sagt mein Vater immer. Angeblich ist er sehr giftig. Meine Brüder und ich sind oft krank.

Manchmal kommen Ärzte in unsere Siedlung, die die Kinder untersuchen. Chronische Blei- und Cadmiumvergiftung, das haben sie bei uns allen festgestellt. Das macht die Knochen weich, das Gehirn schlecht und die Nieren kaputt. Kinder, die hier geboren worden sind, werden meistens nicht älter als zwanzig. Wenn sie nicht an Krebs sterben, dann an Nierenversagen. Ich bin erst zehn, also habe ich ja noch die Hälfte meines Lebens vor mir. Trotzdem muss ich aufpassen, dass ich mich nicht an scharfkantigen Metallteilen schneide, von Betrunkenen verprügelt werde oder in den Geschmack von Drogen komme.

Unsere Hütte ist klein und wir leben auf engem Raum. Neben unseren Schlafplätzen auf dem Boden haben wir ein paar Ziegel gelagert. Irgendwann können wir uns vielleicht ein richtiges Haus bauen. Ein großer Teil von dem Geld, dass wir verdienen, geht an die Schule unseres großen Bruders, in ihn setzen meine Eltern alle Hoffnungen. Er soll es eines Tages besser haben und uns aus Old Fadama holen. Seine Schule ist in dem reichen Regierungsviertel, das direkt neben Agbogbloshie liegt. Schon öfters hat man versucht, mit Planierraupen den ganzen Slum zu räumen. Das hat zum Glück bis jetzt nicht geklappt. Wir und viele andere Menschen aus Gomorra haben protestiert. Wo sollen wir denn auch sonst hin?

Viehherden finden im Müll noch ausreichend Nahrung, aber nehmen auch viele Umweltgifte zu sich.

Viehherden finden im Müll noch ausreichend Nahrung, aber nehmen auch viele Umweltgifte zu sich.

Interessant zu wissen: Viele der Rohstoffe wie Kupfer und Aluminium, die in Agbogbloshie aus dem Elektroschrott gewonnen werden, werden dann wieder von europäischen Händlern billig eingekauft. Bei dieser Art von Recycling werden also einfach nur die teuren Aufarbeitungsanlagen in Europa umgangen. Kann man dagegen denn nichts unternehmen? Wenn Ihr eine Möglichkeit kennt, wie man Elektroschrott ordnungsgemäß entsorgt, so schreibt mir diese bitte! Keines meiner zukünftigen Elektrogeräte soll von einem ghanaischen Kind zerpflückt werden.

Eine ganz normale Shopping-Mall

Nur 10 Minuten mit dem Taxi und man steht vor den Pforten einer x-beliebigen Shopping-Mall in Accra. Ein Kontrast, der Kopfschmerzen bereitet.

Eigentlich müsste ich mich doch hier wohlfühlen, unter finanziell gut ausgestatteten Menschen. In einer gläzenden Scheinwelt des Konsums, die es in Deutschland doch in jeder größeren Stadt gibt.

Eigentlich müsste ich mich doch hier wohlfühlen, unter finanziell gut ausgestatteten Menschen. In einer glänzenden Scheinwelt des Konsums, die es in Deutschland in jeder größeren Stadt gibt.

Alles war so gewohnt, aber doch gleichzeitig schon so fremd. Seit einem halben Jahr wohne ich in einer Umgebung, in der solch ein Gebäude undenkbar wäre. In der jeder Supermarkt kleiner ist als eine gewöhnliche Bäckerei in Deutschland. Die meisten meiner Freunde in Togo würden noch nicht einmal einen Blick hinein wagen.

Ganz schnell wird einem klar, wo der große Unterschied zwischen Togo und Ghana liegt. In Togo wäre nicht nur eine Shoppingmall, sondern auch ein Slum undenkbar. Der schnell aufkommende Wohlstand Ghanas hilft einer Vielzahl von Menschen, treibt aber auch einen großen Teil in den Ruin. Daher ist die Schere zwischen Arm und Reich riesig geworden, sodass luxuriöse Regierungsviertel und Einkaufszentren sowie Hüttensiedlungen und Armut in direkter räumlicher Nähe zueinander coexistieren können.

Hier werden wir nicht mehr schräg angeschaut, es sei denn, jemand achtet auf unsere Dreckfüße. Wir passen in diese Welt, denn sie wurde für uns entworfen. Für die Privilegierten, die über den Kauf ihres nächsten Handys oder eines Dekorationsartikels für die Wohnung nachdenken können.

Hier werden wir nicht mehr schräg angeschaut, es sei denn, jemand achtet auf unsere Dreckfüße.

Wir passen in diese Welt, denn sie wurde für uns entworfen. Für die Privilegierten, die über den Kauf ihres nächsten Handys oder eines Dekorationsartikels für die eigene Wohnung nachdenken.

Ein Supermarkt mit gleicher Warenvielfalt wie in Europa. Für Euch ist das vielleicht gerade nichts besonderes, aber für mich hat es nicht gepasst. Nicht nach all dem, was ich in dem halben Jahr gesehen und erlebt habe.

Ein Supermarkt mit gleicher Warenvielfalt wie in Europa. Für Euch ist das vielleicht gerade nichts besonderes, aber für mich hat es nicht dort hingepasst. Nicht nach alldem, was ich in dem halben Jahr gesehen und erlebt habe.

Meine Jungs im Foyer waren schockiert, als ich ihnen dieses Foto gezeigt habe.

Meine Jungs im Foyer waren schockiert, als ich ihnen dieses Foto gezeigt habe.

Jetzt reicht es aber auch!

Liebe Leser, jetzt nervt es wahrscheinlich langsam schon, das ganze unterschwellige Gefasel von wegen “die Europäer sind reich und gesund und die Afrikaner sind arm und krank“. Diese Botschaft wollte ich nicht übermitteln, denn sie würde auch nicht der Wahrheit entsprechen.

Ich möchte euch etwas ganz anderes sagen: Seid (verdammt nochmal 😀 ) glücklicher! An der Supermarktkasse, beim Rasenmähen, im Bus, beim Öffnen des Kühlschranks, vor dem Fernseher und sogar dann, wenn Euch der kalte Regenschauer erwischt hat und die nasse Kleidung trieft. Wie konnte ich mich über Lehrer aufregen, die mir wertvolles Wissen vermittelten und mich nicht schlugen? Wie konnte es mich nerven, dass ich im Wartezimmer meines Arztes gerade mal eine Stunde warten musste? Was war so ärgerlich daran, dass bei Langeweile nichts Gescheites im Fernsehen lief?

Langsam will ich für meinen Blogeintrag ein Ende finden, denn er ist schon sehr lang – selbst für meine Verhältnisse. Viele meiner Erkenntnisse und Emotionen habe ich in diesen Bericht gepackt. Intensive Eindrücke in Form von Fotos habe ich mit Euch geteilt. Mit mehr Bildern würden die bereits gezeigten nur an Wichtigkeit verlieren. Ich empfehle Euch sehr, auch mal Karens Blog anzuklicken. Wenn ich ihre Gedanken über Agbogbloshie lese, kriege ich Gänsehaut.

Im nächsten Eintrag habe ich noch einiges aus Ghana, aber auch aus Benin und Kara zu berichten. Wenn Ihr Euch für den größten Markt von Westafrika, die Haupttouristenregion Togos und die neue Bibliothek im Foyer interessiert, so kann ich euch ein paar Fotos zeigen.

Bis dann und macht es gut! Ich freue mich über jede Eurer Nachrichten, E-Mails und Briefe, auch wenn ich für Antworten selten Zeit finde. Erzählt mir aus Deutschland; von Flüchtlingen, vom Essen, vom Wetter und auch von den Wahlen. Ich kriege so wenig mit!

Liebe Grüße, Euer Timo!

PS: In meinem Masterplan steht, dass ich mir mehr Zeit für die Kommunikation nach Hause, also zu Familie, Bekannten und Freunden nehmen sollte. Das habe ich selbst dorthin geschrieben. Ich merke aber leider schon, dass mir neben meiner Arbeit und meinem Blog wenig Energie und Zeit bleibt. Ich habe niemanden vergessen und ich ignoriere auch niemanden absichtlich!

© 2019 Timo in Togo. Alle Rechte vorbehalten.

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