{"id":327,"date":"2020-05-21T15:40:42","date_gmt":"2020-05-21T13:40:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/?p=327"},"modified":"2020-05-21T15:40:44","modified_gmt":"2020-05-21T13:40:44","slug":"was-glaubst-du-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/2020\/05\/21\/was-glaubst-du-eigentlich\/","title":{"rendered":"Was glaubst du eigentlich?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist September und wir sind gerade in Argentinien\nangekommen. Viele Dinge, die Simon und mir t\u00e4glich \u00fcber den Weg laufen, sind\nnoch neu, interessant und manchmal sogar unverst\u00e4ndlich oder verwirrend (ich\nlasse hier mal den Begriff \u201eSprachbarriere\u201c fallen). Aber da gibt es noch\netwas, was uns besch\u00e4ftigt und uns schon ein bisschen merkw\u00fcrdig vorkommt:\nImmer wieder tragen Animadores, Salesianer oder auch Mitabeiter im Oratorio\nT-Shirts, die\u2026sagen wir mal so, in Deutschland f\u00fcr Aufsehen sorgen w\u00fcrden. <\/p>\n\n\n\n<p>Eines zeigt zum Beispiel einen kunterbunten Aufdruck mit \u201cdios nos puso en el mundo para los dem\u00e1s\u201d (Gott setzte uns f\u00fcr die anderen in die Welt), ein anderes Shirt ein comichaftes Jesusbild mit wehenden Haaren und dem Schriftzug \u201eSiempre alegres con vos\u201c (Immer gl\u00fccklich mit dir). \u201eAlso wenn du da bei uns auf die Stra\u00dfe gehen w\u00fcrdest\u2026\u201c, raunen wir uns gegenseitig zu, wenn die besagten Motive in unsrer Umgebung auftauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>7 Monate sp\u00e4ter sind wir auf dem R\u00fcckweg nach Deutschland, mit einigen Exemplaren der T-Shirts im Gep\u00e4ck.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich, was euch die\nMartha heute von der argentinischen Modewelt erz\u00e4hlen will. In dieser Hinsicht\nmuss ich euch leider entt\u00e4uschen, denn ich beschreibe in diesem Blog eine sehr\npers\u00f6nliche Entwicklung, die ich in Argentinien gemacht habe. Auch wenn ihr das\nThema im ersten Moment vielleicht nicht ganz so spannend findet, bleibt dran,\nes lohnt sich!<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Es geht um Glauben<\/h4>\n\n\n\n<p>Vor meinem Auslandsjahr bin ich schon oft und gerne in\nGottesdienste gegangen und habe meinen Glauben praktiziert. Deswegen habe ich\nmir auch \u201e<a href=\"https:\/\/www.donboscomission.de\/don-bosco\/\">Don Bosco<\/a> Volunteers\u201c als Organisation ausgesucht, weil ich den Fokus\nbei der Arbeit auf der Religion neben Bildung, Spiel und Spa\u00df einfach gro\u00dfartig\nfand. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich etwas \u00e4ndert, war mir klar. Ehemalige\nFreiwillige hatten uns schon von ihren anderen Ansichten und Meinungen nach\nihrer R\u00fcckkehr erz\u00e4hlt und auch Simon h\u00e4lt an seiner These fest, dass ziemlich\nviele Ex-Volont\u00e4re nach dem Auslandsjahr zu Veganern oder Vegetariern werden\nund mehr einen nachhaltigen Lebensstil verfolgen. Da hat sich bei mir auch\neiniges ge\u00e4ndert. Jedoch h\u00e4tte ich nie gedacht, dass mein Glaube oder meine\nSpiritualit\u00e4t beeinflusst wird oder sich gar \u00e4ndert. Was bei diesem Thema so\nbesonders war und was sich genau ver\u00e4ndert hat, also hier:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Misas = Gottesdienste: Klatschen, Tanzen, Beten <\/h4>\n\n\n\n<p>Schon in den ersten Tagen in Argentinien nahmen wir an\nMessen teil. Beim Inhalt konnte ich zwar nicht richtig folgen, aber auch wenn\nder Ablauf genau der gleiche aus Deutschland war, wurde ich von so viel\n\u00fcberrascht: Irgendwie beinhaltet der Gottesdienst so viel mehr Bewegung und\nsehr viel N\u00e4he, zu sich selbst, aber auch zu den anderen. <\/p>\n\n\n\n<p>Beispielsweise h\u00e4lt man beim Vater-unser-Gebet die\nH\u00e4nde der Nachbarn oder breitet die Arme nach au\u00dfen mit den Handfl\u00e4chen nach\noben. Beim Friedensgru\u00df werden erstmal alle recht herzlich gedr\u00fcckt, und auch\nwenn ein guter Bekannter am anderen Ende der Kirche steht, geht man eben\neinfach schnell mal r\u00fcber. Besonders an den Samstagen, als wir mit den Kids\nnach den ganzen Spielen und Aktivit\u00e4ten in der Kirche waren, gabs viele\nUmarmungen und K\u00fcsschen auf die Wange. Besonders f\u00fcr uns Animadores. Da konnte\nes schon mal sein, dass die Kids ihre Betreuer in der ganzen Kirche aufgesucht\nhaben und auch nach ein paar Minuten noch immer nicht auf ihren Pl\u00e4tzen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Samstagsmessen waren jedes Mal sehr lebhaft. Was aber nicht hei\u00dft, dass es respektlos oder abwertend gewesen w\u00e4re. Wenn wir also in der \u201ecapilla\u201c (sehr bescheiden eine Kirche Kapelle zu nennen, aber so sind sie halt die Argentinier) standen, in Flipflops, mit dreckiger Kleidung und nassen Haaren von den Wasserspielen, die Kids ganz and\u00e4chtig in den B\u00e4nken sa\u00dfen und wir selbst noch in der Messe so viel N\u00e4he, Liebe und Dankbarkeit erfuhren, dachte ich mir jedes Mal: Wie sch\u00f6n kann eigentlich Glaube sein? <\/p>\n\n\n\n<p>Sogar getanzt wird hin und wieder, wenn die Kommunionkinder ihre Choreografie zu \u201emar adentro\u201c oder &#8222;todo por el&#8220; hinlegen. Das passiert mitten in der Messe und nicht nur die Kinder sind Feuer und Flamme, auch wir Animadores, ein paar Erwachsene und manchmal unser Chef P. Silvio oder P. Ale, die die Messe lesen, versuchen mitzusingen und gleichzeitig die schnell ab folgenden Handbewegungen zu koordinieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video height=\"352\" style=\"aspect-ratio: 640 \/ 352;\" width=\"640\" controls src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Todo-por-el_2.mp4\"><\/video><figcaption>Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Tanz. Das war bei der &#8222;zweiten&#8220; Komunion, am Sonntag nach der Erstkommunion. Deswegen auch weniger Leute \ud83d\ude09<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das ganze Video und noch mehr Einblicken in die Messen, hier der <a href=\"https:\/\/drive.google.com\/drive\/folders\/1n6wYrKmn3ZiEpU_jQoT-B6ayOTICI-0l?usp=sharing\">Link zum Ordner.<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vokabeltrainer \u201eGottesdienst\u201c<\/h4>\n\n\n\n<p>Dass mir alles so verst\u00e4ndlich vorkam, lag\nwahrscheinlich auch daran, dass man beim Lernen einer neuen Sprach W\u00f6rter, die\noft vorkommen, einfach aufschnappt und selbst verwendet. Und da uns P. Silvio\nanfangs eben oft mitgenommen hat, hatte man schnell den \u201ereligi\u00f6sen\u201c Wortschatz\ndrauf. Zum Spanischlernen brachte es mir echt einiges, den ersten \u201eAntwortsatz\u201c\n\u201ees justo y necesario\u201c (\u201edas ist w\u00fcrdig und recht\u201c), den ich dann auch\nirgendwann konnte, half mir am Anfang besonders weiter. Die Definition von was\nist \u201ejusto\u201c (gerecht) und was eben nicht, muss man mit den Jungs in der\nResidencia, wenn es um Absp\u00fclen, Lernen oder auch die Beendigung des\nFu\u00dfballspiels geht, so gut wie immer parat haben. Und bei jeglichen Fragen, die\nsich um \u201eetwas brauchen\u201c drehten, kam mir \u201enecesario\u201c gerade recht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sagen wirs doch einfach<\/h4>\n\n\n\n<p>Dass ich hier ein Vorurteil \u00fcber s\u00fcdamerikanische L\u00e4nder bedienen muss, passt mir eigentlich nicht. Aber es ist tats\u00e4chlich so, dass hier vieles einfach nicht verkompliziert wird (positiv ausgedr\u00fcckt). Und das findet sich auch in der Religion wieder: Gebete sind einfach zu verstehen, fast immer werden W\u00f6rter gebraucht, die auch im Alltag benutzt werden, Botschaften werden klar verpackt. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Gottesdienst im Oratorio nimmt P. Alejandro das\nMikrofon und stellt sich in die Mitte der Gemeinde f\u00fcr die Predigt. Auch andere\nSalesianer \u201ehalten\u201c keine Predigt, sondern reden mit den Leuten, schlie\u00dfen sie\nein, stellen Fragen und beziehen sich auf ganz allt\u00e4gliche Probleme. Von Mensch\nzu Mensch. Mir kommt es so vor, dass die allgegenw\u00e4rtige Botschaft ist: Gott\nist doch hier, es ist ganz einfach. Komm und glaub mit. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn selbstverst\u00e4ndlich ist diese Form, Glauben zu\nleben, nicht. Wir waren in Argentinien bzw. S\u00fcdamerika auch in anderen Messen,\ndie den deutschen sehr \u00e4hneln und f\u00fcr uns vielleicht noch schlechter zu\nverstehen waren, aufgrund von hochgestochenen theologischen Ausdr\u00fccken und\nnicht sehr alltagsnahen Themen. So ist die Misa im Oratorio eine Alternative,\ndie viele Gl\u00e4ubige gerne nutzen und sogar manchmal eine l\u00e4ngere Anfahrtszeit in\nKauf nehmen. Die Gottesdienste sind deshalb bunt gemischt, von Familien und\n\u00e4lteren Leuten, \u00fcber Animadores und Kinder, die ins Oratorio kommen, bis hin zu\nden Klosterschwestern, die auch manchmal bei den Abendaktivit\u00e4ten dabei sind\nund schon seit l\u00e4ngerem in Kontakt mit unsrer Einrichtung stehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video height=\"352\" style=\"aspect-ratio: 640 \/ 352;\" width=\"640\" controls src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Misa-kurz.mp4\"><\/video><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch hier nochmal ein kleiner Ausschnitt, so voll kann die Kirche (&#8222;Kapelle&#8220;) auch sein. Hier: Erstkommunion<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Andere Sprache, anderer Inhalt?<\/h4>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sich bei uns in Deutschland noch \u00e4ltere\nVersionen von Gebetsklassikern gehalten haben, erreichten S\u00fcdamerika vor\neinigen Jahren neue \u00dcbersetzungen. Denn auf dem Kontinent wird nicht das \u201ealte\u201c\nCastellano-Spanisch aus Spanien, ein Relikt aus der Kolonialzeit, gesprochen,\nsondern eine abge\u00e4nderte Form in der besonders einige grammatikalische Gesetze neu\ngeschrieben wurden. So wurden Bibel und Co. in eine neue Version \u00fcbersetzt, die\njetzt auch alle ansprechen soll, wie uns erkl\u00e4rt wird. Diese \u201e\u00dcbersetzungen\u201c\nbeinhalten auch oft eine andere Nachricht als die deutsche Variante, die eben\nschon lange nicht mehr angepasst wurde. Beispiel, \u201eVater unser\u201c<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Deutsch: &#8222;und f\u00fchre uns nicht in Versuchung&#8220;<\/li><li>Argentinien: &#8222;no nos dejes caer en la tentacion&#8220; [&#8222;lass uns nicht in Versuchung fallen&#8220;]<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Und das ist nicht das einzige Beispiel. Hier wird\nschon mal von einem ganz anderen Gott ausgegangen. Einem Menschenfreund, der da\nsein will.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Glaube zum Anfassen<\/h4>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Argentinier, die ich getroffen habe, ist Gott\nalso unmittelbar in ihrer N\u00e4he. Und das nicht nur im Gottesdienst. Wenn sie in\neiner Kirche sind, gehen Gl\u00e4ubige oft zum Tabernakel, wo die Hostien aufbewahrt\nwerden, und legen ihre H\u00e4nde darauf. Manche schlie\u00dfen auch die Augen. Was in\nDeutschland schon allein wegen einer Alarmanlage im vorderen Kirchenteil gar\nnicht m\u00f6glich w\u00e4re, ist hier vollkommen normal. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"537\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Misa-1024x537.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-333\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Misa-1024x537.png 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Misa-300x157.png 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Misa-768x403.png 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Misa-900x472.png 900w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/Misa.png 1111w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Nach der Messe bildet sich eine Traube um die Marienstatue<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Genau so \u00fcblich ist es zudem, wenn eine Marien- oder Heiligenstatue in der N\u00e4he ist, auch diese kurz zu ber\u00fchren. Ich muss zugeben, anfangs war ich auch nicht so begeistert. Statuen- oder G\u00f6tzenkult ist jetzt wirklich nicht so meins. Aber nach einer Zeit habe ich verstanden, dass diese Geste auch gar nicht so gemeint ist. In diesem kurzen Moment des Innehaltens, des Zu-Sich-Findens, versuchen die Menschen Gott ein wenig n\u00e4her zu kommen. Und auch wenn das nur durch das Ber\u00fchren eines Gegenstands geschieht, der sich schon so lange in einer Kirche befindet oder Alltag der Leute einfach begleitet. Es ist weder die Inkarnation eines Heiligen, noch tr\u00e4gt es etwas Heiliges in sich. Aber genauso wie ein Gebet, ein Lied oder auch der Kontakt zu einigen Menschen eine Br\u00fccke zu Gott sein kann, bieten diese \u201eStatuen-Augenblicke\u201c einen Draht zu Gott in Form von Meditation oder Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch unsere Jungs kennen diesen Brauch und haben es\nauch wirklich immer durchgezogen. Die gro\u00dfe Marienstatue im Eingangsbereich des\nOratoriums steht am Dreh- und Angelpunkt der Einrichtung. Auf dem Weg zum\nEssen, zur Schule, wenn das Haus einfach so verlassen wird oder nach unserem\nGute-Nacht-Meditations-Gebet, im Vorbeigehen wird immer schnell eine\nMantelspitze ber\u00fchrt. Von keinem der Betreuer oder Salesianer wurde dies je\nangeordnet, die Jungs machen es von sich aus, auch wenn es nur ein kurzer\nMoment ist. Falls dann mal eine Pr\u00fcfung ansteht, nehmen sie sich doch ein wenig\nmehr Zeit und bleiben einen Augenblick vor der Statue stehen. Mit dem\nrot-blauem Buntglasfenstermosaik im Hintergrund wirkt diese Ecke wie eine\nkleine, ruhige Oase im wuseligen, chaotischen Oratorio.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"915\" height=\"652\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/EIngangshalle.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-337\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/EIngangshalle.png 915w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/EIngangshalle-300x214.png 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/EIngangshalle-768x547.png 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/EIngangshalle-900x641.png 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 915px) 100vw, 915px\" \/><figcaption>Im Herzen des Oratorios<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Drei Ave-Maria und ab ins Bett!<\/h4>\n\n\n\n<p>Ganz so ist unser \u201eBuenas-Noches\u201c (also ein Gute-Nacht-Wort) nicht abgelaufen. Drei Ave-Maria haben wir zwar schon gebetet, aber davor wurden um 23:15 Uhr noch einmal alle zusammengetrommelt. Und als dann schlussendlich alle Jungs, die drei Salesianer und wir zwei Volont\u00e4re in der Runde versammelt waren, gabs einen Song, ein paar gute Gedanken oder (Simon und mein beliebtestes Medium) ein kurzes Video. <\/p>\n\n\n\n<p>Bevor dann alle mit dem abschlie\u00dfenden \u201eBuenas Noches\u201c von uns oder den Salesianern in die Nacht entlassen wurden, haben wir dann eben noch gebetet. Ganz in der Tradition des Gr\u00fcndervaters Don Bosco, der genau in der gleichen Weise, mit ein paar anregenden Gedanken und drei Gebeten an die Gottesmutter gerichtet, mit seinen Schutzbefohlenen die Nacht beendet hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Und auch sonst war der Glaube in der Residencia mit\nden Jungs sehr pr\u00e4sent. Das Beten vor und nach dem Mittag- und Abendessen bildete\ndie unumwerflichen Rahmen der Tagesplanung und seit neuestem wurden die Jungs\njeden Mittwoch in die Messe beordert. Da es ja eine Werktagsmesse mit eher\nwenigen Besuchern und einem eher unspektakul\u00e4ren Ablauf im Vergleich zur\nSamstagsmesse war, hielt sich die Begeisterung eher in Grenzen. Denn was bei\neinem Gottesdienst einfach nicht fehlen kann, ist die Musik. Die war bei den\nMessen von Montag bis Freitag eher reduziert, am Wochenende war sie aber\u2026 <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u2026einfach genial.<\/h4>\n\n\n\n<p>Denn nichts da mit Orgelkl\u00e4ngen, im Oratorio gibt es\neine eigene Band f\u00fcr die Gottesdienste \u2013 genannt \u201eministerio de musica don\nBosco\u201c. Das \u201eMinisterium\u201c hat nicht nur drei S\u00e4ngerinnen und ein Keyboard,\nsondern auch ein gro\u00dfes Schlagzeug und eine Soundanlage. Da ist es auch schon\nmal ganz normal, dass die Gl\u00e4ubigen im Rhythmus klatschen und nat\u00fcrlich\nlautstark mitsingen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.instagram.com\/p\/CACM_Z9D8nK\/?utm_source=ig_web_copy_link\n<\/div><figcaption>Ein Song der hauseigenen Band, f\u00fcr mehr: Schaut auf dem Instagramaccount vorbei!<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Allgemein ist die Musik in der ganzen\nDon-Bosco-Gemeinschaft extrem wichtig. Es gibt Salesianern, die selber St\u00fccke\nschreiben und eine Band namens \u201eAristophanes\u201c (bestehend aus Animadores), die den\nSoundtrack f\u00fcr unz\u00e4hlige \u00fcberregionale Jugendtreffen aber auch Meditationen\ninnerhalb der \u00f6rtlichen Jugendgruppe liefern. Dabei sind die Songs weder\nangestaubt noch langweilig, Rhythmen aus argentinischer Musik und Texte,\nangelehnt an Erfahrungen ihres \u201eservicios\u201c bei Projekten von Don Bosco in\nArgentinien. H\u00f6rt doch selbst mal rein, die Texte lassen sich auch wunderbar im\n\u00dcbersetzer lesen\u2026<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Don-Bosco-Spirit<\/h4>\n\n\n\n<p>Die jungen Erwachsenen, die sich bei Don Bosco als\nAnimadores engagieren, sind von der Musik auch begeistert. Denn oft beinhalten\ndie Liedtexte \u201elemas\u201c (Mottos oder Grundgedanken) \u00fcber ihre Arbeit bei und mit\nDon Bosco. Und ermutigen auch: Ihr seid mit den Jugendlichen und Kindern\nunterwegs, organisiert mit ihnen Spiele, seid eine Bezugsperson und begleitet\nsie auch pers\u00f6nlich, ihr steht in den Fu\u00dfstapfen Don Boscos. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201cDon Bosco tambi\u00e9n te so\u00f1o\u201d <\/p><p>(\u201eDon Bosco hat dich auch getr\u00e4umt\u201c, eine Anspielung auf die Tr\u00e4ume des jungen Johannes Boscos in seiner Kindheit und seinen Traum eines \u201eOratorios\u201c, also einer Einrichtung f\u00fcr Kinder und Jugendliche) <\/p><cite> \u201eEl oratorio est\u00e1 en vos\u201c von Alejandro Fern\u00e1ndez<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bei den Jugendtreffen, die wir miterlebt haben, konnte man diese \u00dcberzeugung sp\u00fcren. Junge Menschen, die Wochenende f\u00fcr Wochenende ihre freie Zeit sausen lassen und sich in Jugendgruppen oder Religions-\/Firmunterricht engagieren. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr sie beinhaltet die Arbeit auf dem \u201epatio\u201c (der \u201eHof\u201c, also der Ort, an dem sich die Aktivit\u00e4ten abspielen) alles, was im Leben wichtig ist: Gemeinschaft, Solidarit\u00e4t, Spiel und Spa\u00df. Und nat\u00fcrlich auch: Religion, Glaube und Spiritualit\u00e4t. Bei solchen Treffen wie das Zatti Joven in Tucuman geht es dabei nicht die ganze Zeit meditativ und still zu. \u201eGlauben leben\u201c bekommt einen v\u00f6llig anderen Charakter, denn die eigene \u00dcberzeugung ist in allen Lebenslagen pr\u00e4sent. Egal ob allein oder zusammen, in H\u00f6hen und Tiefen, immer. <\/p>\n\n\n\n<p>Das allersch\u00f6nste an diesen Treffen war es aber die Freude zu sehen, mit der die Animadores ihren Glauben leben. Beim Song \u201eCreemos en el dios que ama los jovenes\u201d (\u201cWir glauben an den Gott, der die Jugendlichen liebt\u201c, eine Art alternatives Glaubensbekenntnis) h\u00fcpfen alle auf und ab, bis sie, wenn der Refrain beginnt, pl\u00f6tzlich aufeinander in die Mitte rennen, bzw. springen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"979\" height=\"641\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/CDED.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-335\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/CDED.png 979w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/CDED-300x196.png 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/CDED-768x503.png 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/tauschealpengegenanden\/wp-content\/uploads\/sites\/21606\/2020\/05\/CDED-900x589.png 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 979px) 100vw, 979px\" \/><figcaption>Laut, Chaotisch, voller Leben &#8211; so kann Glaube sein!<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Es ist nur eine Religion, aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben. <\/p><cite>Immanuel Kant<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und tats\u00e4chlich gibt es viele Formen. Ich will nicht\nsagen, dass eine dabei besser ist als eine andere. Zudem ist es auch nicht so,\ndass es immer nur schwarz-wei\u00df ist, ich finde sogar, dass nicht nur jede\nGemeinde, sondern auch jeder f\u00fcr sich selbst auf verschiedene Weisen seinen\nGlauben praktiziert. Es gibt also unglaublich viele Glaubensformen. Dabei hat\nmich die salesianische Art, wie man Glaube im Oratorio lebt und vermittelt,\neinfach am meisten abgeholt. F\u00fcr mich ist so der Glaube n\u00e4her am Menschen und\nbesticht in seiner Einfachheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Besonders jetzt \u2013 in Zeiten von Corona, Existenz\u00e4ngsten und dem Verzicht auf soziale Kontakte \u2013 wollen die Salesianer nah an den Menschen sein. Also gibt es unz\u00e4hlige Livestreams \u00fcber soziale Netzwerke von h\u00f6chster Stelle, wie der Gemeinschaft aller Salesianer im Norden Argentiniens (donbosconorte), bis hin zu den kleinsten Einheiten, wie auch unserem Oratorio. So \u00fcbertragen unsere Salesianer seit Ostern jeden Sonntagabend (20:00 Uhr in Argentinien, 01:00 Uhr deutsche Zeit) die Sonntagsmesse, genauso wie t\u00e4gliche Gebetsmomente um 23:00 Uhr (04:00 Uhr unsere Zeit).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Interesse hier der Instagram-Account und der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/OratorioDonBoscoSDE\/?epa=SEARCH_BOX\">Link zum Facebook-Profil.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.instagram.com\/tv\/CAZI_yjji-A\/?utm_source=ig_web_copy_link\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nachtschicht<\/h4>\n\n\n\n<p>Und wenn es mir zeitlich ausgeht (bzw. wenn es mein Schlafrhythmus\nhergibt), bin ich gerne dabei. F\u00fcr mich hat sich in diesem Jahr viel ver\u00e4ndert:\nMeinungen zu bestimmten Themen, angestrebte Lebensziele, Freundeskreise, meine\nWahrnehmung. Und auch eben mein Glaube. Es ist nicht so, dass ich jetzt in ein\nKloster eintreten oder den ganzen lieben langen Tag Kirchenlieder und Songs aus\ndem Oratorio anh\u00f6ren werde. Aber mich wird mein Glaube jetzt anders begleiten\nals fr\u00fcher, auch weil wir ja noch immer gut mit den Leuten aus dem Oratorio in\nKontakt stehen. Und jetzt, wieder in Deutschland angekommen, mit den T-Shirts,\ndie mich am Anfang noch so sehr irritiert und verwundert haben, habe ich\neigentlich gemerkt, was sich alles eigentlich ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss bleibt mir noch zu sagen: Diesen Eintrag\nhabe ich schon l\u00e4nger geplant, er ist weder aus Melancholie noch aus Langeweile\nentstanden. Ich wollte einfach gerne so etwas besonderes mit euch teilen. Der\nletzte Eintrag war es aber noch immer nicht, denn eigentlich bleibt mir ja noch\nso viel zu erz\u00e4hlen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin: Alles Gute, <\/p>\n\n\n\n<p>Eure Martha<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Falls ihr noch mehr zu unserer Zeit in Argentinien lesen wollt, schaut doch beim Blog vom <a href=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/messimatemerienda\/\">Simon <\/a>vorbei. Er erz\u00e4hlt euch, was ihm an Santiago fehlen wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist September und wir sind gerade in Argentinien angekommen. Viele Dinge, die Simon und mir t\u00e4glich \u00fcber den Weg laufen, sind noch neu, interessant und manchmal sogar unverst\u00e4ndlich oder verwirrend (ich lasse hier mal den Begriff \u201eSprachbarriere\u201c fallen). 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