Hallo zusammen (:

Mittlerweile bin ich also echt in Afrika. Ist irgendwie immer noch komisch zu wissen, dass das jetzt für ein Jahr mein Zuhause wird. Seit ich hier angekommen bin, ist schon viel passiert. Aber von vorne:

Ich möchte mich nochmal für die zwei wunderschönen Abschiedspartys bedanken, bei allen, die mich nochmal besucht haben und vor allem bei meiner Familie, die mich in dem hier so unterstützt. Dank euch konnte ich guten Gewissens aufbrechen. Und vielen Dank auch an alle, die bisher gespendet haben! Letzten Dienstag, am 1. September, ging’s also vom Frankfurter Flughafen aus los. Etwa um halb 11 abends sind wir losgeflogen und am nächsten Morgen in Addis Abeba, Äthiopien, gelandet. Dann sind wir weiter nach Abidjan, der größten Stadt der Côte d’Ivoire. Waren beides ziemlich lange Flüge. Dementsprechend waren wir auch ziemlich kaputt. Das sieht man auch an meinem Bild, das noch am Flughafen für mein Visum gemacht wurde.^^

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schon über afrikanischen Boden

Als wir in Abidjan aus dem Flugzeug gestiegen sind, ist uns sofort die feucht-heiße Luft entgegen geweht. So ist es hier die ganze Zeit, auch wenn die Sonne nicht zu sehen ist. Zurzeit regnet es auch immer wieder, und das dann sehr stark.

Abgeholt wurden wir von Soeur Rosanna, der Direktorin unseres Projekts. Die Arme hat ziemlich lange auf uns gewartet, weil wir erstens etwas später losgeflogen sind und dann beim Visum ein paar Schwierigkeiten hatten. Mit einem kleinen Umweg, um erste Eindrücke von Abidjan, der Elfenbeinküste, oder Afrika allgemein zu erlangen, sind wir zum Projekt der „Soeurs Salésiennes“ in Abidjan gefahren. Der Verkehr war ein echtes Chaos. Die ganze Zeit wurde gehupt und gedrängelt. Sind aber heil angekommen.

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Auf den Straßen von Abidjan

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Benedikt, Nora und ich (:

Es war wirklich toll zu sehen, wie bunt alles ist. Man hörte laut Musik auf den Straßen, sah Menschen große Schüsseln auf dem Kopf balancieren und Gepäck auf den Dächern von Bussen festgebunden. Nachdem wir uns ein bisschen von der Reise erholt, im Dunkeln geduscht und den Eltern eine kurze SMS über unsere sichere Ankunft geschrieben hatten, waren wir in der Messe. Es war wirklich interessant, wie organisiert das alles war. Jeder wusste, wann er was sagen musste. Sogar mein Mitvoluntär Benedikt durfte was lesen. Es wurde sehr viel in Begleitung von einer Trommel und einer Rassel gesungen.September 2015 032

Überall in der Elfenbeinküste werden wir sehr nett aufgenommen. Alle kommen her, geben dir die Hand und wünschen dir „bonne arrivée“. Eine Gruppe von Mädchen hat uns sogar ein Lied gesungen. Beim Abendessen wurden dann noch der Geburtstag des Priesters und einer Schwester gefeiert. Ich werde wohl ein Jahr lang kein Vollkornbrot und richtige Milch sehen. Es gibt hier immer Baguette und Milch kann man sich aus Milchpulver und heißem Wasser rühren.

Wir sind dann schon ziemlich früh ins Bett. Wurden aber ab vier Uhr halbstündlich von einem Minarettsänger geweckt. Weil meine Mitvoluntärin Nora und ich keine Passfotos für die Visumsverlängerung dabei hatten, ist vor unserer Abfahrt noch ein Fotograf vorbeigekommen. Der hat uns mit seiner Digicam vor eine weiße Wand gesetzt und für umgerechnet 3,75€ Fotos gemacht. Alles Weitere werden die Schwestern in Abidjan für uns organisieren.

Der Weg nach Duékoué ging einfach immer gerade aus. Man sah neben der Autobahn immer wieder Menschen, die irgendetwas auf ihrem Kopf balancierten. Die Straßen hatten viele Schlaglöcher, denen wir immer ausweichen mussten. Die Landschaft ist richtig schön saftig grün. Wir haben schließlich auch die Savanne durchfahren. Auch ein bisschen vom tropischen Regenwald haben wir gesehen.

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die Savanne

In Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, haben wir eine Pause gemacht, um die „Notre-Dame-de-la-Paix“ zu besichtigen. Die Basilika ist nach dem Vorbild des Petersdoms aufgebaut und ist sogar mit seinem Kuppelkreuz die höchste Kuppel der Welt (die Kuppel selbst ist kleiner als beim Petersdom). Das ganze Gebäude ist wunderschön. Oben auf der Plattform wurden Nora und ich nach einem Foto mit uns gefragt und wir haben einen Ivroer kennengelernt, der sogar ein bisschen deutsch konnte.September 2015 083DSC00064

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Die wunderschöne Notre-Dame-de-la-Paix von innen

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Hier sieht man schon von fern den Berg, dem Duékoué seinen Namen zu verdanken hat. „Duékoué“ heißt übersetzt nämlich „Elefantenrücken“.

Mittlerweile habe ich nun mein Zimmer eingerichtet. Die Mädchen haben gerade noch Sommerferien, es gibt hier also noch nicht allzu viel zu tun. Gestern haben Nora und ich mit dem Gärtner der Mission einen Spaziergang durch Duékoué unternommen, weil er uns sein Haus zeigen wollte. Wir haben viele Hände geschüttelt, geredet und gewunken. Ein kleiner Junge hat ganz große Augen gemacht und ist gleichmal zwei Schritte nach hinten gestolpert, als er uns gesehen hat. Eine Frau hat sehr lange auf uns eingeredet, sie mit uns nach Europa zu nehmen. Währenddessen sind viele Kinder gekommen. Anfangs haben sie sich immer versteckt und vorsichtig gespitzelt. Nachdem alle mal meine Haare angefasst hatten, meinte ein Mädchen, ich hätte „Traumhaare“, dabei bin ich doch die, die fasziniert von den Haaren und vor allem den Frisuren der Frauen hier ist. Ich freue mich schon drauf, wenn mir die Haare so geflochten werden.

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Aussicht über Duékoué

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Später gab es von Père Carlos eine Führung durch das Missionsgelände. Es ist wirklich riesig. Während der Krise in der Elfenbeinküste nach den Präsidentschaftswahlen und vor allem während des Massakers in Duékoué hat dieses Gelände 2011 30.000 Flüchtlinge aufgenommen und ihnen Schutz geboten. Zur Mission gehört auch eine große Plantage, wo unter anderem Kautschuk gewonnen wird. Außerdem haben wir die verschiedenen Ausbildungszenten gesehen, einige Klassenräume und die Kirche. Dazu gibt es hier auch noch eine kleine Krankenstation.

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Kautschuk

Mit Sr. Rosanna haben wir unsere Aufgaben für das Jahr besprochen. Vormittags werde ich nun Matheunterricht geben, nachmittags oder abends die Mädchen der Internats außerhalb der Schulzeiten betreuen. Jeden Sonntag gibt es das Oratorium, wo alle Kinder kommen können, um zu spielen und zu lernen. So wie’s aussieht werde ich tatsächlich ein Karatetraining leiten können. Außerdem wechseln Nora und ich uns bei Bibelstunden für Vorschulkinder ab, was jeden Mittwoch Nachmittag stattfindet. Ich freue mich schon richtig drauf. Jetzt gilt es aber noch mich an das Französisch hier zu gewöhnen und mich allgemein einzuleben.

Bis bald aus der Elfenbeinküste (:

Eure Selina

+++kleiner Nachtrag:

Wir erleben hier irgendwie zu viel auf einmal 😀
Gestern haben wir mit unseren ersten Freunden eine kleine Wanderung auf einen nahe gelegenen Felsen unternommen. Wir hatten von da oben eine wunderschöne Aussicht über Duékoué und die Landschaft drumherum. Einfach „manifique“. (:
Aber seht selbst:

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Über den Dächern von Duékoué

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Die zwei Jungs außen haben sich einfach mal ins Bild gesetzt. 😀

Bei unserem Spaziergang am Rand von Duékoué haben Kinder ganz aufgeregt „toubabou“ geschrien, was soviel wie „Weiße“ heißt. Außerdem haben wir leider Gottes ein Baby zum Weinen gebracht. Das tat mir echt leid.^^

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Diese Meute ist zusammengekommen, um uns ganz still zu beobachten. Nach diesem Foto sind sie freudig rumgerannt und haben geschrieen. 😀

Also nun: A bientôt! (: