Die Sache mit dem Wasser..

..stellt sich in unserer Kommunität zurzeit etwas schwierig dar. Denn wir haben gerade keins, zumindest nicht fließend aus dem Hahn, was einige Lebensbereiche gegenwärtig interessant gestaltet. Seit einer Woche ist nun der Motor der Pumpe, die uns mit Wasser versorgt kaputt und ernüchternderweise kommt kein Tropfen aus einem aufgedrehten Wasserhahn. Prompt wurden alle mit 20l Eimern, die ehemals Farbe beinhalteten, ausgestattet, um zu duschen und die Klospülung aufzufüllen, welche im übrigen einen enormen Wasserverbrauch hat. Insgesamt wird mir jetzt wahrscheinlich zum ersten Mal richtig bewusst, wofür man tagtäglich Unmengen an (Trink-)Wasser verwendet. Heilsam auf jeden Fall für einen bewussten Umgang mit Ressourcen, aber zugegebenermaßen auch aufwendig, vor allem da wir das Wasser selbst in den Eimern von den Salesianer-Schwestern holen müssen. Zwar wohnen wir quasi Tür an Tür, trotzdem zählt Eimer schleppen und beten, dass dort gerade etwas aus den Hähnen kommt, die überall im Freien sind, zu den Dingen, die mir definitiv an der gegenwärtigen Situation nicht fehlen werden. Auch Wäsche waschen ist nicht nur kraft-, sondern auch zeitaufwendig, zumal ich gerade dabei eine solche Phase erwischt hatte, in der auch das Wasser auf dem Nachbargrundstück versiegt war und ich glücklicherweise, da mit meinem Dusch-Eimer gut gehaushaltet, in der Lage war die Waschaktion zu Ende zu bringen. Stolz bin ich allerdings schon ein wenig, dass ich erstens in der Lage bin mit ca. 5l ausgiebig zu duschen und ich mir sonst daheim immer vorwerfen lassen musste, ich würde unsere Wasserrechnung mit exzessiv langem Verweilen unter der Dusche in die Höhe treiben. Das ist zugegebenermaßen wohl teilweise auch so gewesen, gehört nun aber der Vergangenheit an, da ich abends nur mit einem Becher bewaffnet zur Tat schreite und das Wasser außerdem, da wirklich eiskalt nicht besonders zum Verweilen einlädt..aber wie sagt man bei uns so schön? Nur die Harten komm´ in Garten oder in Mansa eben geduscht ins Bett! 😉

Die Eimer fein säuberlich vor jedem Zimmer aufgereiht…

Fröhliches Duschen!

Analoge Waschmaschine.

Sunday, Funday!

Jedenfalls für Hannah und mich, denn am Sonntag wird unsere Kommunität üblicherweise mit Spenden, vor allem Sachspenden, die sich in Naturalien ausdrücken, von Gemeindemitgliedern versorgt. Dann gibt es Tomaten, Cassava (Maniok, welches hier einen großen Stellenwert als Grundnahrungsmittel besitzt), Zwiebeln, teilweise schon gekochte Gerichte, wie vor allem Fleisch, Kraut und Nshima, eine aus Maismehl aufgekochte Masse, die zu jedem Mittag als Beilage serviert wird und von Brother John einmal so kommentiert wurde: „Nshima, hat zwar keinen Geschmack, aber trotzdem mag man es.“ Kommen wir aber jetzt zum meistens amüsanten Part, wenn nämlich die Spenden der etwas anderen Art auf einmal in der Vorratskammer liegen und anfangen Geräusche von sich zu geben.. Denn jede Woche aufs Neue bekommen wir lebende Tiere gespendet, zumeist Hühner, letzte Woche erstmals auch einen Hahn, mit dem besonders ich meine helle Freude hatte, aber dazu später mehr. Spannend wird es auf jeden Fall immer dann, wenn die Hühnchen versteckt in irgendeiner Ecke lauern, um einen beinahe zu Fall zu bringen, wenn man gänzlich unvorbereitet eigentlich nur ein Brot aus der Tiefkühltruhe holen möchte und denkt man sei in der Lage den Weg dorthin zu finden, ohne das Licht in der Vorratskammer anzuschalten.. Wie uns berichtet wurde, soll es auch schon vorgekommen sein, dass jemand mal eine Ziege vorbeigebracht hat, in diesem besonderen Fall möchte ich dann aber bitte vorgewarnt werden, weil solch eine Begegnung im halbdunkel mir mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt bescheren würde. Die Tiere werden natürlich an die Salesianer gegeben, um von unserer Küchenfrau (die von Montag bis Samstag Frühstück und Mittag zubereitet..) zu Essen verarbeitet zu werden, was wir am Anfang auch ein wenig befremdlich fanden, frei nach dem Motto:“Heute in unserer Küche, morgen im Kochtopf“, obwohl wir daheim ja auch Fleisch konsumieren, allerdings eben im Normalfall nur das fertige Produkt erwerben und den Prozess des Schlachtens nicht bewusst oder eher weniger vordergründig wahrnehmen müssen, wenn wir darüber nicht gezielt nachdenken.

Was tut man nicht für´s Foto..

Zum Glück gekräht…

Oder eher in den Wahnsinn, denn den Hahn betreffend, hätte ich die Sache beinahe selbst in die Hand genommen und meine Empathie auf Eis gelegt, da jener der Meinung war uns mit seinem, wirklich weder melodisch noch in irgendeiner anderen Art angenehmen Krähen, jeden Morgen pünktlich um 04:50 Uhr beginnend, wecken zu müssen. Einmal sogar mit einer Ausdauer, die mich schier aus dem Bett trieb, bereits  fest den Vorsatz gefasst, ihm den Hals umzudrehen.  Es blieb dann allerdings doch bei einem ziemlich nachdrücklich geknurrten “ Nun sei doch endlich still!“, was das Tier nur leider herzlich wenig beeindruckte, weshalb ich mich gezwungen sah ihn schließlich mit einem Tritt zurück in die Küche zu befördern und die Tür zuzuknallen. Meine Laune war mehr als unterirdisch, da ich im Bett liegend, anfangs gehofft hatte der Hahn würde nach zehn Minuten Ruhe geben, was aber leider nicht der Fall war und irgendjemand wohl versehentlich die Küchentür aufgelassen hatte, weshalb sich das Hähnchen eingeladen fühlte auf dem Flur spazieren zu gehen und dann direkt vor meiner Zimmertür entschieden haben muss, sein furchtbar röchelndes Krähen zum Besten zu geben. Und wenn ich um diese unchristliche Zeit gezwungenermaßen das Bett verlasse, sollten alle Gründe, die in der Lage sind sich zu bewegen, mit äußerster Vorsicht schleunigst das Weite suchen..

Störenfried in Aktion.

Außerdem…

..haben wir den Geburtstag von Father John gefeiert, mit einem netten Abendessen bei Eis und selbstgemachtem Kuchen, der zum Glück gut ankam. Wenigstens das Abendbrot gemeinsam einzunehmen, ist ein Bestandteil der Kommunität, den ich sehr schätze, da man die Möglichkeit hat sich auszutauschen und gemeinsam zu lachen, was teilweise auch für aufreibende Tage entschädigt.

Brother John und Father John (v.l.n.r.)

In der Schule sind gerade die Neunten Klassen mit ihren Jahresprüfungen beschäftigt, da hier nach der siebten, neunten und zwölften Klasse die sogenannten „exams“ abgelegt werden müssen, die entweder einen Wechsel in die nächsthöheren Stufen oder im Falle der Zwölften, den Abschluss bedeuten. Die Schüler werden nach Fachbereichen innerhalb mehrerer Wochen geprüft und ich durfte ein wenig bei den diesjährigen Sport- und Hauswirtschaftsprüfungen dabei sein und hatte somit die Gelegenheit ein paar Schnappschüsse aufzunehmen…

Freiluftkochen.

Zeit, um für ein Foto zu lächeln, ist immer! 😉

Sportprüfung. Hier werden gerade die vorbereiteten Übungen vor dem Komitee präsentiert.

So sprudeln also gegenwärtig die Quellen des Lebens nur im übertragenen (und natürlich geistigen!) Sinn, aber wir sind alle zuversichtlich, dass das Problem mit dem fließenden Wasser bald behoben sein dürfte. Am meisten beglückt mich der Gedanke an eine funktionstüchtige Klospülung, unglaublich, aber wahr…es sind eben manchmal die scheinbar selbstverständlichen Dinge..damit schließe ich diesen Beitrag mit dem diesjährigen Motto der Salesianerprovinz, der Sambia angehört, welches da passenderweise lautet: „Sir, give me this water.“ (John 4:15)

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  1. Annalena

    Wow, ich merke mal wieder mit welcher Selbstverständlichkeit ich täglich den Wasserhahn aufdrehe oder unter die Dusche springe und dabei auch gerne mal die Wasserrechnung in die Höhe treibe (wer einem diesen Vorwurf nur immer gemacht hat *hüstl hüstl*)
    Jedenfalls Respekt, wie du das alles meisterst, ich hoffe bei euch fließt das Wasser auch bald wieder!
    Ja und zu der Sache mit den lebenden Hühnern in der Küche möchte ich nur anmerken, dass ich mich wirklich vor diesem gruseligen Federvieh fürchte 😉

    • Rosa Patzina

      Stimmt! Wer kann das wohl gewesen sein??..
      Die neue Pumpe ist glaube ich sogar mittlerweile gekauft, mal sehen, wann die Leitungen wieder geflutet werden..;)
      Und die Hühner heben einen irgendwann auch nicht mehr an, so nach dem Motto… “oh, schon wieder eins..” 😀

  2. Jörg Petters

    Hallo Rosa,

    ich weiß ja nicht ob Mama und Papa Dir gestern noch von Christianes und Holms Feier berichten konnten. Heute morgen sind sie beim Aufbruch nach Ungarn bestimmt nicht dazu gekommen (Volles Haus). Kurz es war sehr schön.
    Annegret und ich haben uns gestern ziemlich lange mit den beiden unterhalten, und sind ehrlich der Meinung „Hut ab“ vor dem, was Du und die anderen Helfer in Sambia leisten. Ich glaube sogar, dass solche Momente ein Leben prägen.

    Liebe Grüße aus Dresden
    Jörg und Annegret

    • Rosa Patzina

      Vielen Dank für den Zuspruch! Es freut mich, dass ihr mein Jahr verfolgt! Ja, man hat mir einige Bilder zukommen lassen. 😉
      Viele Grüße aus Mansa!

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