Muraho liebe Leser*innen! Schön, dass ihr auch bei meinem zweiten Teil des Beitrages vorbei schaut! In den letzten Wochen haben wir relativ viele neue Menschen kennen gelernt. Heute möchte ich euch von einem Ausflug zu einer anderen Sonntagsmesse erzählen und dann kurz ein Thema anreißen, dass ich schon im letzten Beitrag erwähnt hatte: eine ruandische Hochzeit!

Chez les soeurs à Save

Auf der Liste im Salon haben wir schon vor mehreren Wochen eine Spalte zur Sonntagsmesse in Save entdeckt, wussten aber weder , wo das liegt, noch was da eigentlich passiert. Also haben wir Père Léon gefragt, ob wir ihn mal dorthin begleiten könnten. So ging es dann letzte Woche Sonntag um 5:45 Uhr (!) mit dem Auto nach Save. Die Messe selbst „chez les soeurs“ (=bei den Schwestern) startet erst um 6:30 Uhr , aber die Zeit davor haben schon gebraucht, um an zu kommen, denn unser lieber Salesianer ist konstant 40 km/h gefahren… ; )

Die Messe fand in der Kapelle eines Ordens statt und nicht in einer Gemeinde, wie wir erwartet hatten. Als wir bei der Kapelle ankamen dann die nächste Überraschung: die Schwestern des Ordens hatten einen eigenen Seitenflügel, in dem sie -abgeschottet von den restlichen Kirchenbesuchern- an der Messe teilnahmen.

Père Léon erzählte uns ein bisschen von der Geschichte des Ordens und ich hab selbst nochmal ein bisschen recherchiert: bei den Schwestern handelt es sich um Schwestern des Ordens von der Heimsuchung Mariens. Der Orden wurde vom Bischof Franz von Sales gegründet und wurde für  Frauen konzipiert, die gerne ein Ordensleben führen, aber trotzdem eine aktive Tätigkeit ausführen wollen. Daher auch der französische Name des Ordens „les Visitandines“ (visiter= besuchen). Die Schwestern besuchten Kranke, Alte, Bedürftige…doch irgendwann hatte man wohl was dagegen, dass Frauen so aktiv und wohltätig unterwegs sind und machte den Orden zu einem kontemplativen Orden. Schwieriges Wort, i know. Das bedeutet einfach, dass die Schwestern dieses Ordens ihren Fokus nun nicht mehr auf die Außenwelt und andere Menschen legen, sondern auf das Leben in Gemeinschaft und das Gebet zu Gott. Sie machen als nichts anderes als Beten, Singen, Essen und Arbeit in der Kommunität.

Dies wird durch einige Regeln noch sehr verschärft. Der Kontakt zu Leuten, die nicht im Orden sind, ist zum Beispiel sehr eingeschränkt: die Messe muss getrennt von den Anderen gefeiert werden, gegessen werden darf nur mit den Mitschwestern- Besucher essen alleine im Empfangszimmer- und auch , wenn man dann mal Leute empfängt, sind diese durch einen Zaun, der sich durch das Empfangszimmer erstreckt, von den Schwestern getrennt.

Diese ganzen Sachen zu erfahren und auch mit eigenen Augen zu sehen, war echt krass. So was haben Emma und Ich noch nie erlebt und ehrlich gesagt, können wir die Motivation hinter diesem Lebensstil nicht ganz verstehen. Aber für manche scheint das wohl die richtige Berufung zu sein, also können sie ja machen was sie wollen. Der schwarze Zaun im Empfangszimmer hat mich jedoch etwas abgeschreckt und hat so gar nicht zu der sympathischen Oberschwester, dem selbstgemachten Gebäck, das uns angeboten wurde und dem Kuchen gepasst, den Père Léon zu seinem Namenstag vor ein paar Wochen von ihnen mitbekommen hat.

Die Messe an sich war schön und wir konnten auch so Einiges verstehen! Das lag aber wahrscheinlich daran, dass die Messe auf Französisch gehalten wurde… ; )

Anne-Rose aus Deutschland

Vor einigen Wochen haben wir Anne-Rose kennen gelernt. Die gehört zu der Gemeinschaft des Bonifatiusinstitudes und lebt in einer Kommunität in Save. Sie war ein weiterer Grund, weshalb wir mit zur Sonntagsmesse gefahren sind: man lud uns nämlich zum Frühstück bei ihnen ein! : ) Nach der Messe sind wir dann mit Ihr und weiteren Frauen der Gemeinschaft den Weg zu ihrer Einrichtung angetreten: ein ca 15 minütiger Spaziergang runter ins Tal, ideal um sich ein bisschen zu unterhalten. Eine Mitschwester von Anne-Rose erzählte mir einiges über die Gemeinschaft und ich war wirklich beeindruckt. Das Bonifatius Institut hat große Arbeit auf dem Feld des Versöhnung, Frauenbestärkung (ist das ein Wort? Also ich meine sowas wie finanzielle Unterstützung/Ausbildungsplätze/ Mobilisierung von Frauen) und Waisenkinderarbeit nach dem Genozid geleistet und unterhält bis heute einige Anlaufstellen für Waisenkinder, Selbsthilfegruppen, eine Schule etc.

In ihrer Gemeinschaft kann sich jedes Mitglied seine Arbeit selbst suchen oder erstellen. Es gibt Mitglieder die arbeiten in den Schulen der Einrichtung, in Krankenhäusern, als Katecheten in der Gemeinde…ein sehr großer Kontrast zu dem, was wir davor in der Messe bei den Soeurs Visitadines sahen…

Das Frühstück bei den Bonifatiusschwestern war einfach super! Es gab selbstgemachte Butter und Marmeladen, Frischkäse und ganz verschiedene Teesorten. Alle Schwestern waren sehr nett und das kreierte eine sehr gemütliche Atmosphäre. Während wir so am Tisch saßen fiel mir auch auf, wieso mir die Situation so komisch vor kam: das war das erste Mal seit knapp drei Monaten, dass Emma und Ich nur unter Frauen waren! Eine schöne Abwechslung auf jeden Fall ; ) Aus diesem Grund haben wir uns auch sehr gefreut, als man uns einlud, doch nochmal vorbei zu kommen und dann auch ein/ zwei Nächte zu bleiben. Dort in der Kommunität erhält man einige deutsche Weihnachtstraditionen aufrecht und deshalb wurden wir für die Weihnachtszeit zu einem weiteren Besuch eingeladen : )

Ich bin echt schon gespannt, wie Weihnachten hier gefeiert wird…

Orden, Congrégation, Gemeinschaft???

Aber nun zu einem Thema, das mich selbst ein bisschen verwirrt hat und bestimmt auch schon dazu geführt hat, dass ich hier Bezeichnungen falsch eingebracht habe: was ist denn nun der Unterschied zwischen Gemeinschaft und Orden? Und wozu gehören die Salesianer?

Auf Französisch haben wir hier die Salesianer als „Congrégation“ bezeichnet. Das kann man mit dem Wort Kongregation oder Bruderschaft gleichsetzten. Als ich dieses Wort in Bezug auf die Gemeinschaft des Bonifatiusinstituts im Gespräch mit der einen Schwester nutzte, wies sie mich direkt darauf hin, dass sie doch keine Kongregation, sondern eine Gemeinschaft sind.

Dies fasst das Institut Bonifatius als internationale Gemeinschaft und internationales Zusammenleben von Frauen, die gemeinsam oder einzeln ihrer Arbeit nachgehen und im zusammen die Nachfolge Jesu antreten, auf. Aus diesem Grund werden sie auch nicht als Schwestern sondern als „Weggefährtinnen“ bezeichnet.

Dahingegen ist ein Orden eine Lebensgemeinschaft, die durch Ordensregeln und feierliche Gelübde bestimmt ist. Dieses geistliche, gemeinschaftliche Leben findet meist in einem Kloster statt. Zu dieser Form von Ordensgemeinschaften gehören meistens Orden, die schon seeeeeehr lange bestehen. So wie ich das verstanden habe, besteht der Unterschied zu einer Kongregation darin, dass die Mitglieder dieser nur ein „einfaches Glübde“ und kein festliches ablegen und, dass eine Kongregatio nicht direkt unter der „Aufsicht“ des Papstes, sondern unter der des Bischofs der jeweiligen Diözese steht. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht. Das sind jetzt nur Informationen, die ich von Père Léon bekommen habe. Auf Französisch…also gebe ich da mal lieber keine Gewähr, da ich nicht so ein riesiges Vertrauen in meine Übersetzungskünste habe ; )

Ob nun Orden, Gemeinschaft oder doch ein ins sich gekehrtes Leben: was mir dieser Ausflug gezeigt hat, ist dass jeder seinen eigenen Weg gehen kann. Es gibt so viele Möglichkeiten sein Leben mit Gott (oder auch ohne ihn) zu gestalten und dabei Gelichgesinnte zu finden. Alle Menschen, die wir an diesem Tag kennen lernen durften war wirklich sehr nett zu uns und schienen auch mit ihrer Lebenssituation zufrieden zu sein.

Ndashyushye – ich bin aufgeregt!

Letztes Wochenende durfte wir auch die Bekanntschaft von einem baldigen Ehepaar machen: Er kommt aus den USA und Sie aus Burundi, sie haben ein kleines Kind und leben in den USA, sind aber für die Hochzeit für eine kurze Weile in Ruanda. Deshalb lief auch jetzt schon einiges anders ab als bei den Vorbereitungen auf eine traditionelle traditionelle Hochzeit.

Wir sind schon mega gespannt, denn das Ganze (die traditionelle UND die kirchliche Hochzeit) findet schon morgen statt!! Die Beiden sind wirklich sehr nett und wir haben so schon einen kleinen Einblick bekommen, was alles für eine ruandische Hochzeit organisiert werden muss. Auch ist uns aufgefallen, dass die Familie eine sehr große Rolle bei der Planung spielt und Vieles eine Familienentscheidung und nicht alleine die Entscheidung des Brautpaares ist, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Murabeho

Rike