Rike in Ruanda

Mein Jahr in Huye

Dankeschön!

Verrückt, jetzt bin ich schon (quasi) einen Monat wieder in Deutschland und die Tage vergehen wie im Fluge. Mein Rückkehrerseminar steht bald vor der Tür und da wird es höchste Zeit für meinen versprochenen Blogeintrag!

Die letzten Tage waren in Ruanda noch mal schön und aufregend – inklusive vielen Verabschiedungen. Aber in den ersten Tagen in Deutschland und den Rest des Augusts hatte ich das Gefühl, nur ein paar Wochen in Ruanda gewesen zu sein und dafür aber schon Ewigkeiten wieder hier. Das Meiste war normal für mich in Deutschland.

Alles war natürlich nicht normal, an ein paar Dinge musste ich mich wieder erinnern, mir erklären lassen oder einfach feststellen. Meine Begeisterung war in manchen Situationen groß und vielleicht als Außenstehender schwer nachzuvollziehen:
Die Leute sprechen alle Deutsch! Ich war total begeistert über die Polizisten am Flughafen, die mich auf Deutsch begrüßt haben.
Ich kann mit meinen Kolping-Gruppenkindern sprechen und interagieren – Jugendarbeit mit Sprache!
Ein neuer 10 Euro Schein.
Ich habe noch mal nachgefragt, wie man genau Müll trennt: Ja, sonst renne ich in den Garten und verbrenne alles.
Warmes Wasser aus dem Wasserhahn!
Ich musste noch mal nachfragen, wieviel Trinkgeld man denn überhaupt gibt.
Und es ist immer noch eine Disziplin, nicht den gesamten Supermarkt leer zukaufen und alles gleichzeitig zu essen – aber ich habe doch so vieles so lange nicht mehr gegessen …

Meine Reintegration hat aus meiner jetzigen Perspektive bislang ganz gut geklappt. Mittlerweile realisiere ich das Jahr auch als Ganzes, aber durch diese zwei komplett verschiedenen Welten kommt es mir trotzdem weit weg vor.
Kurz nach meiner Rückkehr konnte ich Sätze formulieren wie: „Am letzten Wochenende von meinem FSJ….also vor einer Woche.“ – das hörte sich für mich selbst ein bisschen absurd an.

Alles finde ich hier in Deutschland nicht gut. Allen voran der Plastikverbrauch. Für mich selbst möchte ich Eigenschaften ändern aber nicht belehren – jeder muss es selbst wissen. Inwiefern ich mich selbst verändert habe, merke ich wohl erst nach und nach. Und wahrscheinlich merkt Ihr es auch eher als ich. Dürft Ihr mir übrigens gerne sagen, solltet Ihr etwas merken.

Ja und woran ich noch nicht gewöhnt bin, ist das deutsche Wetter. Brrrrrrr. Neben ein paar warmen angenehmen Tagen, bin ich auch schon in Ski-Unterwäsche herumgelaufen.

Ich freue mich die anderen Don Bosco Volunteers auf dem Seminar wiederzusehen, dass werden lange und lustige Abende mit unzähligen Anekdoten.
Gestern hatte ich einen ganz besonderen Tag: Ich hatte ein Stückchen „deutsches Ruanda“ in Deutschland gehabt. In Butare lebt eine deutsche Missionarin, die momentan Urlaub in Deutschland macht. Außerdem haben Miriam und ich eine andere deutsche Volontärin in Butare kennen gelernt. Und so kam es, dass vier Deutsche – die sich in Ruanda das erste Mal getroffen haben – sich in Deutschland wieder sehen. In Ruanda haben wir uns oftmals für Kaffee und Kuchen getroffen (inklusive deutscher Gemütlichkeit). Ja und jetzt hatten wir diese deutsche Gemütlichkeit in Deutschland und wenn man gestern Heizung und Fenster (inklusive Aussicht) ignoriert hat, hätten wir auch in Ruanda sein können. Da war Ruanda plötzlich viel greifbarer als sonst im Alltag.

Eine sehr interessante Erfahrung war für mich der Besuch meines Direktors aus Ruanda: Pater Raphael, der der Chef meiner Kommunität ist, war in Italien wegen eines großen salesianischen Festes. Miriam und ich haben ihn auch nach Deutschland eingeladen.
Mittwoch bin ich gelandet, Donnerstagnacht ist Pater Raphael mit dem Bus angekommen. Bis Montag habe ich ihn einen kleinen Einblick in mein deutsches Leben und Deutschland gegeben. Zusammen haben wir viel entdeckt: Die Schwebebahn, viele viele Kirchen in Münster, das Bidet (oder auch das mysteriöse niedrige Waschbecken) und (leckere) deutsche Spezialitäten.
Die Tage waren schön aber auch anstrengend und als ich Montagabend wusste, dass nun Miriam für Raphael verantwortlich war und ihn dann auch 5 Tage später zum Flughafen bringen wird, wurde mir bewusst, dass mein FSJ nun komplett vorbei war.
Schon während des Fluges nach Deutschland wurde mir die Heimkehr erst richtig bewusst, als das Flugzeug die Rollbahn in Frankfurt berührte. Aber, wie schon gesagt, alles ist schnell normal geworden. Ich genieße es, alle wieder zu sehen, leckere Essenssachen zu genießen und auf meinen neuen Lebensabschnitt.

Lieben Dank an Euch, dass Ihr mich durch das Lesen, Mails, Briefen und Spenden unterstützt habt. Wenn ich Neuigkeiten zu der Ausstellungshalle bekommen oder sogar Fotos, werde ich sie hier veröffentlichen.

Rike

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2 Kommentare

  1. Monika u. Klaus Peter Juraschek

    Auch wir danken für die Teilhabe an Ihren vielen Erfahrungen und Erlebnissen!
    Wir sind froh, dass Sie wieder wohlbehalten in Schwelm sind.
    Danke, dass Sie sich auch sofort wieder so in der Gemeindearbeit von St. Marien eingebracht haben!!!!!

  2. Mona

    DANKE, dass du uns das Jahr über immer an deinen vielen Erfahrungen und Erlebnissen hast teilhaben lassen! Das war toll!
    Schön, dass du wieder hier bist und wir nun ein Jahr nach dem Abi wieder komplett sind! 🙂 :*

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