Hier jetzt mal ein kleines Update von mir nach zwei Wochen. Hoffentlich kriege ich noch alles zusammen, was seit meinem letzten Blog passiert ist.
Ich beginne mal direkt im Anschluss an meinen letzten Post, der am Sonntag erschienen ist.

Am darauffolgenden Montag sind Marie und ich dann das erste Mal Motorradtaxi gefahren. Zuerst eine sehr ungewohnte Erfahrung, die sich im Straßenverkehr Cotonous auch eher weniger sicher angefühlt hat. Dazu kam auch noch ein zu großer Helm mit einem kaputten Verschluss, der im Falle eines Unfalls vermutlich nicht viel geholfen hätte. Da ich auch zu Hause noch nie Motorrad gefahren bin, ist diese Art der Fortbewegung definitiv gewöhnungsbedürftig für mich.
An diesem Tag waren Marie und ich aber nicht alleine unterwegs, sondern in Begleitung von Claudine, der Leiterin der Baraque.

Die Baraque ist ein weiteres Projekt Don Boscos. Ein einfacher Container mit einigen Bänken und Tischen soll einen sicheren Pausen- und Spielort für die Kinder darstellen, die, anstatt zur Schule zu gehen, auf dem größten Markt Cotonous, dem Dantokpa-Markt, verkaufen müssen.

Diese Arbeit ist keineswegs leicht. Anstatt zumindest im Schatten sitzend zu verkaufen, tragen die Mädchen große, flache Wannen mit verschiedenen Lebensmitteln, zum Beispiel Bananen oder Ingwer, auf ihren Köpfen. Diese bieten sie dann verschiedenen Menschen auf dem Markt an, wobei sie nicht stehen bleiben, sondern in den kleinen Gassen und zwischen den Ständen ständig in Bewegung sind, um neue Kunden zu finden.
In der Baraque spielen Marie und ich dann Spiele wie Uno – bevorzugt wird hier Uno Flip –, Skyjo oder das traditionelle afrikanische Adji-Spiel.
Gebastelt haben wir auch bereits. Da müssen Marie und ich aber noch an unseren kreativen Ideen arbeiten. Bis jetzt kamen wir nur auf eine Papierluftschlange. Spaß gemacht hat es aber trotzdem allen, mit den Zickzackscheren zu schneiden, die Papiere zu bemalen und am Ende die Girlande zu den bereits vorhandenen Kunstwerken an die Wände zu hängen.

Die Baraque gehört zu einer unserer freiesten Arbeitsstellen. Hier müssen wir weder die Haushaltsarbeit noch die Hausaufgabenzeit berücksichtigen, sondern können einfach spielen, was wir wollen.
Leider merkt man den Mädchen hier aber auch die Umgebung an, in der sie aufgewachsen sind. An die Schlägereien, das Schummeln und den Lautstärkepegel müssen Marie und ich uns noch gewöhnen.
Und was ich fast vergessen hatte zu erwähnen: Die Mädchen sprechen aufgrund ihrer mangelnden Schulbildung wenig bis gar kein Französisch (gesprochen wird hier die traditionelle Sprache Fon). Kommunizieren können wir hier wirklich nur mit Zeichensprache und durchs Spielen. Hoffentlich werde ich noch die Möglichkeit haben, Fon zu lernen. Es wäre schade, ein ganzes Jahr mit den Mädchen zu verbringen, ohne wirklich mehr über ihr Leben, ihre Geschichten und das, was sie beschäftigt, erfahren zu können.
Am Dienstagvormittag sind wir dann ins Espace Éveil gefahren, eine Vorschule. Hier dürfen Marie und ich den Unterricht von Tata Carmen und Fofo Jean-Paul unterstützen. Die Vier- bis Fünfjährigen lernen hier Französisch, aber auch Malen, Farben und eigentlich alles, was man bei uns im Kindergarten lernt.

Am Mittwoch hatte ich dann meinen freien Vormittag und habe nachmittags, wie auch schon am Montag und Dienstag, im Foyer bei den Hausaufgaben geholfen.
Am Donnerstag ging es für mich dann das erste Mal zum Maison du Soleil, einer Einrichtung, die sich um den Schutz von jungen Teenie-Müttern kümmert. Aufgebaut ist das Maison wie ein Heim, in dem zehn Mädchen gemeinsam mit ihren Kindern Platz finden. Meistens ziehen die Mädchen bereits schwanger ein und starten dann vor der Geburt ihre Ausbildung.
Anstatt den Mädchen nur ein sicheres Zuhause zu bieten, durchlaufen sie im direkt anschließenden Maison de l’Espérance eine zweijährige Ausbildung. Hierbei können sie sich zwischen Köchin, Bäckerin, Friseurin oder dem Bereich Nägel und Make-up entscheiden.
Nach dieser zweijährigen Ausbildung ist das ultimative Ziel, die Mädchen zurück in ihre Familien zu integrieren, sodass sie mit Unterstützung ihr weiteres Leben bestreiten können. Leider klappt das nicht immer, weshalb es auch Mädchen gibt, die länger im Maison wohnen bleiben.
Maries und meine Arbeit betrifft hier aber nicht die Mädchen, sondern ihre Kinder.
Mit diesen spielen wir, füttern sie, lassen uns an den Haaren ziehen und geben unser Bestes, nicht in Pipi zu treten, wenn doch mal was daneben gegangen ist. Bis jetzt gelingt mir das allerdings eher mäßig.
Auf diesem Bild trage ich eines der Babys auf traditionelle Art auf dem Rücken. Am Anfang etwas ungewohnt, aber sehr praktisch. Aufgrund des Körperkontakts und des eng gewickelten Tuchs schlafen die Babys auf diese Weise auch sehr schnell ein.

Zwar bin ich jetzt erst bei letzter Woche Donnerstag angekommen, da dieser Blog mit den weiteren Ereignissen aber zu lang werden würde, muss ich den Rest wohl auf nächste Woche verschieben. Vielleicht schaffe ich es ja dann, mich etwas kürzer zu halten.

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